Bestzeiten jagten wir am Ring diesmal nicht, das hätten unsere drei unrestaurierten Originale kaum überlebt. Die Belastung für die Autos ist auf der Nordschleife schließlich bis zu 20-mal höher als im Alltag. Doch die Grüne Hölle bietet so viel Abwechslung, dass man nicht mit über 200 km/h an der Antoniusbuche vorbeifliegen muss, um sich über den Charakter unserer Spießer klar zu werden. Der Ascona trägt zu Recht einen Blitz im Grill. Seinen 75 Pferdchen können wir mit Fug und Recht das Prädikat temperamentvoll verleihen. Das üppige Drehmoment der 1,9-Liter-Vierzylindermaschine, immerhin 132 Nm, kommt sogar mit der antiken Dreistufenautomatik spielend klar. Jetta und vor allem der Taunus können dem Ascona nicht folgen.Wenn in diesem Kapitel am Ende doch noch der VW am Opel vorbeizieht, liegt dies am kernigen Motorsound, der tatsächlich anmacht, und am sicheren, kinderleichten Handling. Der Vorderradantrieb zieht den VW allzeit spurtreu um den Ring, vor allem verlangt die Zahnstangenlenkung nicht solche Bärenkräfte wie im Opel Ascona. Die muss sich der Ford-Fahrer auch nicht antrainieren. Dafür sollte er einen Schluck Zielwasser trinken. Eine exakte Rückmeldung, wie stark die Vorderräder gerade eingeschlagen sind, gibt es hier nicht. Und über den 55-PS-Motor wollen wir hier nicht mehr viele Worte verlieren. So ein 1.3er reicht in der Stadt, für Landstraßen und überall dort, wo die Welt ganz flach ist. Wer mehr will, sollte lieber nach einen 1.6er oder 2.0-V6 Ausschau halten. Wenn er noch einen findet ...

Die milden 68er: $(LC594599:Mercedes /8, BMW 2000 und Audi 100 C1)$

VW Jetta
Auch wenn der Jetta den Vergleich für sich entscheidet: In Sachen Coolness hat er keine Chance gegen Taunus und Ascona.
Der Ford verwöhnt jedoch mit seinem kuscheligen Schmusekurs. Viel Platz, angenehm gepolsterte Sessel, gemütliches Ambiente. Schade, dass sein hölzernes Fahrwerk diesem Standard nicht folgen kann. Es trampelt und schunkelt wie eine rheinische Frohnatur auf der Karnevals-Sitzung. Der Opel schaukelt zwar weniger, dafür sorgen seine dünn gepolsterten Sitze auf Langstrecken für drückendere Probleme. Kuschelkönig wird der VW Jetta – mit weichen, gut geformten Sitzen, die auch auf langen Strecken noch passen und im Labyrinth zwischen Hedwigshöhe und Galgenkopf genug Seitenhalt bieten. Jettas Federung ist weich und schaukelig, verschluckt die meisten Nordschleifen-Wellen fast bis zur Unkenntlichkeit. Und im Platzangebot kann der Super-Golf überraschend gut mithalten.
Neidfaktor: Hä, Neid? Eher nicht. Alle drei wecken Sympathien, Erinnerungen, sind nette Typen von nebenan. Und das Design? Reine Geschmackssache. Uns gefallen Ford und Opel besser als der VW. Die Verarbeitung ist bei allen dreien nicht so toll. Aber immerhin noch gut genug für den heutigen Alltag ...

Fazit

Ausgerechnet Superspießer Jetta setzt sich im Ring gegen Taunus und Ascona durch. Aber technisch ist der VW eine Generation moderner, mit Frontantrieb und harmonisch abgestimmtem Fahrwerk. Auf dem zweiten Platz folgt Opel, der sogar einige Sport-Gene in seiner DNA trägt. Ford rollt als Letzter ins Ziel. Kein Wunder: Mit 55 PS ist er im Wanderdünen-Modus unterwegs. Ob sein Fahrwerk auf dem Ring mehr Leistung getragen hätte, können wir leider nicht beantworten.

Von

Andreas Borchmann