Mit frischen Farben, großem Bug und modernisiertem Fahrwerk ging der VW 1970 in die nächste Runde. Neu war er deshalb nicht, aber die Konkurrenz musste sich trotzdem am Käfer messen lassen. Ist das heute auch noch so?
Es ist wie immer. Autos kommen und gehen, aber der Käfer bleibt. Kaum zu glauben, dass der bucklige Volkswagen mit der Selbstverständlichkeit eines Naturgesetzes ein Vierteljahrhundert lang an Vergleichstests teilnimmt. Und dabei regelmäßig unterliegt. Als wollte er es noch einmal allen zeigen, tritt der Käfer hier und heute in Signalfarbe als 1302 S Automatic in Bestform an, mit neuer Federbeinachse im Bug und Mehrlenkerachse im Heck.
Dank dem moderneren Fahrwerk rennt der Käfer 1302 S sicher um die Pylonen. Sport geht aber anders.
Bild: Roman Raetzke
So gibt es ihn ab 1970 bei uns zu kaufen, und rund zehn Prozent der Kunden leisten sich zum Aufpreis von 495 Mark die optionale Halbautomatik. Kuppeln muss der Fahrer nicht, nur oben den Schaltknüppel durch die drei Gänge ziehen und unten kräftig drauftreten – der zweite Gang reicht von null bis Tempo 100. Das macht Spaß, verbreitet einen Hauch Exotik im bekannten Umfeld und wirkt tatsächlich sogar ein wenig sportlich. So satt und zufrieden liegt der 1302 dabei auf der Straße wie kein anderer in unserem Vergleichstest, nur der Simca federt so gut wie er. Im VW-Heck blubbert dabei dumpf und bassig das Bigblock-Triebwerk der Boxer-Baureihe, 1584 Kubikzentimeter groß und 50 PS stark. Damit ist der freundlich lächelnde VW der Hubraumriese im Vergleich und gleichzeitig nominell der Schwächste. Flott fühlt er sich zwar an, aber in Wirklichkeit beschleunigen ihn die quirligen Fiat 128 und Datsun im Vergleichstest gnadenlos aus.
Mit dem großen 1,6-Liter-Motor wird der 1302 zum "Superkäfer". 50 PS schieben den Buckel-Porsche ordentlich an.
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Während die anderen kernig trötend vorbeiziehen, schenkt sich der Käfer ruhig und gemächlich ein: zwölf Liter Testverbrauch! Darunter ging auch früher nix. Wer aber vom dünn gebauten Datsun oder dem nonchalanten Simca in den Volkswagen umsteigt, weiß dieses Völlegefühl zu schätzen: Er fühlt sich behütet und willkommen. Hier drinnen kann nichts passieren, der Käfer ist so dicht, dass bei geschlossenen Fenstern die Türen kaum zugehen. Von der Materialgüte wirkt er eine ganze Wagenklasse besser als der Rest. Kaum biegt der fahraktive, viertürige, modern konzipierte Fiat 128 um die Ecke, ist der Käfer leider ganz schön alt. Er ist nun mal nicht neu, sondern nur ein bisschen modernisiert. Im Innenraum sieht der 1302 von 1970 glatt zehn Jahre älter aus, und Fortschritt wird in Abschleppösen und manuell verstellbaren Lüftungsklappen bemessen. Kaum zu glauben, dass Volkswagen vier Jahre später tatsächlich den Seriensieger Golf rausbringen wird.
So ein VW 1302 macht einfach glücklich. Der vertrauenerweckende Boxerklang, die kuschelige Enge, das wertige Finish und die freundliche Optik erheben den Käfer zum Gesamtkunstwerk. Bei Fahrdynamik, Raumangebot und Variabilität hinkt er weit hinterher – heute wie damals.
Der Käfer als VW 1302 S im Test
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Was der Käfer in seinem Siebziger-Jahre-Outfit mit Knallfarbe, modernenisiertem Fahrwerk und Halbautomatik taugt, muss er in unserem Test beweisen. Damit nicht genug: Er tritt gegen seinen härtesten Konkurrenten, den zeitgenössischen Opel Kadett B, sowie drei weitere Mitbewerber der frühen Siebziger an. Das sind, in der hinteren Reihe von links: Datsun 1200, Simca 1301 und Fiat 128 Limousine – näheres in unserem Vergleichstest.
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Es ist wie immer. Autos kommen und gehen, aber der VW Käfer bleibt. Jahrzehntelang nahm der bucklige Volkswagen mit der Selbstverständlichkeit eines Naturgesetzes an Vergleichstests teil – und unterlag dabei regelmäßig, was seinem Erfolg jedoch über lange Zeit nicht schadete.
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Als wollte er es noch einmal allen zeigen, tritt der Käfer hier und heute in Signalfarbe als 1302 S Automatic in Bestform an, mit neuer Federbeinachse im Bug und Mehrlenkerachse im Heck.
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Derart ausgerüstet liegt der 1302 satt und zufrieden auf der Straße. Dank dem modernen Fahrwerk rennt der Käfer sicher um die Pylonen. Sport geht allerdings anders.
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Die Zwangsentlüftung in der C-Säule ist eine der großen Neuentwicklungen der Generation 1302. Weiterer Fortschritt drückt sich in Abschleppösen und manuell verstellbaren Lüftungsklappen aus. Es ist eben alles relativ.
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Alt und neu, im VW 1302 ist das kein Gegensatz sondern Alltag. Während das Cockpit, das Zweispeichenlenkrad und die Sitze in grau-schwarzem Hahnentrittmuster ganz von vorgestern sind, verbreitet die laute 70er-Jahre-Popfarbe schon etwas moderne Stimmung.
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Der Außenspiegel ist von innen verstellbar, man muss nur das Dreieckfenster öffnen und den Arm hindurchbalancieren.
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Die hintere Gepäckablage – wiinzig wie eh und jeh.
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Als 1970er 1302 S gehört dieses Exemplar zu den Käfern mit den "gotischen" oder auch "Bügeleisen" genannten Rückleuchten – hier sogar mit Rückfahrscheinwerfer.
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Zehn Prozent der Kunden leisten sich zum Aufpreis von 495 Mark die optionale Halbautomatik. Kuppeln muss der Fahrer nicht, nur oben den Schaltknüppel durch die drei Gänge ziehen und unten kräftig drauftreten – der zweite Gang reicht von null bis Tempo 100. Weiterer Luxus zeigt sich im (hier allerdings nicht originalen) Autoradio.
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Im VW-Heck blubbert dumpf und bassig das Bigblock-Triebwerk der Boxer-Baureihe, 1584 Kubikzentimeter groß. 50 PS schieben den Buckel-Porsche ordentlich an und harmonie- ren gut mit der optimalen Dreigang-Halbautomatik. Mit diesem Triebwerk wird der Buckel-Porsche zum Superkäfer – auch, was den Verbrauch betrifft: Zwölf Liter im Test, darunter geht nichts.
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So ein VW 1302 macht einfach glücklich. Der vertrauenerweckende Boxerklang, die kuschelige Enge, das wertige Finish und die freundliche Optik erheben den Käfer zum Gesamtkunstwerk. Bei Fahrdynamik, Raumangebot und Variabilität hinkt er seinen Zeitgenossen allerdings weit hinterher.
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So wird er ewig in unserer Erinnerung bleiben. "Clementine" hieß übrigens nicht nur die Waschmittel-Fachfrau aus der Fernsehwerbung sowie eine Frucht, sondern (nach letzterer) auch diese Lackfarbe bei VW.