Nach der Papierform haben wir den Sieger vor uns. Der Simca 1100 bringt zum Vergleich schlicht und ergreifend die modernsten Zutaten mit: Quermotor, Frontantrieb, Heckklappe, umklappbare Rückbank – so werden heute noch praktische, alltagsgerechte Autos gebaut. Und wir verneigen uns umso tiefer, weil der variable Franzose schon vor 40 Jahren keine Neuheit mehr war. 1967 wurde er vorgestellt, die Lücke zwischen der Konkurrenz aus Renault 4 und 16 füllte er perfekt. Damals gehörte SIMCA (Société Industrielle de Mécanique et Carrosserie Automobile) schon zu Chrysler; als der 1100 schließlich 1981 abtrat, hieß der Besitzer Peugeot.
Simca 1100 GLS
Slalom? Nein danke! Als Fronttriebler alter Schule fährt der bequeme Simca 1100 lieber geradeaus.
In Teilen lebte der Simca als schräger Pseudo-SUV-Vorläufer Matra Rancho und im direkten Nachfolger Talbot Horizon weiter, als praktischer Kleintransporter hielt er sogar bis 1985 durch. Über zwei Millionen 1100-Derivate wurden gebaut. Chapeau! Weil die nahezu komplett eingeschmolzen wurden, ist ein modisch aufgebrezelter, später 1100 GLX mit zeitgenössischen Verwöhnextras eine Sensation. Der kreischend laute Goldton – eine originale Lackfarbe – in Tateinheit mit schokobraunem, nicht entgratetem Dünnplastik und butterweichen Sitzmöbeln garantiert maximale 70er-Jahre-Stimmung. Man kennt solche Einrichtungen von gelbstichigen Farbbildern. Fehlt nur noch die Fototapete. Innen ist er der Größte und sieht von allen fünfen im Vergleichstest am erwachsensten aus, fast schon repräsentativ nach Mittelklasse.

Charmanter Chic: Französische Autos der 70er

Simca 1100 GLS
Der quer montierte Vierzylinder des 1967 vorgestellten Simca 1100 ist ein zäher und rauer Treibsatz, hat aber Nehmerqualitäten.
Aber, Überraschung, Käfer und Kadett sind länger, der zierlich erscheinende Fiat neun Zentimeter kürzer. Der Simca ist fast immer Mittelmaß, das ist sein Handicap. Er ist selten, aber nicht exotisch. Er fährt stoisch geradeaus und nimmt Kurven als lästiges Übel hin. Er hat bequeme Sitze, aber die Lenkung vermittelt das Gefühl, die Reifen seien platt. Er federt am komfortabelsten, hat aber den lautesten Motor. Bei hohen Drehzahlen klingt der Vierzylinder, als würden rostige Nägel in einem Eimer umgerührt. Auch Fahrwerk und Getriebe machen Lärm, das erzieht zu ruhigem Fahrstil. Bei 90 km/h, dem Tempo der alten französischen Autoroutes, fühlt sich der Simca am wohlsten. Der Fahreindruck hinterlässt Ratlosigkeit: Ein gutes Auto, wegweisend konstruiert, mit großen Ideen und kleinen Macken. Trotzdem bleibt das heiße Begehren aus – vielleicht ist er zu modern für Oldtimerfreunde.

Fazit

Mit guten Ideen und Schwächen im Detail bleibt der modern konstruierte Simca 1100 im Vergleichstest nur zweiter Sieger. Er ist hübsch, nicht schön. Modern, nicht fahraktiv. Praktisch, aber nicht verführerisch. Er ist immer irgendwo dazwischen. Und er ist ein heißer Tipp für frankophile Individualisten.