BMW Baur Topcabriolet TC4

BMW Baur Topcabriolet TC4 BMW Baur Topcabriolet TC4

BMW Baur Topcabriolet TC4

— 19.03.2009

Baurs letzte Offenbarung

So anders, so endgültig. Das BMW Baur Topcabriolet TC4 war ein Charaktertyp abseits aller Trends – und der Abgesang seines Erbauers. Die Beschaffung eines Baur TC4 gleicht heute der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Eine kompakte Cabrio-Limousine zum Preis einer leistungsstarken BMW-Mittelklasse, ein viertüriges Landaulet im Deutschland des Jahres 1992. Wer denkt sich so was überhaupt aus? Die Antwort: zwei Überzeugungstäter, die Brüder Heinz und Karl Baur aus Stuttgart. Etablierte Karosseriebauer, als Familienbetrieb seit über 80 Jahren am Markt und fest im Glauben an das eigene Können und die Zukunft einer alten Idee, die den Vater einst berühmt machte. Karl Baur senior erhielt 1912 ein Patent auf ein "umlegbares Verdeck für Luxuskraftwagen". Horch und BMW orderten maßgeschneiderte Karosserien, Mercedes-Benz- und Maybach-Kunden wurden vorstellig.

Baur öffnete schon in den 50ern BMW-Limousinen

Den Innenraum ließ Baur unverändert. Alles praktisch und mit ausreichend Platz für fünf Personen.

Nach 1945 tauschte Baur die Sperrholz-Karossen kriegsversehrter DKW gegen solche aus Stahl. Die Zusammenarbeit mit BMW erwies sich als dauerhafteste Beziehung. Die 501-/502-Cabriolets waren Prestige-Objekte, aber für Baur ein Verlustgeschäft, besser lief das kleine 700 Cabriolet. Das BMW 1600-2 Vollcabriolet wurde ein Hit, das Nachfolgemodell 2002 (siehe Bildergalerie) mit den "Top Cabriolet"-Nachfolgern der jeweiligen 3er-Baureihen wurden Markenzeichen, Aushängeschild und Cash-Cow der Firma Baur. Ihren 1992 präsentierten Aufschnitt Baur TC4 auf BMW E36-Basis sahen die Schwaben als Nische in der Nische, als Alternative zum kurze Zeit später präsentierten Werks-Cabrio. An der Entwicklung des schlanken E30-Werks-Cabrios war Baur beteiligt gewesen, den Nachfolger konnte BMW schon selbst konstruieren.

Einzigartig in den 90ern: das viertürige Cabriolet

Ein 3er mit vier Dächern. Stück für Stück lässt sich das Topcabriolet öffnen.

Die letzte Chance lautete E36, keine leichte Aufgabe, zumal BMW kein zweitüriges Baur E36-Cabrio neben dem eigenen Angebot duldete. Zwei Jahre eng mit BMW abgestimmte Entwicklungsarbeit flossen in das Topcabriolet (Typ E36/4Cab), das regulär beim BMW-Händler zu ordern war. Seitenscheibenrahmen und ein Überrollbügel blieben stehen, das feste Dach über den Vordersitzen konnte wie ein Targadach herausgenommen werden, das weiche hintere Dachteil mit heizbarer Glasheckscheibe wie bei einem Landaulet geöffnet werden. Vier Türen und vier Dach-Variationen – ganz geschlossen, vorn offen, hinten offen, ganz offen – gab es sonst nirgends.

Auf Anhänger des Offenfahrens mit Sinn fürs Praktische und Bedarf für fünf Sitzplätze spekulierte Baur. Ganz bewusst reichte die Motorenpalette vom schmalen 316i über den 318i zu 320i und 325i. Knapp 50.000 D-Mark kostete der kleinste TC4, rund 70.000 D-Mark der 325i. Mutig waren sie, die Baur-Brüder. Die letzte Cabrio-Limousine, die fast 50 Jahre alte Ente von Citroën, war 1990 endgültig eingestellt worden, aber sie kalkulierten selbstbewusst mit 500 TC4-Einheiten pro Jahr. Belohnt wurde der Mut nicht, ganze 310 TC4 wurden bis 1996 gebaut. Das letzte Topcabriolet riss seine Schöpfer in den Ruin, im Juni 1999 übernahm die IVM Engineering Gruppe das Ruder bei Baur. Die Zeit der Überzeugungstäter war vorbei.

Technische Daten BMW 316i Baur TC4: Vierzylinder, Reihe • 1596 ccm • 102 PS bei 5500 U/min • max. Drehmoment 150 Nm bei 3900 U/min • Fünfganggetriebe • Hinterradantrieb • L/B/H 4433/1698/1393 mm • Leergewicht 1190 kg • Reifen 185/60 R 15 • Scheibenbremsen vorn, Trommelbremsen hinten • Einzelradaufhängung rundum, McPherson-Federbeine vorn, Doppel-Querlenker und Längsschwinge hinten • Spitze 195 km/h • Beschleunigung 0–100 km/h in 13 s • Neupreis 49.500 D-Mark (1993). Interesse an weiteren Informationen? Hier geht es zum TC4-Club Stuttcar.

Autor: Jan-Henrik Muche

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