Klassische Großraum-Kombis im Vergleich

— 24.07.2012

Die Glorreichen Sieben-Sitzer

Große Klappe, viel dahinter. Unendliche Kombiweiten laden ein zum Familienausflug ins Grüne ohne Van und Aber. Frage: Wie alltagstauglich fühlen sich die Raumgleiter im Klassiker-Alter an?



Los, Autor, sag' uns, wie du auf diese Geschichte kamst. Okay. War es der märzkalte Frankreich- Morgen, kurz nach dampfendem Kaffee und Croissants, als unser Wagen sich aus dem Haute-Jura-Gebirge bei Genf nach unten in die Ebene geschoben hatte? Als der silberne Peugeot sich im Morgennebel der Kleinstadt Cessy abzeichnete? Ein seltener und selten gut erhaltener Peugeot 505 Familial, nur 79.000 Kilometer gelaufen. Geparkt, um mit seinem neuen Eigentümer davonfahren zu können. Ja, das war wohl der Moment, an dem diese Geschichte hier begann. Jetzt hat er uns mitgenommen. Erst durch Frankreich, in die Schweiz und durch Österreich, schließlich heim nach Hamburg. Deswegen stehen wir heute hier, um uns herum tobt ein Haufen Kinder und das Leben sowieso.

Drei Generationen Bulli: VW-Camper im Vergleich

Weiche Sitze: Der Sitzkomfort im Peugeot 505 Familial ist typisch französisch.

Eine Geschichte über Siebensitzer, die keine öden Familiencontainer sind – getreu dieser Arbeitsmelodie beginnen wir mit der Füll-Harmonie. Wir laden Erwachsene, Nachwuchs und Proviant in die Wagen, die locker ganze Sippen schlucken. Autos, die so schön, so urig, so raumgleitend konzipiert sind. Und von so individueller Machart, dass ganz klar wird: Diese glorreichen Sieben hier, die hat man noch nicht in Fernost am Reis-Brett entworfen. Kein Geringerer als Pininfarina schuf den betörend filigran gezeichneten Peugeot 505 Familial. Nie zuvor und nie wieder nach ihm durfte ein Raumgleiter so anmutig aussehen. Ausgewogene Überhänge, kraftvoll ausgestellte Radhäuser, angeführt vom entschlossenen Peugeot-Blick der 70er und 80er. GTD TURBO prangt auf seinem Heckdeckel, zwischen den legendär weichen Sitzen erhebt sich der Wählhebel einer Vierstufen-ZF-Automatik. Eine werksoriginale Klimaanlage schafft zusätzliche Entspannung, die sich auf den gemütlich drehenden 2,5-Liter-Vierzylinder mit 105 PS zu übertragen scheint. Leise surren die bronze getönten Scheiben in ihren Führungen, der Blick von uns Erwachsenen schweift ab ins Grüne, die Fantasie der vier Kinder hinter uns ins Grenzenlose. Zwischen Speed-Racer-Mach-5-Fachsimpeleien und Laserschwert-Vergleichen hockt stumm der Weidenkorb mit Picknick-Utensilien in seinem Gepäckabteil und hört sich das alles an.

Avantgarde trifft Planwagen

Dank Riesen-Radstand und Hydropneumatik kennt der Citroën CX 2500 D Familiale keine schlechten Straßen.

Formidable. Aber nicht einzigartig. Denn in den anderen Fahrzeugen unserer Raumflotte geht es ähnlich zu: sieben Sitze in klassischer Machart, kurz bevor die Minivans die Macht unter deutschen Spielstraßen-Carports übernahmen. Aah, der sanft jachtende Citroën CX Familiale in royalem Rot, nach 24 Jahren Stillstand in einem Gewächshaus als Dornröschen von einem Lübecker Klassik-Fachmann zu neuem Leben erweckt: auch innen noch heute futuristisch, und – riesig! Tief beeindruckend, wie elegant und avantgardistisch ein Maximum an Transportraum eingekleidet werden kann. Der CX war einst Zweiter im Bunde europäischer Siebensitzer-Pioniere, denn ohne die französische Lesart von Massen-Bewegung wären wir heute hier nicht zusammen. Erfunden, ja, erfunden haben’s die Amerikaner. Zu deren Pionierzeiten warteten geräumige Pferdewagen auf Menschen und sperriges Gut an den vielen neuen Stationen der Stahlrösser. Und so bauten die Gründer ihre Station Wagons immer weiter, auch mit Achtzylindermotoren. Ansonsten fährt und reagiert ein 1977er Chevrolet Impala Station Wagon noch immer wie seine Vorgänger des Planwagen-Herstellers Stutenbäcker 150 Jahre zuvor. Die Weite der USA, sie wird im stählern und plastinös schwelgenden Impala greifbar. Etwa so wie die Begrenzungspfähle der Zarrentiner Kreisstraße, auf der sich das Achtzylindergrummeln des Chevys verschwendet. Easy, Man. Und immer eine Handbreit Coke im Cupholder.

Helden des Wirtschaftswunders: Nachkriegstransporter

Der schwedische Großkombi sieht aus wie ein skandinavischer Wohncontainer.

Im Gegensatz zum transatlantischen Nationalgetränk wirkt das Design des Volvo 940 GL so klar wie das Wasser der Schären an einem ganz frühen Augustmorgen. Der von Thors Axt fein zugeschnittene Volvo schiebt wie der Chevy einen mächtigen Bug vor sich her. Luftwiderstands-Beiwerte haben ihn und seine Besitzer noch nie interessiert. Anders als die Frage, wo die nächste formverwandte Schrankwand am Wegesrand steht, die es wegzuschaffen gilt. Oder die nach der Ewigkeit, die ein echter Volvo zu überdauern hatte. Denn so ein 940 will einfach nicht rosten. Und er behält auch gern die gesammelten Kilometer seines Lebens für sich: Brüchige Steckerverbindungen legen Tacho oder Tankuhr still. Wie im Mercedes E 220 T schauen die Volvo-Drittbänkler aus dem Panorama-Heckfenster, das in Durchmesser und senkrechter Ausführung an einen Plasma-Bildschirm erinnert. Je nach Rhythmus und Häufigkeit der ausgeführten Überhol- und wieder Zurückschwenk-Vorgänge wischt auch die Weitsicht der Hinterbänkler wie auf dem iPhone hin und her. Und vorbei. Ja, der Daimler. Der "letzte echte Mercedes", wie seine Freunde sagen. Gut, das behaupteten sie auch schon von Strich-Acht und W123. Und doch, nichts im W124 ist Zufall. Weder die mithilfe eines Elektromotors sanft zugezogene Heckklappe noch die dritte Sonnenblende, direkt über dem Innenspiegel. Nicht die Solidität der Materialien oder die teutonisch-schwäbische Perfektion. Dafür vielleicht etwas zu humorlos. Was uns jetzt aber nicht zu ideologischen Diskussionen reizen möge, denn wir sind ja heute ganz entspannt unterwegs.

Idee mit viel Platz

Citroën ID Familiale: das französische Raumschiff Orion.

Deshalb nehmen wir es auch mit Leichtigkeit hin, dass uns nach wochenlanger Vorbereitung, diversen Rückschlägen und täglich neuer Planung nun ein Citroën ID Break als achter Siebensitzer in die Geschichte hineinfährt. Und uns die geplante Überschrift mit den sieben Siebensitzern versaut. Kostet uns doch nur ein Lächeln. Und auch den Kids gefallen die beiden seitlich versetzten Zusatzsitze im ID-Fond, die sich per Hokuspokus im Ladeboden versenken lassen. Er macht das Lebensgefühl der Sechziger Jahre greifbar und ist doch von einem anderen Planeten. Im Gras hockend, Grashalme im Mund und den nächsten Kaffee einschenkend, betrachten wir den ID einfach nur. Eine Ikone, auch ohne die langen Trompetenblinker der Limousine. Und wo wir gerade so schön ins Thema eingestiegen sind, öffnen wir doch – klack, schchchch! – die Schiebetür des Volkswagen T3 Multivan Whitestar. So geht Raumfahrt jenseits verzweifelter Anstrengungen mancher Hersteller, auf engstem Raum den siebten Sitz erfunden zu haben. Schlaf-Sitz-Bank, Klapptisch, im Handumdrehen herausnehmbare Einzelsitze machen den T3 Multivan zum Klassenprimbus. Ihr wollt eine Großraum-Vandetta? Bitte schön. Der Whitestar gewinnt sie spielend.

Für Kenner: Klassische Kombis

Rüstiger Mittsechziger: Offroad-Ikone Land Rover Defender.

Rüstiger Mittsechziger: Offroad-Ikone Land Rover Defender.

Um den Titel des Kombis mit der größten Bauhöhe konkurriert der T3 mit dem guten alten Land Rover, seit Jahren bekannt als Defender. Dabei muss er seinen Ruf als schönster Schüttelkoffer unter manchmal auch tropischer Sonne gar nicht ernsthaft verteidigen. Eine Reise im maximal neunsitzigen Landy ist auch immer eine Expedition in die Innenwelt. Also legen wir noch eine Bandscheibe auf, auf der das immerwährende Lied vom Briten erklingt, der nur fernab befestigter Wege seine Bestimmung findet. Im mondänen Hamburg lehnt er sich dann aber doch eher lässig an den Eppendorfer Baum, statt mit Harburger Hafenschlick zu spielen. Ah, da kommt wieder ein Ausflügler und schaut den Landy genauer an. Registriert seine elektrischen Fensterheber, Servolenkung, Zentralverriegelung. Und möchte dann doch wissen, ob es "hiervon" auch eine Straßenversion gebe. Es ist das einzige Mal an diesem Sommertag, dass wir beinahe die Contenance verloren hätten. Gehen wir lieber mit den Kindern und Autos spielen. Platz genug ist da. Als die Sonne glutrot im Schalsee versinkt, tauchen wir in die Polster des Peugeot 505. Die Kinder stecken wieder die Köpfchen zusammen, was sich auch dann nicht ändert, als sie einschlafen. Kraftvoll stemmt der 505 seine Hinterachse in den Asphalt, der Impala donnert vorbei, seine Insassen schicksalsergeben auf den soften Sitzbänken hin und her schwankend, gefolgt vom lautlosen gleitenden CX, dem Defender, dieser bereiften Trutzburg, und dem stoisch nordmännisch voranstrebenden Volvo 940. Auch die Heckleuchten des ID verschwinden hinter den wogenden Kornfeldern von Zarrentin. Besonders vornehm scheint der Promenadenkies unter den glanzpolierten Rädern des abfahrenden Mercedes E 220 T zu knirschen. Zurück bleibt der Whitestar. Er steht, samt zur Schlafzone umgebauter Sitzbank, mit der geöffneten Heckklappe zum nahen See. Dies ist das Ende des Tages. Und der Geschichte von klassischen Siebensitzern, die familiäre Van-Vorstellungen aus dem Straßenparadies vertrieben.

Autor: Knut Simon



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