Mercedes 300 SE W 126

Mercedes 300 SE W 126

— 19.04.2010

Eine echte Sonderklasse

Der W 126 ist der Robert Redford unter den Stars in der Luxusliga – eine Limousine mit noch immer faltenfreiem Äußeren und inneren Werten, die noch heute begeistern. Und das ist selbst in feinsten Kreisen selten.

Einfach mal genau hinschauen und genießen: Der Linienfluss des Blechkleides ist an keiner Stelle unterbrochen. Vorn fällt dieser Mercedes ab, die Scheibenwischer sind voll versenkt, das Heck leicht angehoben. Der W 126 verströmt schon im Stand jene Würde, die Neidkratzer abzuhalten scheint. Obwohl er die Legende des Benz mit eingebautem Parkplatz wesentlich mitgestaltet hat. Diese S-Klasse ist eben Chefsache. Sie kommt nicht nur an – sie fährt vor. Keine Diskussion: Wo sie steht, ist oben – in Hollywood oder beim Bundeskanzleramt. Fast zwei Jahrzehnte lang war der Wagen 126 eine Macht und die bestbesetzte Botschaft von Mercedes-Benz in alle Welt.

Modellgeschichte und Kaufberatung Mercedes W 126

Die Linie der Eleganz und der Beweis: Sogar die 80er-Jahre waren klassisch schön.

818.000 verkaufte Einheiten sind historischer S-Klasse-Rekord, Nachfolger W 140 brachte es mit Dickschiff-Handicap nur auf die Hälfte. Aus heutiger Sicht also haben sie alles richtig gemacht bei Mercedes, als sie mit dem 126er "ein Angebot für Fahrer" schufen, "die zwischen einem Nutzgegenstand und einem Wertgegenstand keinen Trennungsstrich ziehen". So vermerkt es der Verkaufsprospekt der Zeit. Und so passt es auch 30 Jahre später noch in das Anforderungsprofil der Nutzer und Sammler, die uns vom classicweißen 280 S mit Kurbelfenstern bis zum surfblauen V8-Boliden belegen, dass die 80er-Jahre nicht nur dunkelbraun und scheußlich waren.

Der Nachfolger: Dickschiff W 140

Der Kilometerzähler steht bei 195 000 – aber so was schreckt Sammler nicht. Nochmal das Doppelte ist drin.

Auch die "teilweise scheckheftgepflegten" Mogelpackungen in "fast Vollausstattung" mit Radlaufchrom und Kantenrost ändern nichts daran: Der von 1979 bis 1991 produzierte 126er ist zu genial für nur ein Jahrzehnt. Schließlich feilten schon die Wegbereiter des legendären Daimler-Designers Bruno Sacco im Schatten der ersten Ölkrise an diesem Meisterstück. Um es "vorrangig nach den Gesetzen der Aerodynamik zu formen". Das Ergebnis der Konzern-Order: ein cW-Wert von 0,36 und bis zu 280 Kilo weniger Gewicht als beim barocken Vorgänger 116. So gesehen hat es die heute überraschend junge Fangemeinde tatsächlich der Ölkrise zu verdanken, dass Fahren im 126 bezahlbar bleibt.

Stiller Kilometerfresser

Zehn bis elf Liter im Schnitt sind machbar, zumindest in der empfohlenen Dreiliter-Variante 300 SE. Deren Laufruhe ist unerreicht und ihr Haltbarkeitsdatum selbst nach 300.000 Kilometern nicht überschritten. Der Robert Redford unter den Mercedes parkt heute typischerweise als Blech-Kunstwerk dicht am Reihenhaus in Bottrop und längst nicht mehr mitten auf der Lane in Beverly Hills. "Wenn du zu lange dort bist, wirst du ein Mercedes", hat der Hollywood-Star mal gesagt. Und bestimmt den W 126 damit gemeint.

Technische Daten

Mercedes 300 SE
Reihen-Sechszylinder, vorn längs • eine obenliegende Nockenwelle • Hubraum 2960 ccm • Leistung 132 kW (180 PS) bei 5700/min • max. Drehmoment 255 Nm bei 4400/min • Hinterradantrieb • Fünfganggetriebe • Doppelquerlenker, Schraubenfedern vorn; Diagonal-Pendelachse, Schräglenker, Schraubenfedern hinten • Scheibenbremsen vo./hi. • Reifen 205/65 VR 15 • Länge/Breite/Höhe 5020/1820/1441 mm • Radstand 2850 mm • Leergewicht 1570 kg • Beschleunigung 0–100 km/h 9,3 s • V/max 205 km/h • Tankinhalt 90 Liter • Neupreis 54.891 DM

Historie

Vorgestellt auf der Frankfurter IAA im September 1979, im Herbst 1981 folgten die Achtzylinder-Coupés 380 und 500 SEC. Große Modellpflege September 1985: Neben neuen Stoßfängern, Seitenbeplankung ("Sacco-Bretter") und 15-Zoll-Rädern kamen auch neue Motoren (Sechszylinder Plus 4,2-Liter-V8, 500 SE mit 245 PS, neues Spitzenmodell 560 SE(L) mit 300-PS-V8. September 1986: G-Kat Serie. Oktober 1991: Ende der Produktion (Sonderschutzmodelle bis 4/1992).

Plus/Minus

Robuster Reihensechszylinder mit 180 PS.

Zwölf Jahre lang gebaut: Der W 126 ist nicht nur eine klassisch unaufgeregte Erscheinung, sondern, vor allem in der zweiten Produktionshälfte, ein Benz von besonderem Reifegrad. Und zumindest in der Längsdynamik einer der fahraktivsten Youngtimer überhaupt. Die Korrosion hält sich bei den häufig lange scheckheftgepflegten Exemplaren in Grenzen, die Elektronik zum Glück auch. Problemzonen sind: Scheibenrahmen, Wagenheberaufnahmen, Radläufe und Radkästen hinten, Batteriekasten, Bremsnickabstützungen. Häufig erneuerungsbedürftig: Lenkgetriebe, Federkugeln, Hinterachsmittelstück (ölt). Eine echte Dauerbaustelle ist das Schiebe(hebe)dach.

Marktlage

Vom runtergerittenen Vergaser-280 S für 1500 Euro bis zum gepanzerten V8 für über 30.000 Euro ist alles am Markt. Bis 4500 Euro liegen die Laufleistungen zwischen 200.000 und 300.000 km. Ein guter 300 SE kostet in solidem Zustand 7000 Euro, für zwei zusätzliche Zylinder legt man auch zwei weitere Tausender auf den Tisch. Niedrige Tachostände plus Ausstattungsliste rauf und runter bedeuten bereits deutlich über 10.000 Euro (auch für Sechszylinder), das Preisbarometer steht klar auf weiter steigend.

Ersatzteile

Typisch Mercedes: Fast alles ist noch auf Lager, also heute bestellt, morgen geliefert. Wie immer kann es bei einzelnen Ausstattungskombinationen, wie Innenausstattungen in bestimmten Farben, eng werden. Doch nahezu jede Lücke füllt eine gut aufgestellte Szene. Mercedes-Benz liefert Neuteile mittlerweile auch über ihre Classic-Abteilung, gebrauchte Komponenten führt das Mercedes-Altteilecenter. Darüber hinaus helfen die Klubs, Ebay und Foren wie beispielsweise www.126-teile.de.

Empfehlung

Der Sechszylinder 300 SE repräsentiert alte S-Klasse-Tugenden bei einigermaßen zeitgemäßem Verbrauch. Grundsätzlich empfehlenswerter sind die Modelle nach der Modellpflege 1985, vor allem alle 126er nach September 1986. Sie können dank serienmäßigem Katalysator abgastechnisch leicht optimiert werden. Wichtig für etwaigen Wiederverkauf ist die Ausstattung. Automatik, Klimaanlage, Leder- oder Velourspolster sind Pflicht, Airbags und Reiserechner die Kür.

Autor: Karl-August Almstadt

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