MGB
Der Kleine für das große Gefühl

Schon für 12.000 Euro bekommt der Roadster-Fan einen lupenreinen Engländer, den MGB. Ein Auto mit Genen von Stirling Moss. Dabei ist der Brite ein idealer Roadster für Einsteiger – alltagstauglich und bezahlbar.
- Wolfgang König
Ein Glücksfall war er, der MGB. Allseits beliebt und erfolgreicher als jeder andere britische Sportwagen. Zwischen 1962 und 1980 verließen 399.070 MGB-Roadster das Werk in Abingdon nahe Oxford, und nicht wenige davon zirkulieren noch heute im Autouniversum. Fündig zu werden ist also nicht schwer. Glücklich zu werden auch nicht, denn so ein MG bietet dem Liebhaber dieser Spezies eigentlich alles, worauf es ankommt. Vor allem Roadster-Romantik natürlich: zwei Aussichtsplätze im schlichten, aber zünftigen Cockpit, ein röhrender Auspuff, jede Menge frische Luft und den ganzen Charme des Unkomplizierten, der einen offenen Zweisitzer von der Insel gemeinhin auszeichnet.
Laut, hart, luftig – der MGB ist ein echter britischer Roadster

Bild: Uli Sonntag
Der rauhe Grauguss-Vierzylinder passt zum rustikalen Charme des MGB
Die Entrüstung legte sich aber bald. Der MGB war einfach zu anziehend, um ihm dergleichen anzukreiden. Für viel weniger Geld bot er so viel PS wie ein $(LC716968:Porsche 356 SC)$ SC (95 PS), er setzte sich auch akustisch eindrucksvoll in Szene und konnte hinreichend flott um die Kurven pfeifen, vorausgesetzt, der Belag war einigermaßen. Ansonsten hopste er mit seiner blattgefederten Hinterachse schon mal vorzeitig ins Abseits. Die Musik dazu spielt ein Grauguss-Vierzylinder ohne jede Hightech-Ambitionen, dem zwei SU-Vergaser den Marsch blasen – ein anspruchsloses Allroundtalent, das intern der "B-Serie" zugeordnet wurde und im BMC-Imperium mannigfaltig zum Einsatz kam.
Stirling-Moss-Feeling
Die rustikale Ausführung hat durchaus ihre Vorteile: Sind Zündung und Vergaser korrekt eingestellt, hält das Ding ewig und gibt sich langmütig wie ein Kaltblüter. Hohe Drehzahlen sind ihm lästig, aber wer den MGB mit dem aufpreispflichtigen Overdrive-Getriebe bestellt hatte, kam auch ohne die Gänge hochzujubeln zügig voran. Das gilt selbst heute noch, wobei es die Fahrfreude keineswegs trübt, dass jeder bessere Golf heute flotter ist. Das Gefühl zählt, und gefühlsmäßig schwingt beim forschen MGB-Ritt immer auch ein wenig Stirling Moss mit. Das Auto fährt eben nicht von selbst, sondern will an die Kandare genommen werden.
Perfekte Ersatzteilversorung: Nie ging es MG-Fahrern so gut wie heute

Bild: Brian Chittock
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