MGB

MGB MK I MGB MK I

MGB

— 08.05.2009

Der Kleine für das große Gefühl

Schon für 12.000 Euro bekommt der Roadster-Fan einen lupenreinen Engländer, den MGB. Ein Auto mit Genen von Stirling Moss. Dabei ist der Brite ein idealer Roadster für Einsteiger – alltagstauglich und bezahlbar.

Ein Glücksfall war er, der MGB. Allseits beliebt und erfolgreicher als jeder andere britische Sportwagen. Zwischen 1962 und 1980 verließen 399.070 MGB-Roadster das Werk in Abingdon nahe Oxford, und nicht wenige davon zirkulieren noch heute im Autouniversum. Fündig zu werden ist also nicht schwer. Glücklich zu werden auch nicht, denn so ein MG bietet dem Liebhaber dieser Spezies eigentlich alles, worauf es ankommt. Vor allem Roadster-Romantik natürlich: zwei Aussichtsplätze im schlichten, aber zünftigen Cockpit, ein röhrender Auspuff, jede Menge frische Luft und den ganzen Charme des Unkomplizierten, der einen offenen Zweisitzer von der Insel gemeinhin auszeichnet.

Laut, hart, luftig – der MGB ist ein echter britischer Roadster

Hochgewachsene ragen über die Windschutzscheibe in den Luftstrom – da empfehlen sich Fliegerbrillen.

Fahrer und Begleitung hocken in Bodennähe und spähen durch eine flache Frontscheibe, die dem Fahrtwind nur das Nötigste entgegensetzt. Das große, steil stehende Lenkrad fordert zum kräftigen Hinlangen auf, ebenso der kurze, metallisch einrastende Schaltknüppel. An Platz fehlt es nicht, Hochgewachsene ragen allerdings voll in den Luftstrom, sodass sich ernsthaft "Goggles" empfehlen, Fliegerbrillen. Als der MGB herauskam, umwehte ihn freilich erst mal der Ruch der Verweichlichung. Kurbelfenster statt seitlicher Steckscheiben, ein Klappverdeck (auf Wunsch), vollwertiger Kofferraum – in den Augen des zeitgenössischen Roadster-Mannes war das Luxus für Memmen. Ganz abgesehen davon, dass es keinen anständigen Rahmen mehr gab – die Karosse war, erstmals bei einem MG Roadster, selbsttragend.
Technische Daten MGB MK I
Motor Vierzylinder-Reihenmotor vorn längs
Ventilsteuerung eine unten liegende Nockenwelle
Hubraum 1798 ccm
Leistung 70 KW/95 PS
Drehmoment 149 Nm bei 3000 U/min
Getriebe Viergang-Schaltgetriebe, optional mit Overdrive
Antrieb Heckantrieb
Länge/Breite/Höhe 3886 mm/1524 mm/1245 mm
Vorderachse Querlenker mit Schraubenfedern
Hinterachse Starrachse an Blattfedern
Reifen 5.60-14
Bremsen Scheiben vorn/Trommeln hinten
Leergewicht 986 kg
Spitze 170 km/h
0-100 km/h 12,5 s
Verbrauch 10,1 Liter Super/100 km

Der rauhe Grauguss-Vierzylinder passt zum rustikalen Charme des MGB

Die Entrüstung legte sich aber bald. Der MGB war einfach zu anziehend, um ihm dergleichen anzukreiden. Für viel weniger Geld bot er so viel PS wie ein Porsche 356 SC SC (95 PS), er setzte sich auch akustisch eindrucksvoll in Szene und konnte hinreichend flott um die Kurven pfeifen, vorausgesetzt, der Belag war einigermaßen. Ansonsten hopste er mit seiner blattgefederten Hinterachse schon mal vorzeitig ins Abseits. Die Musik dazu spielt ein Grauguss-Vierzylinder ohne jede Hightech-Ambitionen, dem zwei SU-Vergaser den Marsch blasen – ein anspruchsloses Allroundtalent, das intern der "B-Serie" zugeordnet wurde und im BMC-Imperium mannigfaltig zum Einsatz kam.
Preise MGB MK I
Zustand Preis*
1 25.100 Euro
2 16.200 Euro
3 10.800 Euro
4 5600 Euro
5 2200 Euro
Preis 1969 11.089 D-Mark
*Quelle AUTO BILD SONDERHEFT PREISE/Olditax, Stand 4/2009

Stirling-Moss-Feeling

Die rustikale Ausführung hat durchaus ihre Vorteile: Sind Zündung und Vergaser korrekt eingestellt, hält das Ding ewig und gibt sich langmütig wie ein Kaltblüter. Hohe Drehzahlen sind ihm lästig, aber wer den MGB mit dem aufpreispflichtigen Overdrive-Getriebe bestellt hatte, kam auch ohne die Gänge hochzujubeln zügig voran. Das gilt selbst heute noch, wobei es die Fahrfreude keineswegs trübt, dass jeder bessere Golf heute flotter ist. Das Gefühl zählt, und gefühlsmäßig schwingt beim forschen MGB-Ritt immer auch ein wenig Stirling Moss mit. Das Auto fährt eben nicht von selbst, sondern will an die Kandare genommen werden.
Kurzbewertung MGB
Stärken Schwächen
einfache, robuste Bauweise harte Federung
gute Alltagstauglichkeit primitives Verdeck
elastischer Motor schwergängige Lenkung
ausreichendes Platzangebot für zwei objektiv mäßiges Temperament
ausgezeichnete Ersatzteilversorgung bescheidene Detailqualität
günstige Preise hohe Rostanfälligkeit
gute Verfügbarkeit Modelle ab 1974 weniger attraktiv ("Gummiboot")

Perfekte Ersatzteilversorung: Nie ging es MG-Fahrern so gut wie heute

Der schlichte Vierzylinder lässt 95 PS röhren. Sind Zündung und Vergaser korrekt eingestellt, dankt er es mit stoischer Zuverlässigkeit.

Wer die Defizite von Fahrwerk und Antrieb zu mildern gedenkt, kann überdies auf ein umfangreiches Tuningangebot zurückgreifen. Andere Dämpfer, Federn und Achsen, mehr Hubraum und mehr PS oder gar Umrüstung auf V8-Power – da ging es den MGB-Besitzern nie so gut wie heute. Die besten Jahrgänge, da sind sich Kenner weitgehend einig, sind die Modelle zwischen 1964 und 1974. 1964 bekam der 1,8-Liter-Motor fünf Kurbelwellenlager, was der Zuverlässigkeit und der Laufkultur diente. 1967 folgte eine Detailüberarbeitung inklusive Drehstrom-Lichtmaschine, während die US-Version ein crashsicheres, aber hässliches Plastikarmaturenbrett ("Abingdon Pillow") verpasst bekam. 1969 bekam er einen neuen (unbeliebten) Grill, der 1972 wieder rückgängig gemacht wurde, wobei zugleich ein modifiziertes Cockpit mit Direktbelüftung Einzug hielt. 1974 schließlich entschloss sich British Leyland, die neue MG-Mutter, den Dauerbrenner mittels Plastikstoßstangen und höhergesetzter Karosserie zu verunstalten, aber selbst das konnte seine Beliebtheit nicht abwürgen.

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Autor: Wolfgang König

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