Vergleichstest: Sportliche Kleinwagen
Kleine Knallbüchsen mit Bums

Vor 30 Jahren stürmten Kleinwagen mit großem Motor den Markt. Ob Fiesta XR2 oder Polo G40: Welcher macht am meisten Spaß? Ein Blick auf kleine, schnelle Krawallmacher.
Viel Leistung, wenig Auto - neu war die Idee schon vor 30 Jahren nicht, als die Autos für diesen Vergleich der kleinen Krawallmacher auf den Markt kamen. Sie bieten eine etwas altmodische Form von Spaß, denn sie sich laut, unvernünftig und ein wenig prollig. Und radikal! Wie sonst lässt sich ein Renault 5 erklären, der mit Überrollkäfig und Rundstreckensound zum Einkaufen fährt? Als Golf GTI und Kadett GSi schon erwachsen waren, servierten die Autobauer kostengünstigen Fahrspaß auch bei den neuen ganz Kleinen. Ein Haufen wild gewordener Autos kam heraus: Renault 5 GT Turbo, Ford Fiesta XR2, Opel Corsa GSi, Honda CRX, VW Polo G40 und Fiat Uno Turbo. Wir nehmen sie noch einmal ran!
Fiat Uno Turbo - flott dieser Fiat!

Fiat Uno Turbo: Zum Lack im eleganten Graumetallic trägt der Uno edle rote Streifen.
Bild: Roman Raetzke
Coole Youngtimer in allen Klassen
Wirklich sportlich ist anders
Aber der Uno hat noch andere, ganz praktische Stärken. Leicht und unverrenkt geht es in die zweite Reihe, die Rücksitzlehne ist geteilt umlegbar, der Kofferraum im Vergleich der größte. Elektrische Fensterheber sind Luxus in dieser Klasse. Die Verarbeitung ist jedoch lasch, das überspielen auch der elegante Auftritt und die reichhaltige Ausstattung nicht. Hinzu kommt die unharmonische Sitzposition auf dem Fahrersitz. Nur deshalb ist hinten so viel Platz. Schlimmer aber: Starkes Untersteuern und hohe Lenkkräfte vermiesen den Fahrspaß. Auf den langen Geraden fühlt sich der leise Fiat am wohlsten - italienische Sportlichkeit stellen wir uns aber anders vor. Daher landet der Uno nur im Mittelfeld.
Ford Fiesta XR2 - feurig, dieser Fiesta!

Ford Fiesta XR2: Vier Gänge reichen, um den wendigen Fiesta um die Pylonen tanzen zu lassen.
Bild: Roman Raetzke
Simpel gestrickt, großer Spaßfaktor
Unterm Heck baumelt, schwer improvisiert, der grundierte Endtopf im Freien - weil beim XR2 der Kofferraumboden geändert werden musste. Damit die "6-Zoll-Leichtmetall-Spezialfelge mit Niederquerschnittsreifen" reinpasst, wurde es für den Auspuff eben eng. Immerhin kam dabei auch ein ordentlicher Gepäckraum zustande, die Rücksitzlehne ist umlegbar. Der XR2 kann also auch praktisch. Seine paar Instrumente und Leuchten, Schalter und Knöpfe versteht jeder. Einsteigen, mit lautem "Peng" die dünne Tür zuhauen, Schlüssel drehen, Auto fahren. Nichts lenkt davon ab, außer vielleicht die dominante Geräuschkulisse. Der knurrige 84-PS-Vierzylinder ist eine Konstruktion aus den 60er-Jahren, der sich zwischen 2000 und 4500 Touren am wohlsten fühlt. Bei 5500 klingt er sehr angestrengt – ungesund hoch möchte niemand drehen. Wer lange schnell fahren will, wünscht sich nichts sehnlicher als einen fünften Gang. Die anderen machen fast alles besser. Aber, Alter, du machst uns Spaß!
Honda Civic CRX - heiß, dieser Honda!

Honda Civix CRX: Offiziell ein Viersitzer, aber hinten passt ein Erwachsener allenfalls quer hinein.
Bild: Roman Raetzke
Vorne super Sitze, hinten eine Notbank
Dem XR2 nimmt der CRX beim Sprint von null auf 100 km/h 1,4 Sekunden ab, in der Spitze ist er laut Werksangabe satte 20 km/h schneller. Wie er außerdem mit seiner leichtgängigen, ultradirekten Lenkung straff gefedert durch den Parcours wedelt, ist eine reine Freude. Im Gegensatz zur Konkurrenz ist er allerdings viel weniger ein familientauglicher Kleinwagen als ein gut gelaunter Junge-Leute-Freund. Denn im CRX gibt es eine luftige erste Reihe und einen großen, flächigen Kofferraum, aber eben hinten nur eine Notbank. Hätte Honda dem Alltag etwas mehr Platz eingeräumt, dann läge der gut liegende, hoch drehende CRX im Vergleich sehr weit vorn.
Opel Corsa GSi - cool, dieser Corsa!

Opel Corsa GSi mit undramatischem und problemlosem Fahrverhalten. Spaßfaktor? Eher klein.
Bild: Roman Raetzke
Seine Stärke: Ausgewogenheit
Mit 10,9 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h und einem Bremsweg von 52,9 Metern liegt der Corsa im Mittelfeld. Im Slalom wieder das bekannte Muster des vernünftigen, berechenbaren Begleiters: Der GSi tanzt gut kontrollierbar um die Hütchen und macht keine Probleme. Zu mehr reicht es nicht, weil die Lenkung zu indirekt arbeitet. Dass das Lenkrad in Richtung Wagenmitte versetzt ist, gehört zu den wenigen Eskapaden, die sich der kleine Opel leistet. Die ulkigen Käselöcher in den Plastikspeichen sind eine, hoffentlich ironisch gemeinte, Reminiszenz an die 60er. Der Innenraum ist komplett, die Armaturentafel gut bestückt – sechs Instrumente gab es früher nur drei Fahrzeugklassen weiter oben beim Commodore. Leider ist der Kunststoff von der billigen Sorte, und die Bedienung ist zum Teil umständlich. In der Summe seiner Eigenschaften ist er kein junger Wilder, sondern vermittelt gut kontrollierten Sex-Appeal.
VW Polo G40 - voll wuselig, dieser VW!
Wir müssen umdenken. Ein Zweier-Polo kann begehrenswert sein, und der wahre Nachfolger des ersten Golf GTI heißt Polo G40. Wir danken den oft spaßfreien VW-Entwicklern der 80er-Jahre für dieses Auto! Ähnlich einem Kompressor pumpt der von der Kurbelwelle angetriebene Spirallader Luft zum Verbrennen in den Motor. 115 PS bei hochtourigen 6000/min sind das Ergebnis, beim Drehmoment liegt er an zweiter Stelle - in der Kombination seiner Eigenschaften gebührt dem G40-Antrieb in diesem Vergleich die Krone. Mit dem G-Lader spart sich der VW das Turboloch. Einzig auf Sound müssen wir verzichten, mehr als ein an Staubsaugen erinnerndes Geräusch ab 4000/min ist nicht drin.
Tiefergelegter Polo mit Sondermotorisierung
Etwas mehr Chic und ein paar Extras würden dem G40 gut stehen, eigentlich ist er nue 20mm tiefergelegt und hat den besonderen Motor. Der rote Zierrahmen am Kühlergrill, die zwei G40-Schildchen vorne und hinten und die ungewohnt wirkenden Leichtmetallräder unterscheiden ihn von der Großserie. Leicht wird der überoptimistische 240-km/h-Tacho für ein Tuningteil gehalten. Die Wertigkeit des Materials ist allerdings top – so fest und solide wie der Polo fasst sich sonst keiner an. Das Gleiche gilt für das handliche Fahrwerk. Außerdem bremst der Polo am besten. 2560 Stück baute Volkswagen. Wenn Polo II, dann unbedingt G40. Damit fährt der G-Lader-VW hier ganz vorn mit!
Renault 5 GT Turbo - rassig, dieser Renault!

Renault 5 GT Turbo mit hübschen roten Kedern an den Flanken.
Bild: Roman Raetzke
Schnell, unbescheiden, sportlich
Dem Benehmen nach ist der Vierzylinder ein Turbo alter Schule. Bis 2500/min passiert gar nichts, dann holt er tief Luft und legt ab 3000/min schlagartig los. Zum Glück schalten sich die Gänge weich und präzise, nach 9,3 Sekunden fällt die 100-km/h-Marke. Erst nach 58,3 Metern steht der Renault wieder, das ist die schlechteste Bremsleistung im Vergleich. Der R5 steckt voller Widersprüche. Das meiste Drehmoment, kaum Bremse, schrilles Auftreten mit praktischen Vorzügen. Lenkrad und Fahrwerk fühlen sich nach Rundstrecke an, die Bedienung ist teilweise wirr, die versteckten Türgriffe sind hakelig. Dennoch: Der Charme des Ganzen wiegt schwerer als alle Nachlässigkeiten im Detail. Der R5 setzt entschlossen auf Sport, und gewinnt so diesen Vergleich!
Fazit
Diesen sportlichen Wettbewerb im Leichtgewicht hat der rassige Renault knapp für sich entschieden. Die internationale Konkurrenz folgt auf den Plätzen. Renault vor VW, Honda und Fiat - so eine Rangliste gab es lange nicht. Zwei unserer drei Kategorien sind für diesen Vergleich besonders wichtig. Die praktischen Talente wie Platz, Variabilität, Alltagstauglichkeit. Zum Zweiten stand die sportliche Leistungsfähigkeit auf dem Prüfstand: Temperament, Sound und Handling. An der Spitze landeten schließlich R5 GT Turbo und Polo G40; ähnlich gut, aber ganz unterschiedlich gemacht. Dass der Fiesta XR2 trotz Vorbildfunktion weit zurückliegt, erklärt sich vor allem aus dem Alter seiner Konstruktion. Doch weil er auf altmodische Art Freude bereitet, fliegen ihm die Herzen zu. Dazwischen liegt die goldene Mitte mit Corsa GSi, Uno Turbo und CRX. Keiner ist wie der andere, jeder hat seine Vorzüge. Spaß machen sie alle.
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