Sie waren die Helden der Arbeit, damals, Anfang der 1960er Jahre im Wirtschaftswunderland. Klein, preiswert und genügsam. Heute bitten wir sie zum Vergleichstest: VW Käfer, Opel Kadett A und Ford Taunus 12M.
Liebe geht durch den Wagen. Deshalb rät die VW-Betriebsanleitung: "Waschen Sie Ihren neuen Wagen vor allem in den ersten Wochen recht häufig! Der Lack ist dankbar dafür." Es kommt noch besser:
Opel hat einen ganz heißen Tipp parat, wo man das neue Auto wäscht – am See. Oder besser gleich: im See. Neeee – da wird das Auto doch nur noch schmutziger... Halt, halt mein Freund, vor 40 Jahren war das Wasser viel sauberer. Und im Prospekt parkt deshalb der rote Wagen mit zwei Rädern im See. Bereit für die damals so beliebte Eimerwäsche. Früher war eben alles einfacher, aber nicht richtiger.
Tipp von Ford: Handschuhe tragen, um den Wagen nicht zu verschmutzen
Drei Kompaktautos der frühen 60er Jahre – und völlig unterschiedliche Konzepte.
Wenn Sie dem 60er-Jahre-Waschfimmel nicht folgen wollen, ist der Tipp aus einer Ford-Broschüre gar nicht schlecht: Wer seinen vierrädrigen Freund nur mit Handschuhen berührt, beschmutzt ihn erst gar nicht. Trugen damals etwa alle Ford-Fahrer Handschuhe, wie auf den bunten Werbe-Bildern? Egal – sauber und gut gepflegt finden wir's bei
AUTO BILD KLASSIK jedenfalls große Klasse. Weil die gute Pflege alte Autos für unseren historischen Vergleich fit hält. Der beschert uns diesmal drei kleine Wirtschaftswunder der frühen 60er-Jahre. Genügsame Typen fürs Volk, bezahlbar in Anschaffung und Unterhalt: Den
VW 1200, als
Käfer berühmt geworden, 34 PS stark und das unbestritten beliebteste Auto der Deutschen im Wirtschaftswunderland. Denn: "Er läuft und läuft und läuft" – fast von allein.
Der Taunus setzt auf Größe, der Käfer auf Solidität, der Kadett auf Nutzwert.
Bis 1962 der
Opel Kadett A auf der Bildfläche erscheint. Der läuft noch besser, wächst zu einem ernsthaften Konkurrenten des Wolfsburger "Ervolks"-Krabblers heran. Kein Wunder: Mit 40-PS-Motor vorn und Antrieb hinten ist er geräumiger, schneller, sparsamer und moderner als der Kugel-Porsche. "Opel Kadett – kurz gesagt: OK". Wenn wir nun der "
Linie der Vernunft" folgen, treffen wir in Köln auf den dritten Kandidaten: den
Ford Taunus 12M. Viel Auto fürs Geld bot der Taunus schon auf den ersten Blick. Zwischen seinen verchromten Stoßstangen streckt er sich weiter als die Konkurrenten – bis auf knapp 4,25 Meter. Allerdings: 40 PS, die hier schon die Vorderräder antreiben, mussten auch dem großen, kleinen Taunus 12M genügen. Ob sie auch für einen Sieg in unserem
historischen Vergleich ausreichen?
Im Vergleich: die Karosserien
"Die Volkswagen-Form richtet sich nach den Regeln der Zweckmäßigkeit und Stabilität" (Zitat VW-Propekt, 1962). Stimmt. Zumindest wenn es um die Stabilität geht, sagt der Werbeprospekt die reine Wahrheit. Solide ist der Käfer nämlich ohne Frage. Hier steckt
deutsche Wertarbeit vom Feinsten drin. Kein Klappern, kein Rütteln, keine unnötigen Karosserieverwindungen. My Home
IS my Käfer. Die Windschutzscheibe dicht vor der Nase, das Kuppeldach weit, weit weg – so fühlt man sich auch heute noch, nach über 40 Jahren, im Käfer pudelwohl. Und sitzt tatsächlich bequem. Auf stoffbezogenen Einzelsitzen (Schaumgummi auf Federkern) und mit Blick auf liebevolle Details wie die verchromten Halter der Sonnenblenden.
Der Ford Taunus verströmt zudem die Heimeligkeit einer U-Bahnstation
Mehr Blech als im Taunus-Innenraum findet man in keinem der drei Oldies.
Im Vergleich zum Käfer wirkt der 12M wie die schlichte Laubsägearbeit eines Grundschülers. Extra viel nacktes Blech verströmt zudem die Heimeligkeit einer U-Bahnstation. Fehlt nur, dass es im
Ford auch so zieht wie dort. Aber so weit geht es nicht. Im Vergleich zum Käfer funktionieren Heizung und Lüftung sogar recht zuverlässig. Und die rotkarierten Sitzbezüge, die an die Küchenhandtuch-Kollektion eines schwedischen Möbelhauses erinnern, bringen sogar launige Ferienhausstimmung in den Taunus. Gut so. Denn einen Schuss guter Laune braucht man auf der Sitzbank auch – richtig, selbst vorn gibt es keine Einzelsitze. Durch die dünnen Polster pieksen die Federn schnell durch die Bezüge. Die labberigen Lehnen scheinen einem Labil-Baukasten zu entstammen. Man mag sich kaum dagegenlegen, aus Angst, dass sie abbrechen. Und dann noch die spitzen Knie der Mitfahrer von hinten.
Im Vergleich zum VW Käfer ist der Opel Kadett ein echtes Raumwunder
Das beste Karosserie-Konzept bietet der Kadett. Mehr Platz als im größeren Taunus und erst recht als im Käfer.
Dabei ist der Ford doch deutlich geräumiger als der Käfer, dessen Zweckmäßigkeit als Transporter bescheiden ausfällt: Mini-Kofferraum vorn und ein schlecht zugängliches Staufach hinter der Rücksitzlehne – das war's. Unvorstellbar heute, dass der Käfer einst fünfköpfige Familien nach Italien transportierte. Der wahre Raumfahrer der frühen 60er kommt von
Opel. Kantig, kastig, Kadett. Außen bleibt Opels Kleinster unter der Vier-Meter-Marke, er unterbietet damit das klassische Käfer-Maß noch um einen Butterkeks (der mit den 52 Zähnen), innen schafft er genausoviel nutzbaren Raum für die Passagiere wie der außen so große Ford Taunus 12M.
Die Kadettsitze sind so glatt, dass man darauf Schlittschuh laufen könnte
Kadett mit hohem Unterhaltungswert: Auf den Kunststoff-Bezügen der Sitze rutscht man hin und her.
Und lustig ist's im Kadett auch. Die Sitzbezüge aus Kunststoff sind so glatt, dass man darauf Schlittschuh laufen könnte. Im Winter werden sie übrigens auch so kalt. Aber Opel hat nachgedacht und dem kleinen Seefahrer eine gut regulierbare Heizung konstruiert. Und damit der Beifahrer sich nicht ständig in die Klimatisierung des Steuermanns einmischt, sind die Bedienungshebel links vom Lenkrad. Es kommt noch besser, der Breitbandtacho im Kadett ist ein Showstar: Beim Beschleunigen schiebt sich von links eine grüne Zunge in die Skala, zeigt das Tempo an, wechselt bei 50 km/h die Farbe auf Gelb und wird ab 100 warnend Rot.
Fazit Karosserie-Kapitel: Sieg für den Opel Kadett
Bei Platz, Rundumsicht und Bedienbarkeit punktet der Kadett A voll. Käfers Spezialität ist seine hohe Qualität. Die rundliche Form ist zwar niedlich, aber auch unübersichtlich und eng. Und der Ford scheitert an seiner Verarbeitung.
| Karosserie-Wertung |
|
FORD |
OPEL |
VW |
| Platzangebot* |
10 |
10 |
8 |
| Kofferraum/Zuladung* |
10 |
8 |
5 |
| Sitze/Sitzposition* |
4 |
8 |
10 |
| Rundumsicht* |
8 |
10 |
4 |
| Bedienbarkeit* |
8 |
10 |
9 |
| Qualität* |
4 |
8 |
10 |
| Zwischenergebnis |
44 |
54 |
46 |
| *Der jeweils Beste im Test erhält 10 Punkte |
Die Antriebe: Es geht voran
Stärke aller drei Motoren: Sie sind langlebig, zuverlässig und einfach zu warten. Die Motoren machen selten Kummer.
"Hier sehen Sie den Vierzylinder mit der berühmten Opel-Zuverlässigkeit. Sein seidenweicher Lauf wird Ihnen gefallen. Man glaubt zu hören, wie elastisch dieser Motor ist" (Opel-Prospekt, 1963). Wir wissen nicht, wie sich Elastizität anhört. Wir wissen aber, wie sie sich anfühlt und wie man sie misst.
Und sie fühlt sich im Opel gar nicht an. Beim Nachmessen entdeckten wir auch kein bemerkenswertes Talent für diese Übung. Also: kein Beschleunigungskribbeln im Bauch, der Atem stockt nicht. Das gilt nicht nur für den Opel.
VW und Ford tragen noch weniger Begabung zu Sturm und Drang in ihren Genen. Ein Blick in die Messwerte genügt als Beweis. In den Wirtschaftwundern wandern wir lieber. Autowandern, mit viel Zeit und Lust für den Weg. 30 oder mehr Sekunden bis 100 km/h? Auch recht, dauert der Spaß eben länger. Endlich mal Zeit, den Motoren zuzuhören.
Der Sound der Wirtschaftswunderzeit
So klang das Wirtschaftswunder: Der Klang eines VW-Boxers gehörte jahrzehntelang zur Geräuschkulisse im Straßenverkehr.
Wer die Ohren spitzt, erfährt eine Menge. Über Technik, über Herkunft und Geschichte. Im Käfer boxt sich der Motor tapfer durch. Erst, im Drehzahlkeller, dumpf brabbelnd, dann, je höher die Touren, immer heller, immer optimistischer. Natürlich lauter als die anderen, aber nie störend. Das ist der Sound der Hochkonjunktur, das ist der typische Klang eines Boxermotors. Opels Vierzylinder schnarrt wie eine Nähmaschine, die gerade ein Knopfloch säumt. Laufruhig und sanftmütig wechselt der Reihenmotor erst bei hohen Drehzahlen ins kernige Fach. Nähmaschine – da war doch was? Richtig:
Zwischen 1863 und 1911 baute Opel in Rüsselsheim die Dinger. Erfolgreich. Das passt. Aus dem Taunus klingt eine andere, verlorene Welt zu uns hinüber. Kehlig, hohl, holprig – bei allen Drehzahlen. Erstaunlich: Er wird bei höheren Touren kaum lauter (siehe Messwerte). Warum er so klingt? Es liegt am V4 unter seiner Haube. Ein Motorentyp, der wegen rauer Sitten nicht mehr gebaut wird. Trotzdem passt er gut zum Ford, geht eine perfekte Ehe mit der Lenkradschaltung ein.
Ein echter Spaßmacher: die Lenkradschaltung im Ford Taunus
US-Einfluss: Die Lenkradschaltung im Taunus hat zwar ellenlange Schaltwege, macht aber großen Spaß.
Das Teil ist so genial unsportlich. Hier wird der Gangwechsel zum Schalt-Event. Rauf und runter – die Gänge liegen so schön weit auseinander und in den Schaltpausen singt das Getriebe auch mal nicht. Rauf und wieder runter. Nur so. Auch wenn der Motor gerade gar keinen Gangwechsel braucht. Warum gibt es das heute nicht mehr? Opel und VW erledigen den Gangwechsel gewöhnlicher – mit einer Mittelgangschaltung. Im Kadett ist der Schaltstock ellenlang und spaghettidünn, kommt von ganz weit vorn aus dem Fußraum (damit der Fahrer mal rüberrutschen und rechts aussteigen kann). Der dürre, filigrane Schalter bricht trotzdem nicht ab und lässt sich erstaunlich exakt durch alle vier Gänge führen. Superpräzise rutschen die Gangwechsel im Käfer aus dem Handgelenk ins Getriebe. Nur beim Einlegen des Ersten muss man den Hebel durch einen Engpass drücken.
| Fahrzeugdaten
|
|
FORD |
OPEL |
VW |
| Motor Bauart/Zylinder/Einbaulage
|
V4, vorn längs
|
4 in Reihe, vorn längs
|
4-Zylinder Boxer hinten
|
| Ventile/Nockenwellen
|
2 pro Zylinder/1
|
2 pro Zylinder/1
|
2 pro Zylinder/1
|
| Nockenwellenantrieb
|
Stirnräder |
Steuerkette
|
Stirnräder |
| Hubraum
|
1183 ccm
|
993 ccm
|
1192 ccm
|
| kW (PS) bei U/min
|
29 (40)/4500
|
29 (40)/5000
|
25 (34)/3600
|
| Nm bei U/min
|
78/2400
|
71/2200
|
82/2000
|
| Höchstgeschwindigkeit |
125 km/h
|
120 km/h
|
115 km/h
|
| Getriebe
|
4-Gang manuell
|
4-Gang manuell
|
4-Gang manuell
|
| Antrieb
|
Vorderrad
|
Hinterrad
|
Hinterrad
|
| Bremsen vorn/hinten
|
Trommel/Trommel
|
Trommel/Trommel
|
Trommel/Trommel
|
| Testwagenbereifung
|
5,60-13
|
155/80 R 12 S
|
5,60-15
|
| Radgröße
|
4x13"
|
4x12"
|
4x15"
|
| Verbrauch
|
7,5 l
|
7,0l
|
7,5l
|
| Tankinhalt/Kraftstoffsorte
|
38 l/Super
|
33 l/Normal
|
40 l/Normal
|
| Anhängelast gebremst/ungebremst
|
400 kg
|
620/375 kg
|
500/400 kg
|
| Achslast vorn/hinten
|
400/635 kg
|
450/575 kg
|
450/670 kg
|
| AUTO BILD-Messwerte
|
| Beschleunigung 0-50 km/h
|
6,9 s
|
5,8 s
|
6,5 s
|
| 0-100 km/h
|
33,2 s
|
27,2 s
|
35,4 s
|
| Elastizität 60-100 km/h
|
25,3 s (4. Gang)
|
23,3 s (4. Gang)
|
25,8 s (4. Gang)
|
| Leergewicht/Zuladung
|
834/411 kg
|
714/311 kg
|
738/382 kg
|
| Gewichtsverteilung vorn/hinten
|
63/37%
|
51/49%
|
41/59%
|
| Wendekreis links/rechts
|
11,7/11,9 m
|
9,7/9,9 m
|
10,4/10,2 m
|
| Innengeräusch bei 50 km/h
|
72 db (A)
|
70 db (A)
|
68 db (A)
|
| bei 100
|
73 db (A)
|
77 db (A)
|
77 db (A)
|
| Bremsweg aus 100 km/h
|
58,2 m
|
57,2 m
|
57,9 m
|
| Testverbrauch
|
7,5 l
|
6,3 l
|
7,7 l
|
| Reichweite
|
510 km
|
520 km |
520 km |
Fazit Antrieb: Opel mit niedrigstem Verbrauch und bester Beschleunigung
Der zweite Kapitelsieg für den Opel. Aber relativ knapp. Und das ist kein Wunder: Die Motorleistungen der kleinen Wirtschaftswunder liegen dicht beieinander. Platz zwei geht an den VW, dessen Motor bessere Manieren mitbringt als der V4 des Ford.
| Antriebs-Wertung |
|
FORD |
OPEL |
VW |
| Motoreigenschaften* |
7 |
9 |
10 |
| Beschleunigung* |
8 |
10 |
8 |
| Elastizität* |
9 |
10 |
9 |
| Innengeräusche* |
10 |
9 |
10 |
| Getriebe/Schaltbarkeit* |
10 |
9 |
9 |
| Zwischenergebnis |
44 |
47 |
46 |
| *Der jeweils Beste im Test erhält 10 Punkte |
Das Fahrwerk: Oldies auf Schleuderkurs
Fahrdynamik war in den 60ern keine Ford-Stärke. Der 12M fühlt sich eher an wie ein Boot auf hoher See als ein Auto auf der Straße.
"Dieser Wagen hat Frontantrieb. Er ist absolut spursicher. Er kann gar nicht anders" (Ford-Prospekt 1962). Ob das so seine Richtigkeit hat? Der Taunus verlässt die Linie der Vernunft schon auf schnurgerader Straße, schlängelt über den Asphalt wie eine Blindschleiche durchs Gestrüpp. Und kommt nach Korrekturversuchen noch weiter vom Kurs ab. Der Übeltäter ist schnell entlarvt: die Lenkung. Indirekt und ausgeleiert kommt jeder Steuerbefehl verzögert auf der Straße an. Böse Testerzungen behaupten: Wer abbiegen will, muss 500 Meter vor der Kreuzung mit Lenken beginnen. Im Schleuderkurs, Pylonenabstand 18 Meter, artet die wilde Kurbelei dann in schweißtreibende Arbeit aus. Nein, die Ford-Zeit war für den Frontantrieb noch nicht reif. Die Kölner verlegten den Antrieb 1970 beim
Knudsen-Taunus wieder zurück nach hinten.
Unerwartet sportlich: der VW Käfer
Der Slalom-Meister: Der Käfer profitiert von seinem Heckmotor, der die Antriebsräder belastet.
Meister im Schleuderkurs wird der Käfer. Leicht zu lenken, exakt und zielgenau, wirft er sich todesmutig flott um die rotweißen Hütchen. Das schwere Heck drückt den Wagen leichtfüßig ums Eck. Übersteuern nennt man das in der Testersprache. Den Spitznamen Kugelporsche führt der kleine VW-Rundling zu recht. Sein Fahrverhalten ähnelt dem prominenten Verwandten zum Verwechseln. Nur zu spektakulären Heckschwenks fehlt Leistung. Der Opel-Fahrer hat unterdessen alle Hände voll zu tun, nicht von seinem glatten Sitz zu rutschen. Denn der Kadett liegt wie ein Brett, aber das ist kein Plus, sondern wörtlich zu nehmen. Er stelzt steifbeinig wie ein Storch mit Rheuma durch die genormte Pylonengasse. Talentierter (und schneller) als der behäbige Ford bewegt er sich aber allemal um die Kurve. Schluss mit lustig ist für Kadetten auf schlechten Wegen. Dann zeigt der kleine Opel, was er unter sich trägt: ein Postkutschen-Fahrwerk mit Querblattfeder vorn – hier Weitspaltfeder genannt – und zwei Blattfedern hinten. Und darauf hoppelt er über Bodenwellen wie das aufgescheuchte Häschen aus der Grube.
Der Kadett liegt straff, der Taunus schaukelt
Elchtest mit einem 1962er Kadett? Kein Problem, er fährt ihn zwar langsam, meistert ihn jedoch mit stoischer Gelassenheit.
Geht es um das Verhalten auf Bodenwellen, müsste der Taunus eigentlich Kadett heißen. Der Ford schaukelt seine Passagiere über Straßen, als hätten sie eine Transatlantik-Passage auf der Queen Mary mit Sturmgarantie gebucht. Nett: Kreuzfahrer von gestern sind die entspannten Cruiser von heute. Gar nicht nett: Blasen die Böen von der Seite, sollten Fahrer der Wirtschaftswunder auf jeden Fall das Lenkrad gut festhalten. Sonst kommen die leichten Wagen weit vom Kurs ab. Vor allem das Käferchen wird schnell vom Winde verweht. Davon abgesehen fühlen sich VW-Reisende wohl. Käferbeine tragen nämlich große Schuhe. 15-Zoll-Räder sorgen für Ruhe, selbst auf gemeinem Kopfsteinpflaster. Beim Anhalten helfen aber auch die Riesenräder nicht: Um 58 Meter muss man bei einer Vollbremsung aus 100 km/h im Käfer – und auch bei Ford und Opel – einkalkulieren, darunter geht kaum was. Fast 60 Meter Bremsweg: Früher war Autofahren tatsächlich weit gefährlicher.
Fazit Fahrwerke: Oldies auf Schleuderkurs
Die eigentliche Überraschung ist in diesem Kapitel der VW Käfer. Heckmotor und -Antrieb verschaffen ihm tatsächlich Vorteile im Kurvenverhalten. Vor allem gegenüber dem Ford Taunus mit Frontantrieb, der nur im Federungskomfort überzeugt.
| Fahrwerk-Wertung |
|
FORD |
OPEL |
VW |
| Lenkung* |
4 |
8 |
10 |
| Bremsen* |
9 |
10 |
8 |
| Kurvenverhalten* |
6 |
9 |
10 |
| Geradeauslauf* |
6 |
10 |
9 |
| Federnugskomfort* |
10 |
6 |
8 |
| Zwischenergebnis |
35 |
43 |
45 |
| *Der jeweils Beste im Test erhält volle Punktzahl |
Kosten-Vergleich: Die Aktien stehen gut
Taunus 12M, Kadett A und Käfer sind auch heute noch empfehlenswerte Einstiegsmodelle: in das Oldtimer-Hobby.
"Temperament sozusagen kostenlos. Ein lebendiger Wagen. Zurückhaltend ist er nicht, nur in einem Punkt: in seinen Ansprüchen" (Opel-Prospekt, 1963). Nicht umsonst nennen wir Taunus, Kadett und Käfer die kleinen Wirtschaftswunder. Einfache und genügsame Autos standen Anfang der 60er-Jahre hoch im Kurs. Und doch überraschten uns die Verbrauchswerte: Zwischen 6,3 (Opel) und 7,7 Liter (VW) flossen im Test durch die Vergaser. Normal, versteht sich. Da wird Oldie fahren zum preiswerten Vergnügen. Steuer und Versicherung sind dank H-Kennzeichen ein Klacks, zur Wartung müssen sie alle 5000 Kilometer (Opel und VW), der Ford erst nach 10.000 Kilometern.
| Kosten |
|
FORD |
OPEL |
VW |
| Steuern pro Jahr |
192 Euro |
192 Euro |
192 Euro |
| Versicherung (Haftpflicht und Vollkasko) |
169 Euro |
169 Euro |
169 Euro |
| Werkstattintervalle |
10.000 km |
5000 km |
5000 km |
| Kosten Ölwechsel/Inspektion |
100/320 Euro |
120/320 Euro |
90/370 Euro |
| Zeitwert (Zustand 2) |
5000 Euro |
6000 Euro |
10.000 Euro |
Typisch Oldtimer: niedrige Unterhaltskosten, kein Wertverlust
Größter Brocken auf dem Weg zum klassischen Fahrspaß ist die Anschaffung: Den Kadett A gibt es – in Zustand zwei – ab etwa 6000 Euro, der Ford wird ab 4500 Euro gehandelt. Käfers Preise liegen bei 7000 bis 10.000 Euro, besonders gute Exemplare – wie unser Testwagen mit Faltdach – auch deutlich darüber. Für alle drei gilt: Wertverlust war gestern, heute können sie alle – vor allem aber der Käfer– mit einer Wertsteigerung rechnen.
| Kosten-Wertung |
|
FORD |
OPEL |
VW |
| Steuer* |
10 |
10 |
10 |
| Versicherung* |
10 |
10 |
10 |
| Verbrauch* |
9 |
10 |
8 |
| Wartungsintervalle* |
10 |
6 |
6 |
| Wertentwicklung* |
6 |
8 |
10 |
| Zwischenergebnis |
45 |
44 |
44 |
| *Der jeweils Beste im Test erhält 10 Punkte. |
Fazit von AUTO BILD-Redakteur Andreas Borchmann
Testsieger: der Kadett. Bestes Raumangebot, gute Fahrleistungen und Fahreigenschaften, wirtschaftlicher Unterhalt.
Es fällt schwer, einen Sieger zu küren. Denn eigentlich haben wir alle drei kleinen Wirtschaftswunder ganz doll lieb. Trotzdem: Die Punkte der AUTO BILD KLASSIK-Wertung sind unbestechlich – und sie sehen den Opel Kadett vorn. Mit überraschend viel Platz und einem laufruhigen Motörchen. Der Käfer krabbelt auf den zweiten Platz, was er seinem fast schon sportlichen Fahrverhalten verdankt. Weshalb der große Taunus so weit zurückfällt, werden Ford-Fans jetzt vielleicht fragen? Das liegt am Frontantrieb, den die Kölner damals nicht richtig im Griff hatten.
| Gesamt-Wertung |
|
OPEL |
VW |
FORD |
| Karosserie |
54 |
46 |
44 |
| Antrieb |
47 |
46 |
44 |
| Fahrwerk |
43 |
45 |
35 |
| Kosten |
44 |
44 |
45 |
| Gesamtergebnis |
188 |
181 |
168 |
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