Lange bevor man bei Mercedes die EQ-Technik implantierte und aktuell mit dem CLA einen vollelektrischen Reichweitenkönig auf die Straße bringt, dachte man bei Daimler über vollelektrische Antriebe nach. Ein prägnantes Beispiel ist der C-Klassen-Vorgänger: Mit dem Mercedes 190 E Elektro sammelte der Hersteller Anfang bis Mitte der 1990er-Jahre Erfahrungs- und Testwerte mit batterieelektrischen Fahrzeugen.
Vor dem Erscheinen der A-Klasse 1997 war der Mercedes 190 (W 201) als kleinster Benz das ideale Basisfahrzeug. Mehrere Autos bekamen im Werk einen Elektroantrieb an der Hinterachse eingebaut. Um im elektrischen Alltagsbetrieb Erfahrungen zu sammelt, nahmen zehn elektrische Baby-Benze an einem Forschungsprojekt zur Elektromobilität auf Rügen teil. Auch in der Mercedes-Heimat Stuttgart wurden die kleinen E-Limousinen eingesetzt.
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Zehn elektrische Mercedes 190 im Feldversuch auf Rügen getestet

Hintergrund war die Teilnahme von Mercedes an einem Feldversuch auf der Insel Rügen, initiiert vom Bundesforschungsministerium zwischen 1992 und 1996. Dabei sollten Elektroautos, Energiesysteme und Batterien im Alltag getestet werden. Neben Mercedes nahmen auch BMW, Opel, Fiat und VW sowie der Nutzfahrzeughersteller Neoplan teil.
Mercedes-Benz 190 (W 201) mit Elektroantrieb
Dieser grüne Mercedes 190 "E" nahm an einem Elektroauto-Forschungsprojekt auf der Insel Rügen teil.
Bild: Daimler AG
Die Stuttgarter schickten zehn elektrische 190er in den Dauerbetrieb auf die Ostseeinsel. An deren Hinterrädern saßen zwei permanentmagnetisch erregte Gleichstrommotoren mit je 22 PS Leistung. Die Gesamtleistung von 44 PS brachte den Elektro-190er in neun Sekunden von null auf Tempo 50, mehr als 120 km/h waren nicht drin. Immerhin: Trotz der Batterien verfügten die stromgetriebenen Fahrzeuge über fünf Sitzplätze, der Platz auf der Hinterbank blieb modellbedingt beengt.
Ehemaliger Motorraum im Mercedes 190 E Elektro
Unter der Haube des elektrischen 190ers saßen Regeltechnik und Batterien, die beiden E-Motoren an der Hinterachse. Im Bereich des Kühlergrills ist ein handelsüblicher Schukostecker zu erspähen.
Bild: Mercedes-Benz
Zum Test wurden zwei Batterietypen verbaut: drei 190er erhielten Nickel-Cadmium-Batterien, zwei bekamen Natrium-Schwefel-Hochenergiebatterien, die fünf übrigen Natrium-Nickelchlorid-Hochenergiebatterien. Damit waren die Mercedes 190 nicht nur Versuchs-E-Autos, sondern auch Versuchsträger für die Batterieentwicklung.
Die elektrische Reichweite war auf 80 bis 175 Kilometer skaliert, im Alltag wurden regelmäßig 100 Kilometer erzielt. Auch grüne Energie wurde geladen: Die Ladestationen wurden von Sonnenkollektoren gespeist.

Elektro-190er spulte 100.000 Pendel-Kilometer ab

Zur gleichen Zeit liefen zum E-Auto konvertierte 190er in Stuttgart im täglichen Taxibetrieb. Die Wagen kamen auf eine Dauerleistung von 26 PS und eine Spitzenleistung von 42 PS. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 110 km/h.
Mercedes-Benz 190 (W 201) mit Elektroantrieb
Zur gleichen Zeit schrubbten die Ingenieure in Stuttgart mit diesem Elektro-190er fleißig Kilometer.
Bild: Daimler AG
Die Elektro-190er, einer mit dem Kennzeichen S-KT 4868, fuhren täglich zweimal eine 85 Kilometer lange Strecke durch die Stadt, über Landstraßen und autobahnähnliche Schnellstraßen. Zwischen den Fahrten wurden die elektrifizierte Baby-Benze mindestens acht aufgeladen. In drei Jahren Laufzeit sammelte auch dieser 190er mehr als 100.000 Kilometer. Und das problemfrei. Ein erster Blick auf die Vorteile der Elektromobilität – E-Autos haben weniger Pannen als Verbrenner.

Kommentar

Der Baby-Benz war als 190 E Elektro ein elektrischer Wegbereiter: Er ebnete die Straße zur elektrischen Limousine mit Stern. Es waren die ersten Fahrversuche, aber sie brachten viele Erkenntnisse. Einen elektrischen 190er würde ich heute gern fahren!