Mercedes-Mittelklasselimousinen der Jahrzehnte
Früher spießig, heute cool: alle Mercedes 200

Jahrzehntelang waren sie der Inbegriff des Aufsteigerautos, des ersten Mercedes, den man sich leisten konnte: die 200er. Was macht sie heute so cool?
Bild: Aleksander Perkovic / AUTO BILD
Die 200er Limousinen von Mercedes waren seit Mitte der 1960er-Jahre – ach was: schon in den 1920er-Jahren die prototypischen Autos, die man sich hart erarbeitet hat. Wie kommt das? Was zeichnet diese Mercedes aus, und wie unterscheiden sie sich?
Wir zeigen die ersten neun der elf Baureihen und analysieren, ob diese einst eher spießigen Autos heute bei all ihren Unterschieden durchweg als cool gelten – und wenn ja, warum.
Springen wir gleich mal mitten rein ins Jahr 1968 – auf die drei Baureihen davor gehen wir natürlich auch ein, weiter unten.
1968: Mercedes 200 "Strichacht" (W 115), der Millionenbenz
Der Mercedes mit dem Beinamen /8 oder Strichacht war der erste, der Mercedes-Qualität und -Prestige einem Millionenpublikum zugänglich machte: Bis 1976 entstanden 1.937.627 Exemplare – mehr als von allen anderen damals seit 1945 gebauten Mercedes-Personenwagen zusammen!

Gelbe Nebelscheinwerfer unter den Hauptscheinwerfern und gelbe Zusatzleuchten machen diesen Mercedes 200 D Strichacht auffällig.
Bild: Markus Heimbach / AUTO BILD
Wir haben einen Mercedes 200 D fotografiert, den Zweiliter-Diesel mit den gleichen 55 PS wie im Vorgänger. Seine Kernkompetenzen sind Sparsamkeit, Haltbarkeit und – öhm – Gemütlichkeit. Oder wie sonst soll man eine Beschleunigung von null auf Tempo hundert in 31 Sekunden (!) beschönigen?
Souveräner und etwas weniger rau fährt sich der 95 PS starke Benziner. In so einen Mercedes 200 Strichacht kann man in Aachen einsteigen, in einem Rutsch bis nach Görlitz durchrauschen und dort entspannt wieder aussteigen. Das Anstrengendste an so einer Fahrt ist die Sendersuche per Drehknopf im alten Becker-Radio.

Das Italien-Exportmodell erkennt man unter anderem an der geteilten hinteren Stoßstange, die einem "Kuchenblech"-Nummernschild Platz macht.
Bild: Markus Heimbach / AUTO BILD
Was macht diesen Mercedes 200 cool?
Mercedes-Enthusiast und -Kenner Lars Busemann schrieb in AUTO BILD KLASSIK, der Strichacht "weckt die Geborgenheit einer schwäbischen Wohnküche, nur die hölzerne Eckbank fehlt. Noch gemütlicher wird es, wenn es regnet und die Scheibenwischer im Schmetterlingsprinzip über die Windschutzscheibe gleiten."
1975: Mercedes 200 (W 123), der mit den Ochsenaugen
18.331 Mark und 60 Pfennige – das war 1975, als die neue Baureihe W 123 startete, der Einstiegspreis für den Mittelklasse-Mercedes 200. Viel Geld für ein äußerst karg ausgestattetes Auto.

Klinkerhaus, Vorgarten, Garage, Mercedes 200 (W 123) davor: ein bürgerliches Idyll. In der Modefarbe "Coloradobeige" mit Standardstoff in "Tabak" war so ein schlichter 200 das Spiegelbild eines aufgeräumten Wohnzimmers.
Bild: Aleksander Perkovic / AUTO BILD
Noch dazu war der technische Fortschritt gegenüber dem Strichacht bescheiden: Doppel-Querlenkerachse vorn, Sicherheitslenksäule, größeres Wischerfeld (78 statt 61 Prozent der Frontscheibe!), crashsicher platzierter Tank, größerer Innenspiegel, größerer Rückfahrscheinwerfer.
Der Zweiliter-Benziner aber basierte immer noch auf dem aus der Heckflosse, fast den gesamten Antriebsstrang übernahm Mercedes aus dem Strichacht.
Dennoch war die Nachfrage größer als die Fertigungskapazität. Lieferzeiten wurden teils nicht in Monaten, sondern in Jahren gemessen. Wo der Wunsch nach einer Mercedes-Mittelklasse größer war als die Geduld, wurden happige Handgelder für Neuwagen-Kaufverträge bezahlt und sogar Gebrauchte über Listenpreis gehandelt.

Die geriffelten Heckleuchten sollten selbst bei schlimmstem Dreck noch alle paar Zentimeter Licht nach außen durchlassen. Viel Chrom und die geschwungenen Radläufe hinten sind eher dekorativ als sachlich.
Bild: Aleksander Perkovic / AUTO BILD
Was macht diesen Mercedes 200 cool?
Der 70er-Jahre-Vibe. Schon in den 2000er-Jahren suchte uns eine orangebunte Retro-Welle heim, junge Hipster entdeckten Bärte, Hornbrillen und Jägermeister für sich. Ein früher Mercedes W 123 mit "Ochsenaugen"-Scheinwerfern, am besten in "Saharagelb", "Kaledoniengrün" oder "Cayenneorange", unterstreicht diesen Stil perfekt. Wer lieber den kühlen Achtzigern hinterherhängt, wird mit einem dunkelblauen Facelift-W-123 glücklich.
1984: Mercedes 200 (W 124), der Peak-Daimler
Der eigentliche Gamechanger der Marke in den 80er-Jahren war 1982 der Mercedes 190 (W 201), Vorläufer der C-Klasse. Das Design war neuartig, die Hinterachse eine Revolution, vor allem aber öffnete der 190er die Modellpalette von Mercedes nach unten. Erstmals musste man nicht auf einen Mittelklassewagen sparen, um sich einen Mercedes leisten zu können.
Eine Entwicklung, die 1997 die A-Klasse noch radikaler weiterführte. So haben wir heute unterhalb der E-Klasse die Auswahl aus A-, B-, C-Klasse, CLA, GLA, GLB, EQA, EQB, QVC … nein, Quatsch, kein QVC. Jedenfalls hat die Strahlkraft der Mittelklasse-Limousinen als Ziel des Kleinsparers seit dem 190er deutlich nachgelassen.
Von ihm, dem Baby-Benz, erbte der Mercedes W 124 die Formensprache, chromarm und aerodynamisch (cW-Wert erst ab 0,29, später sogar ab 0,26), und die ausgefuchste Raumlenker-Hinterachse. Viele störten sich an den Käseecken-Heckleuchten der Limousine, nicht aber an der neuartig tiefen Ladekante des Kofferraums.

Auf den frühen Mercedes 200 (W 124) mit Vergaser folgte 1985 der 200 E mit Einspritzung.
Bild: Mercedes-Benz
Wieder mal hatte Mercedes am Wischerfeld der Scheibenwischer gearbeitet: Es gibt nur einen Wischer, der aber hebt und senkt sich um die Längsachse, so dass er durch die oberen Ecken der Frontscheibe wischt. So deckt er 86 Prozent der Scheibe ab.
Den 1980 neu entwickelten Zweiliter-Vierzylinder Typ M 102 gab es als Zweiliter in Deutschland zunächst nur mit Vergaser und 109 PS. Die Einspritzvariante 200 E (122 PS) blieb bis August 1988 Italien vorbehalten; ab September gab es ihn auch mit Kat und 118 PS in Deutschland.
Mitte 1993 wurde aus der "Mittelklasse" die "E-Klasse": Das E wurde der Zahl vorangestellt.

Bild: Mercedes-Benz
Was macht diesen Mercedes 200 cool?
Wer mit Mercedes als Luxusmarke aufgewachsen ist, dem muss man das erklären: Sie boten immer schon Luxus, auch vom 124er gab es sehr luxuriöse Varianten – aber der 200er als W 124 (oder Kombi namens S 124) war im Grunde die Spitze der Sachlichkeit. Für Mercedes, vielleicht sogar die ganze Autobranche. Extrem durchdacht, funktional, hochwertig. Zwischen der Modellpflege "Mopf 1" im September 1989 und "Mopf 2" Mitte 1993 war auch die Qualität und Haltbarkeit auf ihrem Zenit. Das war peak Benz. Gerade bei einem schlicht ausgestatteten Vierzylinder lenkt kein Chichi davon ab.
1995: Mercedes E 200 (W 210), der Prügelknabe
Die Tragik dieser Baureihe liegt darin, dass niemand über ihre größten Stärken spricht. Denn als die 210er E-Klasse 1995 auf den Markt kam, diskutierten alle über das ungewohnte neue "Vier-Augen-Gesicht" (genialer Werbespruch: "Sehen Sie Mercedes mit anderen Augen"). Und als sie ein paar Jahre alt war, schlugen alle die Hände überm Kopf zusammen, weil der W 210 so übel rostete.

Bild: Mercedes-Benz
Ihre größten Stärken aber waren die rund 30 technischen Neuerungen: darunter Gurtkraftbegrenzer, gegen Aufpreis Regensensor (ein Jahr nach dem Peugeot 406) und Luftgütemesser in der Klimaautomatik.
Der Basis-Zweiliter im E 200 leistet anfangs 136 PS, die Kompressor-Varianten 163 bis 192 PS.
Den Vierzylinder-Diesel mit nun vier Ventilen erbte der W 210 aus der ersten C-Klasse W 202 – Basis war der M 604 mit 88 PS im E 200 Diesel. 1998 brachte Mercedes seine Direkteinspritzer-Diesel mit Common-Rail-Technik (OM 611), ebenfalls Vierventiler, im Mercedes E 200 CDI – allerdings mit um die 2150 Kubikzentimetern. Das war in dieser Klasse das erste Mal, dass "200" nicht automatisch für zwei Liter Hubraum stand. Den E 200 CDI gab es mit 102 und 115 PS.

Bild: Mercedes-Benz
Was macht diesen Mercedes 200 cool?
Der W 210 ist wegen seiner Rostprobleme ein Prügelknabe der Autoszene. Wer ihn trotzdem bewusst als Klassiker fährt, demonstriert damit die wahrscheinlich sympathischste Art der Coolness: Man zeigt, dass man sich und sein Auto nicht allzu ernst nimmt und dass man ein Auto nicht als Ego-Booster braucht. Wie Ente oder Trabi, Fiat Multipla oder Pontiac Aztec, nur bequemer.
2002: Mercedes E 200 Kompressor (W 211), die Wellness-Oase
Kaum hatte Mercedes erste Erfolge, das Rost-Debakel aus W-210-Zeiten in den Griff zu kriegen, fielen beim W 211 reihenweise die neu entwickelten SBC-Bremsanlagen aus. Es war die Zeit der großen Elektronikprobleme, fast quer durch die Branche.

Bild: Mercedes-Benz
Fortschritte brachten die neu entwickelte Vierlenker-Vorderachse und – gegen Aufpreis – die elektronisch gesteuerte Luftfederung Airmatic und die Vier-Zonen-Klimaanlage Thermotronic.
Was man potenziellen Beifahrerinnen besser nicht erzählt: Eine Sensormatte in der Sitzfläche des Beifahrersitzes misst das Gewicht der Passagierin oder des Passagiers. Es erscheint aber nicht im Display, sondern die Messung hilft dabei, im Crashfall die richtige Stufe des Airbags und des Gurtkraftbegrenzers auszulösen.
Basismodell war der E 200 Kompressor – Schluss also mit Benzinern um die 100 PS, nun ging es bei 163 PS, später sogar bei 184 PS los. Vom E 200 Kompressor gab es auch eine Erdgas-Variante mit angeblich ebenfalls 163 PS, den E 200 NGT mit großen Gasflaschen im Kofferraum, die zusätzlich zum 65-Liter-Benzintank noch 18 Kilogramm Erdgas bunkerten – damals, als man noch dachte, Erdgas wäre umweltfreundlich und hätte Zukunft.
Dass die Ziffer im Namen nicht mehr 1:1 auf den Hubraum schließen ließ, schlich sich nun auch beim 200er Benziner ein: Der E 200 hatte nur noch 1,8 Liter Hubraum.
Die Leistung des Diesels im E 200 CDI stieg über die Baujahre von 102 über 122 auf 136 PS, zur Freude der Taxifahrer.

Bild: Mercedes-Benz
Was macht diesen Mercedes 200 cool?
Das Fahren darin. Nach einem langen, anstrengenden Tag ist die Rückfahrt im W 211 entspannend wie ein Urlaub. Ein Faktor, der dazu beiträgt, ist die indirekte Lenkung – die letzte in einer E-Klasse.
Eine Schau sind die Multikontursitze: In scharf gefahrenen Rechtskurven bläst sich die linke Sitzwange auf, um Fahrer und Beifahrer zu stützen, und umgekehrt. Und an der Spracherkennung Linguatronic kann man Kindern zeigen, wie es damals war, als erstmals ein digitales Endgerät auf menschliche Sprache hörte.
2009: Mercedes E 200 (W 212), der Agile
Die geschwindigkeitsabhängige "Parameterlenkung" spricht viel direkter an als die im Vorgänger, mit der aufpreispflichtigen "Direktlenkung" lenkt man nochmals schneller bis zum Anschlag. Auf einmal fühlt sich die E-Klasse also deutlich agiler an als der Vorgänger – so sehr, dass man sich fast ein strafferes Fahrwerk wünscht.

Bild: Mercedes-Benz
Erstmals seit der Heckflosse W 110 (siehe unten) gibt es wieder einen Mittelklasse-Mercedes mit der Ziffer 180: Basismodell ist der E 180, der nicht 1,8, sondern sogar nur 1,6 Liter Hubraum hat – dank Turbo und Benzindirekteinspritzung aber 156 PS.
Unter dem Namen E 200 bot Mercedes nun eine bunte Mischung unterschiedlicher Motoren an: zunächst den E 200 Blue Efficiency, also den 1,8-Liter aus dem Vorgänger mit Turbo-Direkteinspritzung und 184 PS. Von 2013 an den gleichen Aufbau mit gleicher Leistung, aber aus zwei Litern und ohne den Zusatz Blue Efficiency, obwohl der Normverbrauch um einen Liter sank! 2011 kam der Erdgas-1.8er im Mercedes E 200 NGT Blue Efficiency: ohne Turbo und Direkteinspritzung, dafür mit Kompressor. Und 163 PS. Den löste 2013 der E 200 Natural Gas Drive ab, wie der neue Benziner mit zwei Litern, Turbo und Direkteinspritzung, hier aber nur mit 156 PS.
Übersichtlicher ist die Lage beim Diesel: Der 200er hat hier immer 2143 Kubikzentimeter, Common-Rail-DI, Turbo und 136 PS. Bis 2014 hieß er Mercedes E 200 CDI, danach E 200 Bluetec.

Bild: Mercedes-Benz
Was macht diesen Mercedes 200 cool?
Die Stoffsitze im Elegance-Modell: Die Pfeifen in Längsrichtung sehen schwer retro aus, und mit ihrem hohen Anteil an Wolle nehmen sie viel Feuchtigkeit auf.
Im Zeitalter der digitalen Aufrüstung finden Technik-Fans auch die Dämpfung cool: Denn sie ist variabel, funktioniert aber rein mechanisch. Bei sanfter Fahrweise reagiert sie weich, bei mehr Stress am Stoßdämpfer, zum Beispiel wegen schneller Kurven, strafft sie sich. Ohne Sensor, ohne Steuergerät.
Über die Baureihen W 213 (2016 bis 2023) und W 214 (seit 2023) berichten wir ausführlicher unter anderem hier und hier. Um einschätzen zu können, was deren 200er-Modelle als Gebrauchtwagen oder gar Youngtimer cool macht, müssen wir ihnen noch ein wenig Zeit geben.
Kleine Pause, ein Gedicht
Bevor wir gleich auch noch die drei ältesten 200er-Limousinen von Mercedes vorstellen, hier erst mal ein paar Verse, die wir den Baureihen der Nachkriegszeit – den deutschen Eichen unter den Autos – gedichtet haben:
Ein Gedicht über die Mercedes 200 Limousinen
Ein Gedicht über die Mercedes 200 Limousinen
„Mercedes würde ich gern kaufen“,
hört man Papa die Haare raufen.
„Doch wer bitte soll das begleichen?
Gehör ich etwa zu den Reichen?“
Es fragten sich zu allen Zeiten
die Leistungsfähigen und -bereiten,
ob’s möglich wär, sich aufzuschwingen
und einen Daimler zu erringen.
hört man Papa die Haare raufen.
„Doch wer bitte soll das begleichen?
Gehör ich etwa zu den Reichen?“
Es fragten sich zu allen Zeiten
die Leistungsfähigen und -bereiten,
ob’s möglich wär, sich aufzuschwingen
und einen Daimler zu erringen.
Zur Diskussion stand, was nicht wundert,
meist ein Mercedes-Benz Zweihundert.
Denn erstens schien es durchaus möglich,
ihn sich zu leisten, wenn man täglich
Kartoffelsuppe aß statt Braten,
den Urlaub nicht mehr in den Staaten,
stattdessen nun im Spessart plante,
kurz: stets zum Sparen sich ermahnte.
meist ein Mercedes-Benz Zweihundert.
Denn erstens schien es durchaus möglich,
ihn sich zu leisten, wenn man täglich
Kartoffelsuppe aß statt Braten,
den Urlaub nicht mehr in den Staaten,
stattdessen nun im Spessart plante,
kurz: stets zum Sparen sich ermahnte.
Und zweitens muss man unterstreichen:
Mercedes sind wie deutsche Eichen.
Ob Vorkriegs-Benz, ob Eins-zwo-drei:
Sie halten ewig, und dabei
beschützen sie vorm stärksten Regen
und könn’ das Sprichwort widerlegen,
wonach man Buchen sucht statt Eichen,
um den Gefahren auszuweichen.
Die drohen bei Gewitterschauer.
Die Wissenschaft ist da schon schlauer.
Nur morsche Hundertzehner-Leichen,
die blättern wie im Herbst die Eichen.
Mercedes sind wie deutsche Eichen.
Ob Vorkriegs-Benz, ob Eins-zwo-drei:
Sie halten ewig, und dabei
beschützen sie vorm stärksten Regen
und könn’ das Sprichwort widerlegen,
wonach man Buchen sucht statt Eichen,
um den Gefahren auszuweichen.
Die drohen bei Gewitterschauer.
Die Wissenschaft ist da schon schlauer.
Nur morsche Hundertzehner-Leichen,
die blättern wie im Herbst die Eichen.
Zweihunderter sind bodenständig,
ihr Temperament zwar nicht unbändig –
doch einen Unterschied gibt’s nur
zwischen der Technik und Natur.
Noch schneller, als die Eichen wachsen,
drehen sich selbst Strichachter-Achsen.
ihr Temperament zwar nicht unbändig –
doch einen Unterschied gibt’s nur
zwischen der Technik und Natur.
Noch schneller, als die Eichen wachsen,
drehen sich selbst Strichachter-Achsen.
Erfülln Zweihunderter per se
nicht wirklich jegliches Klischee?
Wer Häuschen baut, auf Scheiben schießt,
gern gutes deutsches Bier genießt,
wer Bäume pflanzt und Kinder zeugt,
der ist auch für ’nen Benz bereit.
Doch Hippies und Consultingfritzen
lassen sich auch von ihm beschützen.
nicht wirklich jegliches Klischee?
Wer Häuschen baut, auf Scheiben schießt,
gern gutes deutsches Bier genießt,
wer Bäume pflanzt und Kinder zeugt,
der ist auch für ’nen Benz bereit.
Doch Hippies und Consultingfritzen
lassen sich auch von ihm beschützen.
Vertraun zu ihm ist fest verwurzelt.
Die einst’gen Preise sind gepurzelt,
der Unterhalt der Auto-Eichen
(Versicherung und H-Kennzeichen)
ist heut erträglich für die meisten.
So kann sich’s auch der Papa leisten.
Die einst’gen Preise sind gepurzelt,
der Unterhalt der Auto-Eichen
(Versicherung und H-Kennzeichen)
ist heut erträglich für die meisten.
So kann sich’s auch der Papa leisten.
Die 200er Modelle von Mercedes haben dermaßen lange Deutschlands Auffahrten geprägt – da mussten wir ihnen einfach mal ein Lied singen.
Wie versprochen, zeigen wir hier noch die drei historischen 200er Mercedes vor dem Strichacht:
1928: Mercedes 8/38 PS Typ Stuttgart 200 (W 02), der Ursprung
Schon der erste Mercedes mit der 200 im Namen war das günstige Massenmodell der Marke und trug die 200 wegen des Hubraums, was bis 1998 beim W 210 so durchgezogen wurde (siehe oben).

Bild: Mercedes-Benz
Der Mercedes W 02 kam 1926 auf den Markt, schon mit zwei Litern, aber noch ohne 200 im Namen. Zum Start hatte er jede Menge Kinderkrankheiten – der Konstrukteur namens Ferdinand Porsche fiel deshalb bei Daimler-Benz in Ungnade.
1928 aber war es da: das verbesserte Modell mit dem sperrigen Namen "8/38 PS Typ Stuttgart 200". Der Zweilitermotor war ein Sechszylinder-Reihenmotor, und mit seinen 38 PS schaffte das Schnauferl 80 km/h – in Vor-Autobahn-Zeiten völlig alltagstauglich.

Bild: Mercedes-Benz
Was macht diesen Mercedes 200 cool?
Der Stil. Alles an seiner Optik schreit "Babylon Berlin", man will im dreiteiligen Schurwoll-Anzug, mit breitkrempigem Hut und Assistentin Charlotte Ritter auf Verbrecherjagd gehen.
1933: Mercedes 200 (W 12), der Finstere
Der Nachfolger war nur zwei PS stärker, bot aber diverse Neuerungen. Die Broschüre nannte die von innen zu betätigende Zentralschmierung, Tiefrahmen, Einzelradlenkung, Diebstahlsicherung. "Zur Ausstattung gehören Stoßstangen vorn und hinten."

Bild: Wolfgang Groeger-Meier / AUTO BILD
Was aber ist eine Einzelradlenkung? Wir haben nachgesehen, es lenkten immer beide Räder. Da waren wir doch beruhigt.
Ein Manko des Wagens war seine enge Karosserie, insbesondere der knappe Einstieg nach hinten. So wünschten vor allem Taxiunternehmen mehr Platz. Schon ein Jahr später kam daher der 200 "lang" auf den Markt, um 33 Zentimeter gestreckt und mit sechs Sitzen, außerdem der Pullman mit 49 cm mehr.

Bild: Wolfgang Groeger-Meier / AUTO BILD
Was macht diesen Mercedes 200 cool?
Viele Details sind – typisch für Autos der 30er-Jahre – sehr schön, den Motor mit dem Fußhebel anzuwerfen, ist immer etwas Besonderes, der Sechszylinder läuft kuschlig sanft, und als Taxi mit sechs Sitzen ist dieser 200 natürlich origineller als jeder VW Touran. Aber cool? Im Kopfkino verbinden wir diesen etwas finsteren Wagen eher mit Nazi-Funktionären als mit Komödien-Schauspielern wie Heinz Rühmann und Grethe Weiser.
1965: Mercedes 200 "Heckflosse" (W 110), der verspätete Ami-Schlitten
Lange hießen die bürgerlichen Mercedes nur 170, 180 und 190. Auch diese Baureihe kam 1961 mit der Ziffer 190 und 1,9 Liter Hubraum auf den Markt. Erst gut vier Jahre später erhöhte Daimler den Hubraum auf zwei Liter (und bettete die Kurbelwelle in fünf statt drei Lager), so gab es von 1965 an den Mercedes 200 Benziner mit 95 PS und den 200 D mit 55-PS-Diesel.

Bild: Aleksander Perkovic / AUTO BILD
Die "gestaltfeste Fahrgastzelle" mit soliden "Keilzapfentürschlössern" (Mercedes-Jargon jener Jahre) war schon seit dem Mercedes-Ponton der 50er-Jahre Teil des Sicherheitskonzepts.
Die Amerikaner hatten sich gerade von Heckflossen verabschiedet, da traute sich Mercedes erstmals so ein gewagtes Detail. Heckflossen? Mercedes-Händler berichtigten: "Peilstege" wären das! Sehr praktisch beim Einparken. Nicht dass noch jemand denkt, an einem Mercedes gäbe es Schnickschnack oder Firlefanz! Ja, es war eine andere Zeit. Die Designstudios hießen noch Stilistik-Abteilung, und das Motto war, Mercedes müsse stets "in Rufweite hinter der Mode" bleiben.

Bild: Aleksander Perkovic / AUTO BILD
Was macht diesen Mercedes 200 cool?
Der Reiz der Kontraste: schneidige, amerikanisch aussehende Heckflossen an einem bürgerlichen, zutiefst vernünftigen Auto. Das gleiche Heck, ja: Die ganze Karosserie, nur länger, gab es auch an den luxuriösen Modellen der Baureihe W 111 ("große Flosse"), dem Vorläufer der Mercedes S-Klasse. Die "kleine Flosse" W 110 parkte aber auch vor schmalen Reihenhäuschen und auf Bauernhöfen. Am coolsten ist, mit diesem bereiften Wohnzimmer durch die Gegend zu schaukeln.
Neben den 200er Limousinen hatte Mercedes auch sehr schöne Kombis, Coupés und Cabrios mit der 200 im Namen, darunter Mercedes SLK und CLK 200 Kompressor. Der größte Brocken war der V 200 CDI. In Italien gab es sogar den Geländewagen als 200 GE. Aber das ist eine andere Geschichte.
Kommentar
Wenn ich mir eine 200er-Limousine von Mercedes aussuchen könnte – welchen würde ich nehmen?
Der W 124 ist ein grandioses Auto, ich bewundere seine Schöpfer. Als Klassiker wäre er mir persönlich ein bisschen zu erwartbar, zu Mainstream.
Auf eine Heckflosse hätte ich große Lust. Ein für Mercedes-Verhältnisse verspieltes, fast romantisches Auto, das sich als Benziner urgemütlich fährt. Hätte ich nicht schon einen Oldtimer, der das gleiche noch etwas besser kann, fiele meine Wahl auf den W 110.
In mein Leben könnte ein W 211 passen: in Sachen Gemütlichkeit der legitime Nachfolger der Heckflosse, auch er ein herausragend gutes Auto. Ich würde dann aber den Kombi S 211 nehmen – der ist vielseitiger und für die große Urlaubsreise noch lässiger.
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