Ein neues Kapitel in der Markengeschichte von Mercedes: Die neue Chef-Limo, die im September 1972 zu den Händlern rollt, heißt erstmals S-Klasse. Das Auto mit dem Baureihenkürzel W 116 trägt dick auf, mit üppigem Chrom-Lametta an der Karosserie, aber auch verbal in Prospekten und Werbung.

Nützliches für Oldtimer-Fans

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Mercedes verspricht "neue Dimensionen", meint damit die um 5,5 Zentimeter gewachsene Breite und das Längen-Plus von sechs Zentimetern allerdings am allerwenigsten. Was also sind ihre Innovationen?
Mercedes 450 SEL 6.9 (W 116)
Die S-Klasse der Baureihe W 116 kam 1983 auf den Markt und setzte den Grundstein für das große Renommee, das die Luxusauto-Familie bis heute genießt.

Die erste S-Klasse brilliert vor allem durch Technik-Tricks, die im Ganzen einen Generationen-Sprung bedeuten. Zehn größere technische Innovationen enthält diese S-Klasse, und die können sich sehen lassen. Viele bleiben für Jahrzehnte festes Bestandteil jedes Mercedes, und manche werden sogar von der Konkurrenz übernommen.

Aus der Gotik direkt ins Barock

Auch das Design ist neu. Eine Zäsur geradezu. Autoritärer Protz hat die Zartheit des Vorgängers abgelöst, von der erhabenen Gotik des W 108 springt Mercedes direkt in das ornamentale Spätbarock.
Die quer liegenden Scheinwerfer und das breitenbetonte Erscheinungsbild hat der 1971 präsentierte SL der Baureihe R 107 allerdings bereits vorweggenommen, insofern ist die formale Neuausrichtung höchstens eine halbe Überraschung.

Bildergalerie

Mercedes 350 SE (W 116)
50 Jahre Mercedes S-Klasse W 116
50 Jahre Mercedes S-Klasse W 116
Kamera
Diese Innovationen brachte die erste Mercedes S-Klasse
Zum letzten Mal hat Flügeltürer-Designer Friedrich Geiger bei der W-116-Entwicklung ab 1966 die Gesamtleitung. Er beweist noch einmal sein Gespür für Proportionen und wohldosierten Zeitgeist "in Rufweite hinter der Mode". Die Bonner Republik und ihre Repräsentanten kleidet er zeitlos elegant.
Mercedes 350 SE (W 116)
So sitzt der Fahrer an Bord des seinerzeit größten Mercedes. Wie gewohnt, war sogar die Lehneneinstellung aufpreispflichtig.

Erstmals gibt's Hilfe vom Computer

Erstmals hilft bei der Gestaltung auch Kollege Computer. Elektronische Fühler tasten die 1:5-Modelle der Stilisten in Längs-, Quer- und Horizontalrichtung ab. Danach werden die digitalen Daten in Lochstreifen gestanzt, mit denen eine Zeichenmaschine gefüttert wird.
Mercedes 280 S (W 116)
Kuschelig warm: Durch Anbindung der Heizkanäle werden auch die Türen der S-Klasse durchströmt und hüllen die Passagiere in einen Warmluft-Kokon.


Technisch addieren sich zahlreiche Einzelmaßnahmen zu einem Sprung nach vorn. Die Motoren sind mehr (Achtzylinder) oder weniger (Sechszylinder) alte Bekannte.
Los geht es mit dem Basis-Duo 280 S/SE und dem V8 des 350 SE. Deren Fahrleistungen sind, wie ein Fachmagazin anmerkt, "nicht gerade unter die Raketentriebwerke einzustufen". Sollte das Kritik gewesen sein: Sie perlt an Stuttgarts neuer Oberklasse ab. Spätestens 1975, als der Turbo unter den 116er-Motorisierungen kommt: der 6.9 mit 286 PS.

Ein Trick spart 0,4 m Wendekreis

Aber schiere Leistung ist kein Technik-Trick – die Vorderradaufhängung dagegen schon. Sie erbt der W 116 vom Experimentalfahrzeug C 111. Weil seine Räder bei vollem Lenkeinschlag wie bei Citroëns Ente auf die Seite kippen, verringert sich der Wendekreis trotz größerer Abmessungen um 0,4 Meter.
50 Jahre Mercedes S-Klasse W 116
Sogar einen S-Klasse-Kombi hat es in dieser Baureihe gegeben: Der britische Karosseriebauer Crayford lieferte etwa 100 Monster-Transporter aus.

Die Hinterachse übernimmt der W 116 vom 1968 präsentierten Mittelklassemodell "Strich-Acht". Da man den Übergang vom Pendelachsen-Pleistozän in die Schräglenker-Moderne nicht zu offensichtlich werden lassen will, spricht Mercedes von einer "Diagonal-Pendelachse", was den Kunden wurscht sein kann. Hauptsache, das Einknicken der Hinterräder beim Bremsen und das Nach-außen-Wandern des Hecks in Kurven ist Geschichte.

Die Luxusklasse neu definiert

Der Innenraum gibt sich um Welten bedienfreundlicher und zündet trotz des gesteigerten Plastikanteils eine neue Stufe der Behaglichkeit: Durch Anbindung an die Heizungskanäle werden auch die Türen durchströmt und hüllen die Passagiere in einen angenehmen Warmluft-Kokon.
Mercedes 450 SEL 6.9 (W 116)
Gipfel des Genusses im Topmodell 450 SEL 6.9: Der aufgebohrte V8 mit 6,9 Liter Hubraum leistet 286 PS – und säuft wie ein schwarzes Loch.

Das Kunststück, das dem W 116 vor 50 Jahren gelingt: Er definiert den Maßstab in der Luxusklasse nicht nur für eine Modellgeneration neu, sondern gleich für Jahrzehnte. Sicherer, komfortabler und souveräner werden Automobile lange Zeit nicht fahren. Kein Wunder also, dass der Begriff "S-Klasse" zum Synonym schlechthin für automobilen Luxus wird.