VT Dauertest Ford Granada vs. US Ford Granada

Pro & Kontra: Ford Granada, US-Version; US Car, Meinung

Ist der US-Granada eigentlich attraktiv?

Den US-Bruder des Ford Granada kennt kaum jemand. Sein Design gehorcht anderen Gesetzen als das Kölner Modell, es polarisiert. So streiten zwei Kollegen über den US-Granada.
Die US-Version des Ford Granada dürfte vielen unbekannt sein. Während der Granada hierzulande ein Massenmodell war, wurde sein US-Pendant zwischen 1980 und 1982 gerade mal 200.000 Mal gebaut. Also nicht nur unbekannt, sondern auch noch rar! Hierzulande ist kaum mal einer anzutreffen. Mit seinem kantigen, chrombeladenen Design polarisiert der US-Bruder des beliebten Fords aus Köln. Hier die Standpunkte zweier Kollegen.

Martin Puthz: "Perfektion ödet mich an. Ich mag den Ami-Ford, gerade wegen seiner Stilbrüche"

Msrtin Puths mag den US-Granada, gerade wegen seiner Gegensätze.

©Angelika Emmerling

Keine Ahnung, warum ich auf kantige Autos stehe. Womöglich bewundere ich sie insgeheim dafür, dass ihre Hüften nicht so rundlich sind wie meine eigenen. Egal. Kann bei Gelegenheit vielleicht einmal ein Psychologe klären. Der rote Faden ist jedenfalls da: Jaguar XJ40, Rolls-Royce Silver Spirit, BMW 5er (E34) – optisch "fettfreie" Klas­siker gefallen mir, auch wenn die genannten, zugegeben, um Welten stilsicherer gestaltet sind als der US-Granada. Ich mag ihn trotzdem. Vielleicht weil er noch eine zweite Vorliebe von mir bedient: die für "europäisierte" Amis, bei denen die Ent­wickler versucht haben, den Schwulst der Stra­ßenkreuzer-Ära auf das Format der Alten Welt ein­zudampfen. Meistens ging das schief – auch hier, denn der Radstand ist zu kurz, die Spur zu schmal, Plastikholz und Radkappen im Speichenräder-Look wirken lächerlich wie eine imitierte Gold-Rolex vom Polenmarkt. Dennoch vermag ich mich dem bizarren Reiz dieser Mischung schwer zu entziehen.
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Hinzu kommt: Perfektion ödet mich an. Cindy Crawford wird ja auch durch ihren Pfefferfleck erst interessant! Der Vergleich hinkt, finden Sie? Mag sein. Dennoch: Alles, was zu glatt, zu mainstreamig, zu ausgewogen und zu vordergründig schön ist, lässt mich kalt. Dem hemdsärmeligen Ruhr­pott-Charme des europäischen Granada setzt der amerikanische die (wenn auch partiell artifizielle) Grandezza der "Denver Clan"-Ära entgegen. Klonkernde Eiswürfel im Bourbon-Tumbler finde ich reizvoller als das Zischen beim Aufreißen einer Bierdose, selbst wenn im Glas kein teurer Whisky ist. Deshalb hätte der US-Granada bei mir eine Chance. Ja, er wirkt halbsei­den. Aber 50 Prozent Seide ist besser als gar keine.
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Lars Busemann: "Der US-Granada '80, das ist für mich kein Auto. Dieser Klotz ist rollende Realsatire"

Für Lars Busemann ist der Ami-Ford rollende Realsatire.

©Toni Bader / AUTO BILD

Ich mag US-Chromschiffe durchaus. Einige bewun­dere ich sogar, wie den 59er-Jahrgang des Cadillac Series 62 mit den gigantischsten Heckflossen der Automobilgeschichte. Sein extrovertiertes, dennoch fein liniertes Äußeres finde zum Niederknien schön. Der Anblick des US-Granada '80 bringt mich hin­gegen zum Weglaufen. Was ist da in der Styling-Abteilung passiert, bei der Entwicklung der zweiten US-Gra­nada-Generation ab 1980? Ich meine nicht, dass er eckig wie ein Quader ist, nein, das allein macht ihn noch nicht derart end­hässlich. Es ist vielmehr die Summe aller verkorksten Details, die den US-Granada '80 zu einem kümmerlichen und würde­losen Überbleibsel der klassischen US-Stra­ßenkreuzer-Kultur degradieren.

Schauen Sie sich den Ford mal von vorn an: Viel zu schmal für das Format, stelzt er hoch- und dünnbeinig wie ein Flamingo über die Straße. Ford Flamingo würde als Typenbezeichnung folglich bes­ser passen. Wobei das eine Beleidigung für den zier­lichen Vogel wäre. Denn dieser klotzige US-Bock ist das exakte Gegenteil davon. Der Karosserierohbau und dessen Anbauteile scheinen Ausschussware ei­nes Werks für Eisenbahnbrücken oder Frachtcontainer zu sein. Ein Genuss auch die Seitenansicht: Die wenig stilsichere Holzimitat-Zweifar­ben-Lackierung an den schiffs­rumpfartigen Flanken wirkt, als sei Fred Feuerstein grob­schlächtig mit dem Ha­ckebeil am Werk gewesen. Als filigranes Detail stechen die seitlichen Dreiecksfenster heraus – die jedoch bei genauer Betrachtung aussehen, als seien sie in 20 Minuten auf dem Baumarkt-Parkplatz nachgerüstet worden. Das Heck? Eine Melange aus umgekippter Telefonzelle und mehrfach verunfalltem Playmobil-Spielzeugauto. Fred Flamingo – nein danke!

Fotos: www.christophboerries.de

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