Volvo Elbil: Klassiker des Tages
Volvo baute lange vor dem E-Smart einen elektrischen Smart
Im Volvomuseum in Göteborg steht das orange Elbil, ein Konzeptfahrzeug aus dem Jahr 1976. Der Mini-Volvo mag auf den ersten Blick aussehen wie ein Karton auf Rädern, doch das Elbil ist der E-Smart vor dem E-Smart.
Bild: AUTO BILD
Wer das liebevoll kuratierte Volvo-Museum in Göteborg besucht, bleibt im Erdgeschoss unwillkürlich vor dem Elbil stehen, einem auf den ersten Blick skurrilen, orange Schuhkarton auf Rädern, der irgendwie gar nicht zu dem passen will, was man von den Schweden kennt.
Doch Vorsicht! Nicht voreilig dran vorbeilaufen. Der Kleine ist ein E-Auto und er hat eine interessante Geschichte zu erzählen.
Notiz am Rande: Oben im Video gibt es das jüngste E-Auto von Volvo.

Das Design des Elbil kann man wohlwollend als nüchtern bezeichnen. Es spielte in der Entwicklung keine Rolle.
Bild: Lars Hänsch-Petersen / AUTO BILD
Ein Elektro-Volvo als Antwort auf die Ölkrise 1973
Volvo baute bis in die 1970er Jahre hinein nämlich vor allem ebenso solide wie sichere Limousinen und dazu passende Kombis. Solide, sicher und schwer. Dann kam die Ölkrise des Jahres 1973 und die Ingenieure in Schweden mussten sich überlegen, wie sie gegen den Spritverbrauch vorgehen und die Autos von Volvo insgesamt umweltverträglicher aufstellen wollten.

Die Kreischfarbe passt zur Mitte der 70er Jahre. 1976 stellte Volvo das Elbil zum ersten Mal vor.
Bild: Lars Hänsch-Petersen / AUTO BILD
E-Prototypen, die genau genommen nicht mal Namen haben
Eine Antwort auf diese Herausforderung war so radikal und puristisch, dass sie weder ein aufwändig gestaltetes Äußeres noch einen Namen bekam: Elbil. Das Wort ist schlicht schwedisch für Elektroauto. Die Crashsicherheit und die Ästhetik spielten bei der Entwicklung keine Rolle. Es ging einzig und allein um den Umweltaspekt.

Zwei Prototypen gab es. Der orange war ein Viersitzer mit Rückbank statt Laderaum hinter den Vordersitzen.
Bild: Lars Hänsch-Petersen / AUTO BILD
Zwei Exemplare vom Elbil wurden gebaut
1976 stellte Volvo zwei Exemplare vom ElBil vor, ein gelbes für die schwedische Post und das ausgestellte orange für den Stadtverkehr. Elbil Nummer eins hatte das Lenkrad rechts und eine kleine Ladefläche hinter den beiden Vordersitzen. Das rechts montierte Lenkrad sollte es dem Postzusteller ermöglichen, direkt an den Briefkasten heranfahren zu können.
Das orange Elbil hat vier Sitzplätze und das Lenkrad auf der linken Seite. Der Antrieb der beiden E-Wägelchen ist identisch. Beide Male kommt eine 13 PS starke Elektromaschine zum Einsatz, die 70 km/h Höchstgeschwindigkeit ermöglicht. Die Ingenieure empfahlen aber, die Technik bei maximal 50 km/h zu schonen. Kein schlechter Hinweis. Denn die zehn zusammengeschalteten Blei-Säure-Batterien ließen maximal 100 Kilometer Reichweite zu. Und sie brauchten zehn Stunden, um komplett aufgeladen zu werden.

Heiteres Teileraten für Volvo-Kenner: Hat der Dauerbrenner Volvo 240 die Türgriffe gesponsert?
Bild: Lars Hänsch-Petersen / AUTO BILD
Es gab keine Elektro-Infrastruktur
Mit solchen Daten gab es auch in den 70er Jahren keinen Grund, ein Elbil anstelle eines Volvo 240 zu kaufen. Es fehlte schlicht an der Infrastruktur für Strom, um dem Mini-Schweden eine Chance auf Fertigung zu eröffnen. Das musste sogar der damalige Volvo-Chefingenieur und Projektleiter des Elbil-Projekts eingestehen.
Übrigens: Mitten in Göteborg entsteht aktuell die World of Volvo, ein brandneues Erlebniszentrum rund um die Autos aus dem hohen Norden. Das Volvo-Museum wird voraussichtlich 2024 in dieser Volvo-Welt aufgehen. Wer Lust auf einen Besuch der Geburtsstätte von Volvo hat, informiert sich also am besten über der geplanten Eröffnungstermin und fährt - je nach Geschmack – vorher oder hinterher hin.
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