Seit Jahren Pannenursache Nummer eins: die Batterie

Autobatterie: Kauf, Typen, Funktion

Die Kraft aus dem Akku

Wenn eine neue Autobatterie her muss, stellt sich die Frage: Muss es unbedingt die teure sein? AUTO BILD erklärt die Batterie-Typen!
Wenn die Autobatterie endgültig kaputt ist, muss eine neue her. Die Preisunterschiede sind jedoch eklatant. Die Differenz bei gleicher Kapazität kann locker 100 Euro und mehr betragen. Keine Frage, zwischen No-Name und Marken-Akku sind die hohen Preissprünge nicht überraschend. Es gibt diese Unterschiede aber auch bei Stromspendern desselben Herstellers. AUTO BILD klärt, wann man wirklich zum teuren Akku greifen muss und wie man die richtige Batterie für sein Auto findet.

Batterie-Vergleich: AGM vs. Starterbatterie

Banner Power Bull: "Herkömmliche" Starterbatterie, Preis (UVP): 94 Euro.

Äußerlich sehen die Starterbatterien von Banner fast identisch aus. Beide haben ähnliche Abmessungen und exakt gleiche Kapazitäten: Die teure Running Bull leistet 60 Amperestunden (Ah), genau wie die preiswerte Power Bull. Warum ist das so? Und kann man bedenkenlos die billigere Batterie kaufen? Klare Antwort: ja, kann man! Käufer werden keinen Schaden anrichten. Aber moderne Autos mit vielen elektrischen Verbrauchern wie Start-/Stopp-Automatik und eventuell Rekuperationstechnik (Energierückgewinnung) verlangen nach speziellen Batterien. Einfache Akkus kommen da an ihre Grenzen und können schnell wieder ausfallen. Eine günstigere Kompromisslösung sind EFB-/AFB-Batterien. Sie liegen preislich ungefähr zwischen Standardakku und AGM-Version. Ihr Geheimnis: Die positiven Platten sind mit Polyester beschichtet; dieses bietet dem aktiven Material zusätzlichen Halt. Das erhöht die Zyklenfestigkeit der Batterie und damit auch ihre Lebensdauer – genau jene Eigenschaft, auf die es bei Start-/Stopp- Motoren ankommt. Denn durch die wiederholten Startvorgänge wird eine Batterie viel häufiger ent- und geladen. Kurzum: Bei Automodellen mit Start/Stopp sollte es mindestens eine EFB-Batterie sein, besser ist der AGM-Akku. Bei allen anderen reicht in der Regel die Standardbatterie. Ausnahme: Im Wagen sind viele elektrische Extras verbaut. Hier lohnt die Investition in einen hochwertigen Akku – der liefert Saft in allen Lebenslagen.

Banner Running Bull (UVP): AGM-Batterie, Preis: 183 Euro.

Die teure AGM-Batterie hat einen Kaltstartstrom, auch Kälteprüfstrom genannt, von 640 Ampere. Der billige Akku nur 540. Und genau dieser Wert ist für die Startfähigkeit im Auto entscheidend. Er sagt aus, wie viel Strom die Batterie bei einer Temperatur von -17,8 Grad Celsius für 30 Sekunden abgeben kann. Grund für den großen Stromstärke-Unterschied ist der innere Aufbau des teuren Akkus. Zwischen den Bleiplatten stecken Glasfasermatten. Diese binden die Schwefelsäure, minimieren die Gefahr der Säureschichtung und den Kapazitätsverlust, unter dem billigere Batterien leiden. Außerdem verringert der hohe Pressdruck den inneren Widerstand. Diese technischen Kniffe sorgen am Ende für den höheren Kaltstartstrom. Zusätzlich ist die teure Batterie zyklenfester. Heißt: Der Akku kann häufiger ent- und aufgeladen werden. Und die Batteriesäure ist besser gegen Auslaufen geschützt. Die meisten dieser sogenannten AGM-Batterien dürfen daher auch liegend verbaut werden.

Diese Batterietypen gibt es

Blei-Batterie

Ein Bleiakku besteht an seinem Plus-Pol aus Bleioxid, am Minus-Pol aus einem so genannten Bleischwamm. Zwischen den Polen befindet sich 36 bis 38 prozentige Schwefelsäure. Jede Akkuzelle liefert zwei Volt. In einer Zwöf-Volt-Autobatterie sind daher sechs Zellen hintereinandergeschaltet. Das Elektrolyt, also die Schwefelsäure, muss ab und an mit destilliertem Wasser aufgefüllt werden, um die optimale Leitfähigkeit zu erhalten. Geschlossene Bleiakkus lassen sich nicht auffüllen; sie haben ein Überdruckventil, das verhindert, dass durch Gasungsprozesse ein zu hoher Innendruck entsteht. Bleiakkus liefern kurzfristig sehr hohe Ströme, die vor allem beim Anlassen des Motors benötigt werden.

Kalzium-Autobatterien (CA+/Ca-)

Die meisten modernen Autos sind mit einer speziellen Form des Blei-Akkus ausgerüstet, der Kalzium-Batterie. Die Elektroden sind hier mit Kalzium beschichtet. Vorteil dieses Typs: Geringere Gasung und daher ein geringerer Wasserverbrauch, reduzierte Selbstentladung und eine hohe Unfallsicherheit. Gegen die Kalzium-Batterie spricht ihre im Vergleich geringe Zyklenfestigkeit: Die Batterie übersteht nicht so viele Lade- und Entladevorgänge.

AGM-Akkus

Bei AGM-Akkus (Absorbent Glass Material) wird das Elektrolyt statt durch Kieselsäure in einem Glasfaservlies gebunden. Dadurch haben sie einen niedrigeren Innenwiderstand und liefern auch nach längerer Standzeit genügend Saft zum Starten. Bei Autos mit Start-Stopp-Automatik sind übliche Starterbatterien schnell überfordert. Für diese Anforderung wurden AGM-Akkus entwickelt. Ein weiterer Vorteil: AGM-Akkus können in verschiedenen Lagen (also schräg oder seitlich) betrieben werden, da keine Flüssigkeiten auslaufen, oder Säuresättigungsprobleme (und damit Spannungseinbrüche) durch fehlende Flüssigkeit auftreten können.

EFB-/AFB-Batterie

EFB steht für "Enhanced Flooded Battery", AFB für "Advanced Flooded Battery". Der Unterschied zum Standardakku: Die Zugabe von Kohlenstoffadditiven in die Bleiplatten und ein Polyestergewebe auf den positiven Platten sollen die Lebensdauer erhöhen. Deswegen ist diese Batterie auch für Autos mit Start-Stopp-Automatik geeignet.

Blei-Gel-Akkus

Blei-Gel-Akkus liefern die gleiche Spannung wie ein "normaler" Blei-Akku. Hier wird die Schwefelsäure jedoch durch Kieselsäure gebunden, wodurch eine gelartige Masse entsteht. Gel-Akkus sind wartungsfrei und auslaufsicher. Sie kommen bei Motorrädern, Elektroautos, Rollstühlen, Wohnmobilen und Booten zum Einsatz. Als Starterbatterie im Auto ist sie meist zu schwach.

Lithium-Ionen-Akkus

Diese Akkus besitzen eine hohe Energiedichte und werden in Elektro- und Hybridfahrzeugen eingesetzt, speisen hier in erster Linie den elektrischen Antriebsmotor. Lithium-Ionen-Akkus wurden ursprünglich für Mobiltelefone und Laptops entwickelt. Als klassische Starterbatterie werden Lithium-Ionen-Akkus nur in Sportwagen genutzt, die auf extreme Leichtigkeit getrimmt wurden, wie etwa der Porsche 911 GT3, der (optional) solch einen Akku nutzt.

Welche Batterie passt ins Auto?

Welche Batterie ins Auto passt, verrät das Bordbuch – oder man misst selbst nach. Wichtig sind die Maße, die Kapazität (Amperestunden) und die Pluspollage (rechts oder links). Neuere Batterien haben eine Typennummer (ETN, European Type Number) aufgedruckt – wenn diese bei alter und neuer Batterie übereinstimmt, können die Akkus problemlos getauscht werden. Ansonsten hilft die Typschlüsselnummer des Fahrzeugs: Wer sie im Fachhandel oder im Internet angibt, wird über die passenden Batterien informiert. Prinzipiell können für alle Fahrzeugtypen moderne Calcium-Blei-Akkus verwendet werden. Autos mit Start-Stopp-Technik benötigen allerdings AGM oder zumindest EFB-Batterien (siehe Text oben), die den Stress der zusätzlichen Starts und daraus resultierenden Lade- und Entladevorgängen verkraften.
Abmessung, Kapazität und Preis der Batterie hängen miteinander zusammen. Je mehr Amperestunden, desto größer und auch teurer ist die Batterie in der Regel. Mehr Kapazität kann generell nicht schaden. Ist die Batterie jedoch zu groß, passt sie nicht mehr in die vorgesehene Halterung. Eine zu kleine Batterie hingegen kann möglicherweise nicht richtig befestigt werden. Zudem genügt sie dem Energiebedarf des Autos nicht. Die sogenannten Kastenmaße der Batterien sind in Europa markenübergreifend genormt. Das Kastenmaß besitzt immer eine Tiefe von 175 Millimetern und eine Höhe von entweder 175 oder 190 Millimeter. Nur die Länge variiert und ist abgestuft: 207, 242, 278, 315 und 353 Millimeter.
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Wann muss eine Batterie getauscht werden?

Nur weil eine Batterie entladen ist, muss sie noch nicht ersetzt werden. Sie sollte mit einem Ladegerät aufgeladen werden. Erst wenn die Batterie kurz nach dem Ladevorgang wieder schlappmacht, ist es ggf. Zeit für einen Austausch. Einen nahenden Batterietod erkennt man auch daran, dass die Scheinwerfer kurz nach dem Einschalten bei ausgeschaltetem Motor dunkler werden oder flackern. Wer es genau wissen will, kann mit einem Batterietester die Spannung überprüfen: Liegt sie unter 12,4 Volt, ist der Akku nicht in Ordnung. Ein letzter Versuch könnten die sogenannten Batteriepulser sein: Sie erzeugen Spannungsspitzen, die einer kaputten Batterie zu neuer Frische verhelfen sollen.

Und wohin mit der alten Batterie?

Eine kaputte Autobatterie ist Sondermüll und muss fachgerecht entsorgt werden. Am besten nimmt man sie direkt mit, wenn man eine neue Batterie kauft und gibt sie dort ab. Wer noch den Kassenbon hat, sollte sie zu der Stelle zurückbringen, wo sie gekauft wurde. Denn beim Kauf wurde ein Batteriepfand entrichtet, dass es nur mit Kaufbeleg zurückgibt. Alternativ kann die Altbatterie zum Wertstoffhof gebracht werden. Dort wird eine Quittung ausgestellt, mit der man das Batteriepfand beim Händler zurückbekommt. Weitere Infos zum Entsorgen der Autobatterie.

Damit die Batterie lange hält: Pflege

Auch wenn die Batterie als "wartungsfrei" deklariert ist, muss man sie pflegen. Das bedeutet vor allem sauber halten: Setzt sich an den Kontakten feuchter Schmutz ab, entstehen Kriechströme, die die Batterie permanent entladen – auch bei abgestelltem Motor. Bildet sich an den Polen eine Oxidschicht, sollte diese ebenfalls entfernt werden, da die Leitfähigkeit dadurch beeinträchtigt wird. Während der Fahrt sollten die Stromverbraucher nicht länger als nötig eingesetzt werden, um die Batterie nicht unnötig zu belasten. Denn wenn die Batterie häufiger ent- und wieder beladen wird, verkürzt sich ihre Lebensdauer. Bei längeren Standzeiten oder häufigen Kurzstrecken im Winter empfiehlt sich außerdem der Anschluss eines Erhaltungs-Ladegeräts, damit die sich nicht entlädt. Weitere Infos zur Batteriepflege.
Bernd Volkens

Bernd Volkens

Fazit

Wenn Ihnen eine Werkstatt für 300 Euro eine Premiumbatterie aufschwatzen will, sagen Sie Nein! Auch  für moderne Modelle reicht in der Regel die günstigere Batterie. Die erledigt den Job ebenso gut, und Sie sparen locker 100 Euro.

Autoren: Bernd Volkens, Brigitte Oesterle

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