Mercedes 190 E: W 201 als E-Auto

Diesen Elektro-Mercedes wollen wir zurück!

Schon 1990 baute Daimler zu Forschungszwecken mehrere Mercedes 190er mit E-Antrieb. Benz-typisch glänzten sie mit hoher Zuverlässigkeit. Nur in Serie ging der 190 E Elektro nicht. Schade!
Mercedes arbeitet wie alle anderen Hersteller fleißig am Elektroauto. Nur die Skepsis der deutschen Käufer will nicht weichen. Dabei könnte eine Rückbesinnung der Stuttgarter auf die eigene Vergangenheit den Käufern auf die Sprünge helfen, findet AUTO BILD KLASSIK. Denn der Mercedes 190 E (W 201) ist für viele Auto-Kenner und Youngtimer-Liebhaber wegen seiner Qualität, seiner Zuverlässigkeit und seinem bemerkenswerten Durchhaltewillen eine begehrenswerte Ikone – von sportlichen Meriten gar nicht zu sprechen. Kurz: ein Traumauto. Und eben diesen W 201 gab es schon mal als E-Auto!
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Anfang der 90er-Jahre baute Mercedes für die Forschung mehrere 190er mit Elektroantrieb. Zehn Autos nahmen an einem Projekt auf der Insel Rügen teil, bei dem Daimler die Alltagstauglichkeit von Elektromobilen testete. Weitere Autos spulten in Stuttgart Kilometer ab.

Problemfreie 100.000 Kilometer im Taxibetrieb

Dieser grüne Mercedes 190 "E" nahm an einem Elektroauto-Forschungsprojekt auf der Insel Rügen teil.

Mercedes beteiligte sich 1992 an einem Feldversuch der Bundesregierung auf der Insel Rügen. Elektroautos, Energiesysteme und Batterien sollten im Alltag getestet werden. Neben dem MB 100 schickte Daimler zehn 190er mit Elektroantrieb auf die Ostseeinsel. Deren Hinterräder wurden von jeweils einem permanentmagnetisch erregten Gleichstrommotor angetrieben. Pro Hinterrad hatten die Elektro-190er 22 PS, was einer Gesamtleistung von 44 PS entspricht. In neun Sekunden beschleunigte so ein 190 "E" laut Mercedes auf 50 km/h, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 120 km/h. Im Unterschied zu früheren Prototypen waren die Rügen-Daimler voll alltagstauglich. Das heißt, sie hatten fünf nutzbare Sitzplätze und Platz im Kofferraum. Dazu kamen ABS, Airbag und die weiteren damals standardmäßig an Bord des 190er verbauten aktiven und passiven Sicherheitssysteme. Drei der eingesetzten 190er schöpften ihre Energie aus Nickel-Cadmium-Batterien, zwei aus Natrium-Schwefel-Hochenergiebatterien und fünf aus Natrium-Nickelchlorid-Hochenergiebatterien. Getankt wurde an Stromtankstellen mit Sonnenkollektoren. Quasi in Kundenhand meisterten die Versuchs-190er klaglos den Alltag und kamen laut Mercedes mit ganz unterschiedlichen Nutzungssituationen klar. Einer der Wagen lief im Taxibetrieb und knackte im Laufe eines Jahres sogar die 100.000 Kilometer-Marke.

Fahren, laden, fahren, laden – ununterbrochen

Zur gleichen Zeit schrubbten die Ingenieure in Stuttgart mit diesem Elektro-190er fleißig Kilometer.

Dass das möglich sein würde, konnten sich die Ingenieure damals durchaus vorstellen. Etwa zur gleichen Zeit, in der das Rügen-Projekt lief, wurde in Stuttgart ein weiterer Elektro-190er "gequält". Der rote Wagen mit dem Kennzeichen S-KT 4868 kam laut Mercedes auf eine Dauerleistung von 26 PS und eine Spitzenleistung von 42 PS. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 110 km/h. Der rote Benz fuhr jeden Tag zweimal eine 85 Kilometer lange Strecke durch die Vorstadt, über Landstraßen, bergauf, bergab und über autobahnähnliche Schnellstraßen. Zwischen den Fahrten kam der elektrifizierte Baby-Benz jeweils acht Stunden lang an die Steckdose zum Aufladen, dann begann die Prozedur von vorne. In drei Jahren Laufzeit sammelte auch dieser 190er mehr als 100.000 Kilometer. Und das problemfrei!
Lars Hänsch-Petersen

Lars Hänsch-Petersen

Kommentar

Wollen wir ernsthaft ein maximal 44 PS starkes E-Auto wiederhaben, das acht Stunden laden muss und mit Glück 100 Kilometer Reichweite schafft? Nein, nicht wirklich. Aber wir fänden ein modernes Elektroauto in den Kleidern des 190ers ziemlich attraktiv!

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