Zwölfzylinder-Youngtimer locken mit verführerisch niedrigen Kaufpreisen, doch es drohen hohe Folgekosten. Wie gut sind BMW 750i, Mercedes 600 SEL und Daimler Double Six?
Hochoktanige Gesellschaft: Zwischen 15 und 20 Liter schluckten die Testkanditaten als Neuwagen.
Bild: Roman Raetzke
Anfang der 90er-Jahre bekommen nur die Top-Autos der Luxusklasse einen Zwölfzylindermotor. Als BMW 1987 einen Zwölfender ankündigt, herrscht bei der Konkurrenz helle Aufregung. Mercedes ist mit seinen Achtzylinder-Topmodellen nur noch Zweiter! Nach kurzer Schockstarre zaubern die Schwaben einen eigenen V12 aus dem Hut, der 1991 die Ordnung in der Luxusklasse wieder zurechtrückt. Und was macht Jaguar in England? Während die Konkurrenz vom Kontinent mit nagelneuen Konstruktionen in den Markt drängt, können die Briten nur den Tod des ergrauten Titanen XJ aufschieben. Heute locken diese V12 mit günstigen Einstiegspreisen, nur wer kann sie sich leisten? Welcher ist der Beste, und wo lauern die größten Kostenfallen?
Mercedes 600 SEL - die "Himmelsschaukel"
Gemütlich wie ein Wohnzimmer: der Innenraum des Mercedes 600 SEL gibt sich hölzern und weitläufig.
Die S-Klasse mit dem Mammut, einer wohl auch wegen ihrer Größe ausgestorbenen Elefantenart zu vergleichen, war vor 25 Jahren nicht besonders geschickt von Mercedes. Der "Spiegel" geißelte damals den "schwäbischen Schwerwagen-Stalinismus", und Sozialneider zerrissen sich die Mäuler, weil der W 140 anfangs zu fett für Autoreisezüge war. Klar, die Karosserie wirkt massig; elegant geht anders. Aber selbst ein mittelklassiger Ford Mondeo ist inzwischen breiter, und die Peilstäbe am Heck wirken geradezu drollig in einer Zeit, in der selbst manche Kompaktwagen nur noch mit Kamerasystemen unfallfrei rangierbar sind. Eines jedoch ist geblieben: Raumfülle und motorische Macht des dicken Mercedes lösen heute wie damals ungläubiges Staunen aus. Diese Auto kauften Kunden, denen das Beste gerade gut genug war, wie Modezar Wolfgang Joop.
Deutschlands stärkster Pkw-Motor dreht auf
Der Innenraum wirkt wie ein Wohnzimmer, dessen Sessel alle in die gleiche Richtung zeigen. Die Armauflage in den Türen ist so weit entfernt, dass man sich rüberbeugen muss. Den speckigen Kunststoff findet man heute nicht mehr so toll, die Verarbeitung schon: Auch nach mehr als einem Vierteljahrhundert knarzt und klappert nichts. Im Innenraum herrscht fast schon feierliche Stille. Und der Sechsliter-V12, damals mit Abstand Deutschlands stärkster Pkw-Motor, hebt nur beim Hochdrehen dezent die Stimme. Ansonsten bolzt er den 2,3-Tonner mit einer solchen Gewalt durch die Gegend, dass einem beim Beschleunigen die Mundwinkel nach hinten rutschen können. Auch der Abrollkomfort begeistert heute noch. Ein grobschlächtiges Trampeltier ist dieses Mammut jedenfalls nicht.
BMW 750i - Luxus-Bayer mit dem Nerz nach innen
Leichtfüßig: Selbst hektisches Hakenschlagen ist für den BMW 750i mehr Lust als Last.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Der erste deutsche Serien-Zwölfzylinder nach dem Krieg! 1987 war das ein Paukenschlag. Dabei pflegte der 7er sonst eher die leisen Töne. Die von Ercole Spada in Form gebrachte Karosserie hatte optisch kein Gramm zu viel auf den Rippen. Wegen seiner schlanken Linie galt der neue Luxus-BMW schon bald als "deutscher Jaguar". Obwohl zum Test nur der kurze 750 antrat und nicht die um 11,4 Zentimeter gestreckte Langversion, ist die Beinfreiheit auf den Rücksitzen großzügig. Wegen der nicht allzu üppigen Innenbreite und des nach BMW-Art auf den Fahrer fokussierten Cockpits wirkt der 750i für Luxusauto-Maßstäbe sehr auf Taille genäht. Sein kompakter Zuschnitt passt zum sportlichen Charakter. Der dynamisch wirkenden Servotronic fehlt es zwar etwas an Schärfe beim Einlenken. Dennoch lässt sich der Bayern-König präzise und dank trittsicherem Fahrwerk schnell um die Pylonen zirkeln. Ungeschmälert bleibt der Komfort, leicht ist der BMW auch. Zum Vergleich: er bringt 385 Kilo weniger auf die Waage als der V12-Mercedes. Allerdings schaltet die übereifrige Automatik öfter als nötig zurück, was den souveränen Fahreindruck ein wenig trübt. Immerhin: Der Sprint von null auf 100 dauert 8,4 Sekunden. Zwischenspurts schüttelt der V12 aber mit ihm eigenen lässigen Beiläufigkeit aus dem Ärmel. Ein Auto also, das den Nerz nach innen trägt – erst recht ohne Modellschriftzug am Heck.
Daimler Double Six - agiler Engländer
Die dritte XJ-Serie war schon neu ein Oldtimer. Sie schlägt sich im Test dennoch wacker.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Jaguar hat von den drei getesten Marken die längste Zwölfzylinder-Tradition. Bereits 1972 zwängten die Briten einen solchen Super-Motor in ihren XJ. Dessen dritte Serie war im Grunde nur ein erweitertes Facelift des Urmodells, in ihrem letzten Baujahr 1992 also schon ein Oldtimer. Zwischen Mercedes und BMW wirkt der Jaguar tatsächlich wie ein antikes Stilmöbel inmitten neuzeitlicher Kleiderschränke. Seine flache, spannungsreich gezeichnete Karosserie ist innen deutlich enger geschnitten als die von S-Klasse und 7er. Die Sitze sind zu kurz und zu schmal, um bequem zu sein, aber vor allem zu prall gepolstert und zu rutschig: nicht zu flott die Kurve kratzen! Dabei ist Dynamik für den Daimler kein Fremdwort. Talentiert tanzt er durch die Pylonengasse; mit der leichtgängigen Lenkung lässt sich der Kurs zielgenau bestimmen. Auch der Federungskomfort des grauen Panthers gefällt: Kurze Wellen bringen zwar die Vorderachse leicht ins Stuckern. Die Samtpfötigkeit der Fahrt über lange Wellen sucht aber auch heute noch ihresgleichen. Zum hohen Federungskomfort passt der kuschelige Salonlöwe unter der Haube. Bei niedrigen Drehzahlen ist der V12 fast nicht zu hören, unter Last dringt nur ein entferntes Summen ans Ohr. Mit der altertümlichen Dreistufenautomatik pflegt das 5,3-Liter-Triebwerk ein gelassenes Zusammenspiel. Kraft ist stets ausreichend vorhanden, Hektik jedoch fehl am Platz – schon weil ab 120 km/h der Fahrtwind immer vernehmlicher tost. Doch gegen eine Karosserie, bei der Schönheit vor Aerodynamik ging, kämpft selbst ein flüsterleiser Zwölfzylinder auf verlorenem Posten. Hier kommt der Vergleich der drei Zwölfzylinder:
Die Stil-Wertung gewinnt der englische Daimler. Viel überraschender als der dritte Platz des Briten ist aber, dass nicht der vor Superlativen strotzende Mercedes den Test gewinnt, sondern der auf den ersten Blick eher unspektakuläre BMW. Beide deutsche Zwölfzylinder kosten als Klassiker weniger als fabrikneue Kleinwagen. Doch dem BMW haftet weniger als dem Mercedes der Ruf des Ressourcenverschwenders an, was Verbrauch und Unterhaltskosten bestätigen. Mehr Spaß beim Fahren macht er obendrein.
Oldtimer-Verbrauchstest: Die größten Schluckspechte
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Die Riege der Spritschlucker beginnt mit einem klassischen Säufer. Fünf Finger reichten meist, wenn NSU-Ro-80-Fahrer einander per Handzeichen signalisierten, wie oft ihr Motor schon getauscht wurde, weil die Dichtleisten hinüber waren. Der Spritverbrauch der Wankel-Limousine dagegen lässt sich nicht an zwei Händen abzählen. Konstruktionsbedingt zählt Effizienz nicht zu den Stärken des Kreiskolbenmotors.
Bild: Christian Bittmann
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Ein Testschnitt von elf Litern klingt zwar nicht dramatisch. Trotzdem ist er hoch – sowohl in Relation zur eher milden Kraftausbeute als auch mit Blick auf die Tatsache, dass der von Claus Luthe 1967 faszinierend futuristisch eingekleidete Viertürer nur 1300 Kilo auf die Waage bringt und überdies mit einem günstigen cW-Wert von 0,36 durch den Fahrtwind schlüpft.
Bild: Christian Bittmann
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Immerhin kommt man dank dem 83 Liter großen Tank auf respektable Reichweiten. Unter der Haube geht’s rund: Der Wankelmotor summt wie eine Nähmaschine, die Vibrationsfreiheit wird aber teuer erkauft.
Bild: Christian Bittmann
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Der im Volvo 264 GLE eingebaute Euro-V6 gehört nach landläufiger Meinung nicht zu den Kostverächtern. Da er auf dem Reißbrett als V8 entstand und dann um zwei Töpfe gekappt wurde, ist er bei ...
... 90 Grad Zylinderwinkel ohne Hubzapfenversatz auch kein Ausbund an Laufkultur. Zum Sparmodell wird der Kantenhauber allerdings auch mit K-Jetronic nicht: Genau elf Liter schossen im Test pro 100 Kilometer durch die Einspritzdüsen, trotz moderater Fahrt. Alter Schwede!
Bild: Bittmann
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Ein Sportwagen mit Dreistufenautomatik? Darauf können nur Amis kommen! Wer sonst verzichtet im Datsun 280 ZX (im Bild ein 240 Z) freiwillig auf Fahrspaß und nimmt im Gegenzug erhöhten Spritverbrauch in Kauf? Obwohl: Beim Highway-Tempo 55 Meilen/Stunde, umgerechnet 89 km/h, kommt ein 2,8-Liter- Reihensechszylinder mit 140 PS nicht ins Schwitzen. Auch dass ein Kat ihm ein paar Pferdchen ausspannt, ist in den USA, das Auto 1981 zugelassen wurde, nicht so wichtig.
Bild: privat
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Hier zählt Komfort, und da es ja in Kalifornien niemals regnet, packt man die Targa-Dachhälften am besten in den Kofferraum und cruist die Küstenstraße Richtung Malibu entlang. Hierzulande hätte man das Japan-Coupé heute lieber mit der serienmäßigen Fünfgangschaltung. Damit entfiele das zentrale Handicap – und der Datsun würde nicht nur beim Fahren, sondern auch an der Zapfsäule mehr Freude machen. So ist der Testverbrauch von 11,1 Litern kein berauschendes Ergebnis.
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Mit Vollgas rast der Alfa Romeo Montreal in die Ölkrise. Trotz lasziver Augenbrauen und betörendem Bertone-Kleids verkauft sich das 200-PS-Sportcoupé nur schleppend. Zudem stimmt die Mischung nicht: Der vorn eingebaute, gezähmte Renn-Achtzylinder aus dem Tipo 33 ist mit einem simplen Fahrwerk kombiniert, das mehr zum Cruisen als zum Kurvenkratzen taugt. Ergebnis: Der 2+2-Sitzer sieht aus wie ein Sportwagen, ist aber keiner.
Bereits in den 70ern überfordert viele Werkstätten die Wartung und korrekte Einstellung der Spica-Einspritzung, was Besitzer frustet und dem Montreal den Ruf des zügellosen Säufers einträgt. Nach der Testrunde wissen wir: Ist die Technik sauber eingestellt und wringt man den Viernockenwellen-V8 nicht aus, reichen elf Liter. Nicht wenig, zugegeben. Aber kein Grund gleich die (Öl-)Krise zu kriegen.
Bild: Berndt Andresen
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In einem Punkt sind sich viele Mercedes-Freunde einig: Ein 280er-Vergaser säuft. Und, logo, der hubraumgleiche Einspritzer schluckt weniger. Ab auf die Teststrecke zum Überprüfen! Am Start: der topfitte 280 S des Kollegen und Mercedes-Papstes Karl-August Almstadt. Als Konkurrent: ein Vorzeige-SE von Classic-Händler Leseberg. Der S ist ein Schalter, der SE hat Automatik – ein Nachteil, den der Einspritzer mit 20 PS Mehrleistung und effizienterer Gemischzufuhr aber ...
... ausgleichen könnte. Pustekuchen! Nach dem Volltanken zeigt sich: Die Vergaser dosieren den Sprit nicht verschwenderischer als die Einspritzanlage. Auf der Testrunde verbrauchte der S mit 11,5 Litern sogar 1,9 Liter weniger als der SE (13,4 Liter). Kann nicht sein? Doch! Eine zweite Fahrt mit dem SE von AUTO BILD KLASSIK-Mann Gerald Schadendorf führt zum gleichen Ergebnis. Sorry, Stammtisch: Wunder gibt es immer wieder.
Bild: Bittmann
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Dass der Lampredi-V6 kein Kostverächter ist, dürfte niemanden ernsthaft gestört haben. Dolce Vita geht nun mal ins Geld, und wer Anfang der 70er-Jahre ein Oberklasse-Coupé fährt, muss Mark oder Lira nicht zweimal umdrehen, Ölkrise hin oder her. Die beiden Doppel-Fallstromvergaser von ...
... Weber sind beim Fluten der Brennräume nicht zimperlich, und da sich der 3,2-Liter obendrein einen Gutteil seiner 165 Pferde vom Wandler der Borg-Warner- Dreistufenautomatik ausspannen lässt, gehen 11,9 Liter Testschnitt ...
Bild: Christian Bittmann
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... sogar beinahe noch als günstig durch. Außerdem: Wen kümmert bei einem von Altmeister Pininfarina entworfenen Coupé schon schnöder Kleinkram wie der Spritverbrauch?
Bild: Christian Bittmann
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Der Lancia Gamma 2500 Berlina ist ein echter Exot, in doppelter Hinsicht. Wegen der eigenwilligen Fließheck-Form, die Leonardo Fioravanti für Pininfarina entwarf. Aber auch technisch: Unterm Blech des seltenen Südländers steckt ein 2,5 Liter großer Vierzylinder-Boxer. Den Sprit zerstäubt ein ...
... Doppel-Fallstromvergaser von Weber. So spannend der Anblick des 33 Jahre alten Lancia ist, so spannend ist auch die Frage, was er wohl verbraucht. Wir haben nachgemessen: 12,6 Liter. Gar nicht sooo exotisch.
Bild: Bittmann
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Zum Oil Barons Club rollte J.R. Ewing im Mercedes. Dabei hätte ein Cadillac Brougham viel besser gepasst. Das Cockpit ist schwülstig wie das Wohnzimmer der Southfork Ranch. Die Technik stammt aus einer Zeit, in der Jock und Miss Ellie noch heimlich auf der High School knutschten. Und unter der Haube arbeitet ...
... ein Eisenklotz von Motor, bei dem es sich ganz gut trifft, wenn hinterm Haus ein paar Ölquellen sprudeln. Obwohl: Gegen das, was sich J.R. in einer "Dallas"- Folge an Bourbon hinter die Binde kippt, nimmt sich der Durst des Hubraumriesen fast bescheiden aus. 12,7 Liter messen wir als 100-Kilometer-Schnitt – ein Verdienst der mechanischen Benzineinspritzung, mit der Cadillac dem aus dem Chevrolet- Regal stibitzten Aggregat die Kehle trockenlegte.
Bild: Roman Raetzke
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BMW 3.0 Si: Der 200 PS starke 7er- Vorgänger gehörte 1973 zu den schnellsten Limousinen auf Deutschlands Straßen. Noch heute mischt er munter auf der Überholspur mit. Sein sahnig hochdrehender Reihensechszylinder strotzt vor Kraft, ist allerdings kein Kostverächter.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
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Im Dauertest-Alltag (der überwiegend auf der Autobahn stattfindet) schießt die Bosch D-Jetronic pro 100 Kilometer 15,6 Liter durch die Brennräume. Zahmer bewegt, konsumiert der BMW plötzlich fast drei Liter weniger. Doch 12,7 Liter pro 100 Kilometer gehen auf Dauer ins Geld.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
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Aber auch ein Resultat der artgerechten Fahrweise: Marschtempo 130 auf der Autobahn treibt den 5,62 Meter langen Straßenkreuzer mit Vierstufenautomatik kaum über den Drehzahl-Ruhepuls. Die Zeitreise in die Ära Ronald Reagan wird an der Tanke nicht zum Horrortrip.
Bild: Roman Raetzke
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Der Jaguar-Sechszylinder im XJ gewann mehrfach nacheinander die 24 Stunden von Le Mans. Seit dem ersten Auftritt 1949 im Sportler XK 120 schleppten die Briten den Doppelnocker durch die Jahrzehnte und Modelle. Mitte der 70er ist er technisch längst veraltet, bietet aber genug von dem, was man von einem Jaguar erwartet: fast lautlose Laufruhe ...
... lässiges Durchzugsvermögen. Kraftstoff-Effizienz jedoch nicht, auch nicht mit der zuletzt eingebauten L-Jetronic. Beim Testwagen, einem späten Serie-II -XJ in der seltenen Farbe "Moroccan Bronze" (Erstzulassung 8/1978), schütten zwei SU-Vergaser den Sprit in die Brennräume – stolze 14,5 Liter pro 100 Kilometer.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
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Zwar macht die Corvette nach wie vor auf dicke Hose, doch Anfang der 80er ist die US-Ikone als C3 nur noch ein Schatten ihrer selbst. Von den stolzen 300 PS des Smallblock-V8 haben sich viele in der Ölkrise vergaloppiert. Zahme 194 PS bleiben übrig, was dem Verkaufserfolg jedoch nicht schadet: Dass der altersmilde Macho nicht mal mehr 200 Spitze rennt, finden nur wir Europäer lächerlich. Eher zum Heulen: 14,9 Liter Verbrauch.
Porsche 928: Dieser Achtzylinder entzaubert die Legende vom sparsamen Porsche. Bei 14,8 Liter Verbrauch können wir noch von Glück sagen, dass das Fünfgang-Schaltgetriebe an Bord war und nicht die von Mercedes zugekaufte dreistufige Automatik.
Bild: Markus Heimbach / AUTO BILD
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Immerhin sah auch Porsche Handlungsbedarf: Um den Beweis zu liefern, "dass man auch mit großvolumigen Achtzylindermotor auf vernünftige Verbrauchswerte kommen kann", wurde 1981 die Verdichtung auf 10:1 erhöht. Ergebnis: 25 Prozent Einsparung.
Bild: Markus Heimbach / AUTO BILD
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Im Ferrari 412 mit jungfräulichen 25.000 Kilometern und K-Jetronic-Einspritzung fließt Kraft über ein Fünfgang-Schaltgetriebe zu den Hinterrädern – für den Verbrauch sicher vorteilhafter als die alternative Dreistufenautomatik. Dennoch: Im 340-PS-Flitzer würden wir keinen Sparer ...
... erwarten, warum hätte Ferrari sonst einen 120-Liter-Tank eingebaut, der den V-Zwölfzylinder mit Sprit versorgt? Auf zur Testfahrt! Die mit verblüffendem Ergebnis endet: 15,0 Liter. Hätte schlimmer kommen können.
Bild: Bittmann
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Der auf 6834 ccm vergrößerte und von einer Bosch-K-Jetronic-Einspritzanlage versorgte Achtzylinder aus der Staatskarosse 600 bringt es auf 286 PS und 550 Newtonmeter Drehmoment. Damit fährt der 70.000 Mark teure Direktoren-Benz zu seiner Zeit außer Konkurrenz. Zugunsten überlegener Fahrleistungen legt das Werk die Antriebsübersetzung sogar noch kürzer aus als beim gewöhnlichen 450er. Für den Verbrauch ist das ebenso wenig von Vorteil wie ...
... die Tatsache, dass die Automatik nur drei Fahrstufen besitzt. Lassen Herr Generaldirektor Gummi geben, leert sich der 96-Liter-Tank mit beängstigendem Tempo. Beim freien Blasen auf der Überholspur laufen über 25 Liter durch, im normalen Alltag pendelt sich der Verbrauch bei immer noch hohen, angesichts von Hubraum und Leistung aber nicht astronomischen 15,6 Litern auf 100 Kilometer ein.
Bild: Christian Bittmann
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Ich bin der Größte: Der aufgebohrte M 100 aus der Staatskarosse 600 ist Deutschlands hubraumstärkster Pkw-V8.
Bild: Christian Bittmann
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Hier heißt der Zwölfzylinder Jaguar XJ Daimler Double Six, was allen, die seine beiden 45-Liter-Tanks befüllen müssen, Warnung sein sollte: Mit 16,9 Litern säuft er für zwei.
Das dreckige Dutzend: Für Mechaniker ist der Jaguar-V12 ein Albtraum, denn der Motorraum ist bis zur Oberkante mit Technik vollgestopft. Schon ein simpler Kerzenwechsel dauert Stunden.
Bild: Christian Bittmann
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Bevor Sie sich beim Chrysler New Yorker Brougham über die 17,3 Liter Verbrauch empören: Es ist alles eine Frage der Perspektive. Legt man den Spritkonsum New Yorker auf den Hubraum um, zählt der Ami-Schlitten zu den Effizienten hier. Aber mal ohne Flachs: Von nichts kommt nichts. 7,2 Liter Hubraum wollen eben gefüttert werden.
Die Daten des Lincoln Continental Mk 3: 5,49 Meter Länge, mehr als zwei Tonnen Leergewicht, 7,2 Liter Hubraum, nach landestypischem Rezept verteilt auf acht in V-Form angeordnete Zylinder, 245 PS: Mit Verbrauchswundern rechnet hier niemand, eher mit Werten ...
... deutlich über 20 Liter. Wie man sich täuschen kann: Auch dem Riesen-Coupé reichten 17,3 Liter für 100 Kilometer. Nicht wenig. Aber weniger als erwartet.
Bild: Timm
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Die Leistung seiner Motoren gab Rolls-Royce in den 60ern stets nur mit "ausreichend" an. Britisches Understatement? Wohl eher die Scham, von der kontinentalen Konkurrenz belächelt zu werden. Prüfstandsmessungen bescheinigten dem V8 nur etwa 200 PS. "Ausreichend" stimmt trotzdem, denn bei 6,3 Liter Hubraum ist genügend Drehmoment vorhanden, um den Koloss mit dem Luftwiderstand eines ...
Bild: Timm
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... englischen Landsitzes flott zu beschleunigen. Über den Verbrauch schwiegen die Briten ebenfalls – war ja egal, die Kundschaft nagte nicht am Hungertuch. Gut so, denn 18,2 Liter/100 km zeigen: Der Adel, der sich im Rolls-Royce chauffieren ließ, durfte alles sein. Nur nicht verarmt.
Zwei Tonnen Blech, lässig verteilt auf gut sechs Meter Länge: Kein Problem, wenn Supermarktparkplätze die Grundfläche des Saarlands haben. 23,5 Liter Verbrauch? Egal, wenn Sprit so billig ist wie 1970 in den USA. Der Olds bedient alle Klischees vom fetten Ami-Straßenkreuzer: Er ist ein ...
Bild: Christian Bittmann
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... Dinosaurier, die pure Verschwendung. Zu seiner Ehrenrettung muss aber gesagt werden, dass wir auf unserer Testrunde nicht nur mit US-Highway-Tempo unterwegs waren.
Bild: Christian Bittmann
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Beim Cruisen kommt man auch knapp unter 20 Liter. Trotzdem: Wer eine Ölquelle im Garten hat, ist klar im Vorteil. Der Hubraum beträgt 7,4 Liter, die Leistung 364 PS. Verbrauchswunder erwartet hier keiner. Der Vergaser zerstäubt den Sprit nicht, er gießt ihn rein – in den größten Schluckspecht unseres Verbrauchstests. Sie suchen weitere Verbrauchskönige? Hier sind sie.
Bild: Christian Bittmann
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Hier das Prinzip des Oldie-Verbrauchstests: Nach 160 Kilometern auf der AUTO BILD-Normrunde, die zu etwa gleichen Anteilen aus Stadtverkehr, Landstraße und Autobahn besteht, stand der Verbrauch fest. Vor und nach der Testfahrt wurde der Tank akribisch bis zum Rand gefüllt und dann der Schnitt aus der verfahrenen Spritmenge errechnet. Hier kommen die Spritknauserer unter den Oldies.