Vergleichstest: Klassiker mit krummer Leistung
Power-Oldies mit 286 PS

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Für Motor-Freaks ist 286 eine magische Zahl: Genau soviel PS haben völlig verschiedene Autos unter der Haube. Vergleich von vier Klassikern mit Bums.

Vier Autos, vier Charaktere: Porsche 993, BMW M5, Mercedes 450 SEL 6.9 und Mitsubishi 3000 GT.
Mercedes 450 SEL 6.9 (W 116) - der macht's mit Hubraum

Mercedes 450 SEL 6.9: Träge schunkelt der Sechsneuner durch den Slalom.
Bild: Christian Bittmann
Kickdown lässt den Dicken marschieren
Doch wer das Gaspedal durchtritt, erlebt die Überlegenheit des großen Hubraums. Auf der Stoppuhr macht sie sich vor allem bei den Zwischenspurts bemerkbar. 4,3 Sekunden von 60 auf 100, begleitet von ruckendem Kickdown und rauem Hämmern des V8: Schneller ist keiner hier. Und sonst? S-Klasse wie üblich: statusschwanger, schiffig, fest wie eine Burg. Die nur im 6.9 eingebaute Hydropneumatik hält die Federwege konstant – ein Segen, wenn sie funktioniert, ein Fluch, wenn was kaputtgeht. Sie ermöglichte eine weiche Auslegung ohne Abstriche bei der Fahrsicherheit. Ergebnis: Der Bonzen-Benz ist kurvenfest, torkelt aber trotzdem durch den Slalom wie ein Seemann auf Landgang. Komfort? Fein, aber nicht himmlisch wie in einem Citroën mit ähnlicher Technik. Den Ruf des Überautos entzaubert der Mercedes letztlich auch mit seinen prohibitiven Ersatzteil- und Wartungskosten. Sie werfen die Frage nach dem Verhältnis von Aufwand und Ergebnis auf.
Mitsubishi 3000 GT – der macht's mit Turbo

Mitsubishi 3000 GT: Beim Hakenschlag hilft die Allradlenkung. Für Power sorgen zwei Turbolader.
Bild: Christian Bittmann
Zwei Turbolader treiben den Japan-Express
Knöpfe und Anzeigen gibt es zuhauf. Das bunte Klimadisplay informiert nicht nur über die Temperatur, sondern auch über Kühl- oder Heizfortschritt. Dabei käme auch ohne solche Gimmicks keine Langeweile auf. Dank der beiden Turbos, die dem kurzhubigen Dreiliter-V6 ab 2500 U/min relativ schlagartig den Marsch blasen, wirkt die vom Laderpfeifen untermalte Kraftentfaltung dramatischer als bei den anderen. Wer das Gaspedal durchtritt, spürt erbarmungslosen Schub im Rücken. Allrad mit fester Kraftverteilung (45 Prozent hinten, 55 vorn) sorgt dafür, dass nichts davon verraucht. Auch auf der Teststrecke setzt sich der Mitsubishi überzeugend in Szene. Trittsicher umrundet er die Pylonen. Sein neutrales Eigenlenkverhalten erlaubt hohe Kurventempi, und zumindest auf der Geraden lässt sich der Japaner selbst vom 350 Kilo leichteren Porsche nur mit Mühe abschütteln. Trotzdem bleibt der Nachgeschmack fad – die Perfektion des Mitsubishi geht nur schwer zu Herzen.
BMW M5 (E28) – der macht's mit Drehzahl

BMW M5: Unauffällige Erscheinung. Doch wenn die sechs Einzeldrosselklappen öffnen, brennt die Luft.
Bild: Christian Bittmann
Vorsicht im Grenzbereich!
Er durfte auch noch kein tumber Bleifuß, sondern musste ein charakterfester Könner sein. Dank des kurz übersetzten Getriebes stürmt die 1529 Kilo schwere Limousine in sieben Sekunden aus dem Stand auf 100. Doch Zahlen bilden ihre Faszination nur unzureichend ab. Freunde feiner Saugmotoren kriegen Gänsehaut, wenn der noch Kat-freie Reihensechser schlürfend loslegt und dann, gierig hochtourend, Umdrehung für Umdrehung explodierenden Kraftstoffnebel in PS verwandelt, bis schließlich sämtliche 286 galoppieren. Mit etwas zu leichtgängiger, aber äußerst kommunikativer Lenkung schuhplattelt der Bayer behände durch den Slalom. Doch Obacht! Leicht lässt sich das Heck zu Eskapaden reizen. Der gut kalkulierbare, nicht allzu hoch liegende Grenzbereich macht Laune, aber er trennt die Buben von den Männern.
Porsche 911 (993) – der macht's am schnellsten

Porsche Carrera 2 Cabrio: Als letzte Evolutionsstufe des klassischen Elfers weckt der 993 Nostagiegefühle.
Bild: Christian Bittmann
Großer Spaß im leichten Porsche
Facettenreicher als der Porsche ist hier keiner. Schneller schon gar nicht. Leicht sein lohnt sich eben. Nicht zuletzt kommt eine schlanke Linie ja auch der Beweglichkeit zugute. Stürmisch fetzt der Elfer durch den Slalom, messerscharf sticht er in Kurven. Gasbefehle setzt er beinahe telepathisch um, und im Asphalt verbeißt er sich geradezu. Die Mehrlenker-Hinterachse unterdrückt die bei den Vorgängern gefürchteten Lastwechsel-Tücken und stabilisiert den Geradeauslauf. Auch Komfort ist daher nicht länger ein Fremdwort. Kein Wunder, dass sich die Preise für den Neoklassiker aus Zuffenhausen innerhalb weniger Jahre verdoppelt haben. Ein gutes 993 Cabrio ist kaum noch für unter 65.000 Euro zu bekommen. Doch auch wenn der Porsche das teuerste 286-PS-Auto ist: Er ist auch das vergnüglichste. Hier der Blick auf das 286-PS-Quartett.
Fazit
Wir haben Äpfel mit Birnen verglichen. Das ist ausnahmsweise erlaubt, denn hier geht’s nicht um eine Kaufberatung. Wer mit dem Sechsneuner liebäugelt, wird kaum den Mitsubishi 3000 GT als Alternative in Betracht ziehen. Es ist einfach eine interessante Frage, wer das beste 286-PS-Auto baut. Nach dem Addieren der Punkte kennen wir die Antwort: BMW! Der M5 macht Leistung zum Erlebnis – wie der Porsche, den hoher Preis und eingeschränkter Nutzwert aber auf Platz drei zurückwerfen. Der Mitsubishi lässt in seiner 90er-Jahre-Japan-Perfektion die Sinne kalt. Und der große Mercedes? Punktet mit Komfort und Qualität, ist aber zu teuer und zu träge, um am BMW vorbeizuziehen.
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