Porsche 924 — 10.10.2011
Ganz schön sportlich
Flach, fit, frech. Echte Porsche-Liebe gibt es beim 924 erst auf den zweiten Blick, das gilt auch für die Fahr-Erfahrung. Ob der Erstkäufer geahnt hat, dass Weiß wieder Modefarbe werden würde?
Wirklich sportlich? Die verehrte Kundschaft sieht das zu Anfang nicht so. Ein
Porsche mit VW-Audi-Anleihen, was sich schnell herumsprach, das ging nun wirklich nicht. Motor vom
Audi 100 E, im Innenraum jede Menge Golf-Gedöns. Aber das Getriebe sitzt – nach dem Transaxle-Prinzip – an der Hinterachse. Vorteil: Auf Vorder- und Hinterachse lastet jeweils etwa gleich viel Gewicht – gut, um schnell und sicher durch Kurven zu fahren. Sensible Hände bemerken das beim Schalten. Arg knochig lassen sich die fünf Gänge wechseln, begleiten das mit Ächzen und lautem Knacken. Schuld daran ist die vorn liegende Kupplung, weil die Transaxle-Welle nur langsam abbremst. Auch das extrem lange Schaltgestänge trägt nicht zur Erleichterung bei. Für den Audi-Motor sind Porsche-Leistungen nur ein Wort. Der Porsche 924 müht sich hörbar in höhere Drehzahlbereiche. Bei Höchstleistung, also ab 5800 Touren, wirkt er geradezu angestrengt. Er muss sich einem etwas schwächeren
Mazda RX-7 in etlichen Disziplinen geschlagen geben.
Porsche 924: Das Fahrwerk klebt noch dann auf der Straße, wenn andere schon längst den Abflug machen.
Deshalb lechzte die Fan-Gemeinde nach einem Turbo. Der kam 1978, litt aber unter allerlei Lader-Lässlichkeiten. Genießen wir also noch einmal das Basismodell, das mal ein Volks-Porsche werden wollte. Wer sich unters Lenkrad geklemmt hat (ja, es sitzt sehr tief, und eine Sitzhöhen-Verstellung sucht man vergeblich), der sieht die Welt wie im RX-7 aus der Froschperspektive. Der verliert nie den Kontakt zur Straßenoberfläche, ist verblüfft über die noch heute sportlich-einfühlsame Abstimmung: Bei langsamer Fahrt straff bis stuckerig, bei hohem Tempo bügelt das Fahrwerk alles glatt. Seitenneigung kennt es kaum. Die zielgenaue Lenkung passt bestens dazu und macht den 924 dann doch zum echten Porsche. Kurventempi bis weit in den Grenzbereich lassen ihn weder vorn noch hinten ausbrechen. Nur wer heftig mit dem Gaspedal spielt, der erfährt Lastwechsel-Reaktionen, die sich mit beherzten Lenkrad-Korrekturen aber zielsicher parieren lassen. Kann sein, dass es dem Beifahrer (auf die Notsitze passen nur Kleinkinder) dabei mal etwas flau in der Magengegend wird. Aber so ist das nun mal bei Sportwagen, jedenfalls bei echten.
| Fahrzeugdaten |
Porsche 924 |
| Motor |
Vierzylinder, vorn längs |
| Ventile/Nockenwellen |
8/1 |
| Nockenwellenantrieb |
Zahnriemen |
| Brennraum |
1984 ccm |
| Bohrung x Hub |
86,5 x 84,4 mm |
| kW (PS) bei U/min |
92 (1125)/5800 |
| Nm bei U/min |
165/3500 |
| Höchstgeschwindigkeit |
204 km/h |
| Getriebe |
Fünfgang, manuell |
| Antrieb |
Hinterrad |
| Bremsen vorn/hinten |
Scheiben/Trommel |
| Testwagenbereifung |
205/60 R 15 H |
| Verbrauch (Werksangabe) |
11,5 Liter/100 km |
| Tankinhalt/Kraftstoffsorte |
84 Liter/Super 98 Oktan |
| zulässiges Gesamtgewicht |
1450 kg |
| Vorbeifahrgeräusch |
76 dB (A) |
| Länge/Breite/Höhe |
4213/1685/1270 mm |
|
| Messwerte |
| Beschleunigung 0-50/-80 km/h |
3,5/6,6 s |
| 0–100 km/h |
9,5 s |
| Elastizität 60–100/80–120 km/h |
6,8/9,6 s |
| Bremsweg aus 100 km/h |
46,9 m |
| Leergewicht/Zuladung |
1125/325 kg |
| Gewichtsverteilung vorn/hinten |
52/48 % |
| Wendekreis (links/rechts) |
10,9/11,2 m |
| Innengeräusch bei 50/100 km/h |
62/69 dB (A) |
| Testverbrauch - CO2 |
13,0 Liter – 235 g/km |
| Reichweite |
590 km |
|
| Kosten |
| Steuern pro Jahr |
507 Euro |
| Versicherung (HPF/100 %) |
894 Euro |
| Werkstattintervalle |
15.000 km |
| Kosten Ölwechsel/Inspektion |
150/280 Euro |
| Zeitwert (Zustand 2, Stand 11/2011) |
10.200 Euro |
Kommentar verfassen