Bremsscheiben und Bremsbeläge wechseln
Wenn die Bremsen am Limit sind

Das Auto quietscht während der Fahrt? Oder der Bremsflüssigkeitsstand ist niedrig? Das sind Anzeichen für verschlissene Bremsen. Wann es Zeit wird, Bremsbeläge und Bremsscheiben zu wechseln und was die Reparatur kostet.
Bild: Werk
Inhaltsverzeichnis
Egal ob bei Kleinstwagen oder Sportwagen: Bremsen müssen die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs sicher drosseln oder es schnell zum Stillstand bringen. Einwandfrei funktionierende Bremsen sind deshalb für die Sicherheit im Straßenverkehr unverzichtbar. Irgendwann sind Bremsbeläge allerdings abgenutzt, die Scheiben verschlissen. Dann kann es beim Fahren gefährlich werden. Wie man verschlissene Bremsbeläge erkennt und was der Austausch kostet.
Bremsbeläge, Bremsscheiben, Bremsbacken und Trommelbremsen sind Verschleißteile und nutzen sich im Laufe der Zeit ab. Bremsscheiben sind zudem hohen mechanischen und thermischen Belastungen ausgesetzt. Deshalb sollte die Bremsanlage bei jedem Werkstattbesuch auf ihre Funktion und den Verschleißzustand überprüft werden. Empfehlenswert ist, die Bremsanlage beispielsweise beim Wechsel der Räder vom Fachmann prüfen zu lassen. Bremsklötze sollten unterhalb von zwei Millimetern Restbelag erneuert werden, Trommelbremsbacken spätestens bei einem Millimeter.

Nicht nur die Größe der Komponenten spielt eine Rolle. Auch das Streckenprofil entscheidet über die Lebensdauer der Bauteile.
Bild: Toni Bader
Eine Lebensdauer lässt sich für Beläge nicht an der Laufleistung, sondern an Fahrweise sowie Beanspruchung festmachen. Wer normal fährt, kann mit einer Lebensdauer zwischen 40.000 bis 100.000 Kilometern der Bremsbeläge rechnen. Bremsscheiben halten meist länger als Bremsbeläge, die meisten AUTO BILD-Dauertestfahrzeuge überstehen die 100.000 Kilometer ohne Wechsel der Bremsscheiben. In einigen Fällen kann die Verschleißgrenze bereits nach 60.000 (Bremsflüssigkeit wechseln: Kosten und Intervalle)
Nicht nur auf die Inspektion verlassen
Bei sportlicher Fahrweise, häufigem sowie starkem Abbremsen oder auch bei qualitativ minderwertigeren Bremsbelägen, können Bremsbeläge bereits nach weniger als 30.000 Kilometern abgenutzt sein. Das Streckenprofil spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: So beanspruchen Fahrten über Flachland die Bremse verständlicherweise weniger als bergige Gegenden. Auch der Stadtverkehr sorgt für eine höhere Abnutzung der Bremse, da diese dort häufig benutzt wird.
Autobesitzer sollten sich jedoch nicht nur auf die Inspektion verlassen, sondern auf Anzeichen von Verschleißerscheinungen an Bremsbelägen achten. Schließlich sind die Beläge neben der eigenen Nutzung und dem damit verbundenen Bremsverhalten auch zusätzlichen Belastungen wie Wärme und Feuchtigkeit ausgesetzt. AUTO BILD empfiehlt, besonders vor längeren Autofahrten wie Urlaubsreisen, den Zustand der Bremsanlage zu überprüfen.
E-Autos: Rost- und Sicherheitsrisiko bei den Bremsen
Wichtig für Besitzer von Elektroautos: Durch die Rekuperation, also die Energierückgewinnung durch den Elektromotor beim Lupfen des Fahrpedals, können einige Elektroautos bereits so stark verzögern, dass die eigentliche Bremse oft über längere Strecken nicht zum Einsatz kommt. Die Bremsbeläge schleifen nur unregelmäßig an den Reibflächen der Bremsscheiben, wodurch sich Rost bildet, was die Bremsleistung stark reduziert und somit ein Sicherheitsrisiko darstellt.

Korrodierte Scheibenbremsen sind auch ein Problem von Elektroautos.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Davor warnt auch der ADAC: "Werden Scheibenbremsen zu selten benutzt, rosten sie. Durch den Rost haben Bremsscheiben und -klötze keine optimale Auflage mehr, die Bremswirkung lässt nach". Diese Besonderheit macht sich auch beim TÜV-Report erkennbar, wo E-Autos überdurchschnittlich oft mit Bremsproblemen aufgrund der zu selten genutzten Bremsanlage auffallen. Daher sollte Elektroauto-Besitzer bei jeder Fahrt möglichst so stark Bremsen, dass die Bremsanlage auch wirklich genutzt wird – vor allem im Winter bei hoher Feuchtigkeit sollte das bewusste Bremsen eigesetzt werden, um Rostbildung an den Bremsscheiben zu vermeiden.
An Scheibenbremsbelägen finden sich heute in fast allen Autos auch Verschleißanzeigen. Diese können elektrisch arbeiten und ein Licht im Armaturenbrett aufleuchten lassen oder auch mechanisch, wobei ein Metallstift bei Erreichen der Verschleißgrenze an der Scheibe kratzt. Beim Bremsen ertönt dann ein unangenehmes Geräusch, das die ultimative Aufforderung für den Besuch der Werkstatt ist.

Leuchtet dieses Symbol im Kombiinstrument, sind die Bremsbeläge verschlissen.
Bild: AUTOBILD
Der deutlichste und eindeutigste Hinweis abgenutzter Bremsbeläge ist das permanent aufleuchtende Warnzeichen im Kombiinstrument. Bei entsprechender Abnutzung wird der im Bremsbelag befindliche Prüfkontakt durchgeschliffen, wodurch sich ein Stromkreis schließt, der die Warnleuchte aktiviert. Doch auch ein anhaltendes reibendes oder mahlendes Geräusch kann auf ein verschlissenes Bremsbauteil hinweisen. Zieht das Fahrzeug leicht zur Seite oder tritt beim Bremsen ein leichtes Rütteln oder Flattern am Lenkrad oder am Bremspedal auf, sind auch das Anzeichen von Bremsenverschleiß. Weitere Indizien für abgenutzte oder defekte Bremsbauteile ein niedriger Stand der Bremsflüssigkeit (Warnleuchte) oder ein länger werdender Bremsweg. Wer unsicher ist, sollte hier kein Risiko eingehen und im Zweifel einen Fachmann um Rat bitten.
Ermöglichen die Felgen einen guten Blick auf die in den Bremssätteln liegenden Bremsbeläge, lässt sich mit Hilfe einer Taschenlampe teilweise bereits von außen erkennen, wieviel Reibbelag sich noch auf den Bremsklötzen befindet. Bei den geschlossenen Bremstrommeln, meist an der Hinterachse verbaut, gibt es bei eignen Modellen einen Gummistopfen, der sich entfernen lässt und einen Blick auf den Trommelbremsbelag ermöglicht. Ansonsten bleibt nur das Öffnen der Trommeln. Der Bremsenservice von Bremstrommel sollte proaktiv, also nach einer gewissen Laufleistung erfolgen, spätestens aber wenn beim Bremsen Schleif- oder Quietschgeräusche erklingen. Ein kurzer Bremstest der hinteren Bremsen lässt sich gut mit einer manuellen Handbremse bei Schrittgeschwindigkeit durchführen.
Die Abnutzung von Bremsscheiben und Bremstrommeln lässt sich nur durch eine Sichtprüfung erkennen. Bei Bremsscheiben lässt sich der Kleine Grat am äußeren Rand der Bremsscheibe (Übergang zur Reibfläche, an der der Bremsbelag schleift) mit dem Finger leicht erfühlen. Bremstrommeln müssen dagegen geöffnet werden, um den Verschleiß der Reibflächen zu erkennen. Auf Bremsscheiben und Bremstrommeln finden sich eingeprägte Angaben zur zulässigen Mindestdicke bzw. zum Höchstdurchmesser. In aller Regel sind zwei bis drei Millimeter Verschleiß zulässig, ehe diese Teile erneuert werden müssen.
Die Kosten für den Bremsenservice sind vor allem abhängig von den zu ersetzenden Verschleißteilen. Sind lediglich die vorderen Bremsbeläge zu wechseln, ist dies naturgemäß günstiger als der Tausch inklusive Bremsscheiben. Auch die Größe der Bremsscheiben und Beläge spielt eine Rolle. Die Arbeitszeit für einen Bremsbelagwechsel liegt etwa zwischen 20 und 40 Minuten pro Rad. Zu den Kosten für die Arbeitszeit der Werkstatt kommen die Materialkosten für neue Beläge und Verbrauchsmaterialien wie Bremsenreiniger und Montagepaste. In Summe belaufen sich die Kosten für einen Wechsel der Bremsbeläge pro Achse auf 150 bis etwa 400 Euro.
Einige Werkstattketten bieten den Tausch der Bremsklötze auch zum Komplettpreis an. Die Preise liegen je nach Modell zwischen 90 und 300 Euro. Müssen auch die Scheiben gewechselt werden, kann sich der Preis verdoppeln oder auch verdreifachen. Denn die Kosten für Bremsscheiben sind deutlich höher, die zusätzliche Arbeitszeit hält sich dagegen im Rahmen (etwa 15 Minuten pro Rad). Gelegentlich kommt es vor, dass Teile der Bremse festsitzen und sich schlecht lösen lassen, was die Arbeitszeit deutlich verlängern kann. Hier sind die Kunden im Vorteil, die zum vorab vereinbarten Komplettpreis reparieren lassen. Andernfalls wird sich die Werkstatt die längere Arbeitszeit auch vergüten lassen.
Auch die Kolben in den Bremssätteln oder die Bremszylinder der Trommelbremse können verschleißen. Die Kosten sind hier auch aufgrund der längeren Arbeitszeit deutlich höher. Allerdings fallen diese Reparaturen eher selten an. Übrigens: Arbeiten an den Bremsbelägen beziehungsweise den Bremsscheiben sollten grundsätzlich Profis durchführen! Hierbei geht es um Ihre, sowie die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. Bereits kleine Fehler können dabei zu gravierenden Einschränkungen der Sicherheit führen, und zudem wird oftmals Spezialwerkzeug benötigt. Auch wenn es im Internet ausreichend Anleitungen für geübte Hobbyschrauber gibt – das Arbeiten an der Bremsanlage ist eine Aufgabe für Fachmänner!
Wichtig: Mit zunehmender Abnutzung der Bremse sinkt auch der Stand der Bremsflüssigkeit im Behälter. Trotzdem sollte man diese nicht auffüllen, solange sie nicht das Minimum erreicht hat. Denn sonst läuft der Behälter über, wenn die Werkstatt neue Beläge montiert und alle Bremskolben auf Anfang stellt.

Große Alufelgen ermöglichen einen guten Blick auf die Bremsscheibe. So lässt sich teilweise auch der Zustand der Bremsbeläge begutachten.
Bild: Werk
Problematisch: Unabhängig vom Verschleißgrad der Bremskomponenten können unangenehme Begleiterscheinungen beim Verzögern auftreten. Dazu zählt das Rubbeln, wenn also über eine Radumdrehung betrachtet die Bremse unterschiedlich kräftig greift. Das Gerüttel ist oft auch im Lenkrad oder sogar im Bremspedal spürbar und nicht nur lästig, sondern auch schädlich für die gesamte Radaufhängung. Die Ursachen können unterschiedlich sein, reichen von Rost auf der Bremsscheibe nach längerem Parken im Regen bis zu Verzug durch Überhitzung oder als Nebenwirkung einer verbogenen Radnabe.
Gelegentlich die Bremse kräftig treten
Während sich Rost im Anfangsstadium noch bei normaler Nutzung wegbremsen lässt, muss bei Verdacht auf verbogene Teile die Werkstatt ran und den Planlauf aller Komponenten mit einer Messuhr prüfen. Einige Fahrzeugtypen, insbesondere Kleinwagen und die oben bereits erwähnten Elektroautos, neigen auch zu extrem rostenden Bremsscheiben, Kleinwagen vor allem an der Hinterachse. Die Ursache dafür ist hier eine zu vorsichtige Fahrweise. Denn bei ausschließlich sanftem Bremsen werden die Klötze kaum an die Scheiben gedrückt, können Rost und Schmutz nicht wegschleifen.

Im Motorraum befindet sich das Ausgleichsbehältnis der Bremsflüssigkeit. Erst nachfüllen, wenn der Stand unter die Minimum-Markierung fällt.
Bild: Ralf Timm
Deshalb: Wenn es die Verkehrslage erlaubt, zwischendurch ruhig mal kräftiger aufs Bremspedal steigen, um die Bremsscheiben und Bremsbeläge von Flugrost zu befreien.
Prüfen, ob alle Bremsen richtig lösen
Wachsam sollte man auch bei Geräuschen sein. Leichtes Kratzen am Morgen ist normal, weil die Luftfeuchtigkeit über Nacht die Reibflächen mit einem Hauch von Oberflächenrost überzieht. Ständige Geräusche, womöglich auch ohne Betätigung der Bremse, sind dagegen ein Fall für die Werkstatt. Das gilt auch, wenn das Auto beim Bremsen zu einer Seite zieht. Denn daran muss nicht zwangsläufig die Bremse schuld sein, oft sind auch Fahrwerksteile ausgeschlagen. Zieht das Fahrzeug dagegen auch zur Seite, obwohl gar nicht gebremst wird, kann eine Bremse festsitzen. Wer diesen Verdacht hat, sollte fühlen, ob eine Felge deutlich wärmer ist als die gegenüberliegende. Dadurch kann sich auch der Verbrauch erhöhen. Mehr dazu im großen Ratgeber zum Spritverbrauch.
Alternativ lassen sich Temperaturunterschiede auch mit einem Laserthermometer direkt an den Bremsscheiben messen. Ob dagegen alle Bremsen richtig lösen, lässt sich leicht bei ganz langsamer Fahrt prüfen: Abbremsen bis kurz vorm Stillstand, auskuppeln und ausrollen. Bleibt das Fahrzeug mit einem leichten Ruck stehen, ist irgendwo etwas schwergängig. Was, sollte jedoch am besten die Werkstatt herausfinden.
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