Retro Classics Essen 2026: Die Super-Oldtimer
Unsere vier Stars der Messe in Essen
Unter den unzähligen eindrucksvollen Klassikern in Essen stechen diese heraus. Hier eine subjektive Auswahl von vier Top-Oldtimern: zweimal V8-Power, ein Japan-Sportler und ein italienisches Raumwunder!
Bild: Frank B. Meyer/Matthias Brügge/AUTO BILD
Die Retro Classics in Essen war die erste Klassikermesse des Jahres, die im Herzen Deutschlands stattfand. Also gut erreichbar aus allen Ecken der Republik und dem benachbarten Ausland. Hier drängeln sich die Super-Oldies, viele Legenden sind zu finden, teils auch zu kaufen (hier die fünf Top-Kaufklassiker). Soll es ein restaurierter Porsche 911 E Targa in viperngrün sein? Steht hier, wechselt für 84.500 Euro den Besitzer. Hispano Suiza oder Dodge Challenger, Citroën-Prototypen oder Vorgänger des schon 30-jährigen Berlingo? Auch hier. Doch es sind diese vier Autos, die den beiden Reportern auf der Suche nach besonderen Oldtimern ins Auge fielen. Hier ihre ganz subjektiven Tops der Retro Classics Essen 2026.
AMG SL 6.0: 350 PS im Roadster R 107
Der erste Blickfang ist gleich ein Star. Ein Auto, das durch seine Geschichte, seine Leistung und den überragenden Erhaltungszustand hervorsticht. Schon am Auftritt ist zu erkennen, dass dieser R 107 nicht einfach ein Mercedes, sondern ein AMG ist, und zwar gleich der allerstärkste der Baureihe: Einer von nur zwei Handvoll AMG SL 6.0!

Mächtig steht er da, und mächtig ist er auch, der AMG SL 6.0.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Dieses Auto kam 1978 als Mercedes 450 SL heraus, der jetzige Besitzer kaufte es 1991 und ließ es bei AMG veredeln. Das brachte eine Tücke mit sich: Der originale Grauguss-V8 ließ sich nicht weit genug aufbohren, es musste ein Alu-Zylinderblock her. Also kam ein Fünfliter-Spender-V8 hinzu, der nach dem Aufbohren die 100-mm-Kolben aufnehmen konnte. Sie ergeben zusammen mit einer geänderten Kurbelwelle die magischen sechs Liter Hubraum.
Technisch wurde der Wagen umfassend angepasst, von Getriebe über eine verstärkte Kardanwelle bis zu anderen Bremsen. Im Innenraum zog ein AMG-Cockpit ein. Erst gute 20.000 km ist der Sechsliter-AMG seitdem gelaufen. Der Besitzer ist rundum zufrieden, nur nicht immer mit dem Geradeauslauf des Autos.

Unter der Haube steckt das Sechsliter-Kraftpaket mit den Leistungswerten: 540 Nm, 350 PS.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Mustang-V8 macht Ford Coupé zum Mako Capri
Kraftvoll, elegant, stark: Diese Eigenschaften werden dem Makohai zugeschrieben, weshalb sich eine kleine Autoschmiede aus Rösrath-Kleineichen bei Köln diesen Namen gab. Die Idee: einen Fünfliter-Mustang-V8 einem Ford Capri einzupflanzen. Mako wurde dadurch zum Autohersteller und brachte 1978 den Mako Capri V8 heraus.
Schon im Stehen wirkt das Ergebnis imposant, der Blick unter die Haube verspricht viel. Nominell leistet der Motor 250 PS, auf der Straße sollen eher 290 ankommen, so die Info der auskunftfreudigen Menschen vom Messestand.
Von außen ein Ford Capri, aber der Fünfliter-V8 aus einem Mustang macht das Auto zum Mako Capri V8.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Wenn man in den bequemen Sportsitzen des Mako Capri Platz nimmt, kann man die Kraft förmlich spüren. In diesem ungezügelten Capri dürfte hohes Tempo den Adrenalinspiegel der Insassen deutlich anheben. Mit 1,80 Meter Körpergröße kommt man auf den Rücksitzen gerade so zurecht, vor 50 Jahren waren die Autos eben enger geschnitten.

Im langen Bug des Capri Mk. 3 ist Platz für einen fetten Mustang-Fünfliter-V8 mit exakt 4949 cm³ Hubraum und 250 PS.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Immerhin: Ein der Kraft angemessenes Borg-Warner-Getriebe und auch die Mustang-Hinterachse erhöhen das Vertrauen in die Fahrwerkstechnik. Dennoch: Die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h flößt Ehrfurcht ein – wehe, wenn der Mako beißt.
Insgesamt entstanden 21 Fahrzeuge auf Capri-Basis, von denen die Hälfte noch erhalten sein soll. Weitere 16 Autos wurden mit Granada-Karossen zu wilden Mako-Limousinen.
Italiens VW T1: Fiat 600 Multipla Coriasco
Den Fiat Multipla vom 1999 kennt jeder – den Van mit der gewöhnungsbedürftigen Optik. Den Fiat 600 Multipla von 1956 kennen fast nur Oldtimer-Auskenner: einen Winz-Van mit sechs Sitzen, Heckmotor und Käfer-artigem Buckelheck.
Dieser Fiat 600 Multipla aber ist in Deutschland fast unbekannt: ein Lieferwagen mit kastenförmigem, eckigem Aufbau wie der VW Bulli T1! Dabei wurden laut Automobilhistorikern „wenige tausend“ davon gebaut.

Die Front bis unter der Windschutzscheibe und die technische Basis stammen vom Fiat 600 Multipla, der Aufbau vom Karosseriebetrieb Coriasco.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Seine Geschichte: Fiat bot vom 600 Multipla zunächst keine Lieferwagen-Variante an. Giovanni Coriasco aus Turin erkannte die Marktlücke – und produzierte in seinem Karosseriebaubetrieb Kastenwagen, Pritschenwagen und Fensterbusse mit Steilheck. Das berichtet Dr. Norbert Gelleschun aus Gelsenkirchen, Besitzer des rot-schwarzen Fiat 600 Multipla Coriasco und Betreiber der Website abarth-germany.de.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Seinen Coriasco nennt er Abarth 750 Multipla Coriasco – denn der Kastenwagen lief als Servicefahrzeug und Werbeträger von Tuner Carlo Abarth in einer Filiale auf Sizilien. Tatsächlich hat er nicht den Abarth-Motor mit 750 Kubik, sondern den Serienmotor mit 600 Kubik. (Haben wir im Video 19 PS gesagt? Scusa, wahrscheinlich waren es 21,5.) Aber einen originalen 750er-Abarth-Motor mit 38 PS hat er zu Hause. Und mag der Multipla mit 633 cm3 auch kein Rennwagen sein: Mit der Abarth-Auspuffanlage macht er mächtig Sound.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Seltenes Subaru-Sportcoupé mit Allrad: SVX
Nach dem Prinzip "volle Hütte" hat Subaru SVX gebaut: Es gab ihn nur ohne Sonderausstattung – einfach, weil alles an möglicher Technik und Ausstattung an Bord war, immer mit Ledersitzen, unter der Haube immer ein Sechszylinder-Boxer mit 3,3 Litern Hubraum, der seine 230 PS über ein Vierstufen-Automatikgetriebe an alle vier Räder abgibt. Es gab ihn sogar mit Allradlenkung – allerdings nur in Japan.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Neben der überzeugenden Technik aber begeistert der SVX durch sein radikales Design. Gestaltet vom Golf-1-Designer Giorgetto Giugiaro, weist der SVX schräge Details auf. Die setzten sich zwar nicht durch, aber prägten den Stil des Subaru. So gehören die nur hälftig versenkbaren Seitenscheiben heute zum automobilen Kulturerbe.
Das gilt auch für das hälftige Design, wonach die Linie der Fronthaube in den Seitenspiegeln endet, die schwarz verglaste B-Säule diese Linie aufnimmt und den schwarz eingefärbten Heckdeckel optisch absenkt. Dies ist kein Konzeptfahrzeug, es ist Serie!

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Aber eine Serie, die zwischen 1991 und 1997 nur rund 25.000-mal gebaut wurde – und dadurch zum wirtschaftlichen Flop wurde. Laut den Subaru-Freunden Deutschland wurden 854 SVX nach Deutschland importiert – von denen schon viele als Teileträger endeten. Aber, und das ist gewiss, eine Legende prägten.
Fazit
Vier Autos aus einer ganzen Automesse auszusuchen, das ist eine Herausforderung! Aber zeigt diese Auswahl nicht, wie vielfältig und bunt die Autokultur ist? Alle vier Fahrzeuge begeistern, dank Power, extravaganter Technik oder durch eleganten Minimalismus. Ganz nebenbei: Essen ist ein Muss für Autoliebhaber.
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