Retro Classics Essen 2026: Oldies mit Potenzial
Diese 5 Klassiker sollte man unbedingt kaufen
Hunderte Traumoldies, von denen viele nicht zu kaufen und andere wiederum nicht zu bezahlen sind. Doch in Essen gab's auch bezahlbare Klassiker mit Potenzial! Diese fünf würden die AUTO BILD-Redakteure Frank B. Meyer und Matthias Brügge mitnehmen.
Bild: Frank B. Meyer/Matthias Brügge/AUTO BILD
Wer zur Retro Classics nach Essen kam, wollte Oldtimer sehen. Je exotischer und teurer, desto besser – und sie waren alle hier: Die Porsche 911 und Mercedes-Modelle aller Baujahre konnte man kaum zählen. Umringt von Messebesuchern. (Hier sind die vier Favoriten zweier AUTO BILD-Reporter)
Doch in Essen umringten viele Menschen auch Autos, die bezahlbar sind – und die man gleich mitnehmen konnte. Hier sind fünf dieser Exemplare: subjektiv ausgewählt, mit Blick auf einen vernünftigen Kauf. Bei diesen Autos sagen wir: Die kann man kaufen!
Blitzschneller Renault Clio 16V – 137 PS für 17.900 Euro
Fast unscheinbar duckte sich in Essen ein kleines, weißes Auto an eine Hallenwand, das es faustdick unter der Haube hat: einen 1,8-Liter-16V-Motor mit 137 PS! Die treffen auf gut 950 Kilo – ein hervorragendes Leistungsgewicht.

Ein Clio 1 als 16V mit 45.045 km Laufleistung – dieser Hot Hatch ist in dem Zustand kaum zu finden. Hier treffen 137 PS auf gut 950 Kilo – ein tolles Leistungsgewicht.
Bild: Frank B. Meyer/Matthias Brügge/AUTO BILD
Der Clio trägt das 16V gleich im Namen. Besonders ist die Laufleistung: 40.045 km weist der Tacho des makellosen Hot Hatch aus. In diesem Zustand ist ein solcher Wagen kaum zu finden – wetten?

Ein eher unscheinbares Heck, das doch einen Wagen mit GTI-Qualitäten ziert.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Der Innenraum des 1991 gebauten Autos ist nahezu im Neuwagenzustand, die Sitze auf allen Plätzen straff. Top-Zustand, behauptet der freundliche Verkäufer – man nimmt es ihm ab. Der wenige Rost am Krümmer widerspricht der angegebenen Laufleistung nicht. Insgesamt erscheinen die aufgerufenen 17.900 Euro durchaus realistisch.
Mercedes C 220 CDI T-Modell für 11.900 Euro
Diese Mercedes C-Klasse ist gleich doppelt ungewöhnlich: Einerseits wurde der Benz der Baureihe S 202 in Deutschland nur selten in "Magmarot" (Farbcode 586) bestellt, andererseits trifft man nur noch selten auf 202er-C-Klassen ohne sichtbaren Rost.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Das Exemplar, das auf der Retro Classics Essen 2026 angeboten wurde, ist Baujahr 2000 und wurde zunächst nach Italien ausgeliefert. Laut Verkäufer stand der Kombi 15 Jahre in einer Sammlung in Imperia (östlich von Monaco und San Remo an der Küste).
Das würde zum Teil die geringe Laufleistung von knapp 90.000 Kilometern erklären – ebenso wie den guten Zustand. Auf den ersten Blick wirkt der Lack – laut Besitzer überwiegend Erstlack – wirklich ordentlich, auch andere Gebrauchs- und Alterungsspuren halten sich in Grenzen. Nur der Dachhimmel löst sich und sollte ersetzt werden.
Standschäden wurden laut Verkäufer nach den 15 Jahren in der Sammlung beseitigt.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Ungewöhnlich ist auch die Kombination aus rotem Lack und beigefarbenem MB-Tex, wie Mercedes-Benz sein Kunstleder nannte.
Der Motor ist sowohl sparsam als auch historisch bedeutsam: Der OM 611 im C 220 CDI ist der erste Direkteinspritzer-Diesel von Mercedes – und laut Daimler der erste Diesel mit Common-Rail-Einspritzung in einem Serienauto überhaupt. Hier hat er 125 PS und 300 Nm Drehmoment. Laut Werksangabe schluckt das T-Modell mit Automatik 6,8 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Besitzer Axel Jendryssek aus Heiligenhaus bestätigt im Gespräch mit AUTO BILD, dass er mit 6,5 bis 7,0 Litern auskommt.
Der Mercedes C 220 CDI basiert auf der Ausstattungslinie Classic, ist hier aber ein Sondermodell namens Classic Selection. Er hat Klimaanlage, Tempomat, Fünfgangautomatik – auch die "Selection"-Fußmatten liegen noch drin.
11.900 Euro stehen als Verhandlungsbasis für den Youngtimer auf dem Preisschild. Zur Verhandlungsmasse dürften auch eine neue HU-Plakette (der TÜV ist kürzlich abgelaufen) und die Reparatur des Dachhimmels gehören.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Peugeot 306 Cabrio "Platinum" für 9999 Euro
Wer ein französisches Cabrio der Nullerjahre sucht, wird hier fündig: Der Peugeot 306 von 2000 ist rundum überholt, hat neue Bremsen, ein neues Fahrwerk und sogar ein neues Verdeck. Die schönen Alus wurden bereits aufgearbeitet – man sieht es ihnen an. Die nach zwei Jahrzehnten oft verblichenen Klarglasscheinwerfer sind makellos.

Neues Verdeck, Räder überarbeitet, viele Fahrwerksteile neu: Den Peugeot möchte man gerne Probe fahren!
Bild: Matthias Brügge/AUTO BILD

Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Noch schöner präsentiert sich das Auto innen: Die Insassen nehmen auf bildschönen, dunkelroten Ledersitzen Platz. Wie weit der Zweiliter-Motor mit seinen 132 PS bereits gelaufen ist, ließ sich beim Wagencheck nicht klären – ein wichtiges Kaufkriterium. Die Preisvorstellung wirkt dafür umso moderater: Der Verkäufer ruft nachvollziehbare 9999 Euro auf.
Opel Senator 2.8 S für 6900 Euro
Ende der 70er-Jahre gebaut, tritt dieser Opel Senator als 2,8 S mit seidigem Reihensechser an. Ist der Vergasermotor sein größtes Manko? Wir finden: nein. Klar, der Wagen hat die Lizenz zum Saufen – verzeiht aber dank fehlender Bosch-D-Jetronic längere Standzeiten besser. Mit 140 PS ist man trotz Dreigangautomatik ordentlich motorisiert.

Wer sich um die ersten Rostansätze am Senator von 1979 kümmert, kann lange Freude an der schönen Limousine haben.
Bild: Matthias Brügge/AUTO BILD
Ein wenig Zuwendung braucht der große Opel, bringt aber viel Schönes mit: blaue Velourssitze, schicke Opel-Fünfeckfelgen und ein Schiebedach. Letzteres zeigt erste Rostblasen und eine abgeschabte Stelle – hier sollte der Käufer nacharbeiten lassen. Auch das Türblatt der Fahrertür kündigt vorsichtig eine Rostbehandlung an, eine erste Blase zeigt sich am unteren Rand.

Das Schild am Heck verrät: Dies ist kein Einspritzer, sondern als 2,8 S ein Vergaserauto.
Bild: Matthias Brügge/AUTO BILD
Der Unterboden wirkt weitgehend makellos, der originale Unterbodenschutz wurde irgendwann durch ehrlichen schwarzen Mattlack ersetzt. Der Auspufftopf sieht neu aus, die Rohre etwas älter. Für die gerissene Frontscheibe liegt Ersatz auf der Heckbank. Die vom Verkäufer aufgerufenen, moderaten 6900 Euro machen den Senator zu einem der günstigsten Autos der Messe. Wir würden das Auto kaufen!.
Ford Taunus TC '76 für 6900 Euro
Zum Schluss noch eine Limousine der 70er: Einer der wenigen Oldtimer unter 7000 Euro auf der Retro Classics Essen 2026 ist dieser goldene Ford Taunus TC – eine viertürige Limousine von 1979, kurz vor dem letzten Facelift. Erster Eindruck: Den hätte der Verkäufer ruhig noch waschen können, bevor er ihn in die Halle gestellt hat.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Zweiter Eindruck: Was für ein Zeugnis für den Geschmack der späten 70er-Jahre! Da treffen der Lack in "Inka-Gold" (der Farbton wurde im September 1979 fürs Modelljahr 1980 schon wieder gestrichen) und die plüschigen Polster in "Safaribraun" auf ein radikal vereinfachtes Karosseriedesign. Das Team um Uwe Bahnsen und Tom Tjaarda hatte den Taunus zum Modelljahr 1976 konsequent vom Pomp und Glitter der Knudsen-Modelle befreit.
Und wer vor lauter Brauntönen und 70er-Jahren sofort an seine Kindheit in verqualmten Autos denkt, kann hier aufatmen: Laut Inserat ist der Ford Taunus ein Nichtraucherauto.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Längs unter der langen Haube sitzt der 1,6-Liter-Vierzylinder mit 72 PS, dahinter das Viergang-Schaltgetriebe. Der Verkäufer empfiehlt, ihn mit Super Plus und Bleizusatz zu betanken. Knapp 100.000 Kilometer hat der Ford laut Inserat runter, die HU ist gültig bis Juli 2027.
Der goldene Taunus L hat verstellbare Kopfstützen vorn, Sicherheitsgurte hinten, Nebelschlussleuchte, Sportrückspiegel und Sporträder im Format 5,5J x 13 mit Reifen der Größe 185/70 SR 13. Zum Wagen gehören außerdem Rechnungen, die originale Bedienungsanleitung, diverse Ersatzteile und – auf Wunsch – Reparatur- und Werkstatthandbücher.
Der Inserent schwärmt: "Das Fahrzeug wurde stets zuverlässig gefahren, regelmäßig gewartet und befindet sich in einem originalen, unverbastelten Zustand." Es sei aus Familienbesitz.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Insgesamt scheint dieser Ford Taunus TC 76 Viertürer ein solides Vehikel zu sein für die Reise zurück in die Geschmackswelt irgendwo zwischen Peter Maffay ("So bist du"), Village People ("YMCA") und Blondie ("Heart of Glass") – und in eine Zeit, als Ford noch eine mächtige Größe auf dem Limousinenmarkt war.
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