Schade, dass nicht mehr von dem Kegelabend vor 37 Jahren überliefert ist. Günter Wegener erinnert sich nur schwach an diesen Tag. An die gesellige Männerrunde, das überschäumende Bier, die augenzwinkernden Witze – alles nett, aber natürlich nichts, was für ewig auf die Festplatte gebrannt gehört. Nichts, was im Alter von 84 Jahren noch eine Rolle spielen würde. Bis auf den Abschluss, den dieser Abend fand. 10.000 D-Mark ließ der feine Herr Wegener an diesem Abend in der Kneipe. Er überreichte die Summe in Form eines Schecks. Dafür erhielt er einen taubenblauen Mercedes-Benz 190 SL aus adligem Vorbesitz.

Weitere Erbstücke: Alpine A310 und Ford Taunus 17 M P3

Mercedes-Benz 190 SL W 121
Wunderschöner Rücken: Optisch lehnt sich der 190 SL an seinen großen Bruder 300 SL an, technisch ist er verwandt mit dem Ponton.
Madame Baroness fuhr ihn als modisches Accessoire, anschließend Wegeners Freund, der Rechtsanwalt. Der hatte die Lust am soften Boulevard-Sportwagen aber verloren. Vielleicht hatte Wegener damals seine Frau Renata im Kopf. Wie gut die Brünette aussehen würde im Nitribitt-Mercedes, mit wehendem Kopftuch und tellergroßer Sonnenbrille. Er selbst fuhr Porsche, schon immer. Die "blaue Taube" wurde zum Reisewagen des Ehepaars. Laue Nächte auf der Champs-Elysées, raue Nordkap-Touren, Flanieren am Timmendorfer Strand – nur im Sommer verließ der offene Benz die Trockenluft-Garage in Alfeld, der Märchenstadt im Leinetal. Als die Zeit der großen Abenteuerurlaube vorbei war, stand der Wagen erst einmal zwei Jahre. Sohn Michael bekam das Cabrio nach seinem Studium in Hamburg geschenkt. Einfach so, ohne speziellen Anlass.

Weitere Erbstücke: Mercedes-Benz 280 SLC W 107 und VW 1200 Export

Mercedes-Benz 190 SL W 121
Auch im Cockpit ist die Verwandtschaft zum 300 SL unverkennbar: Elfenbein-Lenkrad mit Hupring, üppige Instrumentierung.
"Meine Mutter hat immer gesagt, die blaue Taube darf nicht verkauft werden." Heute schätzt Michael, dass der Roadster von 1962 nie Probleme bereitet, alle Teile im Originalzustand sind. Auch der Lack im magischen Blau. Werkstätten kennt der Mercedes nur von Inspektionsbesuchen. Ausgerechnet diese Routinekontrolle sorgte für den einzigen Unfall in 46 Jahren. Ein Mercedes-Mitarbeiter rumste im Roadster aus Versehen gegen die Wand. Damals lag der Schaden über dem Zeitwert von 5000 D-Mark. Mal vom ideellen Wert abgesehen, kostet so ein SL heute locker 40.000 Euro. Michael Wegener und seine Frau Susanne führen den Vierzylinder in bester Familientradition zu besonderen Gelegenheiten aus – wie bei der AUTO BILD KLASSIK-Rallye Hamburg–Berlin. Und übrigens, wer Hoffnungen hegt: Die beiden kegeln nicht.