Wartburg 1.3: Klassiker des Tages
Der Viertakt-Wartburg vereint West mit Ost
Bild: AUTO BILD Montage eBay/rbdschwerin
Vom Ende der DDR konnte Mitte der 80er noch niemand etwas ahnen, doch der ostdeutschen Autoindustrie war der Verfall schon anzusehen, die Autos der DDR waren konstruktiv in die Jahre gekommen. Und auch der Zweitakter im Wartburg hatte seine besten Jahre hinter sich. Aber vielleicht mit einem neuen Motor?
Also wollten die Verantwortlichen mit Viertaktmotoren von VW das Ruder rumreißen. Eines der in dieser Zeit entstandenen Mischwesen ist der Wartburg 1.3. Ihn treibt der für den VW Polo 86C entwickelte 1300er-Motor mit 58 PS an. Seinerzeit ein ungewolltes Stiefkind hat sich der letzte "Warti" inzwischen zum veritablen Kultfahrzeug entwickelt.
So mögen 58 PS aus 1,3 Liter Hubraum nicht nach großem Sport klingen, doch im Detail wird der Reiz deutlich. Zunächst verzichtet der Viertakter auf die – sagen wir mal – Eigenheiten seiner knatternden Brüder. Bei Kälte muss nicht mehr gefühlte Ewigkeiten mit dem Choke gespielt werden, bis der Motor auf Temperatur ist.

Der 1,3-Liter-Vierzylinder stammt von VW und leistet 58 PS. Der Warti musste für ihn umkonstruiert werden.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Der Wartburg 1.3 brauchte kein Gemisch mehr
Dann zieht der 1.3 beim Beschleunigen leise summend an, statt das Drehzahlband raufzukrakeelen. Nicht zuletzt entfiel das Sprit-Öl-Mischen. Schließlich ist das Gemisch an der Tankstelle heute nicht mehr selbstverständlich zu haben. Und reines Benzin verbrennt auch sauberer.

Schlichter geht Interieur kaum. Die Sitze schlucken die Unebenheiten, die die Federung nicht schafft.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Klar, das macht für Traditionalisten einen Teil des Spaßes am Wartburg-Fahren aus. Doch für den Einstieg ins Hobby "DDR-Technik" oder für den gelegentlichen Einsatz eignet sich der 1.3 wegen dieser unkomplizierten Seite besser.
Solange er gepflegt wurde. Denn auch diesem Wartburg hätte umfassendere Rostvorsorge ab Werk gut zu Gesicht gestanden.
Vom konzeptionellen Fiasko zum skurrilen Zeitzeugen
Im Innenraum des Wartburg 1.3 geht es aufgeräumt zu. Mehr als das zum Fahren Nötige ist einfach nicht da. Wird die Straße schlechter, schlägt die Stunde des Wartburg: Dann schluckt die bequeme Bestuhlung auch die Unebenheiten noch weg, die die Federung nicht schafft.
Historisch betrachtet macht den Wagen allein seine Entstehung zum erhaltenswerten Stück. Von den Wartburg-Ingenieuren selbst entwickelte Viertakter für den Vorgänger 353 wurden aus Berlin gestoppt, man traute sich die notwendige Investition nicht zu. Ironie des Schicksals: Der Umbau des 1.3-Vorderwagens für den VW-Motor kostete am Ende mehr als das eigene Aggregat zu bauen.
Der erhoffte Verkaufsschlager wurde der Viertakter-Wartburg nicht, weder als Limousine noch als Kombi. Nicht mal der zusammen mit Opel-Tuner Irmscher veredelte "New Line" fand Käufer. Doch heute zeugt der Wartburg 1.3 von der wilden Wendezeit.
Service-Links










