Geldvernichter: VW Karmann Ghia Typ 34

VW Karmann Ghia Typ 34 VW Karmann Ghia Typ 34

Unvernünftige Klassiker: VW Karmann Ghia Typ 34

— 01.05.2010

VW für Vermögende

Der große VW Karmann Ghia: günstige Käfer-Technik, günstige Ersatzteile denken Sie? Dann sollten Sie diese Geschichte lesen. Denn dieser Volkswagen verspottet seinen Markennamen.

Vor einiger Zeit im Internet-Auktions­haus. "Blinkerpaar komplett: 500 Euro. Frontmaske: 2950 Euro. Stoßstange vorn: 1450 Euro. Kotflügel vorn: 2050 Euro. Leuchten hinten: 349 Euro." Und so weiter. Es sind die Startpreise, wohlgemerkt. Ersatzteilpreise für einen Volks­wagen, der seinen Markennamen verspottet, den Karmann-Ghia Typ 34. Den "großen" Karmann auf braver VW-1500/1600-Basis. Das klingt simpler, als es ist. "Einfach ist beim Typ 34 nur eines: Alles, was man sieht, kostet ein Vermögen. Der Rest ist verfügbar, aber auch nicht mehr billig." Gerd Grebbin (68) aus Goslar hat sich in­tensiv mit dem großen Karmann beschäf­tigt, fast 40 Jahre lang.

Automobile Unvernunft: die durstigsten Autos aller Zeiten

Wenige Teile kommen aus dem VW-Baukasten. Teile für Innenausstattung und Karosserie werden heute in Gold aufgewogen.

1968 bewunder­te er einen Typ 34 beim VW-Autohaus in Salzgitter, kaufte aber doch einen licht­grauen 1500er-Käfer. Es folgten VW K70, Passat, ein paar Audi 100. Vernünftige Autos, vom Industriekaufmann Grebbin kühl kalkuliert ausgesucht. "Erst 2005, als Rentner, habe ich mir den alten Traum erfüllt und für 16.000 Euro endlich einen Karmann gekauft. Kindlich naiv bin ich an die Sache rangegan­gen, ohne vorher einen Experten gefragt zu haben." Grebbin taufte seinen Karmann "Car­los", weil das Coupé früher mal in Spanien lief. Zum Glück mach­te nur die Technik Mucken. Eine marode Hülle ist der wirtschaftliche Totalscha­den. Denn der Typ 34 ist ein exzessiver Roster, noch dazu schwer reparierbar: alles geschweißt, fast nichts verschraubt, null Rostschutz. Und dann die Spezial-Teile.
Technische Daten VW Karmann Ghia Typ 34
Motor Vierzylinder-Boxer, hinten längs
Ventile pro Zylinder/Anzahl Nockenwellen 2/2
Gemischaufbereitung 2 Solex-Vergaser 32 PDSIT
Hubraum 1584 ccm
kW/PS bei U/min 40/54 bei 4000
Nenndrehmoment bei U/min 110 bei 2200
Antrieb Hinterradantrieb
Getriebe Viergang-Schaltgetriebe
Bereifung 165 SR 15
Länge/Breite/Höhe in mm 4280/1620/1335
Verbrauch 11,5 Liter Normal/100 km
Leergewicht 910 kg
Spitze 150 km/h
Tankinhalt 40 Liter
Preis (1967) 8945 D-Mark

Ersaztteile für einen Porsche 356 sind günstiger

Damen-Wahl: VW vermarktete den großen Karmann als Zweitwagen und exklusives Stück für die Dame des Hauses.

"Porsche-356-Fahren ist billiger, davon gab es mehr", sagt Grebbin. "Noch nicht einmal die VW-Scheinwerfer stam­men aus der Großserie." Dass der Typ 34 nur rassig aussieht, aber in der Tiefe seines Hubraums ein kreuz­braver Typ 3 mit sanften 54 PS ist, stört Gerd Grebbin nicht. Die anmutigen Karosserielinien reißen alles raus. Und was ist schöner, als sich einen Traum zu er­füllen? "Mit meinem heutigen Wissen hätte ich diesen Wagen nicht gekauft – zu viele versteckte Mängel und deshalb zu teuer. Aber ohne ihn wäre ich nicht glücklicher. Über das Hobby habe ich viele neue Freunde und Bekannte kennengelernt. Und das ist sowieso unbezahlbar." 

Autor: Jan-Henrik Muche

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