Typenbezeichnungen bei Audi: seltsame Änderungen seit Jahrzehnten
Die wirre Welt der Audi-Namen

A4 wird A5 wird A4: Audi-Fans diskutieren über das Typenbezeichnungs-Wirrwarr – nicht zum ersten Mal! Die 16 schrägsten Namens-Geschichten bei Audi.
Bild: C. Börries/R. Rätzke/F. Roschki/G. v. Sternenfels/AUTO BILD
Na, das war doch mal eine neue Idee! Modelle mit Verbrenner kriegen die ungeraden Zahlen, E-Autos die geraden. So entschied der Audi-Vorstand unter Markus Duesmann es 2023. Wir können uns bildlich vorstellen, wie am Ende alle im Vorstand genickt und sich gegenseitig bestätigt haben: super Lösung, klasse.
Und wir erinnern uns an die Gesichter der Audi-Fans – und ihre meistgestellte Frage dazu: "Hä?" Die traditionsreichen Verbrenner-Limousinen und -Kombis der Reihe A4 (seit 1994) sollten nun auf einmal A5 heißen wie bisher Coupé und Cabrios; tatsächlich stellte Audi 2024 den neuen A5 als Limousine und Avant vor.
Und aus dem A6 (ebenfalls seit 1994) sollte nun ein A7 werden – aber was sollte aus dem A7 werden, dem dicken Fließheck-Brummer? Einfach wegfallen, weil der Name nicht mehr passt?
Auch die Händler rauften sich die Motivkrawatten, so kreuzunglücklich waren sie mit dieser Umrühr-Aktion. Aber im Februar 2025, unter dem neuen Chef Gernot Döllner, hat Audi ja die Verungeradung der Verbrennermodelle zurückgenommen. Nun, im Februar 2026, stellt Audi-Chef Döllner in Aussicht, dass der A5 mit Verbrennungsmotor zurückver-A-viert werden könnte.

Bis 2009 hießen Kombi und Cabrio gleich, seit 2024 wieder: damals A4, nun A5. Oder halt, nein: Das A5 Cabrio wurde ja 2024 gekillt.
Bild: Christoph Börries, Olaf Itrich/AUTO BILD
Damit folgt er einer langen Firmentradition. Denn die Geschichte von Audi ist auch eine seltsame Geschichte unsicherer, tastender Hin-und-her-Benamsungen. Sie fing sogar damit an!
Warum Audi Audi heißt
Und zwar: August Horch war in seiner eigenen Firma, der Horch & Cie, 1909 aus der Geschäftsführung gedrängt worden. Also haute er in den Sack und gründete im selben Jahr eine neue Firma: die August Horch Automobilwerke GmbH. Daraufhin zerrte seine Ex-Firma ihn wegen des fast gleichen Namens vor Gericht, in letzter Instanz verlor er vorm Reichsgericht in Leipzig.
Jetzt kommt die Anekdote, die Audi-Fans herunterbeten können wie Pfarrer das Vaterunser: August Horch brauchte also für seine eigene Firma einen anderen Namen als Horch. Bei einer lautstarken Diskussion im Haus von Horchs Kompagnon Franz Fikentscher hatte dessen Sohn Heinrich (10) im Nebenzimmer privaten Lateinunterricht. Ein Anteilseigner brüllte der Legende nach: "Höre auf die andere Seite!" Wer den Satz übersetzt hat, Lehrer oder Schüler, ist nicht überliefert, aber das Ergebnis war: "Audiatur et altera pars." Moment mal: höre oder horch, das heißt doch audi. Papa, warum nennt Herr Horch seine Firma nicht Audi?

Der Junge im Matrosenanzug (2. von links) ist Heinrich Fikentscher – ihm wird die Erfindung des Namens Audi zugeschrieben.
Bild: Audi
So kam's zur Audi Automobilwerke GmbH. Die ging 1932 in der Auto Union auf, die Marke Audi aber blieb. 1945 aber schien alles vorbei: Das Land in Schutt und Asche, die Rote Armee räumte das Werk in Zwickau bis zum letzten Lichtschalter leer. Die Chefs und viele Mitarbeiter flohen nach Bayern, andere Auto-Union-Werker blieben in Zwickau und bauten die Autofertigung neu auf. "VEB Kraftfahrzeugwerk Audi Zwickau" hieß ihr Betrieb bis 1955, aber Audis wurden keine mehr produziert.
In Ingolstadt auch nicht. Dort, im früheren Heeresproviantamt, gründeten sie die neue Auto Union GmbH. Und bauten DKW.
Der Audi ohne Namen
DKW stand im Westen wie keine andere Marke für Zweitakter. Blöd nur: Mitte der 60er wollte kaum noch jemand Zweitakter. Also verpasste die Auto Union ihrem ansonsten modernen DKW F 102 ein Facelift und einen Viertakter.
Der neue Motor kam von Mercedes: Die Schwaben waren an der Auto Union beteiligt, und Mercedes-Konstrukteur Ludwig Kraus brachte den Viertaktmotor mit, den Daimler-Benz eigentlich für einen Bundeswehr-Geländewagen entwickelt hatte. (Mercedes-Fans, die gern Audi-Fans dissen, sollten wissen, was Audi Mercedes zu verdanken hat.)

Der erste Nachkriegs-Audi hieß 1965 erst mal nur Audi, ohne Zahl. Der hier, mit besserer Ausstattung, heißt Audi L.
Bild: Sandra Beckefeldt/AUTO BILD
1965 stellten sie das Auto vor. Sein Name: Audi. Nichts weiter. Kein 60, kein 72 (er hatte 72 PS), kein A-irgendwas. Nur Audi. War ja auch der einzige. Heute nicht mehr, deshalb nennen wir ihn nach seinem internen Entwicklungscode F 103.
Quattro sollte Carat heißen
Der Urquattro war fast fertig, aber noch namenlos, da rangen Wolfsburg und Ingolstadt um den richtigen Namen. "Audi denkt an etwas Einzigartiges, dass die herausragenden Innovationen des neuen Sportwagens unterstreichen soll", schreibt Jan-Henrik Muche in seinem neuen Buch "Auto Quattro. Auf allen vieren zum Erfolg" (Heel Verlag). "Volkswagen denkt wie immer praktisch und schlägt den Namen "CARAT" vor, der als Abkürzung für "Coupé Allradantrieb Turbo" verstanden werden soll."

Er heißt wirklich nur quattro. Der Spitzname Urquattro für die Urversion hat sich aber rund um den Globus verbreitet.
Bild: Bernd Hanselmann/AUTO BILD
Muche zitiert Ferdinand Piëch: "Man stelle sich den Leidensweg vor, den unser tolles Auto mit einem solchen Namen auf sich genommen hätte. Walter Treser war der bis zur Selbstaufopferung engagierte Projektleiter, er brachte auch den Namen quadro ins Spiel. Ich sagte, bei einem Auto dieser Art dürfe kein weiches Element im Namen sein, und nach einigem Hin und Her kamen wir schließlich auf quattro, immer kleingeschrieben."
In der entscheidenden Sitzung, so Muche, stellte Treser einen Flakon des 4711-Produkts "Carat" auf den Konferenztisch und fragte in die Runde, ob der Wagen nach einem "Hausfrauenparfüm" benannt werden solle.

"Ich hätte gern ein Auto, das sich reimt." – "Oh, da haben wir was für Sie!"
Bild: Roman Rätzke/AUTO BILD
Der Name quattro machte Karriere, bis heute steht er für alle Audi-Modelle mit Allradantrieb. Die Wolfsburger fanden Carat so gut, dass sie den Namen auch für Autos einsetzten, die weder Coupés waren noch Allrad oder Turbo hatten – zum Beispiel für fein ausgestattete Golf 2, Passat und T3-Bullis.
Die Audi-Kombis vor dem Avant
Schöne Kombis heißen … manchmal so wie bei anderen Marken auch. Vom Audi F 103 gab es einen, der hieß als Prototyp noch wie zu DKW-Zeiten Universal (da leuchten auch die Augen der Trabi-Fans!), in Serie ging er als Variant. Denn VW hatte 1965 bis 1966 Mercedes die Marke Audi abgekauft, so kam der VW-typische Name an den Audi.

Bild: Audi
Avant hieß nicht immer Kombi
Gut ein Jahr nach dem Start des Audi 100 C2 (Typ 43) mit Stufenheck legte Audi 1977 den Avant nach: eine klassische Schräghecklimousine mit großer Heckklappe. Mit einem Kombi hatte das noch nichts zu tun.

Bild: Audi; Angelika Emmerling/AUTO BILD
Der Nachfolger in der Baureihe C3 (Typ 44) hob als Avant das Popöchen schon etwas weiter in die Höhe (fast wie heute bei einem normalen Kombi). Man spürte bei dem Anblick fast die Angst der Audi-Leute, jemand könnte den Wagen als "Handwerkerauto" dissen. Dabei hatte es den F 103 und auch den Fox (Audi 80) in Nordamerika längst als Kombis gegeben. Es war halt die Zeit, als eine bestimmte süddeutsche Autozeitschrift keinen Artikel über einen Kombi beenden konnte, ohne mindestens einmal das Wort "Farbeimer" untergebracht zu haben.
Was super ist, darf Super heißen
Als es für den Audi verschiedene Motoren gab, gönnte der Hersteller ihm endlich Modellbezeichnungen: Audi 60 für die 60-PS-Variante, Audi 72 für die mit 72 PS und so weiter. So entstand der Audi 80: ursprünglich der 1,7-Liter mit 80 PS, eingeführt 1966. Die Nachfolger-Baureihe B1 hieß dann immer Audi 80, unabhängig von der Leistung.

Bild: Audi
Die Power-Variante des Audi F 103 war der Audi Super 90: mit verchromten Zierleisten an den Radläufen, 1,8 Litern und – Sie ahnen es – 90 PS.
Der Audi 100 sollte Audi 90 heißen
Kenner der 80er-Jahre erinnern sich an den Audi 90 – die starke und luxuriöse Topvariante des Audi 80, sowohl bei der eckigen Baureihe B2 als auch beim runden B3. Was kaum jemand weiß: Schon 1966 war der Name im Gespräch. Das Entwicklerteam um Ludwig Kraus arbeitete an einer neuen, großen Baureihe, dafür planten sie den 90-PS-Motor aus dem Audi Super 90 ein. Erste Holz- und Plastilinmodelle tragen den Schriftzug "Audi 90".

Bild: Audi
Warum hieß der Audi 100 C2 in den USA 5000?
Audi wollte beim US-Start 1977 offenbar betonen, dass jedes US-Modell einen Fünfzylindermotor hatte. Die Nullen standen für die Audi-Ringe. Okay, eigentlich wäre dann 50000 der konsequente Name gewesen, aber das war ihnen dann wohl doch zu viel.

Bild: Götz von Sternenfels/AUTO BILD
Beim 5000 der zweiten Generation gab es US-Fahrer, die statt auf die Bremse aufs Gas latschten und schlimme Unfälle verursachten. Natürlich gaben sie Audi die Schuld. Am Ende stellte sich zwar heraus, dass es Fahrfehler waren. Aber der Name Audi 5000 war nach zwei Generationen verbrannt. Und wurde verbannt.
Wie der Fox zum 4000 wurde
Der erste Audi 80, die Baureihe B1, wurde in Nordamerika unter dem Namen Audi Fox verkauft. 1979 änderten sie den Namen in 4000 – in Analogie zum 5000, siehe oben. Und "Audi Eighty" hätte im amerikanischen Englisch mit weichem "t" auch ein bisschen wie ein lustiger Reim geklungen.
5E kennt man – aber 5+5?
Fünf Zylinder, Einspritzung – wer das in seinem Audi 100 C2 hatte, hatte die Variante Audi 100 5E, und das stand sogar in Rot am Kühlergrill. In Australien sparte der Importeur sich die 100 und nannte das Auto schlicht Audi 5E.

Bild: Audi Australia
Schon vorher hatten die Amerikaner zum Modelljahr 1981 vom 4000 (wir erinnern uns: Das ist ein Audi 80 B2) die Variante Audi 4000 5+5 gebracht – mit Fünfzylindermotor und Fünfgang-Schaltgetriebe. Also das Sportmodell, immer als Zweitürer.

Bild: privat
Die Australier taten es ihnen gleich – fast jedenfalls. Auch sie brachten ein Topmodell mit fünf Zylindern und fünf Gängen, aber ausschließlich als Viertürer. Und: Sie sparten sich wieder den Namen der Baureihe und nannten das Auto schlicht Audi 5+5.
Wer kennt den Audi 500?
Den Audi 500 kennen wahrscheinlich nur extreme Auto-Nerds und Leute, die mal in Südafrika waren. Denn Volkswagen South Africa montierte ab Mitte der 80er-Jahre den Audi 100 C3 und C4 und verkaufte ihn unter dem Namen Audi 500. Warum auch immer.

Bild: privat
"Rote Fahne Berühmte Lehrer"
So kann doch kein Auto heißen, glauben Sie? Doch, kann es. Sogar ein Audi. Der Audi 100 C3 wurde ja in China vom Joint-Venture FAW gebaut – mit Chrysler-Motoren. Verkauft wurde er unter anderem unter der Marke Hongqi ("Rote Fahne") und dem Modellnamen Mingshi ("Berühmte Lehrer").

Bild: privat
Der Avant RS 2 heißt nicht Audi!
Er sieht aus wie ein Audi 80 Avant, Porsche allerdings hat 315 PS unter die Karosserie der Baureihe B4 gepresst. Und landläufig nennt man ihn Audi RS 2 Avant.
Audi selbst hat das nicht getan! "Avant RS 2" haben sie auf Prospekte und Preislisten geschrieben, ohne Marke.

Bild: Fred Roschki/AUTO BILD
Und auf dem Logo im Kühlergrill steht auf einem Streifen R, auf dem nächsten S2 (obwohl in der Modellbezeichnung das Leerzeichen zwischen RS und 2 ist) und darunter: Porsche!
Warum der erste S4 ein Audi 100 war
S4? Ist die Powervariante des A4. Weiß man doch. Moment: Der erste Audi S4 im Jahre des Herrn 1991 basiert auf der Baureihe C4 – dem vierten Audi 100. Es gab sogar zwei Ausführungen: mit 2,2-Liter-Fünfzylinder-Turbo und bis zu 230 PS und mit 4,2-Liter-V8-Sauger mit 280 PS.
Dass der Name S4 besser zur kleineren Baureihe A4 passt, liegt auf der Hand – aber die Baureihen-Benamsung mit dem A führte Audi ja erst 1994 ein. So konnte ja auch mangels A2 der Audi 80 und dessen Coupé unter dem Namen Audi S2 verkauft werden.
Die wenigsten kennen den ersten RS4: Audi überlegte, noch ein extrasportliches Modell obendrauf zu setzen. Es wäre ein echter Sleeper geworden: kleines Logo im Kühlergrill wie beim S4 (plus "R"), vorn dezent ausgestellte Radläufe wie beim S4, dicke Räder, Doppel-Endrohr … ansonsten sah er fast so harmlos aus wie ein 1.8er.

Bild: Audi
Und die Leistung? Haben wir noch nicht herausgefunden. Bestimmt mehr als 300 PS.
Was wurde daraus? Aus dem S4 wurde der S6, im Prinzip nur ein Facelift mit neuem Namen und zehn PS mehr. Statt eines RS kam anderthalb Jahre später der S6 Plus: immer noch 4,2 Liter, aber 326 PS bei 6500 Umdrehungen, dazu Sechsgang-Schaltgetriebe – das erste Modell, das die Quattro GmbH entwickelt hatte.
30, 35, 40 …: Raten nach Zahlen
Seit 1994 also werden die meisten Pkw-Baureihen mit A und einer schlichten Ziffer benannt, klar und übersichtlich. Okay, manche spotteten, dass der A4 nach der Standardgröße eines Blatts Papier benannt wurde und der A8 nach einer chronisch zugestauten Autobahn. Aber die Kunden gewöhnten sich schnell daran. Die SUV-Modelle hießen Q (wie quattro), und mit ein paar Verrenkungen hat Audi es hingekriegt, auch den S- und RS-Varianten einigermaßen plausible Namen zu verpassen.
Aber dann kam der 23. August 2017. Und Audi verkündete, nun nicht mehr den Hubraum ans Auto zu schreiben, sondern die Leistung. Aber nicht in PS oder Kilowatt, sondern in Gruppen, die sie willkürlich zuordneten:
- 30: 81 bis 96 kW
- 35: 110 bis 120 kW
- 40: 125 bis 150 kW
- 45: 169 bis 185 kW
- 50: 210 bis 230 kW
- 55: 245 bis 275 kW
- 60: 320 bis 338 kW
- 65: das wussten sie selbst noch nicht
- 70: mehr als 400 kW.

Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Was ein 2.0 TFSI war, das konnte man sich noch ungefähr vorstellen, aber ein 40 TFSI? Das war schon eine hochgradig nerdige Aktion. Wobei: Verglichen mit dem Hongqi Mingshi CA7180A3E geht's eigentlich.

Bild: privat
Sonderfall TT
Kein A, kein Q, kein S: 1998 erschien der erste Audi TT. Der Rückgriff auf den legendären NSU TT, der seinerseits nach der Tourist Trophy auf der Isle of Man benannt war, war wohl zu schön, um ihn zu unterlassen.

Bild: Sven Krieger/AUTO BILD
Kommentar
Autos passende Namen zu geben, ist eine knifflige Angelegenheit – heute mehr denn je, denn jeder hat sich alles gesichert, so scheint es, und es gibt Tausende Modelle, die alle einen Namen brauchen. Gleichzeitig ist jede grundsätzliche Änderung der Namensvergabe ein Risiko, weil vor allem treue Markenfans oft extrem empfindlich reagieren.
Dass Audi 2025 die 2024 beschlossene Änderung wieder zurückgenommen hat und das 2026 endlich durchsetzt, daran habe ich keine Kritik, im Gegenteil: Auf Kritik zu hören und eigene Entscheidungen revidieren zu können, zeugt von Größe.
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