Pro&Kontra DIN-Kennzeichen: Welches Schild soll an den Klassiker?
DIN-Kennzeichen: Besser als das H?
Für die einen das buchstäbliche Tüpfelchen auf dem "i", für die anderen peinliche Pedanterie: Gehört das originalgetreue DIN-Kennzeichen zum bundesrepublikanischen Oldie - oder das H-Kennzeichen? Zwei Klassik-Fans streiten.
Schlichte Blockbuchstaben in sachlichem Schwarz-Weiß: Das DIN-Kennzeichen kam ohne Zierrat aus, es beschränkte sich auf die möglichst unparteiische Informationsvermittlung. Von 1956 bis 2000 trug jedes Kraftfahrzeug in Westdeutschland diese Blech-Etikettierung. Dann kam das Euro-Kennzeichen, das (angeblich) fälschungssichere Schrift und links am Rand den goldenen EU-Sternenkreis auf blauem Grund zur Schau stellte. Bei der Frage, ob ein Auto aus jenen Jahren auch heute noch mit der alten Tafel oder der neuen H-Pracht herumfahren muss, um wirklich authentisch zu wirken, scheiden sich die Geister.
Nur ein Klassiker mit H-Kennzeichen wird steuerlich bevorzugt und hat Zugang zu allen Umweltzonen.
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Zumal es das DIN-Kennzeichen auf Antrag zwar auch heute noch gibt - aber nicht mit dem "H", das erhaltenswerte historische Fahrzeuge nach gründlicher Prüfung tragen dürfen. Und das automatisch eine attraktiv niedrige Kfz-Steuer mit sich bringt. Soll man auf diese Vergünstigung verzichten, um das "richtige" Nummernschild zu führen? Eine echte Glaubens-Frage.
Malte Büttner freut sich über jedes einzelne DIN-Kennzeichen, dass er an vorbeifahrenden Klassikern ausmachen kann.
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"Was könnte einen Oldie authentischer machen als die alten, originalen Schilder?"
Einer unserer Fotografen trieb es vor ein paar Jahren auf die Spitze. Er restaurierte einen Volvo 940 Kombi mit Heckschaden, unattraktiver Ausstattungskombination und weit über 300.000 Kilometern für ein Vielfaches des Zeitwerts, statt sich einfach einen ordentlichen zu kaufen. Und der ganze Aufwand nur, um das DIN-Kennzeichen zu retten. Das ist verrückt. Aber ich verstehe ihn. Es ist bestimmt zehn Jahre her, ich schaute gerade in einem kleinen Ostseehafen aufs Wasser, als mich plötzlich ein silberner Mercedes 600 SEL ablenkte. Ganz langsam und vorsichtig manövrierte der kleine, weißhaarige Fahrer das Straßen-Schiff durch die schmale Zufahrt – Zeit genug, die stolze Limousine in Ruhe wirken zu lassen. Was war es, was mich daran so entzückte? Die Peilstäbe? Die Veloursbezüge? Die gelben Blinker? Klar. Vor allem aber waren es die alten DIN-Kennzeichen! Gut möglich, dass der Mann am Steuer noch der Erstbesitzer war – großartig! Seitdem hänge ich an den alten Platten und würde manchen Kompromiss eingehen, nur um sie an meinem Wagen zu haben. Eigentlich logisch: Die meisten von uns wollen doch, dass ihr Klassiker möglichst original ist. Wir rüsten auf originale Alufelgen und Radios zurück. Ein Freund nimmt sogar Kassetten auf, damit die Ausflüge in seinem alten Jaguar noch zeitgeistiger sind. Ein anderer nimmt Anrufe mit Vorliebe über das gute alte Autotelefon von Motorola entgegen (natürlich nur im Stand). Warum sollte die Liebe zum Detail also beim Kennzeichen zu Ende sein? Natürlich habe ich nichts gegen H- oder Saisonkennzeichen. Ich nutze beide selbst und bin dankbar für die Möglichkeiten, die sie bieten. Aber ein Klassiker in Vollendung geht für mich nur mit alten DIN-Schildern. Ob es den Mann mit dem silbernen 600 SEL wohl noch gibt?
Frank B. Meyer erinnert an gute Argumente für das H-Kennzeichen. Für ihn wird die Tafel zum "Aha"-Kennzeichen, weil es aufmerksam macht.
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"Auch 30 Jahre junge Autos sollen als historisches Kulturgut erkennbar sein."
Werden Sie mir glauben? Mir abnehmen, dass ich gegen das DIN- und für das H-Kennzeichen plädiere? Schließlich hat mein eigener Audi 80 (B3), 35 Jahre alt, immer noch seine DIN-Schilder, obwohl er das H-Gutachten bestanden hat und obwohl ich dafür 272 statt 191 Euro Kfz-Steuer pro Jahr bezahle. Aber ich habe mich damals dagegen gesträubt. Denn auch für das H gibt es gute Argumente. Kfz-Steuer und Feinstaub-Zonen sind mehr als praktische Aspekte: Oldtimerei soll kein Hobby nur für Reiche sein. Für einen Opel Rekord oder gar einen Mercedes 200 D /8 müsste man ohne H deutlich mehr Steuern zahlen – da ist das DIN-Kennzeichen ein teurer Luxus. Wenn jemand das Geld dafür nicht übrig hat, werde ich ihn nicht beschimpfen.Und: Oldtimer sollen sichtbar sein. Auch in Städten mit Umweltzonen. Sie stoßen praktisch keinen Feinstaub aus, deshalb ist das kein Widerspruch. Autos über 40, die in der Regel keine grüne Plakette bekommen, müssen mit DIN-Kennzeichen draußen bleiben. Was auch ein Problem für alle ist, die in einer Umweltzone leben. Überhaupt, die Sichtbarkeit: Wir alle mögen uns nach DIN-Kennzeichen umdrehen. Auf unserem Instagram-Kanal @autobildklassik hagelt es jeden Dienstag Storys mit dem beliebten Hashtag #DINstag. Und jeder freut sich über einen Mercedes 180 Ponton von 1953 mit DIN-Schildern. Schön. Aber für die meisten Leute ist ein VW Golf III, Fiat Punto oder Ford Mondeo I einfach nur eine alte Karre, auch mit DIN-Schildern. Bei solchen Autos wird das H-zum Aha-Kennzeichen: Aha, auch die sind schon 30; aha, trotzdem in gutem Zustand; aha, es kümmert sich also jemand darum, diese Autos zu erhalten. Wir Oldtimerleute haben eine Botschaft – und das H hilft, sie in die Welt zu tragen. Hoffe ich.