Was, die bekommen schon das H? Diese Frage ertönt jedes Jahr, wenn eine neue Garde an Automobilen 30 wird. Auch in diesem Jahr. Renault Twingo 1? Das letzte Exemplar ist gefühlt gerade vom Band gelaufen, und an jeder dritten Ecke steht doch einer. Porsche 993? Der ist doch längst ein Klassiker. Mazda Xedos 9? Mazda was?

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So unterschiedlich wir sie heute wahrnehmen, so richtungsweisend waren diese Baureihen für ihre Hersteller vor drei Jahrzehnten. Und mehr als zwei Dutzend weitere ebenfalls. Sie wurden in keine gute Zeit geboren: Nach den Rekordjahren 1990 und 1991 – dem Auto-Boom der Wiedervereinigung – brach der Absatz bei uns ein. Es begann die Zeit der Sparmeister, bei deutschen Herstellern ebenso wie bei Importeuren. Die miese Langzeitqualität vieler Typen singt davon heute noch ein Liedchen.

Der Renault Twingo ist ein echter Erfolgstyp

Einer, mit dem es aber steil bergauf ging, war zweifelsohne der Twingo. Mit dem 3,43 Meter kurzen Cityflitzer löste Renault damals eine Welle der Begeisterung aus. Mit Kulleraugen sammelte er überall Sympathiepunkte, und zugleich war von einer "französischen Revolution" die Rede: Renault hatte den Twingo im One-Box-Design entwickelt.
Renault Twingo I
Twingo-Schöpfer Patrick le Quément nannte einen Kleinwagen ohne originelles Design ein Verbrechen. Davon ist der Twingo zweifelsohne meilenweit entfernt.
Motorraum, Fahrgastzelle und Heck bilden eine Einheit. Zehn Jahre zuvor war das im Espace schon mal umgesetzt worden, aber jetzt erst übertrug man die Idee auf einen Kleinwagen.
Renault Twingo I
Knallige Sitzbezüge, türkise Schalter und Knöpfe. Highlight des Innenraums sind aber die variabel umklappbaren Sitze und die verschiebbare Rückbank.
Tolle Raumnutzung auf winziger Fläche – das macht noch heute Spaß, wenn man mit dem Winzling durch die Stadt wieselt. Dazu die Variabilität: Vier Erwachsene passen hinein, alternativ hinten auch ein ganzer Kühlschrank, drin campen kann man ebenfalls. Und der alte R5-Motor mit 55 PS genügt im Nahbereich vollkommen.

Porsche fand im 993 eine Übergangslösung

Was für einen Gegensatz stellt der nächste H-Kandidat dar: 30 Jahre nach Geburt des ersten Ur-911er brachte Porsche aus purer Not ein neues Modell heraus.
Porsche 911 (993)
Der 993 ist der letzte Porsche mit Luftkühlung, er basiert noch auf der ursprünglichen Baugruppe. Nur drei Jahre später war das Modell Geschichte.
Der Typ 993 hatte 22 PS mehr Leistung durch eine neue Kurbelwelle, leichtere Pleuel und Kolben. Zugleich sanken aber endlich die Wartungskosten durch modernen Ventilspielausgleich.
Porsche 911 (993)
So viel Kraft, dass das Hemd kaum passt: So wirkt das Heck des Porsche 993. Der Sechszylinder-Boxer steckt unter Lüfterrad und Ansaugbrücke.
Das Heck wurde beinahe so breit wie beim 964 Turbo, denn darunter steckte die eigentliche Meisterleistung: Die aus Alu gegossene Fünflenker-Hinterachse hinderte den Hintern am allzu heftigen Tanzen. Den Konstrukteuren war klar, dass der 993 nur eine kurzlebige Zwischenlösung auf dem Wege zu einer völligen Neuschöpfung sein würde – dem 996, dem ersten wassergekühlten Elfer.

Mazda wollte mit dem Xedos 9 Luxus-Kunden abwerben

Eine völlige Neuschöpfung ist auch der Xedos 9. Auf der anderen Seite des Globus versuchten sie bei Mazda damals nichts Geringeres, als die Welt aus den Angeln zu heben: Auf dem Scheitelpunkt ihrer weltweiten Verkaufserfolge wollten die Japaner endlich auch Mercedes und BMW Kunden abnehmen. Toyota brachte dafür Lexus auf den Markt, Nissan versuchte es mit Infiniti. Und Mazda? Stellte ein Auto für damals knapp 70.000 Mark vor.
Mazda Xedos9
Der Xedos 9 sollte die Oberklasse erobern. Das gelang in Deutschland nicht. Für Mazda blieb es der letzte Ausflug in höhere Sphären.
Der Mazda Xedos 9 blieb bei uns ein Exot, doch in den USA kam er gut an – wie auch Lexus und Infiniti. Lob gab es für umfangreiche Serienausstattung (Bordcomputer, Sitzheizung, Tempomat) und die hohe Verarbeitungsqualität, Tadel für den kleinen Kofferraum und das schlecht angepasste Fahrwerk.

Bildergalerie

Renault Twingo - Das große Krabbeln
Mazda Xedos 9
Porsche 911 (993)
Kamera
Diese Youngtimer bekommen 2023 das H-Kennzeichen

Doch das Fahrgefühl ist auch heute noch angemessen. In die großen Ledersitze gerutscht, lässt sich das 4,83 Meter lange Schiff (Mercedes W 124: 4,74 Meter) unaufgeregt und präzise durch die Kurven lenken. Mazda rechnete mit allenfalls 4000 Verkäufen im Jahr, es wurden bis 2002 insgesamt (!) nur 6000. Ein Exot – und damit interessant für H-Einsteiger.

Von

Marcel Nobis