Der Vorreiter unter den großen Hybrid-Limousinen ist kein echter Öko, dafür eine reizvolle Alternative zu BMW & Co. Der Lexus LS 600h im Gebrauchtwagen-Test!
Er war Trendsetter, doch das ahnen heute nur die wenigsten: Als das Lexus-Topmodell LS 600h 2007 vom Stapel läuft und die Hybrid-Idee im automobilen Oberhaus etabliert, liefert sich die deutsche Luxusklasse-Konkurrenz noch ein Ressourcen vernichtendes Duell um den leistungsfähigsten Diesel. Die über fünf Meter lange Japan-Limousine fährt damals wohl eine Spur zu leise vor und schafft es kaum auf einen der traditionell für Audi, BMW und Mercedes reservierten Chef-Parkplätze. Dabei ist der Nippon-Exot viel innovativer, als es seine frei von Tornado-Sicken, Panzerspäh-Scheiben und XXL-Kühlergrill gestylte Linie vermuten lässt. Seine gesamte Aura wirkt selbst nach einem Jahrzehnt angenehm konservativ-dezent und auch im Detail nie halbherzig gemacht.
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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Im Komfortmodus schwebt der LS 600h luftgefedert durch die Lande. Doch wenn Dampf gefragt ist, hat er auch damit kein Problem.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Bis auf die bis Mitte 2008 bruchgefährdeten Ventilfedern besticht sein Doppelherz aus Fünfliter-V8-Motor und 650-Volt-Elektromotor durch perfekte Antriebsharmonie. Die Arbeitsteilung beider Kraftquellen geschieht nahezu unbemerkt, lässt sich aber auf dem LCD-Zentraldisplay auf der Mittelkonsole verfolgen. Äußerlich weisen nur winzige blaue Hybrid-Signets an den Fondtüren auf den einstigen Antriebs-Coup hin. Laut- und mühelos schwebt es sich am besten im Komfortmodus luftgefedert durch die Lande, wissend, dass unter Last dank 445 PS Systemleistung jederzeit ein höchst imposantes Sprintvermögen auf dem Niveau deutscher V12-Modelle abrufbar ist. Spötter tun den großen LS an hiesigen Stammtischen gerne als zeitgenössische S-Klasse-Kopie ab, ohne die automobile Rarität auch nur einen Meter gefahren zu sein. Dabei ist die ureigene Domäne des einst mindestens 100.000 Euro teuren Topmodells perfektionierter Luxus.
Rund 150 Schalter sorgen für einen Funktions-Overkill
Chefsache: Die Mittelarmlehne gleicht einer Kommandozentrale. Kein Wunder, denn der LS 600h ist ein typisches Chauffeur-Auto.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Toyotas Edeltochter unterstützt den Fahrer bereits vor zehn Jahren mit zahlreichen Fahrassistenten und schottet ihre Passagiere gekonnt von der Außenwelt ab. Wenn man sich einmal mit den rund 150 verschiedenen im Fahrzeug verstreuten Schaltern und dem damit verbundenen Funktions-Overkill arrangiert hat, stellt sich der Eindruck selten erlebter automobiler Perfektion ein: Stufenlos beheizbare und belüftete Sessel, dazu ein Soundsystem auf Konzertsaalniveau und Gimmicks wie ein motorisch aus dem Alcantara-Dachhimmel klappender LCD-Monitor zeigen, wie gekonnt japanische Ingenieure die Luxus-Klaviatur beherrschen. Je nach Ausstattungspaket gibt es zudem Massagefunktionen oder einen elektrischen Ottomanen-Sessel im verlängerten Fondabteil. Natürlich versteht man sich ebenfalls auf Basics wie das Arrangement handverlesener Lederhäute und Edelhölzer. Das bis ins Detail makellos verarbeitete Interieur knarrt oder knirscht selbst nach einer Dekade im harten Alltagseinsatz nicht. Was der LS 600h nicht beherrscht, ist der von weniger geschmackssicheren Käufern älterer Oberklasselimousinen oft gefragte extrovertiert-aggressive Auftritt. Dafür ist das Gros der Angebote penibel scheckheftgepflegt und unverbastelt. Aus der Ferne wirkt der stattliche 2,3-Tonner trotz innovativer LED-Scheinwerfer und imposanter 19-Zoll-Alufelgen ein wenig zu schlicht für seinen Trendsetter-Anspruch.Außerdem ist er zu durstig: Dass an der Zapfsäule trotz aufwendiger Hybridtechnik und stufenlosem Automatikgetriebe im Schnitt über 12 Liter Superbenzin pro 100 Kilometer fällig werden, dürfte Fahrer vermeintlich unzeitgemäßer Diesel-Fossile wie dem im Wesen durchaus artverwandten VW Phaeton TDI kaum beeindrucken. Ein Austausch der im Fahrzeugheck verbauten Metallhydrid-Batterien kann zudem extrem teuer werden. Ihre Kapazität lässt mit den Jahren kontinuierlich nach, und ein Betrieb ohne Akku ist von Lexus konstruktiv nicht vorgesehen.
Was beim AUTO BILD-Testwagen aufgefallen ist, und auf welche Mängel Käufer beim Lexus LS 600h außerdem achten sollten, erfahren Sie in der Bildergalerie.
Der LS 600h ist eine angenehm unaufgeregte Luxuslimousine, die durch ihren Hybridantrieb selbst nach zehn Jahren zeitgemäß wirkt. Qualität und Zuverlässigkeit sind top, die laufenden Kosten jedoch sehr hoch.