Was verbraucht denn der? Eine typische Frage beim Neuwagen-Kauf. Doch beim Oldtimer? Tatsächlich ist die Energie-Scham (analog zur Flug-Scham) beim historischen rollenden Kulturgut ausgeklammert. Oder haben Sie bei der sonntäglichen Ausfahrt mit Ihrem Blechschätzchen neben den ganzen begeisterten Daumen-hoch-Passanten am Straßenrand auch nur einen Öko-Oberlehrer entdeckt, der mit wutverzerrtem Gesichtsausdruck Ihre Energieverschwendung angesichts hoher Spritpreise abkanzelte? Eben. Allein, es bleibt das schlechte Gewissen. Oder?

"Meinen Käfer fahre ich selten, aber dann mit Genuss. Was er schluckt, ist mir egal"

Kann sein, dass Mama denkt, ich sei dekadent und achte nicht aufs Geld. "Was verbraucht denn der?", fragte sie, als ich den Motordeckel meines damals frisch restaurierten Käfer 1303 Cabrio öffnete, ihr die Doppelvergaser vorstellte, also Herrn und Frau Weber, als ich leicht am Gaszug lupfte und der dicke Fächerkrümmer-Auspuff das Lied der Sünde spielte. "Was der braucht, ist mir egal, Mama", sagte ich nur.
Kann sein, dass sie seither ein falsches Bild hat. Mein Selbstbild deckt sich mit dem der allermeisten Oldie-Fahrer. Verbrauch spielt keine Rolle! Das liegt daran, dass wir unsere Schätzchen mehr putzen als fahren, und wenn wir dann doch mal unterwegs sind, wollen wir, dass es Schatzi gut geht.
In meinem Fall liest sich das wie folgt: Mein Käfer fährt im Jahr keine 1000 Kilometer, denn ich hole ihn nur raus, wenn die Sonne scheint. Regelmäßig bekommt er erstens jedes Jahr einen Ölwechsel und zweitens an der Tanke immer Super Plus. Was das kostet? Genauso egal wie der Verbrauch, er fährt ja keine 1000 Kilometer im Jahr.
Andreas May
Redakteur Andreas May (51) fährt VW Käfer 1303 Cabrio mit Genuss - ohne auf die Tankuhr zu schauen.
Bild: Steven Haberland / AUTO BILD

Letztens habe ich doch mal einen Strich gezogen: So um die zwölf Liter auf 100 Kilometer, das ergäbe bei einer Tankfüllung 330 Kilometer. Oder anders: In einem Jahr mache ich dreimal den Tank voll und zahle, wenn der Liter 2,10 Euro kostet, um die 250 Euro für Sprit. Mal ganz unter uns: Versicherung und Steuer für meinen Käfer sind teurer als Öl und Sprit.
Übrigens: Wenn mir einer mit der Moralkeule kommt und mich als Umweltverpester verteufelt, dann mache ich eine andere Rechnung auf. Letztens waren wir mit unserem VW Bus im Campingurlaub in Südtirol, 3000 Kilometer sind wir gefahren, also die Drei-Jahres-Leistung meines Käfer. Ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind, als auf dem Bordcomputer die Sechs vorm Komma stand. Denn was das Alltagsauto betrifft, da bin ich Spritsparer.

"Für mich ist der Genuss beim Fahren größer, wenn der Verbrauch kleiner ist"

Kann sein, dass Vati die gleichen Sprüche schon von seinen Eltern gehört hat: "Hast du Säcke vor der Tür?", rief er mir hinterher, wenn ich aus dem beheizten Wohnzimmer ging und die Tür offen stehen ließ. Wir hatten nie viel Geld, also haben meine Eltern mir Sparsamkeit vorgelebt. (Außer am Steuer, da haben beide lieber Fahrtzeit eingespart als Benzin.) Ihr Vorbild hat mir später geholfen, mit wenig Geld auszukommen, wenn’s sein musste.
Und es hilft mir heute, die Umwelt ein bisschen weniger zu belasten. Was früher nur als sparsam galt, gilt heute oft auch als klimaschonend. Klar, ich weiß auch: Oldtimer fahren im Schnitt rund 1000 Kilometer pro Jahr, machen also etwa 0,13 Prozent aller Pkw-Kilometer aus. Ob ein Oldie da sieben oder vierzehn Liter Sprit verbraucht, merkt das Klima nicht.
Frank B. Meyer
Redakteur Frank B. Meyer (54) fährt Klassiker nicht mehr ganz so unbeschwert wie früher.
Bild: Auto Bild

Aber dass ich allein den Klimawandel nicht bremsen kann, wäre kein gutes Argument. Denn das kann niemand allein. Es wird nur gelingen, wenn möglichst viele Leute ihren Teil dazu beitragen. Bei dieser Gelegenheit sende ich einen schönen Gruß an alle in der Oldtimerszene, die glauben, der Mensch habe keinen Einfluss aufs Klima: Ihr liegt falsch. Die Cornell University hat rund 88.000 Studien zum Klimawandel ausgewertet und darunter natürlich auch welche gefunden, die einen Einfluss der Menschheit abstreiten: 28 Stück. Und man muss kein Greta-Jünger oder Klimakleber sein, um das ­anzuerkennen. Bin ich auch nicht.
Ich liebäugle auch immer noch mit dem 1965er Buick Riviera. Aber weit fahren würde ich ihn nicht, zumindest nicht mehr so unbeschwert wie früher. Ich habe mal Urlaub mit meinem Volvo 780 gemacht, rund 3000 Kilometer. Der V6 hat rund elf Liter auf 100 verbraucht. Fand ich okay – aber fröhlicher bin ich, wenn ich meine Citroën DS tanke, die nur neun Liter braucht.