Vor dem Erfolg steht das Putzen bis in die Reifenprofile, hier bei einem Marmon Sixteen LeBaron Convertible Coupé aus dem Jahr 1933

Pro&Kontra: Wagenwäsche, Oldtimer, Klassiker, Putzen, polieren

Macht das Oldtimer-Putzen Spaß?

Ein Klassiker glänzt erst so richtig, wenn er gründlich gereinigt, geputzt und poliert wird. Aber das braucht Zeit und Mühe. Zwei Redakteure streiten, ob sich die Schinderei lohnt!
Es ist wie mit dem Bügeln: Jeder möchte adrett aussehen, aber selbst Hand anlegen ist a-n-s-t-r-e-n-g-e-n-d! Vor allem, wenn das Putz-Objekt riesig groß ist, man sich am eisigen Blech kalte Finger holt und schon nach kurzer Zeit die Fingernägel pechschwarz sind... Oder macht das am Ende sogar Spaß?

Henning Hinze: "Autopflege hat für mich nichts mit Vernunft zu tun. Es ist ein meditativer Akt"

Henning Hinze entspannt sich beim Oldtimer-Putzen

©Sven Krieger / AUTO BILD

Okay, ich bin ein Spießer. Ich mag es ordentlich und sauber. Schlimmer noch: Ich mag es, Ordnung und Sauberkeit zu schaffen. Klar kann man seine Zeit produktiver nutzen und Staub und Fliegen ausblenden und einfach hin und wieder durch die Waschanlage fahren. Und wenn man es unbedingt super gepflegt haben will, sollen halt Profis ran – wenn man ansonsten in der Garage parkt und schonend wäscht, hat man von der Investition lange was. Das Auto sieht ja wirklich besser aus, wenn es gepflegt ist. Aber darum geht es mir nicht. Ich habe Spaß am Waschen und Wachsen, weil ich mich dabei mit dem Auto, das ich mag, hautnah beschäftige und zur Ruhe komme. Ich bewege mich, ohne mich anzustrengen, und es kann nicht einmal etwas schiefgehen. Und ich sehe ganz unmittelbar, was ich schaffe. Psychologen sprechen in solchen Situationen vom Phänomen des schnellen und mühelosen Erfolges, meine ich mal gelesen zu haben. Und in der Tat: So fühlt es sich an. Mir gefällt das manchmal.
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Das ist übrigens der Unterschied zu Reparaturen. Die machen, wenn man fertig ist, auch Spaß, gelingen (mir) aber oft weder schnell noch fehlerlos. Zur Freitagabend-Entspannung taugen sie nicht. Die Pflegeprofis haben am Ende immer noch zwei Trümpfe auf der Hand: ihre Erfahrung, Geräte und Pflegemittel einerseits – und das Autowäsche-Verbot abseits von Waschplätzen andererseits. Stimmt beides, aber bei den Gerätschaften habe ich inzwischen vom durch Selberpflegen gesparten Geld aufgerüstet und dazu Erfahrungen gesammelt. Und seit einiger Zeit wohne ich durch glückliche Fügung ziemlich nah an einem Waschplatz. Mache ich es also richtig? Nein. Wer seine Zeit anders nutzt, ist schlauer. Aber mir macht es so einfach Spaß.

Knut Simon: "Man kann aus Pflege eine Wissenschaft machen. Aber ich mache mir nichts daraus"

Knut Simon ist nach langjähriger Erfahrung ernüchtert

©Angelika Emmerling

Autos pflegen? Kann man machen. Und daraus auch eine Wissenschaft. Ich habe bisher exakt 124 Autos besessen und mache mir aus beidem nichts. Aufgrund ureigener Erfahrungen. Als mein Opa starb, hinterließ er einen Strich-Acht. Oma übernahm das elfenbeinfarbene Steuer, mein Vater die technische, ich die optische Pflege des Mercedes – damals noch auf dem eigenen Hof, mit Waschbürste, Ledertuch und Chrompolitur. Was war ich auf das Ergebnis stolz! Dann verkaufte Oma 1979 "plötzlich" den Strich-Acht. Und ich dachte: Nee! Ich pflegte auch den Nachfolger, Omas Golf I GLS. Für den brauchte ich jedoch keine Chrompolitur mehr. Dann krachte ein Besoffener nachts in Omas Golf, Totalschaden. Und ich dachte: Nee! Die ganze Pflege umsonst!
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Als ich Jahre später als Student bei einem Ford-Händler jobbte, verliebte ich mich in dessen dunkelblauen 1984er Escort Express mit coolem "Motorcraft"-Aufkleber. Doch der Chef gab "meinen" Escort an einen vielversprechenden Neukunden. Der Express wurde aufgearbeitet, sogar die Ladefläche wurde lackiert. Nach einem halben Jahr verschwand exakt dieser Escort in der "Umweltaktion". Hieß: in der Schrottpresse. Seitdem bin ich "Pflegel", laut meiner Definition: Enthusiast mit Erfahrung. Je nach Saison fahre ich meinen Volvo 745 Turbo und mein Chrysler Stratus Cabrio gelegentlich durch die Waschanlage. Beide sind graumetallic, sehr praktisch. Per Hand wische ich die Einstiege aus. Luft, Wasser, Öl checken. Innen? Ascher leeren, Matten ausklopfen. Abledern? Erledigt der Fahrtwind. Der Rest: Nee! Neulich lobte jemand die mit dem Grau des Chryslers farblich so schön abgestimmten Felgen. Ich dachte an die Hochglanz-gedrehten Alus, lachte und dachte: Yesss!

Fotos: Bernhard Schmidt

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