Der Golf I setzte den Trend: 1979 erschien als Nachfolger für das Käfer Cabriolet der erste offene Golf. Der Überrollbügel rief Spötter und Nachahmer auf den Plan. Wie fühlen sich die Henkelmänner der 80er heute an?
Bild: C. Bittmann
Heinrich Lingner
Wahrscheinlich saß vor nicht allzu langer Zeit in Wolfsburg ein Gremium zusammen. Es entschied über das künftige Golf Cabrio. Der Bügel muss die Herren (und womöglich Damen) sehr gestört haben. Denn sie beschlossen, das Golf VI Cabriolet ohne ihn zu bauen. So entstand ein gefälliges, glatt geföhntes Kompaktauto mit Stoffverdeck, das alles ist, nur kein richtiges Golf Cabrio. Denn zu dem gehört seit 1979 der Bügel, der ihm den Beinamen Erdbeerkörbchen einbrachte und die Konkurrenz zum Mitmachen animierte. Es folgten Escort, 205 und Kadett, die allesamt dem Golf nacheiferten. Wie Talbot Samba, FiatRitmo und Rover 214/216. Doch keiner von ihnen verkaufte sich annähernd so oft wie der Golf. Heute ist er ein Klassiker. Die Preise steigen, er ist auf Oldtimerrallyes und Messen gern gesehen. Doch was ist mit den Konkurrenten von einst? Wie gnädig waren die Jahre zu Kadett, 205 und Escort? Kann der Golf sie immer noch bügeln?
Zusatzscheinwerfer fehlten in keiner Aufpreisliste, der Golf Classic Line hat vier davon.
Bild: Christian Bittmann
Ich weiß, was Sie jetzt denken, und Sie haben recht. Ein wenig zumindest. Natürlich gewinnt der Golf, auch, weil er von allen Autos in diesem Vergleich in bester Verfassung war. Doch der Golf hätte auch vorn gelegen, wenn wir diesen Vergleich mit vier Autos im Neuzustand ausgefahren hätten. Das liegt nicht daran, dass hier nur VW-Fans am Werk wären, sondern vielmehr daran, dass der Golf keine gravierenden Schwächen hat. Der 1,8-Liter-Vierzylinder (von Eigenweihten auch Langpleuelmotor genannt) ist zwar kein brillantes Triebwerk, jedoch ein sehr ordentliches. Der Peugeot ist spritziger, der Opel kräftiger und der Ford billiger, doch den ausgewogensten Eindruck hinterlässt die VW-Antriebseinheit.
Im wahren Leben überholt das Golf Cabriolet seine Konkurrenten – es ist das beste Henkel-Cabrio.
Bild: Christian Bittmann
Beim Komfort muss der offene Golf ebenfalls keine Gegner fürchten. Er hat das stimmigste Interieur, die am besten ansprechende Federung und die besten Sitze. Dazu kommt das dick gefütterte Verdeck, das echte Ganzjahresqualitäten hat. Mit geschlossenem Dach ist der Golf das leiseste Cabrio in diesem Vergleich. Ein weiterer Vorteil des Wolfsburgers: Kaum einer zweifelt mehr an seinem Klassikerstatus. Ein ähnlich positives Image hat nur noch der Peugeot, während Ford und Opel ein paar mal zu oft tiefergelegt, gepimpt, verbraucht und weggeworfen wurden. Was spricht dann noch für die anderen? Für den 205 CTI sein munterer Motor, er ist das sportlichste Cabriolet. Wer wirklich viel Platz und einen großen Kofferraum braucht, könnte mit dem geräumigen Kadett glücklich werden. Und der Ford? Er ist der Underdog, mit straffem Fahrwerk und rauem Motor hat er einen gewissen spröden Charme, der sich vielleicht nach längerer Bekanntschaft erschließt. Dass Golf und Escort gleichzeitig bei Karmann gebaut wurden, ist schwer zu glauben.
Fazit
von
Heinrich Lingner
Den ersten Vergleichstest dieser vier Cabrios in AUTO BILD 16/1987 gewann noch der Opel Kadett. Heute hat er keine Chance gegen den VW Golf. Der bügelt die Konkurrenz in den meisten Disziplinen und gewinnt mit großem Vorsprung.
Bilder: Cabrios der 80er-Jahre
1/46
Einen Henkel hatte die Cabrios von Ford Escort, Opel Kadett, Peugeot 205 und VW Golf in den 1980ern alle – und lagen damit voll im Trend. AUTO BILD Klassik hat die Youngtimer neu entdeckt!
Bild: Christian Bittmann
2/46
Er setzte den Maßstab: der erste offene Golf, der 1979 dem Käfer Cabrio nachfolgte. Sein Überrollbügel rief Spötter auf den Plan. Und Nachahmer.
Bild: Christian Bittmann
3/46
Wie zum Beispiel Ford: Die Kölner holten sich ebenso wie VW Hilfe in Osnabrück. Das Escort Cabrio entstand ab 1983 bei Karmann und blieb bis 1997 im Angebot.
Bild: Christian Bittmann
4/46
Die verwindungssteife Karosserie und die ausgeklügelte Verdeckkonstruktion sprechen für das Können der Osnabrücker Cabriobauer. In diesen Disziplinen ist der Escort dem Golf ebenbürtig.
Bild: Christian Bittmann
5/46
Heute ist es eine Selbstverständlichkeit: Der Escort erhielt als Erster ein elektrohydraulisch betätigtes Verdeck als Extra. Die Heckscheibe ist aus Glas und beheizbar.
Bild: Christian Bittmann
6/46
Der XR3i ist recht straff abgestimmt, er wieselt schnell durch Slalom und Elch-Ausweichschikane. Verlangt dabei allerdings nach einem kräftigen Kerl: Das kleine Nachrüstlenkrad und die servolose Lenkung sind nichts für Mädchen.
Bild: Christian Bittmann
7/46
Die Sportsitze im XR3i haben schon bessere Tage gesehen. Der Ford wurde oft tiefergelegt, gepimpt, verbraucht und schließlich weggeworfen.
Bild: Christian Bittmann
8/46
Lenkrad, Zusatzinstrumente, Zifferblätter und Radio sind nicht original – so gut wie alle Escort Cabrios wurden im Lauf der Jahre mehr oder weniger verunstaltet.
Bild: Christian Bittmann
9/46
322 Liter fasst der Escort-Kofferraum und ist dank der vergleichsweise großen Klappe sehr gut nutzbar.
Bild: Christian Bittmann
10/46
Der 1,6-Liter-Ford-Vierzylinder leistet 105 PS, ist aber raubeinig und begeistert nicht gerade mit Drehfreude und Bissigkeit. Der hohe Testverbrauch unterstreicht den mäßigen Auftritt des Ford-Motors.
Bild: Christian Bittmann
11/46
Straffes Fahrwerk, kräftiger, doch unkultivierter Motor – dieses Urteil hat auch 28 Jahre nach der Präsentation des Escort Bestand. Keine Gnade für den Ford? Doch, seine Seltenheit und die niedrigen Preise machen ihn zu einem sympathischen Begleiter im Youngtimer-Alltag.
Bild: Christian Bittmann
12/46
Der offene Kadett war ein später Nachzügler. Erst 1987 kam er auf den Markt – erdacht, entwickelt und gebaut bei Bertone in Turin, wo sie gleichzeitig auch das Fiat Ritmo Cabrio bauten. Der Kadett galt als Aerodynamik-Wunder.
Bild: Christian Bittmann
13/46
Opel war in den 80ern auf der Höhe der Zeit: Marktanteil um 15 Prozent, und den Kadett nahmen Publikum und Fachpresse als ernsthaften Golf-Konkurrenten wahr.
Bild: Christian Bittmann
14/46
Die bei Bertone aufgeschnittene und verstärkte Karosserie wirkt immer noch fest, selbst auf schlechter Fahrbahn zittert sie nur leicht mit den A-Säulen, und das elektrohydraulische Verdeck faltet sich sanft und sicher über dem Kofferraum zusammen.
Bild: Christian Bittmann
15/46
Dass der Fahrtwind danach sachter durch den Kadett brandet als durch die Konkurrenten, liegt an der stärker geneigten Frontscheibe und der tiefen Sitzposition.
Bild: Christian Bittmann
16/46
Trotz mehr als 400.000 Kilometer Laufleistung seit seiner Erstzulassung 1991 ist das Opel-Interieur original und gut erhalten. Von seinem Besitzer gepflegt und penibel nach Kundendienst-Scheckheft gewartet.
Bild: Christian Bittmann
17/46
Einen besonders guten Ruf hatte der E-Kadett nicht. Diese Generation des Rüsselsheimer Kompakten, die zweite mit Frontantrieb nach dem Kadett D, galt als technisch robust, die Solidität und Verarbeitung der Karosserie jedoch als nicht optimal.
Bild: Christian Bittmann
18/46
Digitale Mäusekinos im Instrumentenbrett waren wie auch Kassettenschubfächer der Hit in den 80er-Jahren. Immerhin redet der Kadett nicht.
Bild: Christian Bittmann
19/46
Der Kadett-Kofferraum ist ausreichend groß (290 Liter) und durch die große Luke gut zugänglich.
Bild: Christian Bittmann
20/46
Als GSi hat er den durchsetzungsstarken, dabei sparsamen Zweilitermotor unter der Haube. Wobei sich Kadett-Fans heute besser nach dem milderen 1600er mit 75 PS umschauen sollten.
Bild: Christian Bittmann
21/46
Unverbastelte, gut erhaltene Kadett Cabrios sind selten und gleichzeitig billig, dennoch will sie kaum einer haben. Dabei spricht so vieles für den Kadett: das gute Raumangebot, die sparsamen Motoren und die langlebige Antriebstechnik.
Bild: Christian Bittmann
22/46
Der offene Peugeot 205 kam 1986 als Ersatz für den Talbot Samba, gebaut beim Hauslieferanten Pininfarina. Bis 1994 blieb das erfolgreiche Cabrio im Programm.
Bild: Christian Bittmann
23/46
Französische Lässigkeit und italienischer Stil sind zwar gut für Design und Temperament eines Cabrios, jedoch weniger nützlich für die Verwindungssteifigkeit.
Bild: Christian Bittmann
24/46
Verglichen mit den deutschen Konkurrenten ist der 205 ein windiger Geselle, der sich schon auf harmlosen Hubbeln spürbar verbiegt. Der 205 verlangt Handarbeit. Als Einziger des Test-Trios hat er eine Plastikheckscheibe.
Bild: Christian Bittmann
25/46
Der 205 folgt gierig dem Lenkeinschlag und turnt hurtig um die Pylonen. Wer den 205 kennt, ist bei schneller Kurvenfahrt aber auf der Hut: Er mag es gar nicht, wenn der Fahrer in forsch gefahrenen Biegungen zu schnell vom Gas geht.
Bild: Christian Bittmann
26/46
Eigentlich gehören die weißen Sitze ins Sondermodell "Roland Garros", sie stehen aber auch dem CTI sehr gut.
Bild: Christian Bittmann
27/46
Sitzposition und Innenmaße fallen im Kleinwagen Peugeot 205 eine Klasse schlechter aus als bei der Kompaktkonkurrenz. Der 205 würde noch viel mehr Freude bereiten, wenn das Getriebe sich besser schalten ließe.
Bild: Christian Bittmann
28/46
Auch der Kofferraum des kleinen Franzosen ist eher knapp bemessen.
Bild: Christian Bittmann
29/46
Leider gönnten die Peugeot-Strategen dem Cabrio nur die 102-PS-Version des 1,9-Liter und nicht die spätere Version mit 120 PS. Dennoch ist der 205 ein munteres Auto.
Bild: Christian Bittmann
30/46
Schon früher wurde dem 205 seine luschige Verarbeitung und die wabbelige Karosserie vorgeworfen, schon damals konterte der 205 alle Kritik mit seinem Charme. Den hat er sich bis heute bewahrt.
Bild: Christian Bittmann
31/46
1979 beklagten die Fans das Ende des Käfer Cabriolets und keiner wollte sich freiwillig in einen offenen Golf setzen. Niemand konnte wissen, dass es noch viel schlimmer kommen sollte. Neben vielen modernen Offenfahr-Autos von heute wirkt ein Golf I Cabriolet frivol und leichtlebig.
Bild: Christian Bittmann
32/46
Das Golf I Cabriolet, immerhin fahren die frühen Exemplare bereits mit H-Kennzeichen durch die Gegend, ist heute ein anerkannter Youngtimer. Ein paar Meter Fahrt reichen aus, um alle Fragen nach dem Warum zu beantworten: Weil er ein Volkswagen ist. Die Autos der norddeutschen Ingenieursmarke sind einfach gut.
Bild: Christian Bittmann
33/46
Gerade in seinen letzten Baujahren hatte das Karmann-Cabrio einen derartigen Reifegrad erreicht, dass selbst heute große Verbesserungen schwer möglich scheinen. Beim Karmann-Golf klappt das automatische Verdeck-Origami tadellos.
Bild: Christian Bittmann
34/46
Ein Golf I Cabrio ist eine gute Wahl, das Angebot auf dem Klassikermarkt ist groß, reicht vom 500-Euro-Haufen bis zum Rundum-sorglos-Wagen. Gute Manieren, hervorragende Ersatzteil- und Werkstattversorgung bieten sie alle – und billiger werden sie nicht mehr.
Bild: Christian Bittmann
35/46
Die blitzsaubere Verarbeitung, die wertigen Werkstoffe im Innenraum, das satte Lenkgefühl, die fein ansprechende Federung, das alles ergibt eine vierrädrige Wohlfühloase der ganz entspannten Sorte.
Bild: Christian Bittmann
36/46
Beim großen Facelift erhielt das Cabriolet die Instrumenteneinheit und das Lenkrad des Golf II.
Bild: Christian Bittmann
37/46
Die Verbrauchsanzeige sollte man hier nicht zu wörtlich nehmen. Besonders sparsam ist der Golf jedoch nicht.
Bild: Christian Bittmann
38/46
Die kleine Klappe und der Mini-Kofferraum gehörten früher zu den Kritikpunkten, heute lässt sich damit leben.
Bild: Christian Bittmann
39/46
Der Golf ist schön zu fahren, auch wenn der 1,8-Liter-Motor mit seinen 98 PS weder überragend spritzig noch besonders sparsam ist.
Bild: Christian Bittmann
40/46
Das Golf Cabrio blieb bis 1993 im Programm. Rund 400.000 Stück wurden gebaut, mehr als vom Vorgänger Käfer und Nachfolger Golf III Cabrio.
Bild: Christian Bittmann
41/46
Nur fürs Foto: Im wahren Leben überholt das Golf Cabrio sämtliche Konkurrenten. Es ist nun mal das beste Henkel-Cabrio.
Bild: Christian Bittmann
42/46
Den ersten Vergleichstest dieser vier Cabrios in AUTO BILD 16/1987 gewann noch der Opel Kadett. Heute hat er keine Chance gegen den VW Golf. Der bügelt die Konkurrenz in den meisten Disziplinen und gewinnt mit großem Vorsprung.
Bild: Christian Bittmann
43/46
Die Henkel-Idee von VW und Karmann findet ab 1979 schnell Nachahmer. Der Talbot Samba aus dem PSA-Konzern, bei Pininfarina gebaut, ist der erste.
Bild: Leserfoto /
44/46
Es folgt der Fiat Ritmo von Bertone, wo wenig später auch das Kadett Cabrio vom Band läuft.
Bild: Werk
45/46
Ein Spätzünder ist der Rover 214/216: Er kommt erst 1994, als die Henkel-Mode fast schon vorbei ist.
46/46
Beim Golf III Cabriolet wagt VW ein kleines Revival. Es wird bis 2002 gebaut, bekommt sogar einen Diesel. Erst 2011 erscheint das Golf VI Cabrio – ohne Bügel, ohne Karmann-Plakette. Denn Karmann ist pleite.