Klassische Einspritzer: Golf GTI und seine schnellen Kameraden
Klassiker mit GTI-Power

GTI ist viel mehr als ein Vierzylinder vor der Dorfdisco: Groß ist die Vielfalt der Autos mit dem Power-Kürzel. Ein Blick auf Golf GTI und seine Sportskameraden mit drei schnellen Buchstaben.
- Martin Puthz
- Lukas Hambrecht
- Malte Tom Büttner
- Frederik E. Scherer
- Till Schauen
Aus deutscher Sicht ist völlig klar, was ein GTI ist: ein kompaktes Auto mit starkem Vierzylinder und Frontantrieb, straffem Fahr¬werk, dicken Rädern und roten Streifen. Welche Autos fallen einem als Erstes ein? Golf GTI der ersten Baureihe, IIer-Golf oder Peugeot 205 GTI. Dabei beginnt die Geschichte des GTI mit einem großen Maserati-Coupé mit Sechszylinder und Hinterradantrieb. Solche Sportwagen mit ordentlich Platz und Komfort hießen damals GT, also Gran Turismo (in Frankreich: Grand Tourisme). Nicht ganz logisch, warum sollte sich ein Zweitürer besser zum Verreisen eignen als ein Viertürer oder Kombi? Egal, der erste GTI entstand so: Maserati brachte 1962 vom 3500 GT eine zusätzliche Version mit Einspritzung anstelle von Vergaser, italienisch: iniezione. Der erste GTI war geboren.
"Hot Hatches" geben Gas
Doch nun zum Beginn der GTI-Erfolgsgeschichte hierzulande: Die noble Herkunft des schnellen Kürzels hielt VW nicht davon ab, die Sportversion des Golf I auch GTI zu nennen. Der war so erfolgreich, dass fast jeder große Autohersteller das Konzept kopierte. Angelsachsen nennen die Gattung "hot hatches", heiße Wagen mit großer Heckklappe. Bei uns auf dem Kontinent ist GTI dafür der Gattungsbegriff. Wobei: Westlich des Rheins ist es auch schon wieder anders, denn der Golf hielt wiederum Citroën nicht davon ab, 1977 seinen großen Reisewagen CX mit Einspritzmotor GTi zu nennen. Logisch. Ob Limousine, Coupé oder Knallbüchse: Faszinieren können sie alle.
VW Golf I GTI: Der Durchbruch

Als GTI wurde der Golf vom braven Käfer-Erben zum Traumauto Junger und Junggebliebener.
Bild: Roman Raetzke
Vom Start weg ein Erfolg
Der GTI schlug ein. Noch im zweiten Halbjahr 1976 verkaufte VW 35.000 Stück, obwohl er teuer war: Im Juli 1976 kostete er mit 13.850 Mark um die Hälfte mehr als ein Basis-Golf. Insgesamt verkaufte VW 350.000 Ur-GTI. Zur Erfolgsgeschichte gehört neben der Sportlichkeit auch die Alltagstauglichkeit, mit der der GTI auch heute noch beeindruckt. Zum Beispiel der elastische Motor und die Leichtigkeit, mit der er 810 Kilo Auto über Landstraßen zieht: 9,5 Sekunden von null auf 100 km/h, 182 Spitze – im Jahr 1980. Flotte 110 PS bei 6100 Touren leistete der Motor im GTI dank K-Jetronic-Einspritzanlage; die Leistung wuchs im letzten Modell auf 112 PS. Das maximale Drehmoment von 137 Newtonmetern lag bei 5000 Touren an, zuletzt waren es 150 Nm.
Schottenkaro und Golfball am Schaltknauf
Und die Optik? Schottenkaro-Sitzbezüge und Golfball-Schaltknauf gehören selbstverständlich in den GTI. Unglaublich, mit welch einfachen Stilmitteln VW einen derart hohen Wiedererkennungswert erzeugte: Mattschwarze Zierstreifen, der rote Plastikrahmen für das Kühlergitter, Breitreifen, ein größerer Frontspoiler und die eben¬falls in Mattschwarz eingefasste Heckscheibe kennzeichnen den GTI. Er prägt bis heute unsere Vorstellung von sportlichen Kompakten.
Maserati 3500 GTi: Der Erste GTI

Maserati 3500 GTI: Der vom Neptunbrunnen in Bologna inspirierte Dreizack piesackt Vorausfahrende.
Bild: Martin Meiners
Stärker als der E-Type
Dessen Kleid – groß und schön – entwarf eine Instanz der zeitgenössischen Automobil-Mode, die Mailänder Carrozzeria Touring, die nach ihrem patentierten Superleggera-Verfahren Alubleche über einen stählernen Formrahmen zog. Das Ergebnis: ein verschwenderisch geformter 2+2-Sitzer mit Chromschlund und angedeuteten Heckflossen. Mit 235 PS in der Einspritzvariante übertraf der Motor zwar nicht die geschönte Werksangabe des Jaguar E-Type (265 PS), wohl aber dessen tatsächliche Potenz. 240 km/h Spitze waren somit, anders als beim Jag, nicht nur Wunschdenken oder das Privileg getunter Werkstestwagen. Der schnelle Einspritzer hatte seinen Preis: 44.440 Mark kostete der Maserati 3500 GTI in Deutschland, mehr als zehnmal so viel wie ein Standardkäfer.
Ein Auto für Genießer
Beim Einlegen des ersten von fünf Gängen des ZF-Getriebes wird klar: Viel schalten werden wir nicht müssen. Der Motor singt auf eigne Art: Wer die Drehzahl auf 6000 zutreibt, erzeugt ein vielstimmiges, melodisches Crescendo, das zu Herzen geht. Konstruktiv ist der 3500 GTI eher zum Promenieren oder zum zügigen Kilometerfressen geeignet als zum Ritt auf der Rasierklinge; das Fahrwerk wirkt mit seiner an Blattfedern und Schubstreben geführten hinteren Starrachse rustikal. Schnell, aber hektikfrei ist der erste GTI. Er ist kein Suchtmittel für halbstarke Bleifüße, sondern ein Gesamtkunstwerk für gereifte Genießer.
Citroën CX GTi: Der Gelassene

Mit Kunststoffstoßfängern wurde der Citroën CX 1985 äußerlich fit gemacht für die letzten Jahre.
Bild: Dieter Rebmann
Automatik für Hartgesottene
Der CX GTi wird im Test von einer ZF-Dreistufenautomatik gebremst. Nach unendlichen 14,2 Sekunden ist Landstraßentempo erreicht, fast drei Sekunden später als beim Fünfgang-Handschalter. Die Spitze von 188 km/h ist bei 5000 Umdrehungen pro Minute auch nur etwas für Hartgesottene mit. Den GTi treibt ein Zweiventil-Grauguss-Vierzylinder mit 2,5 Liter Hubraum, ein haltbarer, aber ungehobelter Klotz, der auf den Motor der DS zurückgeht. In der zugeschnürten Katalysator-Version leistet er 121 PS. Die erhöhen nicht die Sportlichkeit, wohl aber die Souveränität. Die Karosserie schwebt beinahe, die Schaltvorgänge sind weich, die Lenkung ist sanft. Die tiefen, wattigen Sessel mit hochwertigem Lederbezug passen zum Lounge-Gefühl. Nicht dazu passt die nervöse Bremse, die jeden Tritt außer einem vorsichtigen mit einer Vollbremsung quittiert. CX-Fahrer kennen und lieben die Eigenarten, die die Baureihe vom Debüt 1974 bis zum Produktionsende 1991 hatte. Bilanz der Testfahrt: CX fahren macht gelassen. Man sitzt im mobilen Autokino, entspannt sich und weiß: Citroëns CX ist der wahre GTi.
Suzuki Swift GTi: Der Leichte

Suzuki Swift GTi: Dicke Nebellampen, Frontspoiler und Leichtmetallräder gehörten zur Serienausstattung.
Bild: Götz von Sternenfels
Sport ohne Kompromiss
Schon damals erwies sich der Swift GTi schnell als kompromissloser Sportler. Mit einer Beschleunigung von 8,4 Sekunden von null auf 100 km/h war er der Schnellste im damaligen AUTO BILD-Vergleich. Auf dem Fahrersitz hat man bis heute die Wahl: losfahren oder auf Knöpfchen drücken? Egal ob Heckklappe entriegeln oder Spiegel einstellen – altgediente Träger der Taschenrechner-Uhr Casio C-80 finden sich hinter dem höhenverstellbaren Sportlenkrad im Origami-Design bestens zurecht. Der Swift war damals, typisch Japaner, technologischer Trendsetter mit eindeutigen Hinweis-Aufklebern auf den Flanken. Dass die wohl wichtiger waren als eine perfekte Abstimmung im Detail, merkt der Fahrer bei jedem Schaltvorgang. Der Hebel scheint in einem Eimer glitschiger Tofuwürfel zu rühren. Trotzdem spürst du sie auf jedem Meter: die sehnige Grundspannung automobiler Leichtathletik. Drauf aufs Gas, und schon ist es Sport.
Rover Metro 114 GTi 16V: Der Vergessene

Rover Metro 114 GTi 16V: Entscheidend sind der spritzige Vierventil-Motor und das Hydragas-Fahrwerk.
Bild: Marcus Gloger
Flitzer mit 95 PS
Dessen ab 1989 gefertigten Motoren der K-Serie bestanden aus einem Modulbaukasten, der die Ebenen des Motors (Sumpf, Kurbelgehäuse, Block, Kopf) durch lange Stehbolzen verband. Dadurch wurde er spritzig, leicht, umweltfreundlich, alltags- und werkstatttauglich. In der Urform mit 1,4 Liter Hubraum hatte die K-Serie einen Vierventil-Zylinderkopf mit zwei oben liegenden Nockenwellen. So etwas war seinerzeit Heißblut-Sportwagen vorbehalten. Die Abstimmung des Kramladens, der ein PSA-Getriebe aus Frankreich bekam, war der Mühe wert: Der Motor harmonierte aufs Feinste mit dem Hydragas-Fahrwerk, vor allem bei der Top-Version 114 GTi mit 95 PS. Heute messen wir den Metro leicht mit falschem Maß: Das lauwarme Interieur, die Plastik-Oberflächen, die Na-ja-Sitze geben dem ersten Eindruck den falschen Drall. Das alles bedeutet nichts. Man lasse ihn an, fahre ihn warm – und dann: dritter Gang, Volldampf, und ab in die Kurve. Wenn nach fünf Minuten nicht irres Gelächter durchs Auto schallt, ist dem Fahrer nicht zu helfen. Da liegt der große Zauber dieses Winz-GTi: Er übersetzt das herzerfrischende Fahrvergnügen des alten Mini Cooper ins Idiom der Neunziger und verliert nicht dabei. Leider wurde der Mini-Kronprinz 1997 gestoppt, während der Mini noch drei Jahre weiterfuhr. Die Welt ist ungerecht. Hier kommen alle GTIs dieses Artikels,sowie einige mehr!
Service-Links



























































































































































