Porsche mit vier Türen
Die fantastischen Vier

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Porsche präsentiert den Panamera, ohne ein Wort über seine weitestgehend unbekannten Vorfahren zu verlieren. AUTO BILD hat die Ahnen des viertürigen Coupés aufgespürt.
Sehr früh, ein dreiviertel Jahr vor dem Marktstart, lässt Porsche die Katze aus dem Sack und zeigt den Panamera ungetarnt. So, wie es Hersteller nur dann tun, wenn die Impressionen des künftigen Modells nicht das Verkaufsfinale seines Vorgängers ruinieren können. Weil es keinen Vorgänger gibt. Dies ist ein Appetizer, der auf der Zunge zergeht. Flach und breit, stattlich-bullig, aber elegant steht er da, der Panamera. Familienähnlichkeit vom Scheinwerfer bis zum Rücklicht, vom Drehzahlmesser (zentral) bis zum Zündschloss (links). Ein echter Porsche. Ein echter Viertürer ebenfalls. Ein Vollblut-Sportler trotzdem. Viel überzeugender und genetisch geradliniger, als der Cayenne uns bei dessen Debüt vor sechs Jahren erschien. Bravo, Porsche. Es sei nicht weniger als eine Sensation, hört man aus Zuffenhausen. Gemeint ist das Konzept des weltweit ersten Sportwagens mit vier vollwertigen Einstiegen. Das mag stimmen – bezüglich der Serienfertigung. Doch dass der Panamera einer stillen Tradition derartiger Unikate folgt, versucht Porsche totzuschweigen. Aus Angst, den News-Effekt zu zerstören? Wie auch immer: AUTO BILD ist so frei und zeigt sie, die unbekannten Porsche-Viertürer von einst. Erstmals vollständig. Und das ist, mit Verlaub, ebenfalls eine kleine Sensation.
Bereits 1967 wird in den USA ein 911er zum Viertürer umgebaut

Bild: Wolfgang Blaube
Der erste viersitzige 928 war ein Geschenk an Ferry Porsche

Bild: Wolfgang Blaube
Trotz dünner Kapitaldecke entwickelt Porsche den 989 mit 300 PS starkem 3,6-Liter-V8 im Bug praktisch zur Serienreife. Doch zum Anlaufen des Fließbands kommt es nicht: Unmittelbar nach seinem Antritt als Porsche-Chef kippt Wendelin Wiedeking 1993 das kostspielige Projekt, um alle Gelder Richtung Boxster und Carrera mit Wasserboxer-Motoren zu schieben. Doch damit ist die Idee vom viertürigen Sportwagen nicht tot. Parallel zu Porsches Sanierung sickert bereits Ende der 90er eine Renaissance des 989 durch. Tatsächlich nutzt Porsche viele Erfahrungen und Details für das neue Ziel, das bald als Panamera durch den Blätterwald rauscht. Mittlerweile steht fest: Im Sommer 2009 startet die Serienfertigung.
Im Panamera werden Erinnerungen an den viertürigen 928 wach

Bild: AUTOBILD
Die Wirtschaftskrise dürfte es dem Panamera schwer machen
Auch wenn es dieses Fahrzeugkonzept angesichts der aktuellen Wirtschaftslage nicht leicht haben dürfte, wagen wir die Prognose: Der Panamera wird ein Erfolg. So viel Porsche bei so wenig Zugeständnissen an räumliche Ansprüche – das ist vielleicht keine Sensation, aber allemal überzeugend. Nur eines sollte Porsche noch lernen: den souveränen Umgang mit der Historie der sportlichen Viertürer. Vom 911, den wir in Kalifornien fuhren, will man nichts wissen, der werkseigene 928 wurde jüngst aus dem Museum entfernt und steht seitdem unter Verschluss – so mussten wir das Schwestermodell in Kentucky (USA) aufspüren. Und der 989, obwohl mutmaßlich noch immer existent, wird totgeschwiegen, Fotos wie Informationen systematisch zurückgehalten. Das ist kein angemessener Umgang mit der Geschichte, finden wir. Die Frage, wovor Porsche sich fürchtet, bleibt. Die, ob der Panamera die Verleugnung seiner ideellen Abstammung nötig hat, ist indes beantwortet. Dieses Auto hat allen Grund zu mehr Selbstbewusstsein. Ist es doch nicht weniger als der Höhepunkt aller Porsche-Viertürer.
Das Fazit von AUTO BILD-Autor Wolfgang Blaube
Ein Viertürer von Porsche – das gibt es nicht erst seit dem Cayenne. Seat Ibiza, Lada Samara, Opel Zafira: Selbst an diesen Modellen entwickelten Porsches Ingenieure kräftig mit. Jetzt zeigt der Panamera eindrucksvoll, dass die Vier-Portal-Lösung selbst zu einem echten Sportwagen widerspruchslos passt – mal wieder. Auch der Familien-928 und der 989 hätten das Zeug zu Serienstars gehabt. Ihre Produktion zu verwerfen, ist eine Sache. Sie heute zu behandeln wie Leichen im Keller, eine andere. Ich meine: Porsche täte gut daran, offensiver mit der Historie umzugehen.
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