Cabrios der 80er im Klassik-Test

VW Golf Cabriolet 1.8 Ford Escort XR3i Cabriolet

Cabrios der 80er im Klassik-Test

— 05.09.2011

Die Bügel-Falter

Der Golf I setzte den Trend: 1979 erschien als Nachfolger für das Käfer Cabriolet der erste offene Golf. Der Überrollbügel rief Spötter und Nachahmer auf den Plan. Wie fühlen sich die Henkelmänner der 80er heute an?

Wahrscheinlich saß vor nicht allzu langer Zeit in Wolfsburg ein Gremium zusammen. Es entschied über das künftige Golf Cabrio. Der Bügel muss die Herren (und womöglich Damen) sehr gestört haben. Denn sie beschlossen, das Golf VI Cabriolet ohne ihn zu bauen. So entstand ein gefälliges, glatt geföhntes Kompaktauto mit Stoffverdeck, das alles ist, nur kein richtiges Golf Cabrio. Denn zu dem gehört seit 1979 der Bügel, der ihm den Beinamen Erdbeerkörbchen einbrachte und die Konkurrenz zum Mitmachen animierte. Es folgten Escort, 205 und Kadett, die allesamt dem Golf nacheiferten. Wie Talbot Samba, Fiat Ritmo und Rover 214/216. Doch keiner von ihnen verkaufte sich annähernd so oft wie der Golf. Heute ist er ein Klassiker. Die Preise steigen, er ist auf Oldtimerrallyes und Messen gern gesehen. Doch was ist mit den Konkurrenten von einst? Wie gnädig waren die Jahre zu Kadett, 205 und Escort? Kann der Golf sie immer noch bügeln?

Zusatzscheinwerfer fehlten in keiner Aufpreisliste, der Golf Classic Line hat vier davon.

©C. Bittmann

Ich weiß, was Sie jetzt denken, und Sie haben recht. Ein wenig zumindest. Natürlich gewinnt der Golf, auch, weil er von allen Autos in diesem Vergleich in bester Verfassung war. Doch der Golf hätte auch vorn gelegen, wenn wir diesen Vergleich mit vier Autos im Neuzustand ausgefahren hätten. Das liegt nicht daran, dass hier nur VW-Fans am Werk wären, sondern vielmehr daran, dass der Golf keine gravierenden Schwächen hat. Der 1,8-Liter-Vierzylinder (von Eigenweihten auch Langpleuelmotor genannt) ist zwar kein brillantes Triebwerk, jedoch ein sehr ordentliches. Der Peugeot ist spritziger, der Opel kräftiger und der Ford billiger, doch den ausgewogensten Eindruck hinterlässt die VW-Antriebseinheit.

Neue Deutsche Welle: Autos der 80er

Im wahren Leben überholt das Golf Cabriolet seine Konkurrenten – es ist das beste Henkel-Cabrio.

©C. Bittmann

Beim Komfort muss der offene Golf ebenfalls keine Gegner fürchten. Er hat das stimmigste Interieur, die am besten ansprechende Federung und die besten Sitze. Dazu kommt das dick gefütterte Verdeck, das echte Ganzjahresqualitäten hat. Mit geschlossenem Dach ist der Golf das leiseste Cabrio in diesem Vergleich. Ein weiterer Vorteil des Wolfsburgers: Kaum einer zweifelt mehr an seinem Klassikerstatus. Ein ähnlich positives Image hat nur noch der Peugeot, während Ford und Opel ein paar mal zu oft tiefergelegt, gepimpt, verbraucht und weggeworfen wurden. Was spricht dann noch für die anderen? Für den 205 CTI sein munterer Motor, er ist das sportlichste Cabriolet. Wer wirklich viel Platz und einen großen Kofferraum braucht, könnte mit dem geräumigen Kadett glücklich werden. Und der Ford? Er ist der Underdog, mit straffem Fahrwerk und rauem Motor hat er einen gewissen spröden Charme, der sich vielleicht nach längerer Bekanntschaft erschließt. Dass Golf und Escort gleichzeitig bei Karmann gebaut wurden, ist schwer zu glauben.
Die Punktewertung Escort XR3i Cabriolet Kadett GSi Cabriolet Peugeot 205 CTI Golf Cabriolet 1.8
Spaßfaktor
Temperament 6 5 8 7
Sound 5 5 6 6
Handling 7 6 9 8
Zwischenergebnis 18 16 23 21
Kuschelfaktor
Sitze 6 6 5 8
Federung 5 8 5 9
Platzangebot/Variabilität 7 9 6 8
Zwischenergebnis 18 23 16 25
Neidfaktor
Qualität 6 8 6 10
Design 6 7 9 9
Image 3 5 7 9
Zwischenergebnis 15 20 22 28
Gesamtergebnis 51 59 61 74
Autor:

Heinrich Lingner

Fazit

Den ersten Vergleichstest dieser vier Cabrios in AUTO BILD 16/1987 gewann noch der Opel Kadett. Heute hat er keine Chance gegen den VW Golf. Der bügelt die Konkurrenz in den meisten Disziplinen und gewinnt mit großem Vorsprung.

Fotos: C. Bittmann

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