Techno Classica Salon Dortmund 2026: Oldtimer-Highlights
Autos, die selbst uns noch umhauen

Haben wir AUTO BILDler nicht längst alle Autos der Welt gesehen? Nein: Auf dem Techno Classica Salon 2026 stehen Oldtimer, die selbst altgediente Redakteure aus der Kurve holen! Welche sind das?
Bild: Alexander Stolz
Inhaltsverzeichnis
- Eine Messe der außergewöhnlichen Autos
- Porsche 911 (993) Carrera S: umstrittenes Highlight
- Mercedes 190 E SGS Cityfun: Multitasking-Schrumpf-Benz
- Volkswagen Phaeton W12: Das schwarze Lackwunder
- Fiat Panda 30: Die Zweizylinder-Kiste, voll restauriert
- Renault Twingo Prototyp: Der Ur-Twingo als E-Auto
- Mercedes 230 CE (C 124): gut erhaltenes Benz-Coupé
- Diese Klassiker fielen auch noch auf
- Kommentar
Kennen Sie das Geräusch, wenn einem Reporter die Kinnlade runterklappt? Wir, die AUTO BILD-Reporter Matthias Brügge und Frank B. Meyer, kennen es gut. Auf dem ersten Techno Classica Salon in Dortmund 2026 – zugleich eine starke Messe für den Autokauf – haben wir einander mehrmals dabei zugehört. Denn einige der Oldtimer und Youngtimer, die dort ausgestellt werden, begeistern selbst Automenschen, die schon so einiges an Klassikern gesehen haben – sie sind außergewöhnlich.
"Ein Elfer? Echt jetzt?" Frank B. Meyer ist nicht begeistert. "Du willst ernsthaft einen Artikel über die Highlights einer Oldtimermesse mit einem Porsche 911 aufmachen?"
"Ja klar", sagt Matthias Brügge. "Sieh ihn doch an! Diese Fehlfarbe Blau-Türkis und die Teilleder-Innenausstattung in Midnight Blue. Und dann tragen die Felgen auch noch die Wagenfarbe!"

Die Farbe dieses Porsche 911 (993)? Blau-Türkis! Die Felgen sind in Wagenfarbe. Und innen? Midnight Blue. Dazu 295 PS aus 3,6 Boxerlitern, und erst 26.500 Kilometer runter. Ein teures Highlight von Dortmund.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
"Ein schönes Auto, keine Frage", gibt Frank zu. "Aber Oldtimermessen sind einfach übervoll von Porsche 911. Hier stehen doch viel aufregendere Autos."
Matthias: "Klar, die sind auch hier. Nebenan steht nicht EIN BMW 507, sondern gleich drei. Aber mich flasht der 993 Carrera S mit Tiptronic S, 285 PS und nur 26.500 Kilometer runter. Und wenn Du das Leder im Innenraum riechst ... Und nächstes Jahr ist der Carrera S von '97 sogar schon Oldtimer!"

Nüchterne, funktionale Eleganz in höchster Verarbeitungsqualität: Das Cockpit des Porsche 911 (993) Carrera S
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Nun kehrt der 911 aus Japan zurück nach Deutschland. Der Händler ist von seinem hohen Wert überzeugt – und verrät auf AUTO BILD-Anfrage den Netto-Exportpreis von 294.000 Euro. Wer den blauen Luftgekühlten auf deutschen Straßen bewegen will, muss noch Zoll und Mehrwertsteuer hinzuaddieren.
"Na gut", sagt Frank: "Da fangen wir halt mit dem Elfer an. Ab jetzt können wir uns mit den Autos nur steigern."
Über einige überraschende Oldtimer der Messe, die man kaufen kann, berichten wir hier. Nun holen wir Klassiker nach vorn, die uns noch etwas mehr geflasht haben – und ja, auch von denen sind mehrere zu verkaufen. Staunen Sie mit!

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Dieser Mercedes ist so kurz, dass er Mrcds heißen müsste. "Wir haben damals den Radstand um – glaub' ich – 45 Zentimeter gekürzt", erzählt der legendäre Tuner Chris Hahn uns in Dortmund am Messestand seiner damaligen Firma Styling Garage SGS. (Hier geht's zum Fahrbericht des SGS Arrow 1.)
Chris Hahns Idee hinter dem Schrumpf-190er war, einen multifunktionalen Zweitwagen mit vier Funktionen für die Familie zu schaffen:
- Es gab ein Kombiheck aus Plexiglas, damit war er ein stadttauglicher kleiner Kombi.
- Vorn hat er ein herausnehmbares Targadach, so wird er zum Targa.
- Ohne das Kombiheck ist er ein Cabrio mit breitem Überrollbügel.
- Mit Targadach, ohne Kombiheck und mit umgeklappter Rücksitzlehne ist er ein Pick-up.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
So präsentierte Chris Hahn den SGS Cityfun auf dem Genfer Autosalon 1984. Ging das Auto in Serie? Im Prinzip schon: Ein ähnliches Konzept brachten 1986 Nissan Pulsar NX und Nissan EXA. Den Multitasking-Schrumpf-Benz kaufte niemand. "Irgendwann bei der Auflösung der Firma kam er in die Grabbeln", sagt Chris Hahn. "Dann galt er als verschollen."

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Der Cityfun fand sich wieder an und wurde restauriert – noch ist er nicht ganz fertig, aber auf dem Techno Classica Salon kann die Öffentlichkeit ihn endlich wieder sehen.
Zu den Autos, deren Zeit eigentlich nie gekommen ist, gehört der Volkswagen Phaeton W12. Zu aufwendig produziert, technisch zu sehr auf die Spitze getrieben, und für den Markenanspruch viel zu hoch positioniert. Das sollte sich aber erst deutlich nach Markteinführung zeigen. Das Top-Modell wird vom legendären W12-Motor mit 420 PS angetrieben. Doch der Blick unter die Haube zeigt nichts als eine komplett abgedeckte 6,0-Liter-Maschine.

Unilack Schwarz (Farbcode L041 mit der Sonderlackierung FL1 9010) versehen: So sehr kann ein Phaeton glänzen. Und kraftvoll fahren dank 420-PS-W12 unter der Haube.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Der Motorraum des Phaeton ist bis zum Rand gefüllt – doch so gut abgedeckt, dass vom 6,0 Liter-W12 nichts zu sehen ist.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Hier macht nicht nur der Motor, sondern der Lack das Auto: Dieser Phaeton von 2004 ist in Unilack Schwarz (Farbcode L041, Sonderlackierung FL1 9010) lackiert. Hier ist das Schwarz so glänzend, dass es jedem Flügel zur Ehre gereichen würde. Innen nimmt man auf maximal vier Sitzen Platz, die mit Leder im Vienna-Classic-Stil bezogen sind. Ein Highlight der Messe? Unbedingt.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Über diesen Panda stolpern wir gleich doppelt. Erstens: Panda 30? Das ist doch der Supersparpanda mit dem Zweizylinder aus dem Fiat 126! Ein luftgekühlter Parallel-Twin mit 652 Kubik (ja: null Komma sechs fünf Liter!) und 30 PS. In Deutschland bot Fiat ihn nie an, deshalb hat man hier noch fast nie einen gesehen.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Ein zweites Mal stolpern wir, als wir merken: Dieses einstige Billigauto, nein: Billigstauto wurde restauriert! Der Panda 30 steht da wie neu. Der Händler schreibt "body off" ans Auto, demnach wurde der Panda bis auf die blanke Karosserie zerlegt.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Rund 30.000 Euro soll der Besitzer investiert haben – trotzdem bietet der Händler ihn jetzt für 15.000 Euro an. Man könnte es "gemeinnützige Restaurierung" nennen.
Welcher Wahnsinnige tut so etwas Grundsympathisches? Das scheint nicht mal jemand in dem niederländischen Händlerbetrieb zu wissen, der den Panda Baujahr 1983 in Dortmund zum Kauf anbietet. Der eine Verkäufer erzählt, ein Holländer hätte den Panda 30 restaurieren lassen, ein anderer, es wäre ein Italiener gewesen. Das einsilbige Inserat immerhin verrät, dass der Panda italienische Papiere hat und seit der Restaurierung 1775 Kilometer gefahren wurde. Der Kilometerzähler zeigt 1793 Kilometer.
Will jemand einen Film drehen, der im Jahr 1983 spielt? Da sollte dieser Fiat Panda 30 unbedingt eine Rolle bekommen!
Es gibt Autos, von denen man glaubt, sie nie live zu sehen. Dieses ist eines davon, das plötzlich vor uns steht: Der Renault Twingo Y2K-Prototyp stammt aus der großen Renault-Werkssammlung und kam im Zuge einer weit beachteten Artcuriel-Auktion unter den Hammer. Der Wagen entstand 2023 anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Ur-Twingos.
Kann ein Ur-Twingo schöner aussehen? Darüber lässt sich streiten, jedenfalls ist das Finish des Twingo Y2K-Prototyps vollendet, ein E-Auto ist er auch noch.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Aber anstelle des Benzinmotors arbeitet eine kleine E-Maschine unter der kurzen Haube. Denn das Auto wurde mit Hilfe eines Umbausatzes für historische Renaults zum Elektroauto konvertiert Der Twingo verfügt nun über 30 E-PS und zwischen 80 und 100 km Reichweite. Die wird er jedoch nie auf öffentlichen Straßen ausreizen, denn der Prototyp war nie für die Straße bestimmt. Sein futuristischer Retro-Look und das perfekte Werks-Finish inklusive silbrig glänzendem Nappaleder auf den Sitzen verfehlen ihre Wirkung nicht auf den Betrachter. Wer will, kann dieses Auto kaufen – es ist erst 100 Kilometer gefahren.
Auch auf dem Techno Classica Salon stehen Autos, in die ihre Besitzer unverhältnismäßig viel Geld gesteckt haben. Aktuelles Beispiel: dieser Mercedes 230 CE (C 124), in ultra-seltener Farbkombination Kristallgrün Metallic außen, innen Velours in Piniengrün (damals teurer als Leder). Der Besitzer freut sich über die Seltenheit des Autos – und erhält den Vierzylinder mit Klimaanlage und Viergangautomatik in fast perfektem Zustand.

Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Ein wenig aus der Rolle fallen die eher wild anmutenden Alufelgen im AMG-Stil an dem sonst eher zurückhaltend designten Mercedes-Coupé. Doch insgesamt wirken die glatten Flächen stimmig. Selten hielten 132 PS einen Benz eleganter auf Trab.
Hier noch in aller Kürze weitere Oldtimer und Youngtimer, die uns auf dem Weg durch die Dortmunder Messehallen von allem ablenkten, was wir eigentlich vorhatten. Kein weiterer Porsche 911, dafür andere tolle Autos.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Kommentar
Schon für die wundervollen Klassiker auf dem ersten Techno Classica Salon lohnt sich die Reise nach Dortmund. War die erste Messe des Veranstalters SIHA am neuen Standort nach 36 Jahren in Essen ein Erfolg? Die goldenen Zeiten, als Autohersteller ganze Messehallen buchten, scheinen vorbei. Der neue Name "Techno Classica Salon" ist deshalb eine kluge Idee, "Salon" klingt klein und intim, das dämpft die Erwartungen von Besuchern und Ausstellern. Mit sechs gut gefüllten Hallen und einer Außenfläche wird das gemässigte Versprechen erfüllt.
Kuschlig ist es dennoch nicht. Offenbar gibt es keinen Wettbewerb mehr unter den Clubs, ihre Stände möglichst originell zu gestalten. Wir hatten vielmehr den Eindruck einer Sparveranstaltung. Zum Begriff "Salon" passt auch das traditionelle Konzept. Schön wären ein paar Ideen, mit denen die Messe auch die autobegeisterten jüngeren Leute anspricht, die das Thema auf Social Media feiern.
Toll war aber die Bühne, auf die Aussteller ihre Autos fahren durften, moderiert von Johannes Hübner. Autos in Bewegung gibt es bislang zu wenig auf Oldtimermessen. SIHA-Chefin Janine Franssen betont, dass die Aussteller aus fast allen Ländern Europas kamen. Doch schöner wäre, wenn wie früher "Aussteller aus 60, 70 Ländern" auf der Messe wären. Einstweilen nennt sie den Salon "Weltmesse". Wir mögen ihren Optimismus.
Service-Links



































