BMW 2002 turbo: Klassiker des Tages
BMW 2002 turbo, der geniale Aufreger
Mitten in der Ölkrise bringt BMW den 212 km/h schnellen 2002 turbo mit 170 PS und aufgenieteten Kotflügelverbreitungen. Ein Eklat. Klassiker des Tages!
- Matthias Techau
- Manuel Iglisch
1973, Ölkrise, allgemeine Tempolimits und begrenzte Abgabemengen an Tankstellen. Welch schlechteren Zeitpunkt hätte es geben können, den 212 km/h schnellen BMW 2002 turbo mit 170 PS und aufgenieteten Kotflügelverbreitungen vors IAA-Publikum zu schieben?
Noch dazu mit spiegelverkehrtem Schriftzug auf der Frontschürze, der von vielen als zweite Lichthupe verstanden wurde und entsprechend heftige Reaktionen auslöste. Die Serienfahrzeuge verzichteten auf den Typenschriftzug, er blieb aber beliebtes Nachrüst-Accessoire.

Schlankes Cockpit mit couchigen Sportsesseln und serienmäßiger Viergangschaltung.
Bild: Thomas Stark
Der erste europäische Pkw mit Turboaufladung
Der 2002 turbo schaffte es sogar bis in den Bundestag, wo man über seine Daseinsberechtigung debattierte. Historisch bedeutend ist auch seine Rolle als erster europäischer Turbo-Pkw.
Im Prinzip war er nichts anderes als der sportliche Schlusspunkt der 02er-Reihe (1966-1977). Ein Ausrufezeichen, das den handlichen Zweitürer endgültig in den Orbit gestandener 911 katapultieren sollte. Und dazu brauchte es freilich etwas mehr als die 130 PS und 177 Nm des 2002 tii.
Sein Zweiliter-Motor jedoch hatte sich schon mehrfach als Turbobasis bewährt. Im Motorsport etwa, wo er seit 1969 Tourenwagengeschichte schrieb; oder in Form des Prototyps Turbo X1, der die Aufladung – hier mit 280 PS bei 7100 Touren – schließlich auch für Serienfahrzeuge prophezeite.

Markenzeichen: spiegelverkehrter Schriftzug auf der Frontschürze, der nie in Serie ging.
Bild: Thomas Stark
In 6,9 Sekunden auf Tempo 100
Herz des Geschehens beim 2002 turbo ist die Kugelfischer-Einspritzung, die den Kraftstoff zylindernah reicht, wobei sie die guten Tropfen unter Volllast alles andere als knauserig portioniert. Damalige Tester monierten den kraftleeren Raum diesseits von 3500/min, die abrupt anschwellenden 240 Newtonmeter danach und die damit verbundenen Ansprüche an den Fahrer, der stets bis an die Sechstausender drehen musste, um nach dem Gangwechsel wieder im Ladedruck-Hoch zu landen.
Deutlich vertrauter gibt sich dagegen das Handling, das aus einer denkbar einfachen, bis heute aber genialen Formel hervorgeht: schlanke Linie, wenig Masse, dazu ein zarter Schuss Übersteuern und ein Grenzbereich, in dem sich nach Herzenslust herumtollen lässt.
In 6,9 Sekunden sprintet der 1080 Kilogramm leichte Zweitürer auf Tempo 100. Trotz seiner reizvollen Anlagen blieb der erste Serienturbo Europas jedoch eher Vorbote denn Vollstrecker. Nach gerade einmal vierzehn Monaten und 1672 Exemplaren zog BMW den umstrittenen Hochleistungs-Kompakten zurück, ehe bald darauf schließlich die Reihensechser ihren Triumphzug antreten sollten.
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