Die Strompreisbremse ist unter den geplanten Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung am beliebtesten. In einer BILD-Umfrage nannten 23 Prozent der 1004 Befragten dieses Instrument als Antwort auf die Frage, worauf sie sich am meisten freuten. Es folgten Steuersenkungen (22 Prozent), Gaspreisbremse (18 Prozent) und die Erhöhung des Kindergelds (12 Prozent).

Etwas weiter hinten landete das geplante 49-Euro-Ticket für den Nahverkehr mit neun Prozent. Das "Deutschlandticket" für Bus und Bahn ist das Nachfolgemodell des megagünstigen 9-Euro-Tickets und kommt natürlich auch Pendlern und anderen Autofahrern zugute.
Frau am Bahnfahrkartenautomat mit Hinweis auf 9-Euro-Ticket
Mehr als 52 Millionen Mal wurde von Juni bis August 2022 in Deutschland das 9-Euro-Ticket gekauft.

In welcher Form ist das 49-Euro-Ticket geplant?

Das 49-Euro-Ticket ist zum Einführungspreis von 49 Euro pro Monat in einem monatlich kündbaren Abonnement vorgesehen. Infolge des Inflationsausgleichs könnte der Preis mit der Zeit steigen. Ob das 49-Euro-Ticket auch im Papierformat an Automaten zu kaufen sein wird, ist offen. Die Entscheidung treffen die Länder und Verkehrsverbünde.

Wann soll das 49-Euro-Ticket kommen?

Der Starttermin für das 49-Euro-Ticket ist noch völlig offen. Der 1. Januar 2023 scheint inzwischen Utopie, auch der 1. März ist offenbar nicht zu halten. Verkehrsverbände und die Fahrgastvereinigung "Pro Bahn" rechnen mittlerweile mit einem Start zum 1. April 2023. Klarheit bringen soll eine Sondersitzung der Verkehrsminister der Länder Ende November 2022, an dem auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) teilnehmen soll.

Wer finanziert das Deutschlandticket?

Der Bund zahlt zur Finanzierung des vergünstigten Nah- und Regionalverkehrs 1,5 Milliarden Euro an die Länder, diese stellen zudem den gleichen Betrag bereit. Sollte das 49-Euro-Ticket jedoch später als zum 1. Januar 2023 eingeführt werden, reduziert sich der Verlustausgleich durch den Bund für 2023 anteilig.
Verkehrsminister Volker Wissing
Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) begrüßte die Einigung auf ein Nachfolgemodell fürs 9-Euro-Ticket.
Darüber hinaus stellt der Bund schon ab 2022 zusätzliche Regionalisierungsmittel in Höhe von einer Milliarde Euro jährlich für die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs zur Verfügung. Diese werden jährlich um drei Prozent erhöht (bisher 1,8 Prozent).

Diese Entlastung gibt's für Autofahrer

In einer ADAC-Umfrage im Vorfeld hatten sich fast 60 Prozent der befragten Autofahrer für einen Nachfolger des 9-Euro-Tickets ausgesprochen. Auf einen neuen Tankrabatt müssen sie hingegen verzichten. Immerhin werden die ab 2023 geplanten Schritte zum Erhöhen der Spritpreise um ein Jahr verschoben. Das ist im jüngsten, mittlerweile dritten Entlastungspaket der Ampelregierung enthalten:

CO2-Bepreisung steigt 2023 nicht

Die eigentlich gute Nachricht im Entlastungspaket ist, dass eine schlechte um ein Jahr verschoben wurde. Eigentlich sollte mit Beginn des Jahres 2023 die nächste Erhöhung der CO2-Abgabe greifen. Sie hätte den CO2-Preis für Benzin auf 9,8 Cent pro Liter (plus 1,4 Cent) und für Diesel auf 11 Cent (plus 1,5 Cent) ansteigen lassen sollen. Diese Erhöhung wird nun auf 2024 verschoben, die für nachfolgende Jahre geplanten weiteren Erhöhungen kommen ebenfalls ein Jahr später.

Wie sich der steigende CO2-Preis auf den Spritpreis auswirkt

Jahr
CO2-Preis/Tonne
Preisaufschlag/Liter Benzin
Preisaufschlag/Liter Diesel
Abzweigung
2021
Abzweigung
Abzweigung
2022
Abzweigung
Abzweigung
2023
Abzweigung
Abzweigung
2024
Abzweigung
Abzweigung
2025
Abzweigung
Abzweigung
2026
Abzweigung
25 Euro
30 Euro
bleibt bei 30 Euro
35 Euro
45 Euro
55 Euro
ca. 7 Cent
ca. 8,4 Cent
-
ca. 9,8 Cent
ca. 12,6 Cent
ca. 15 Cent
ca. 8 Cent
ca. 9,5 Cent
-
ca. 11 Cent
ca. 15 Cent
ca. 17 Cent

Was bedeuten Gas- und Strompreisdeckel?

Das Entlastungspaket von Bund und Ländern beinhaltet wegen der stark gestiegenen Energiekosten auch eine Gaspreisbremse und die einmalige Übernahme der Abschlagzahlung im Dezember 2022. Zudem wurde die Mehrwertsteuer auf Gas von 19 auf 7 Prozent gesenkt, und zwar für den Zeitraum Oktober 2022 bis März 2024.
Ebenfalls im Jahr 2023 kommt die Strompreisbremse, zusätzlich zur einmaligen Abschlagszahlung durch den Staat im Dezember 2022. Haushalte und kleinere Firmen sollen analog zur Gas- und Fernwärmepreisbremse entlastet werden – mit einem Strompreis von maximal 40 Cent pro Kilowattstunde für ein Grundkontingent von 80 Prozent der Jahresverbrauchsprognose.
Bei Industrieunternehmen werden die Strompreise bei 13 Cent für 70 Prozent des Vorjahresverbrauchs gedeckelt. Dieses Instrument soll wie die Gaspreisbremse zum 1. März 2023 kommen, aber schon rückwirkend zum 1. Januar greifen und bis Ende April 2024 laufen.

Wie lange gab's den Tankrabatt?

Der Tankrabatt in Deutschland war drei Monate lang wirksam, galt vom 1. Juni 2022 bis 31. August. Im Zuge des Entlastungspakets war die Energiesteuer auf Kraftstoffe gesenkt worden – so weit, wie von der EU erlaubt. Bei Benzin reduzierte sich der Steuersatz um 29,55 Cent pro Liter, bei Diesel um 14,04 Cent. Da auch weniger Mehrwertsteuer zu entrichten war, lagen die Gesamteinsparungen bei 35,2 Cent (Super) beziehungsweise 16,7 Cent (Diesel) pro Liter Sprit.

Wurde der Tankrabatt voll weitergegeben?

Ob die Tankkunden in den drei Monaten nach dem 1. Juni 2022 in vollem Umfang von der Energiesteuersenkung profitierten, ist umstritten. Der ADAC hielt die Spritpreise im Vergleich zum Öltarif für zu hoch und äußerte damit indirekt Zweifel.
Clever Tanken
Tanken

Minutengenauer Spritpreis-Check

So steht der Spritpreis an Tankstellen in der Umgebung!

In Kooperation mit

Laut dem neuen Benzinpreisspiegel des Essener Wirtschaftsforschungsinstituts RWI indes wurde der Tankrabatt von Händlern und Tankstellenbetreibern im Wesentlichen an Kunden weitergegeben. Allerdings habe die Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe an den Zapfsäulen zuletzt kaum noch spürbare Wirkung gezeigt. Zu den Preistreibern zählten den Angaben zufolge vor allem die Trockenheit und der damit verbundene niedrige Pegelstand des Rheins. Das sorge vor allem bei Diesel für hohe Transportkosten und damit steigende Preise.
Spritpreise auf Spritpreistafel: Der Tankrabatt macht Benzin und Diesel deutlich billiger
Die Tankstellen in Deutschland erlebten in den vergangenen Monaten Preisschwankungen ungekannten Ausmaßes.
Laut RWI sei mit dem Tankrabatt eher Wohlhabenden geholfen worden als armen Haushalten, die oft gar kein Auto hätten. Zum anderen habe er nicht dazu angehalten, weniger Benzin und Diesel zu verbrauchen. Ähnlich hatten im Juni Wissenschaftler des renommierten Münchner Ifo-Instituts argumentiert, die ebenfalls eine nahezu komplette Weitergabe der Steuersenkung analysiert hatten.

Woher stammte der Tankrabatt?

Ende April 2022 hatte das Bundeskabinett das milliardenschwere Entlastungspaket 2 auf den Weg gebracht, das die durch den Ukraine-Krieg stark gestiegenen Energiekosten abfedern sollte. Zu ihm gehört auch eine Energiepreispauschale, ein Hartz-IV-Zuschlag sowie ein Kinderbonus – und das 9-Euro-Ticket für den gesamten Nah- und Regionalverkehr, um dessen Nachfolgeregelung noch deutlich heftiger gestritten wird als beim Tankrabatt.

So sieht die Energiepreispauschale aus

Indirekt profitierten viele Autofahrer von einer weiteren Maßnahme: Alle Arbeitnehmer, Selbstständige und auch Rentner erhalten oder erhielten einmalig 300 Euro als Energiepreispauschale. Diese Förderung muss als zusätzliches Einkommen versteuert werden. Freiberufler erhalten eine Ermäßigung auf die Einkommensteuer-Vorauszahlung.

Wie hoch sind der Kinderbonus und der Hartz-IV-Bonus?

Familien bekamen zudem im Juli einmalig 100 Euro Kinderbonus als Aufschlag aufs Kindergeld ausgezahlt. Und auch einen sogenannten Hartz-IV-Bonus gibt es. Dieser wurde aufgrund der weiter gestiegenen Energie- und Verbraucherpreise von 100 auf 200 Euro angehoben.
Mit Material von Reuters, dpa, afp

Von

Roland Wildberg