Fiat Multipla: Klassiker des Tages
Fiat Multipla, der ungewöhnliche sechsäugige Sechssitzer

Sein kauziges Design sorgte beim Erscheinen 1999 für Kopfschütteln. Dabei hatte der Fiat Multipla herausragende Vorzüge, bot Platz für eine ganze Großfamilie. Wenn nur die sechs Augen nicht wären. Klassiker des Tages!
Bild: Wolfgang Groeger-Meier
Er darf in keiner Galerie der hässlichsten Autos fehlen: der Fiat Multipla. Für viele eine autobauliche Geschmacksverirrung der Italiener, die zwischen 1999 und 2010 in zwei Generationen produziert und bis 2008 in Deutschland verkauft wurde. Die Karosserie basierte auf dem firmeneigenen Space-Frame-Konzept aus Stahl, Plattform und Motoren fanden sich auch im Fiat Bravo wieder.
Fiat wollte mit dem Multipla wieder einmal alles anders machen. Das gelang zweifellos. Immerhin: Kurz nach seinem Erscheinen schaffte es der Eigenbrötler in eine Ausstellung im Museum of Modern Art in New York. Mit dem Titel: Autos fürs nächste Jahrhundert. Doch die Masse der Autointeressierten – machen wir uns nichts vor – sah in ihm keine Kunst, sondern ein Design-Desaster, das auch nach dem Wegfall des Entenschnabels 2004 nicht viel besser wurde.
Mit welchen Augen guckt einen der Multipla an?
Wie drei aufeinander gepfropfte Einzelteile wirkt der Multipla der ersten Generation durch seine eingefügte Leiste mit den Fernlicht-Scheinwerfern und dem Fiat-Logo. Aus welchen Augen guckt der Van, den oberen oder den unteren? Erst bei der Modellpflege wurde der Charakterkopf einer Gesichtsoperation unterzogen, doch da war es zu spät. Auch AUTO BILD griff die Absurdität des Multipla-Designs auf und drohte, äh, kündigte 2019 als Aprilscherz getarnt eine Neuauflage des Sechssitzers an.
Cleveres Raumkonzept für Familien
Was blieb, war das clevere Raumkonzept. Sechs Sitze in zwei Dreierreihen (die hinteren um 15 Zentimeter verschiebbar, vorne wahlweise eine Wärme-/Kühlbox in der Mitte), großflächige, fast senkrecht stehende Seitenscheiben, ein Kofferraum mit bis zu 1850 Litern Fassungsvermögen (mit ausgebauten Sitzen), dazu als Extra ein elektrisches Panoramadach: Der Multipla bot Familien viele Vorteile. Seit 2004 war die Motorenpalette zudem mit Benzin (103 PS), Diesel (115 PS) oder Erdgas (92 PS) für alle damaligen Aufgaben gerüstet.
In der Länge legte der Italo-Van um zehn Zentimeter auf 4,09 Meter zu. Die Kraft gelangt über ein Fünfganggetriebe an die Räder. Auch im Cockpit zeigt der Multipla seine Extravaganz: knackig-präziser Fünfgang-Knüppel, turmartiger Instrumenten-Träger in der Mitte. Bei der aktiven Sicherheit patzte der Italiener jedoch, wie AUTO BILD in einem Fiat-Multipla-Test konstatierte, vor allem wegen des langen Bremsweges.

2004 bekam der Multipla eine amtliche Gesichtsoperation verpasst. Das schräge Sechsaugendesign verschwand, die Einzigartigkeit auch.
Bild: Werk
Kaum mehr auf dem Gebrauchtwagenmarkt erhältlich
Ein Topseller wurde der Fiat Multipla – wenig überraschend – nicht in Deutschland. Im ersten Jahr wurden noch 7600 Einheiten verkauft, nach der Modellpflege sank der Absatz auf einige Hundert Stück pro Jahr. Heute finden sich im Gebrauchtwagenmarkt von AUTO BILD aktuell nur vier Exemplare, davon sind nur zwei von der verfemten sechs-Augen-Variante.
Immerhin: Einige Social-Media-Liebhaber haben den Multipla für sich entdeckt, man findet ihn als Instagram-Star in einer Vielzahl von Channels!
Service-Links







































































