Wer kauft im Sommer schon gern die Sonnenbrille oder das bunte Leinenhemd aus der vorletzten Saison? Wenn wir das Wetter genießen, sollen nicht Knitterfalten von gestern den Auftritt versauen. Das gilt auch für die angesagten Blechdach-Cabrios, die nicht nur unter Sonneneinstrahlung schnell altern. Klappen gehört heute zum Handwerk, wer will da einen alten Hut? So gesehen hätte das neue Renault Mégane Cabrio-Coupé Anspruch auf den Platz ganz vorn an der Strandpromenade, gefolgt vom 18 Monate alten Peugeot 308 CC. Während der VW Eos, der bereits seit Mitte 2006 verkauft wird, sich irgendwo hinten verdrücken sollte.

Überblick: Alles News und Tests zum VW Eos

Dass vier Lenze heute ein hohes Alter in der schnelllebigen Cabrio-Welt sind, unterstreicht die Volkswagen-Homepage. "Der Eos kann nicht mehr in einer individuellen Ausstattung bestellt werden. Jedoch stehen für Sie fertige, bereits produzierte Fahrzeuge zur Verfügung", steht dort. Im Klartext: Es gibt bis auf Weiteres nur noch Lagerware. Anfang 2011 kommt der facegeliftete Nachfolger. In diesem Vergleich geht es nicht um den typischen Zweitwagen, sondern um Ganzjahres-Cabrios der 30.000-Euro-Liga. Vier Sitze und kräftige Dieselmotoren machen sie zu echten Vollwert-Autos für Urlaub, Langstrecke und den normalen Pendleralltag. Mit einem entscheidenden Vorteil: Wann immer die Sonne scheint, geht das Sommermärchen per Knopf druck in die Verlängerung. Von wegen Mode-Cabrio: Beim Platzangebot zeigt sich der Eos nach wie vor konkurrenzfähig. Eine Zuladung von 412 Kilogramm und ein Stahlverdeck mit integriertem Schiebedach können die französischen Konkurrenten nicht bieten.

Überblick: Alle News und Tests zum Renault Mégane

Dafür sind ihre Kofferräume größer: Sowohl der Peugeot (403 Liter) als auch der Renault (417 Liter) packen mehr weg als der VW (380 Liter). Doch bei allen dreien verringert sich der Stauraum bei offenem Verdeck um gut die Hälfte, wobei Frischluft-Reisende im 308 CC noch ein bisschen mehr unterbringen. Erhöhter Nutzwert stand offensichtlich nicht im Lastenheft der Renault-Entwickler, denn mit nur 299 Kilo Zuladung fehlt dem Mégane die volle Alltagstauglichkeit. Sein freundliches Cockpit sieht modern und schick aus, der Qualitätseindruck und die zittrige Karosserie können trotzdem nicht überzeugen – der Fahrer fühlt sich, als bewege er einen Wackelpudding. Im steifen 308 CC dagegen wird selbst die Fahrt über schlechte Straßen zur souveränen Vorstellung: Dieser Peugeot ist eine feste Burg.
Statt eines Zweiliter-Diesels wie bei VW und Peugeot steckt im neuen Mégane CC ein 1.8er mit Zweiventiltechnik und nur 130 PS. Eine 160-PS-Version gibt es zwar auch, doch die ist deutlich teurer. Ergebnis: Der Mégane sprintet am langsamsten, ohne dass er mit besserem Verbrauch glänzen könnte. Mit 6,3 Liter Testverbrauch pro 100 Kilometer schluckt er so viel wie der 308 – und wie der alte 150-PS-Mégane mit 16V-Motor. Wo bleibt da der Fortschritt? Der Eos zeigt mit 6,1 Litern noch immer, was technisch geht, ohne auf den Fahrer träger zu wirken als der Peugeot. Unerreicht auch die zielgenaue VW-Lenkung, da macht ihr bis heute keiner was vor. Bestückt mit elektronisch geregelten Dämpfern (DCC) für 1055 Euro Aufpreis, verwöhnt der Eos zudem mit tadellosem Fahrkomfort. In Normalstellung federt er trocken, aber angenehm. Wer es kerniger möchte, schaltet auf "Sport", schon wird der VW dynamischer. Besser fürs Bummeln über Land ist der Comfort-Modus. Fast französisch wirkt es dann, das Fahrwerk des deutschen Cabrio-Klassikers.

Überblick: Alle News und Tests zum Peugeot 308

Der Peugeot schafft es immerhin, die Karosserie gut von der Fahrbahn zu entkoppeln. Allerdings reicht der Peugeot Fugen und Schlaglöcher bis ins Lenkrad durch. Egal, eine Sportkanone will er ohnehin nicht sein. Dafür arbeitet seine Lenkung zu weich und träge. Der Peugeot unterstützt die entspannte Fahrweise, verwöhnt mit bequemen Sitzen und luxuriösem Ambiente. Wer ein Genießer-Cabrio sucht, der ist hier richtig. So viel Gelassenheit würde auch dem Mégane gut stehen. Stattdessen federt er ruppig, ohne auf glatten Straßen mit besonderer Vitalität zu entschädigen – ein mäßiger Kompromiss für das neueste Cabrio dieses Vergleichs. Schnelle Kurven gehören ebenfalls nicht zu den Stärken des Renault. Dafür arbeitet seine Lenkung zu teigig.
Der Dieselmotor macht die drei Klappdachtypen zu Vernunftcabrios für Vielfahrer. In der getesteten Luxe-Ausstattung trumpft der Mégane mit üppiger Ausstattung auf, zu der die Einparksensoren rundum, Tempomat, Sitzheizung und natürlich ein Radio gehören. Nachteil: Der Renault hat zehn PS weniger, kostet aber fast so viel wie der Eos. Leider verlangt VW selbst fürs Radio Aufpreis (ab 645 Euro!). Auch Tempomat (205 Euro) und Parkpieper (430 Euro) müssen extra bezahlt werden und treiben seinen Neupreis nach oben. Immerhin ist für 32 580 Euro das ausgezeichnete DCC-Fahrwerk mit an Bord. Die 30 000-Euro-Schwelle unterbietet auch der 308 CC nicht. Dafür gibt es reichlich Komfort, eine komplette Sicherheitsausstattung sowie die geringsten Wartungskosten. Das wenigstens sind Werte, die uns auch im nächsten Sommer noch erwärmen.

Fazit

Morgens kühl, abends früh dunkel – ich spüre den Herbst. Macht nichts, diese Cabrios fahren immer auf der Sonnenseite des Lebens. Keines von ihnen ist ein schlechtes Auto. Selbst dem Verlierer Mégane können wir keine groben Mängel nachweisen. Doch mehr Hubraum, mehr Komfort, mehr Qualität bieten Peugeot und Volkswagen. Den Eos hat VW zwar schon in die Frührente geschickt, technisch bleibt er weiterhin aktuell. Wer ein günstiges Angebot findet, sollte zugreifen.