Meinungsstreit Hot Hatches: warum GTIs so stark polarisieren
Diskussion um Krawallbüchsen: Sind GTI-Modelle das Größte?
Drei Buchstaben, die das Herz zum Rasen bringen: GTI, die Abkürzung für Gran Turismo Injection, verbindet man vor allem mit dem Golf GTI, dem Inbegriff der Hot Hatches. Zu viel der Ehre? Zwei Experten streiten!
Klassische Fahrkultur in Reinform oder Gernegroß im Spießer-Format? Der GTI hat schon bei seiner ersten Erscheinungsform, 1975 im ersten VW Golf, die Meinungen geteilt wie eine Superyacht die Wellen: Die einen fanden ihn "einfach nur endgeil", die anderen reizte der um wenige PS aufgebrezelte Vierzylinder in der kompakten Kleinbürger-Karre allenfalls zum Seufzen. Heute können alle frühen GTIs das H-Kennzeichen tragen, doch sie polarisieren immer noch.
Auch unsere beiden Experten mobilisieren starke Gefühle: Der eine ist noch heute verliebt wie am ersten Tag, der andere versteht das ganze Aufhebens um ein bisschen mehr Leistung und das Karo-Muster nicht. Hier die beiden Meinungen – im Pro & Kontra zum Thema GTI!
"GTI sorgte immer für Schweiß auf meiner Stirn, ich wusste nie, was kam"
Hier sind wir ja unter uns, hier kann ich die Wahrheit sagen. Manchmal träume ich vom GTI. Es war 1989, ich war 18, er Baujahr 1980. Mama und Papa fuhren Kadett mit 60 PS, ich Scirocco GTI mit deren 110 und ohne Typenschild am Kofferraum, das sollte Mama nicht sehen, hätte sie beunruhigt.

Kann sich kaum was Schöneres vorstellen als den GTI: Andreas May.
Bild: Steven Haberland / AUTO BILD
Für mich war GTI das größte der Gefühle, ich kam vom Fahrschul-Golf 2 mit 54 PS und stieg in diesen Wüstenwind mit mehr als der doppelten Leistung. Ob GTI nun das Größte war und bis heute ist? Sagen wir so: Mein Einser-Rocco hatte die K-Jetronic von Bosch, wenn der Motor heiß war, sprang er nicht mehr an, dann musstest du Vollgas geben und orgeln, dann kam er langsam wieder, erst auf zwei Töpfen, auf drei, dann auf vier.
GTI sorgte immer für Schweiß auf meiner Stirn, ich wusste nie, was kam. Aber ich wusste: Wenn er kam, dieses 800-Kilo-Leichtgewicht, dann grummelte es im Magen wie beim ersten Kuss, dann marschierten wir in weniger als zehn Sekunden von 0 auf 100, dann röhrte es aus dem Gillet-Auspuff, und die Haare kämpften um einen Stehplatz. Wie gesagt: Ich war 18, und mein GTI wurde gerade zehn, ich hatte ihn für 4500 Mark gekauft und über die Zeit mehr als das Doppelte reingesteckt, so genau habe ich das nie ausgerechnet, ich war zu verliebt.
Aber mir war immer klar: Nie im Leben hätte das Geld, das ich in meinen Ferienjobs verdient habe, für einen BMW gereicht, höchstens für einen runtergerockten Dreier mit Reihensechser und Reparaturstau. Somit war GTI der maximale Fahrspaß, den ich mir leisten konnte, die Demokratisierung der Freude. Das ist bis heute mit dem Golf so geblieben: ein Sportler, den du dir leisten kannst. Letztens bin ich übrigens wieder mal GTI mit 110 PS gefahren. In meinen Träumen ist er schneller.
"Das langweiligste Auto Deutschlands, nur etwas schneller. Macht mich nicht an"
Ich freue mich ja über jeden, dessen Herz schon buppert, wenn er nur an ein bestimmtes Auto denkt. Auch euch GTI-Fans gönne ich eure Freude an durchdrehenden Vorder- und abhebenden Hinterrädern, eure Begeisterung für einzelne Nockenwellen, eure Lust an Armaturenträgern im Lego-Stil und überbreiten C-Säulen.

Frank B. Meyer kann das Thema GTI nicht hinter dem (heißen) Ofen hervorlocken.
Bild: Auto Bild
Nennt mich einen krankhaften Individualisten, aber ein Golf, so gut er im Konkurrenzvergleich meist ist, hat mich selten begeistert. Für mich ist er immer Deutschlands langweiligstes Auto – und als GTI das Gleiche in einer etwas schnelleren Version. Heinz Rudolf Kunze brachte es 1986 wunderbar auf den Punkt, als er den unauffälligen Klaus beschrieb: "Klaus fährt seit Kurzem Golf GTI. Das Lenkrad ist weiß. Im Winter fährt er Ski. Dies ist Klaus. Besondere Kennzeichen: keine."
Na gut, man kann sein Auto auch "individualisieren": Das Gleiche kaufen wie alle anderen und dann ungefähr das Gleiche daran umbauen wie alle anderen. So machen's viele in der Tuningszene. Anstatt gleich mit einem coolen Auto anzufangen und daran eigene Ideen zu verwirklichen.
Wenn schon GTI, dann möchte ich doch einen, der rockt: einen Citroën Visa GTI, dem keiner seine 188 km/h zutraut. Oder wenn VW, dann wenigstens der jeweils leichteste, ein Polo G40, Lupo oder Up GTI. Okay, der Einser-Golf war ja leicht, aber in dem sitzt man wie auf einem Kutschbock, und die Schaltung macht wirklich gar keinen Spaß.
Der Golf GTI ist immer so mittel: mittelgroß, mittelsportlich, seit dem VR6 als Topmodell auch mittelstark. Und mittelteuer – heute fährt jeder gebrauchte BMW fürs gleiche Geld schöner geradeaus, flitzt jeder Mazda MX-5 spaßiger um die Ecke. Aber ich finde auch den Golf GTI okay, wirklich. Doch, ganz nett.
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