Zwischen 1984 bis 1987 war der BMW 745i SA der schnellste Serien-7er der Welt und damit der heimliche König der Modellpalette der Bayern. Doch müssen sich BMW-Liebhaber und sonstige Autokenner, die die Bezeichnung 745i SA noch nicht gehört haben, nicht grämen: Der Super-Siebener ist selten und in Europa beinahe unbekannt.
Denn der 745i SA entstand bei BMW in Südafrika. 209 Exemplare wurden insgesamt gebaut. Und die verdanken ihre Existenz einer Notlage, in die die Ingenieure für Länder mit Linksverkehr gerieten.
Das kam so: Der 252 PS starke 3,3-Liter-Motor des in Europa bekannten 745i hatte an der rechten Seite des Motorblocks einen Turbolader sitzen. Damit eignete er sich nicht für Länder mit Linksverkehr, weil der Lader dort mit der rechts montierten Lenksäule kollidiert wäre.
BMW 745i
Das Geräusch des Hochdrehzahl-Aggregats M88 im E23 kann europäische BMW-Kenner irritieren.
Bild: Thomas Ruddies

BMW Südafrika: Flucht nach vorne statt Verzicht

Länder wie Großbritannien ließen das Topmodell daher einfach weg. Nicht so BMW South Africa. Die Verantwortlichen in Rosslyn (nördlich von Johannesburg) hievten stattdessen den ursprünglich für den Supersportler BMW M1 entwickelten, legendären Hochdrehzahlmotor M88 unter die Haube des Südafrika-Siebeners.

Dort leistet das 3453 Kubikzentimeter große Aggregat 290 PS und beschleunigt den E23 auf 236 km/h Spitze. Der 745i SA stürmt in sieben Sekunden auf hundert Sachen. Der Reihensechszylinder ist längs eingebaut und verfügt über vier Ventile pro Zylinder. Anstelle einer mechanischen Kugelfischer-Einspritzung lieferte Bosch für den 745i SA eine moderne Mototronic.
Das maximale Drehmoment von 340 Nm liegt bei 4500 Umdrehungen pro Minute an. Den Bedenken, dass der M88 für eine Luxuslimousine wie den großen BMW zu laut sein könnte, schenkten die Ingenieure vor Ort keine Beachtung.
BMW 745i
Bordcomputer und elektrische Sitze hatten auch hiesige 7er. Den Ascher hinterm Wählhebel nicht.
Bild: Thomas Ruddies

Herrlicher Sound trifft auf Vollausstattung

Gut so! Denn heute kann sich jeder darüber freuen, der einen der wenigen erhaltenen 745i SA live erleben darf. Der 24-Ventiler faucht herrlich drauflos, wenn er den Oberklassedampfer ins Gleiten bringt. AUTO BILD KLASSIK hatte vor einigen Jahren die Gelegenheit, in Südafrika einen 745i SA zu fahren und war schwer angetan.
Der zeitgenössische BMW M5 bzw. der M635 CSi spendeten dem Exoten ihre gemeinsame Bremsanlage. Dazu kommen feinstes Nappaleder und Vollausstattung ab Werk, die den Reisenden an Bord verwöhnen. Auch die Seitenverkleidungen und das Armaturenbrett hat BMW South Africa in teure Häute gekleidet.
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Wer genau hinsieht, dem fallen neben dem Lenkrad auf der rechten Fahrzeugseite die im Vergleich zum europäischen 7er etwas breiteren Räder auf. Dabei handelt es sich nicht um Tuningteile. Der Sonder-Siebener war ab Werk breiter aufgestellt als sein hiesiger Zwillingsbruder.
Ein weiterer Grund für den Sonderweg der Südafrikaner dürfte gewesen sein, dass BMW in der örtlichen Tourenwagen-Meisterschaft antreten wollte und eine Anzahl Straßenautos bauen musste, um die zwei bis heute erhaltenen Renn-Siebener homologiert zu bekommen.

Leider gibt es nicht mehr viele 745i SA

Die Internet-Börsen nach südafrikanischen Siebenern abzusuchen, wird nicht viel bringen. Von den 209 gebauten Autos sind kaum welche übrig geblieben. Erst recht nicht von den 17 Exemplaren mit manuellem Getrag-Fünfganggetriebe.