150 Jahre Opel

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150 Jahre Opel

— 23.08.2012

Die Opel-Story

Opel feiert sein 150-jähriges Firmenjubiläum. 1862 wurde Opel in Rüsselsheim gegründet, hat heute Werke in sechs Ländern und fast 40.000 Beschäftigte. Ein historischer Rückblick.

150 Jahre Opel – ein stolzes Jubiläum, das der Autohersteller im August und September 2012 vergleichsweise bescheiden feiern wird. Die Tochter des US-Konzerns General Motors (GM) richtet an den Standorten ihrer elf europäischen Werke und am Entwicklungszentrum Turin regionale Feste aus. Das Rüsselsheimer Stammwerk feiert erst am 22. September 2012. Weit pompöser waren die Festlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen im Jahr 1987: Festredner im Rüsselsheimer Theater war der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl. Der Schlosser Adam Opel hatte im August 1862 in seinem Heimatort Rüsselsheim mit dem Bau von Nähmaschinen begonnen. Mit großem Erfolg: 1868 zieht er um in eine neu errichtete Fabrik. Seine Söhne drängen ihn, in das aufkeimende Fahrrad-Geschäft einzusteigen. Als Adam Opel 1895 stirbt, gehört seine Fahrrad- und Nähmaschinenfabrik zu den erfolgreichsten in Europa. Seine Söhne führen die Geschäfte fort – und beweisen eine Spürnase für neue Entwicklungen. Die Idee, ein eigenes Automobil zu bauen, setzen die Opel-Brüder schnell um: 1899 beginnt in Rüsselsheim die Fertigung des "Patent-Motorwagens System Friedrich Lutzmann".

Opel führt die Fließband-Fertigung in Deutschland ein

Der erste "Volks-Wagen" in Deutschland: der einfache, robuste und zuverlässige Opel 4/8 PS, im Volksmund Doktorwagen genannt.

Nach einigen Jahren der Kooperation mit dem französischen Hersteller Darracq fällt bei Opel die Entscheidung, ein erschwingliches Auto für einen großen Käuferkreis anzubieten. Das Ergebnis ist der 1909 erschienene Opel 4/8 PS: kompakt, leicht, tauglich auch für schlechte Wegstrecken, dabei zuverlässig und einfach in der Bedienung. Er setzt sich vor allem bei Land- und Tierärzten durch und bekommt schnell den Spitznamen "Doktorwagen". Die Inflation zu Beginn der 1920er Jahre zwingt Opel im August 1923 zu einer Werksschließung. 1924 kommt es zu einem radikalen Neubeginn bei Opel: Das Werk wird umgebaut und alle bisherigen Modelle werden eingestellt. Der Opel 4/12 PS, im Volksmund "Laubfrosch" genannt, wird nach amerikanischem Vorbild am Fließband produziert. Der Erfolg ist überragend: Statt wie geplant 25 Wagen je Tag herzustellen, sind es 1927 bereits fünfmal so viele, der Kaufpreis fällt von anfangs 4500 Mark auf 1800 Mark im Jahr 1930. Im gleichen Zeitraum verdreifacht Opel die Mitarbeiterzahl von 2400 auf 7600 Menschen und führt einen flächendeckenden Kundendienst in Deutschland ein.

Die Rettung vor der Weltwirtschaftskrise 1929: Verkauf an GM

Der Opel 4/12 PS hatte wegen seiner grünen Lackierung den Spitznamen Laubfrosch. Es ist das erste Fließband-Auto aus Deutschland.

1928 ist Opel mit einem Marktanteil von 44 Prozent der größte deutsche Automobilproduzent. Die Weltwirtschaftskrise und die zunehmenden Importe von US-Fahrzeugen in Deutschland führt am Ende der 1920er Jahre zu einem Absatzrückgang bei allen Automobilherstellern. Opel reagiert mit einem Verkauf an den amerikanischen Konzern General Motors. Ein vorteilhaftes Geschäft für beide Seiten: Für Opel bringt der Verkauf finanzielle Sicherheit und bessere Möglichkeiten im Exportgeschäft, General Motors hat mit Opel eine starke Marke im Portfolio und Zugang zum europäischen Markt. Die erste Frucht der Fusion ist der 1931 erschienene Opel 1,8 Liter. In Amerika entwickelt, stellt er für Opel einen neuen Abschnitt dar, denn hinsichtlich Bedienbarkeit und Alltagstauglichkeit setzt er neue Maßstäbe. Auch im Motorsport ist Opel sehr erfolgreich: 1928 stellt Fritz von Opel mit dem Opel Raketenauto RAK 2 einen Geschwindigkeitsweltrekord von 228 km/h auf.

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Eine technische Revolution bringt das Jahr 1935: Opel führt mit dem Olympia die erste selbsttragende Ganzstahl-Karosserie in Deutschland ein. 1936 beginnt mit der Vorstellung des ersten Opel Kadett  eine weitere Erfolgsgeschichte, von 1937 bis zum kriegsbedingten Ende der Produktion 1940 werden 107.608 Kadett produziert. Opel gelingt es in den 1930er Jahren, sich als Anbieter von zuverlässigen und langlebigen Alltagsautos zu etablieren. 1939 sind fast 30.000 Mitarbeiter in den Opel-Werken Rüsselsheim und Brandenburg beschäftigt.

Opel motorisiert das Wirtschaftswunder

1948 nimmt Opel die Produktion des Kapitän wieder auf. Er verkauft sich besser als Mercedes 170 S und 220.

Kurz nach der Fertigstellung des einmillionsten Opels stehen stehen die Produktionsbänder für Autos still. Stattdessen fertigt Opel Rüstungs- und Flugzeugteile. Das Opel-Werk in Rüsselsheim ist im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert worden, das Brandenburger-Werk fiel in die Hand der Sowjets. Die Produktionsanlagen des Kadett werden demontiert und gehen als Reparationszahlung nach Russland, wo der der Opel Kadett als Moskwitsch 400 produziert wird. Im von der US-Militärregierung verwalteten Werk Rüsselsheim wird ab 1946 der Lkw Opel Blitz gefertigt. Als erster Pkw nach dem Zweiten Weltkrieg wird 1947 der leicht modellgepflegte Vorkriegs-Olympia aufgelegt, 1948 übernimmt GM wieder die Werksleitung bei Opel. Der große Aufschwung beginnt mit der Gründung der Bundesrepublik 1949: Die Produktionszahl verdoppelt sich, der Olympia verkauft sich blendend, der Opel Kapitän ist ein Statussymbol und verkauft sich besser als die Konkurrenz von Mercedes, der Klein-Lkw Opel-Blitz ist sehr begehrt auf den zahllosen Baustellen des Landes.

Amerikanisches Styling für die deutsche Mittelklasse

Der neue Kapitän von 1954 trifft mit seinem Haifischmaul und kleinen Heckflossen genau den Geschmack der Käufer.

1953 erscheinen der neue Opel Olympia Rekord und der neue Kapitän. Mit ihnen verabschiedet sich Opel vom Vorkriegs-Stil. Die neuen Modelle sind nach amerikanischem Vorbild gestaltet: ein moderne Pontonkarosserie und ein grimmiges Haifischmaul-Gesicht lassen die neuen Opel sehr imposant wirken. Der US-Einfluss ist unübersehbar: Chrom wohin das Auge blickt, Panorama-Windschutzscheiben und barocke Formen prägen das Design der Opel-Fahrzeuge in den 1950er Jahren. Bei der Kundschaft kommt das US-Design gut an: 1956 verlässt der zweimillionste Opel das Werk in Rüsselsheim. In den Sechzigern werden die Karosserieformen bei Opel wieder sachlicher und glattflächiger, der üppige Chromschmuck wird reduziert. Der Nachfolger des erfolgreichsten Opel Kapitän (Kapitän P-LV, 1959-1963) erscheint 1964 gleich in drei Ausführungen: Kapitän A, Admiral A und Diplomat A (KAD-Serie) versuchen mit amerikanischen Abmessungen, sachlich-kantigem Design und üppiger Ausstattung gegen die etablierte Konkurrenz aus Stuttgart zu punkten. Bis 1968 stellt Opel 89.277 Fahrzeuge der ersten KAD-Serie her. Damit ist es Opel weder gelungen, an den Erfolg des Kapitän P-LV anzuknüpfen, noch Mercedes in der Oberklasse zu schlagen. Auch die zweite KAD-Bauserie (1969-1977) kann trotz euopäisch geprägtem Design und mustergültigen Fahreigenschaften nicht mehr an den Erfolg früherer Tage anschließen.

Opel-Blütezeit: die 60er und 70er Jahre

Die Produktionskapazitäten in Rüsselsheim reichen in den Wirtschaftswunderjahren nicht mehr aus. Im neu errichteten Werk in Bochum beginnt Opel 1962 mit der Produktion des Kadett A, bereits 1967 verlässt der einmillionste Kadett das Band. 1966 wird das Zweigwerk Kaiserslautern eröffnet, das Gelenkwellen, Stoßdämpfer und Fahrwerkteile herstellt. 1970 erscheinen die erfolgreichen Mittelklasse-Modelle Ascona und Manta, ein Jahr später fertigt Opel das zehnmillionste Fahrzeug, einen Rekord C. 1972 schlägt Opel mit einem Marktanteil von über 20 Prozent sogar Volkswagen, fast 60.000 Menschen sind bei Opel beschäftigt.

Aerodynamisch geglättet in den Achtzigern

Der Opel Omega überzeugte 1986 mit einem herausragenden Fahrwerk und bester Aerodynamik. Leider hatte der Omega A einige Kinderkrankheiten.

1986 überrascht ein neuer Opel die konservative Kundschaft. Der Nachfolger des Rekord hat ein hervorragendes Fahrwerk mit hinterer Einzelradaufhängung und eine aerodynamische Karosserie. Die Abkehr von Starrachse und hausbackenem Design dokumentiert Opel auch im Namenswechsel: der Neue hört auf den Namen Omega. Aus Ascona wird 1988 Vectra, aus Manta ein Jahr später das Windkanal-Wunder Calibra. 1982 weiht Opel ein neues Produktionswerk im spanischen Saragossa ein, in dem seitdem der Corsa gefertigt wird.

Fehlentscheidungen des Managements prägen die 90er Jahre

Der 1991 gestartete Astra litt unter den Sparmaßnahmen des Opel-Managers Lopez. Die Folge: erhebliche Rostprobleme

Opel profitiert zunächst stark von der Deutschen Einheit und kann seinen Marktanteil in Deutschland ausbauen. Mit dem verstärkten Eingreifen der US-Kozernzentrale ab 1990 beginnt der Niedergang der Marke. General Motrors zieht Gewinne ab nach Detroit, um die eigenen Milliardenverluste auszugleichen. In den 1990er Jahren fließen insgesamt fast 4,5 Milliarden D-Mark von Rüsselsheim nach Detroit. Dazu kommen rigorose Sparmaßnahmen durch den damaligen Einkaufs-Chef Ignazio López. In der Folge offenbaren sich erhebliche Qualitätsprobleme: es kommt zu spektakulären Rückrufaktionen. Der 1991 vorgestellte Astra leidet unter erheblichen Rostproblemen, weil an Hohlraumschutz gespart wurde. Die ständig wechselnden Opel-Vorstände kommen meist aus den USA und schätzen den europäischen Markt falsch ein. So versäumt Opel den Diesel-Boom in den Neunzigern: Während VW mit dem TDI vorprescht, bietet Opel veraltete Diesel-Aggregate von Isuzu an. Erst 1996 kann Opel mit vergleichbaren Vierventil-Direkteinspritzern kontern.

Attraktive Modelle für das neue Jahrtausend

50 Millionen Opel entstehen bis zum Jahr 2000 – und Opel krempelt das Modellprogramm um. Schwer verkäufliche Modelle wie der Geländewagen Monterey oder Sintra verschwinden, attraktive fahrzeuge sorgen für Aufschwung. Der 1999 präsentierte Kompaktvan Zafira wird zum Marktführer in seinem Segment, er bietet mit seinen versenkbaren Sitzen das innovativste Raumkonzept seiner Klasse. Die Qualität der Volumenmodelle ist tadellos, Rostprobleme sind passé. Der 2000 vorgestellte Speedster sorgt für Begeisterung bei Sportwagen-Fans, der Opel Meriva hat sich nicht nur weit vorn in der deutschen Zulassungsstatistik etabliert, sondern liegt auch in der TÜV-Statistik ganz vorn bei den Mängelzwergen. Das Kleinwagensegment wird vom Opel Corsa angeführt: Ab 2008 formierte sich mit Insignia, Zafira Tourer und Astra GTC ein ganz neues Modellprogramm. 2011 folgte der Elektro-Hybrid mit dem sinnigen Namen Ampera. Im selben Jahr verkauften Opel und die britische Schwester Vauxhall mehr als 1,2 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Im Oktober 2012 rollt der Mini-SUV Mokka zum Händler, Anfang 2013 folgt der jugendliche Lifestyle-Kleinwagen Adam.

150. Firmenjubiläum 2012: Opel vor ungewisser Zukunft

Hoffnungsträger Opel Adam: Opel bringt den Lifestyle-Kleinwagen Anfang 2013 auf den Markt. Ohne Retro-Design bläst er zum Angriff auf Fiat 500, Mini und Co.

Opels Marktanteil in Deutschland ist nach dem noch pompös begangenen 125. Firmenjubiläum im Jahr 1987 um mehr als die Hälfte geschmolzen. Dass trotz der jüngsten Innovationen gerade im August 2012 zum 150. Geburtstag die Zukunft des Unternehmens nicht gesichert erscheint, besorgt nicht nur die Mitarbeiter und Fans der Marke mit dem Blitz. Opel steckt tief in der Krise. Kurz vor der eigenen Pleite hätte sich General Motors 2009 schon einmal fast von der europäischen Sorgentochter getrennt und spart seitdem wieder dem schrumpfenden Markt hinterher. Um die Sanierung wird hart gerungen. Auf jeden Fall stehen weitere der noch rund 40.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, vielleicht aber auch die gesamte Marke. Während die Gewerkschaft Opel zum globalen Hi-Tech-Anbieter ausbauen will, könnte aus Detroit ein ganz anderer Wind wehen. Machen Sie mit uns einen spannenden Streifzug durch die Opel-Geschichte – oben in der Bildergalerie!

Sonderheft: AUTO BILD EDITION "150 Jahre OPEL"

Autoren: Lars Busemann, Stefan Roßbach,

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