1993 gewann Alain Prost im Williams den Großen Preis von Südafrika. Michael Schumacher fuhr damals noch für Benetton, Lewis Hamilton war gerade acht Jahre alt. Seitdem hat die Formel 1 einen ganzen Kontinent links liegen lassen. Doch damit soll bald Schluss sein.
Die Formel 1 hat am Dienstag (13. Oktober) einen Zehnjahresvertrag mit Ruanda bekannt gegeben. Ab den frühen 2030er-Jahren sollen die Rennwagen im ostafrikanischen Land starten. Ein konkretes Datum für die Premiere gibt es noch nicht.

Formel 1: Neue Rennstrecke von Wurz und Tilke

Für den Afrika-GP entsteht eine komplett neue Rennstrecke in Bugesera, etwa 40 Kilometer südlich von Ruandas Hauptstadt Kigali. Mit der Planung ist das Unternehmen des ehemaligen Formel-1-Fahrers Alexander Wurz beauftragt. Auch das deutsche Streckenplanungsbüro Tilke arbeitet an dem Projekt mit.
Die Vorbereitungen laufen bereits seit 2025. Passend dazu entsteht in der Region ein neuer internationaler Flughafen.
Für Formel-1-Boss Stefano Domenicali ist der Afrika-GP ein wichtiger Schritt bei der weltweiten Expansion der Rennserie. Mit Ruanda wäre die Königsklasse künftig auf allen bewohnten Kontinenten vertreten.

Lewis Hamilton träumt seit Jahren vom Afrika-GP

Besonders spannend ist die Entscheidung für Lewis Hamilton. Der siebenmalige Weltmeister macht sich schon lange für ein Rennen in Afrika stark.
Noch im März hatte der Ferrari-Pilot erklärt, seine Formel-1-Karriere möglichst nicht beenden zu wollen, bevor er auf dem Kontinent ein Rennen gefahren sei.
Allerdings läuft dem inzwischen 41-Jährigen die Zeit davon. Selbst bei einem Start Anfang der 2030er-Jahre müsste Hamilton seine Karriere noch mehrere Jahre fortsetzen, um seinen Wunsch als aktiver Fahrer zu verwirklichen.

Afrika-GP: Ruanda politisch umstritten

Die Entscheidung für Ruanda dürfte allerdings auch Diskussionen auslösen. Das Land wird von Präsident Paul Kagame regiert und steht wegen seiner Rolle im Konflikt im Osten der Demokratischen Republik Kongo international in der Kritik.
Ruanda wird vorgeworfen, die bewaffnete M23-Miliz zu unterstützen. Auch der Umgang mit Bodenschätzen aus der Konfliktregion ist umstritten.
Die Regierung will den Grand Prix dagegen nutzen, um Ruanda international als Wirtschafts- und Tourismusstandort zu präsentieren. Mit der Kampagne „Visit Rwanda“ wirbt das Land bereits im europäischen Spitzenfußball, unter anderem beim FC Bayern München.
Für die Formel 1 ist die Rückkehr nach Afrika jedenfalls ein historischer Schritt.

Kommentar: Afrika ja – aber ausgerechnet Ruanda?

Saudi-Arabien, Katar und jetzt Ruanda: Die Formel 1 erschließt immer neue Märkte. Doch nicht überall, wo Geld für einen Grand Prix vorhanden ist, steht es auch gut um die Menschenrechte.
Human Rights Watch kritisiert seit Jahren die Unterdrückung von Oppositionellen und Journalisten in Ruanda. Hinzu kommen schwere Vorwürfe wegen der Unterstützung der M23-Miliz im benachbarten Kongo.
Natürlich gehört ein Rennen in Afrika in den Formel-1-Kalender. Aber Afrika ist groß. Und die Frage muss erlaubt sein, ob ausgerechnet Ruanda der richtige Gastgeber ist.
Denn die Formel 1 verkauft längst mehr als Motorsport. Sie verkauft Aufmerksamkeit, Prestige und ein positives Image. Genau das macht sie für Regierungen interessant, die lieber über schnelle Rennwagen sprechen lassen als über unbequeme politische Fragen.