Viele Nachwuchscamper und stylishe Vanlifer wollen einen VW T3. Kein Wunder, gilt der kultige VW doch als mega-cool und trendy. Ganz nebenbei transportiert der Kanten-Bulli so viel Sehnsucht nach der guten alten Zeit wie vermutlich kaum ein anderes Wohnmobil. Praktisch ist der VW obendrein. Und er kann sich - wenn die Pflege stimmt - als richtig solider Kumpel zeigen, dank 80er-Jahre-Technik. Doch durch den Run auf das Kultobjekt kommen auch Autos auf den Markt, bei denen Preis und Gegenwert nicht unbedingt zueinander passen: darunter auch Rost-Ruinen, für die Mondpreise verlangt werden. Wie ist das beim folgenden eBay-Angebot einzuschätzen? AUTO BILD KLASSIK hat sich die Anzeige eines inserierten VW T3 Campers genau angeschaut.
Hinweis
VW T3 Wohnmobil bei eBay
VW Bus T3 Turbodiesel
Der inserierte T3 macht auf den Fotos einen sehr schönen Eindruck. Doch die Blech-Substanz zählt.

Der erste Eindruck ist gut, sagt aber wenig über den Gesamtzustand aus

Der Verkäufer beschreibt den T3 (Bj. 1988) als restauriert und frisch lackiert. Die Frontscheibe ist laut Anzeige neu, dazu kommen neue Scheinwerfer, neue Bremsen, neuer Zahnriemen und neuer Turbolader, sowie ein frischer Ölwechsel mit neuem Filter. Der Vorbesitzer hat den Bus der Anzeige zufolge unter einem Carport geparkt. An Bord sind zusätzlich zum Aufstelldach und einer Camping-tauglichen Einrichtung eine Anhängerkupplung und ein Radio mit CD-Spieler. Das liest sich alles sehr gut und wirkt auf den ersten Blick schlüssig. Schließlich stützen die Bilder den Eindruck von einem blitzblanken, top gepflegten T3. Doch weder aus Anzeigentext noch aus den Bildern gehen Infos zur Blechsubstanz des Bulli hervor. Auf die kommt es aber an. Denn wenn ein VW Bus dieser Generation rostet, kann es unkalkulierbar teuer werden, oder sich überhaupt nicht lohnen. Dazu kommt, dass die Zweifarbenlackierung sehr hübsch anzusehen, aber nicht original ist. Damit könnte dieser umgebaute T3-Kastenwagen ein ehemaliges Behördenfahrzeug oder auch Handwerkerfahrzeug sein. Wer sich dafür interessiert, muss wissen: Dies ist kein original erhaltener Camper mit Seltenheitswert.
VW Bus T3 Turbodiesel
Die Inneneinrichtung wurde nachträglich eingebaut. Wie gut sie ist, muss die Besichtigung zeigen.


Nachträglich eingebaute Wohnmobil-Einrichtung

Der angebotene Bulli wird von einem 70 PS starken 1,6-Liter-Turbodiesel angetrieben. Auch das ist erfreulich, denn der Selbstzünder verleiht dem T3 ausreichend Kraft. Doch das Aggregat gilt allgemein als hitzeempfindlich. Bei diesem Exemplar wurde der Turbolader getauscht. Nach dem Hintergrund sollte man den Verkäufer befragen und nach der Güte der Reparatur. Wer sich ein 33 Jahre altes Fahrzeug zulegen möchte, weiß das am besten genauer. Den Kilometerstand gibt der Verkäufer mit 100.000 an. Ebenfalls sollten die Inneneinrichtung und ihr Zustand bei einem Vor-Ort-Termin begutachtet werden. Original im Fahrzeug verbaut war sie wahrscheinlich nicht. Da ist nicht nur der Zustand ausschlaggebend, sondern auch die Umsetzung des Einbaus.
Hinweis
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Wäre die Zweifarb-Lackierung original, würde sie die obere Hälfte der Heckklappe einschließen.

Der Preis fürs angebotene Auto erscheint hoch

Bleibt der Preis. Die Löcher im Armaturenbrett sowie der auf der Beifahrerseite montierte Plastikasten deuten auf die Herkunft des T3 Campers hin: Er war im früheren Leben ein einfacher Kastenwagen, der vielleicht als Behördenfahrzeug unterwegs war? Lackierung und Inneneinrichtung sind nicht original, das Gleiche gilt für die hinteren Seitenfenster, wie auch fürs Aufstelldach. Auch hier gilt es zu prüfen ob alles dicht ist. Ein Camper mit Wertsteigerungspotenzial wie ein originaler Westfalia ist der rotweiße Bulli jedenfalls nicht. Ob ein namhafter Umrüster wie Reimo Hand angelegt hat, geht zumindest aus der Anzeige nicht hervor. Das alles deutet darauf hin, dass der T3 mutig eingepreist wurde. Immerhin verlangt der Verkäufer als 20.000 Euro. Das ist selbst unter der Voraussetzung, dass der Bus technisch und vom Blech her erstklassig dasteht, viel Geld.