Auto lackieren: Kosten, Anleitung

Auto lackieren: Kosten, Anleitung

Profi-Lackierung zu teuer? So lackieren Sie selbst!

Bei tiefen Kratzern im Lack hilft nur eins: Das Bauteil neu lackieren. Dabei ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Wer kein Profi-Ergebnis erwartet, kann den Lack auch selbst aufbereiten.
Gründe, sein Auto oder bestimmte Bauteile zu lackieren, gibt es viele: Verwitterung, Ersatzteile in der falschen Farbe, Lack-Abplatzer oder Kratzer. In jedem Fall stellt sich die Frage: zum Profi oder selbst machen? Das Auto beim Profi lackieren zu lassen, geht meist ganz schön ins Geld. Doch nur der professionelle Lackierer schafft ein makelloses Ergebnis. Selbst wenn für einen Autolack der genaue Farbcode bekannt ist, gibt es noch ungefähr 15 bis 20 mögliche Abweichungen vom tatsächlichen Farbton. Auch für gelernte Lackierer ist es eine Herausforderung, die richtige Nuance zu treffen. Wer aber mit Übergängen und leichten Farbunterschieden leben kann und dazu handwerklich etwas geschickt ist, kann sein Auto selbst lackieren. AUTO BILD erklärt, worauf dabei zu achten ist.
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Bei Schäden: Wann ist es Zeit für eine Lackierung?

Der Autolack besteht aus verschiedenen Schichten

Der Autolack erfüllt nicht nur optische Zwecke, er schützt das Blech auch vor Korrosion. Schon bei kleinen Schäden in der Lackschicht kann sich Rost festsetzen und das Bauteil mit der Zeit zerfressen (Alle Infos zum Rostschutz). Daher ist es wichtig, auch kleinere Lackschäden möglichst schnell auszubessern. Kleinere Kratzer, die lediglich die oberste Lackschicht, den Klarlack, betreffen, können in der Regel einfach wegpoliert werden. Sobald es aber an die tieferen Lackschichten geht, muss der Lack repariert werden. Je nach Größe des Lackschadens reicht es aus, nur den Schaden auszubessern. Wie Sie den Lack an betroffenen Stellen reparieren, lesen Sie hier. In der Regel ist es aber empfehlenswert, das Autoteil komplett zu lackieren. Dann wird die neue Farbe gleichmäßig aufgetragen und Farbunterschiede fallen weniger auf.

Die Kosten für die Profi-Lackierung

Ein guter Grund, das Auto selbst zu lackieren, sind die Kosten. Da mit der Erneuerung des Lacks bzw. dem Ausbessern von Kratzern und Steinschlägen ein hoher Aufwand verbunden ist (Montage, Spachteln, Reinigen, Auftragen mehrerer Lackschichten), sind die Preise beim Profi hoch. So kostet das Lackieren der Motorhaube ca. 400 bis 500 Euro, ein Kotflügel 500 bis 600 Euro und ein ganzer Kleinwagen mindestens 3000 Euro. Dabei sind nach oben keine Grenzen gesetzt – auch 10.000 Euro sind ein realistischer Preis für eine Komplett-Lackierung. Die Preise variieren stark und sind von vielen Faktoren abhängig, darunter Größe des Autos, Art des Bauteils, Aufwand der Lackierung (Ausbesserung von Schäden oder einfache Neulackierung) und nicht zuletzt auch die Farbe. So gelten Silbertöne und Metallic-Lacke zum Beispiel als schwierig. Um die Kosten für die Lackierung zu senken, gibt es die Möglichkeit, den Arbeitsaufwand zu verringern, indem die betroffenen Teile vorab selbst abmontiert werden. Dazu sollte man aber zuvor unbedingt Rücksprache mit der Werkstatt halten. Außerdem ist vorher abzuklären, wie mit unangenehmen Spätfolgen umgegangen wird (Lack verändert sich nachträglich, Rost kommt wieder durch etc.). Gerade wenn der Lack schon verwittert und von der Sonne ausgeblichen ist, schaffen es auch die Profis nicht immer, ein perfektes Ergebnis zu erzielen. Damit es im Anschluss nicht zu einem bösen Erwachen kommt, besser vorher absichern.

Autoteile selbst lackieren: Schritt für Schritt

Beim Lackieren in Eigenregie lassen sich die besten Ergebnisse mit einer Lackierpistole oder alternativ Lack aus der Sprühdose erzielen. (Tipp: Für die Sprühdose sind verschiedene Sprühköpfe erhältlich, um den Sprühstrahl zu variieren). Dabei ist es wichtig, auf ausreichend Licht, Sauberkeit und am besten auch gute Belüftung der Räumlichkeiten zu achten sowie sich selbst mit Atemschutz und entsprechender Bekleidung zu schützen. Das zu lackierende Bauteil (z.B. Kofferraumklappe, Kotflügel) sollte für bestmögliche Ergebnisse zuerst abmontiert werden. Auch Komponenten, die nicht mitlackiert werden (z.B. Leuchten, Kennzeichenhalter, Plaketten, Gummidichtungen), müssen entfernt oder sorgfältig abgeklebt werden. Rostige Stellen oder tiefe Kratzer sollten zuvor entsprechend ausgebessert werden (Rost entfernen, Rostumwandler, Schleifen, Spachteln – siehe auch "Smart Repair"). Der Großteil der Arbeit beim Lackieren, entsteht durch die Vorbereitung: Die Bauteile werden mehrere Male abgeschliffen und noch öfter gesäubert, bevor die Lackpistole überhaupt in die Nähe des Blechs kommt. Doch gerade diese Vorarbeit ist ein entscheidender Faktor für das Endergebnis, deswegen ist dabei große Sorgfalt geboten.
Schritt 1: Zuerst muss die Oberfläche des Bauteils aufgeraut werden, damit der neue Lack besser hält. Dafür wird das Bauteil am besten mit einem Schleifer abgeschliffen und mit Schleifpapier oder -vlies nachbearbeitet.
Schritt 2: Schleifrückstände gründlich entfernen. Dafür das Bauteil abwaschen, mit Silikonentferner behandeln und anschließend mit einem Staubbindetuch abwischen.
Schritt 3: Das Bauteil in zwei bis drei Durchgängen mit Füller besprühen. Das glättet die Oberfläche und entfernt feine Riefen vom Schleifen. Wichtig: Dazwischen immer ausreichend trocknen lassen, ein Infrarot-Trockner beschleunigt den Vorgang. Anwendungshinweise beachten. Zwischendurch immer wieder säubern, damit sich kein Staub absetzt.
Schritt 4: Den Sprühfüller nochmal mit Wasserschleifpapier oder Schleifvlies abschleifen. Anschließend alle Rückstände gründlich mit Wasser abwaschen.
Schritt 5: Damit der Lack schneller trocknet, ist Wärme nötig. Dafür kann das Bauteil entweder mit einem Heißluftföhn erwärmt, oder – etwas bequemer – einfach mit einem Baustrahler angestrahlt werden. Vorsicht: Falls umliegende Bereiche mit Papier abgeklebt wurden, unbedingt auf ausreichend Abstand achten, da es sonst Feuer fangen kann.
Schritt 6: Auftragen des Basislacks in drei bis vier dünnen Schichten. Auf den richtigen Luftdruck der Sprühpistole achten, bevor der Farbbehälter aufgesetzt wird. Der Druck ist abhängig von der Pistole, liegt aber in der Regel zwischen 2,5 und vier bar. Die Sprühpistole wird mit etwa 20 Zentimetern Abstand zum Blech im 90-Grad-Winkel gehalten. Beim Sprühen große, horizontale Bahnen ziehen und den Lack mit ausladenden Bewegungen auftragen. Mit jeder neuen Bahn den Sprühstrahl etwa um ein Viertel versetzen, sodass ca. drei Viertel überlappen. Wichtig: Auf gleichbleibenden Abstand achten.
Schritt 7: Nach ausreichend Trocknungszeit den Basislack vorsichtig abschleifen und mit Wasser von Rückständen reinigen.
Schritt 8: Den Klarlack anmischen und in vier bis fünf Schichten in der gleichen Weise auftragen, wie den Basislack.
Schritt 9: Um den Lack das perfekte Finish zu verpassen, kann er im Anschluss poliert werden. So können kleine Ungenauigkeiten noch ausgebessert werden.

Kleine Schleifkunde

Allgemein kann auf zwei Arten geschliffen werden: Trocken oder Nass. Beim Nassschliff wird die Oberfläche durch das Wasser während des Schleifens gekühlt, gleichzeitig wird der Staub weggespült. Deswegen ist das Nassschleifen vor allem für Feinarbeiten geeignet. Achtung: Darauf achten, dass wasserfestes Schleifpapier verwendet wird. Trockenschleifen geht wesentlich schneller, da der direkte Kontakt zum Lack gegeben ist. Deswegen werden gröbere Vorschliffarbeiten immer trocken erledigt. Dafür besteht die Gefahr der Hitzeentwicklung, die unter Umständen den Lack schädigen kann. Außerdem kann der Staub Brösel ("Schleifläuse") bilden, die Rillen hinterlassen. Deswegen gilt hier: Schleifpapier immer wieder gut ausklopfen. Wird der Trockenschliff mit Maschine durchgeführt, auf eine gute Absaugung achten. Beim Schleifpapier gibt es verschiedene Körnungen von besonders groben Papieren (unter 40) bis zu sehr feinem Schleifpapier (über 7000). Beim Polieren eines Autos werden meist 1000er-3000er Körnungen verwendet. Für das Vorbereiten der Lackierung von Autos kommen folgende Körnungen zum Einsatz:
• Schäden/Rost abschleifen: 80er-120er Körnung
• Vorschliff zum Spachteln: 120er-180er Körnung
• Anschleifen des Spachtels: 80er-120er Körnung
• Nachschleifen: 180er-240er Körnung
• Feinschliff: Ab 320er Körnung

Weitere Tipps zum Lackieren

• Tiefe Temperaturen verhindern eine gute Lackierung, daher den Wagen warm unterstellen. Ein Heizstrahler schafft ebenfalls Abhilfe.
• Wenn möglich, sollten sich Hobbylackierer vor dem Auto ein anderes Objekt zum Üben suchen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem alten Gartengerät?
• Bei der Arbeit mit Kompressor: Am besten nur mit Öl- und Wasserabschneider verwenden, ansonsten können Öl- und Wassertropfen das Ergebnis verschlechtern.
• Wer komplett lackieren will, sollte sich zu Beginn die ausreichende Lackmenge anmischen, damit es nicht zu Farbunterschieden kommt.
• Die meiste Arbeit fließt in das Schleifen und Vorbereiten der Fläche. Hier sollte mit viel Geduld und Sorgfalt gearbeitet werden, denn Fehler erkennt man häufig erst, wenn die Lackierung fertig ist.
• Sauberkeit ist das A und O, deswegen die zu lackierende Fläche immer wieder säubern und mit dem Staubbindetuch abwischen.

Stichworte:

Autolack Lackschaden

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