Die glorreiche Vergangenheit als ultimative Daseinsberechtigung für die Gegenwart – kaum eine Marke zelebriert ihr Vermächtnis so wie Alfa Romeo – eine Zeitreise.
Wir wollen den jüngsten QV – Alfas Kompaktsportler Giulietta – mit zwei seiner faszinierendsten Ahnen auf einer Rennstrecke zusammenzubringen. Die Rede ist von der Tourenwagenikone der frühen 70er, der Giulia Sprint in der GTAm-Version, sowie der fast schon aberwitzig anmutenden Kombination aus einem Alfa 147 und den 250 PS des 3,2-Liter-V6 aus dem 156 GTA. Als Kulisse dient Alfas hochheilige Hausstrecke in Balocco, einem verschlafenen Nest zwischen Mailand und Turin, in das sich ohne das Testcenter außer ein paar Bauern und dem Dorfgeistlichen wohl kaum eine Menschenseele verirren würde.
GTAm: Aufgenietete Kotflügel-Verbreiterungen schaffen Platz für 225er-Rennslicks.
Bild: Ronald Sassen
GTAm Knorrig und auf langen Wegen geht es durch die Gänge: zweiter, dritter, vierter, dann anbremsen in der ersten Linkskurve. Unerwartet rabiat packen die Scheibenbremsen des GTAm zu, sofern man wirklich nur das Bremspedal getroffen hat. Schnell die Giulia mit Hilfe des servolosen Momo-Lenkrads in der Manier eines Steuermanns auf Kurs der kommenden Geraden bringen, wo das ungefilterte Kreischen des Rennmotors wieder die Sinne benebelt. Viel zu schnell vergehen die paar Runden, die mir vergönnt sind, und als ich mich denkbar unelegant aus dem GTAm schäle, ist der einzige Trost der, dass mich nun ein weiterer Superlativ erwartet.147 GTA Dieser hört ebenfalls auf den Namen GTA, erblickte jedoch rund 30 Jahre später die italienische Sonne. Am bildschönen 147 betont das Bodykit die sportliche Eleganz der Kompaktrakete zusätzlich. Innen gibt sich der GTA dagegen unaufgeregt: Das Cockpit ist für ein Auto dieses Kalibers fast schon zu brav, die Sitze zu weich und die Lenkung zwar direkt, aber nicht gerade mitteilsam. Macht aber nichts, denn das Highlight sitzt unter der Haube und ist mit seinen 3179 Kubikzentimetern in der heutigen Downsizing-Zeit schon ein Relikt. Von sonorem Grollen im Leerlauf über ein böses Fauchen ab rund 3000 Touren bis hin zu diesem herrlich heiseren Gebrüll, je näher die Nadel dem Ende der Drehzahlskala kommt.
Giulietta: Wenn die Außenhaut schon nicht das charakteristische Rot trägt, müssen eben die Ledersitze ran.
Bild: Ronald Sassen
Giulietta QV Deutlich kultivierter gibt sich die Giulietta QV, obwohl auch unter ihrer hinreißenden Hülle Sportsgeist schlummert: 235 PS und Turbo resultieren in eindrucksvollen 135 PS pro Liter Hubraum, während 300 Newtonmeter über die Vorderachse herfallen – im Dynamikmodus des serienmäßigen D.N.A.-Systems sogar deren 340. Dies System schärft das Ansprechverhalten des 1,8-Liter-Motors merklich nach und passt das ESP an die jeweilige Fahrsituation an. Auf der schnellen Runde gibt sich die Giulietta größtenteils handzahm, schiebt nur dezent über die Vorderräder, die beim Herausbeschleunigen gern vor der Turbowucht kapitulieren. Den Original-Artikel mit allen Daten und Informationen erhalten Sie im Heftarchiv als pdf-Download.
Nach den Daten spielen alle drei in einer Liga, emotional sind die beiden GTA kaum zu toppen: der 147 mit seinem herrlichen Sechszylinder, der 1750 mit seiner ganzheitlichen Unvernunft. Doch auch moderne Alfa haben noch den Schalk des grünen Kleeblatts im Nacken.