Alternative Kraftstoffe

Diesel aus Müll Diesel aus Müll

Alternative Kraftstoffe

— 04.10.2005

"Ich mache Diesel aus Müll"

Dr. Christian Koch will gleichzeitig unsere Rohöl- und Entsorgungsprobleme lösen. AUTO BILD hat sich das mal genauer angeguckt.

Druck, Hitze und ein weißes Pulver

Das Zeug fühlt sich an wie Puderzucker. Einerseits ist es leicht und luftig, andererseits aber auch ein bißchen klebrig und pappig. Keine Ahnung, wie das zusammenpaßt, aber auf jeden Fall ist es ein feines, weißes Pulver, das man gefahrlos anfassen und befühlen kann. Und wenn Dr. Christian Koch (65) recht hat, dann ist das Zeug Gold wert. Der Chemieanlagenbauer nutzt das weiße Pulver bei der "katalytischen, drucklosen Verölung von Roh- und Reststoffen". Das klingt kompliziert, läßt sich aber auch einfacher ausdrücken. Dr. Koch sagt: "Ich mache Diesel aus Müll."

Was wie Hexerei klingt und sowohl unsere Rohöl- als auch Entsorgungsprobleme lösen soll, das kann man sich im sächsischen Eppendorf anschauen, in der Versuchsanlage von Kochs Firma Alphakat. Im Keller eines versteckt gelegenen Pavillons steht ein etwa vier mal zwei Meter großes und sechs Meter hohes Gewirr aus Rohren, Leitungen und Kesseln. Das Grundprinzip ist einfach: Oben kommen kleingehäckselte Reststoffe rein – und unten kommt Diesel raus.

Im Grunde macht Koch da nichts anderes, als es die Natur auch gemacht hat, als sie aus dem Kohlewasserstoffgehalt abgestorbener Materie mit Hilfe von Druck und Hitze in einem Millionen Jahre dauernden Prozeß das Erdöl gebildet hat, das wir heute nutzen. Dieses Verfahren nachzubilden ist im Grunde auch kein Problem, nur waren dafür bisher immer Temperaturen ab 450 Grad notwendig. Mal abgesehen davon, daß das furchtbar aufwendig ist, entstehen dabei auch eine Menge Schadstoffe.

Produktionskosten: 23 Cent pro Liter

Dieses Problem soll das Pulver lösen, das bei Koch als Katalysator dient. "Damit können wir schon bei Temperaturen von 260 bis 360 Grad arbeiten", sagt sein Partner Professor Horst Heimbürge (71). In dem Bereich sollen keine Schadstoffe entstehen: Selbst wenn man als Ausgangsmaterial das berüchtigte PVC verwende, bleibe neben dem Diesel nur harmloses Salz übrig.

Überhaupt: Als Ausgangsmaterial könne man ziemlich alles verwenden. Altöle, Bitumen, Kunststoffe, Küchenfette, Holz, Klärschlamm, Biostoffe, gehäckselter (und möglichst nicht getrennter) Hausmüll. Am Ende komme ein Diesel heraus, der die EU-Norm übertreffe und mit dem man problemlos sein Auto betanken könne. Die Produktionskosten sollen bei 23 Cent pro Liter liegen, für den Autofahrer käme mit Steuern, Vertrieb, Gewinn und so weiter ein Preis zwischen 90 Cent und einem Euro heraus. Käme, das bedeutet: Wenn denn jemand in Deutschland so eine Anlage kauft. 3,6 Millionen Euro kostet die Variante für 500 Liter Diesel pro Stunde, die große Lösung für 2000 Liter 9,2 Millionen. Hierzulande sei die Kapitalbeschaffung allerdings nicht einfach, zudem würden Behörden und Lobbyisten Schwierigkeiten machen. Koch erzählt, er sei mal wegen illegalen Besitzes von Abfallgrundstoffen angeklagt gewesen – und man habe ihm sogar schon Gewalt angedroht.

Noch ist schwer abzuschätzen, was aus seiner Erfindung wird. Einerseits wurde eine gemeinsam mit Bayernoil betriebene Versuchsanlage wegen "fehlender wirtschaftlicher Perspektiven" eingestellt. Andererseits hat Koch eine Anlage nach Mexiko verkauft, die dort bereits betrieben wird. "Und uns liegen weitere Aufträge von über 30 Millionen Euro vor." Ein paar Fragen bleiben jedenfalls offen. Zum Beispiel, wie das feine weiße Pulver eigentlich heißt, um das sich alles dreht. "407", sagt Koch nach einem Moment des Zögerns. Und grinst. Wahrscheinlich hätte er genausogut "4711" sagen können ...

Autor: Alex Cohrs

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