Audi A6 von Norman Hiller

Audi A6 von Norman Hiller (2007) Audi A6 von Norman Hiller (2007)

Audi A6 von Norman Hiller

— 09.08.2007

Skalpell, bitte!

Norman Hiller zählt zu den Promis unter den Schönheitschirurgen – zumindest in der Automobilbranche. Wenn er "liftet", dann richtig. Wie gut dem Golf eine Nierentransplantation steht, zeigte er bereits. Das sollte sich toppen lassen. Der Beweis: ein Audi A6 der Superlative!

Vier Jahre hatte sich Norman Hiller mit seinem Golf beschäftigt. Dann donnerte das Gefährt durch einschlägige TV-Sendungen sowie durch sämtliche Tuning-Blätter. Es war alles in der Szene Denkbare erreicht; eine Steigerung schien nicht mehr möglich. Natürlich reizt es einen in dieser Situation, ein neues Projekt zu starten. Schön, wenn sich rasch ein Käufer für das alte finden lässt. Der lieferte im vorliegenden Fall das erforderliche Startkapital. Etwas erwachsener musste der neue Wagen unbedingt sein. Warum also nicht einmal einen biederen Kombi aus Ingolstadt in den Mittelpunkt umfangreicher Individualisierungsbemühungen stellen? Der "Herr Doktor" kaufte sich also einen S-Line-quattro Jahrgang 2002 mit sechszylindrigem Diesel-Triebwerk und Automatikgetriebe. Zu diesem Zeitpunkt blieben noch genau fünf Monate bis zur Sinsheimer "Car+Sound". Eile war geboten, sodass nichts näherlag, als aus den 180 erst einmal 219 PS zu machen.

Form follows function

Das KW-Gewindefahrwerk Variante 3 mit dem Zusatz "Extrem".

Ein guter Partner für derlei Vorhaben ist KW-Systems. Die Bemühungen des Unternehmens, das ausschließlich mit steckbaren Zusatzmodulen arbeitet, brachten auch ein maximales Drehmoment von stolzen 425 Newtonmetern mit sich. Wird diese Kraft nicht benötigt, kann man sie ganz einfach abschalten oder gegebenenfalls sogar innerhalb kürzester Zeit "rückstandsfrei" ausbauen. Die "Musik" dazu macht eine doppelflutige Sportauspuffanlage von Motive-Automobiltechnik. Sie endet in RS6-Rohren vom Format 130x60 Millimeter. Wer erwachsen wird, weiß Komfort zu schätzen. Den garantiert ein KW-Gewindefahrwerk der Variante 3 auch bei vergleichsweise extremen Tieferlegungen. Die Wahl fiel daher nicht schwer. Zur Aufrüstung der Bremsanlage sollten Greenstuff-Bremsklötze ausreichen.

Um die Audi-Allradtechnik nicht aus dem Konzept zu bringen, bedurfte es vier absolut gleiche Rädergrößen. Die Alus steuerte ASA bei. Sie nennen sich "AR4 Black polished" und messen 9,5x19 Zoll bei einer Einpresstiefe von 35 Millimetern. Zwischen ihnen und den Bremsscheiben klemmen vorn 20 und hinten 40 Millimeter starke Distanzscheiben. Hankook stiftete Reifen des Typs K107, auf deren Flanken "235/35-19" zu lesen ist. Offenbar erinnern sich die "Erwachsenen" unter den Autoschraubern momentan ganz besonders gern an die wilden 80er Jahre. Breit ist angesagt; die alte Devise "form follows function" scheint aktuell wie lange nicht mehr. Allerdings verzichtete Norman Hiller darauf, GFK-Verbreiterungen an seinem Wagen zu verkleben. Er ließ entsprechende Blechteile von Hand anfertigen!

Zwei Welten: GFK und solides Blech

"Herr der vier Ringe": ein gern gesehener Spruch bei den Audi-Tunern.

Ganz ohne Kunststoff ging es natürlich nicht. Doch auch die perfekt den Radläufen angepassten Schweller sind Einzelstücke. Sie haben ihren Ursprung in einem Bausatz von Racedesign. Diesem entstammt auch die Basis der Frontschürze mit dem Single-Frame-Grill, über dem selbst das Blech der Motorhaube nichts mehr mit dem Original zu tun hat. Wer glaubt, ganz unten am Audi-Bug Lichterketten von Obi zu erkennen, der irrt. Hier haben die Herren der vier Ringe lediglich in Sachen Design ein wenig beim Baumarkt geklaut, als sie die Tagfahrleuchten für ihre neuesten Topmodelle entwickelten. Die hintere Stoßstange wurde bislang nur ein einziges Mal hergestellt. Ihre Form ist vollkommen auf das gecleante und unter großem Aufwand mit den LED-Rückleuchten des neuen A6 ausgestattete Heck abgestimmt. Normal ist das nicht. Sehr richtig! Exakt das trifft auch auf den Farbton des Fahrzeugs zu. Ein Meister der Spritzpistole dunkelte den Audi-Perleffektlack etwas ab, bevor der seines Amtes waltete. Folienspezialist CFC schuf die Carbon-Kontraste.

Eine andere Größe des Tuning-Business kümmerte sich um den Innenraum. Kein Geringerer als Sattler Christian Gaber bezog Eigenbau-Armaturenbrett und -Türverkleidungen sowie auch Raid-Silberpfeil-Lenkrad, die vier einzelnen Recaro-Schalen und viele weitere individuelle Ausstattungskomponenten mit S-Klasse-Leder und Maybach-Alcantara. Hier sitzen die teilweise in sogenannter Chromoptik ausgeführten Doppelnähte absolut perfekt! Das allein macht noch keinen Publikumsmagneten auf einer Car-Hi-Fi-Messe. Der sollte schließlich in erster Linie Sinn für einen Aussteller machen. Sinn dafür hat man wiederum bei Clarion. Diese Tatsache führte dazu, dass der bekannte Premium-Hersteller unzählige Multimedia-Komponenten vor der Garage des Norman Hiller abkippen ließ, bei deren Verarbeitung ein junges Unternehmen behilflich war, das zum einen mit dem Logo "Individual Works by Benny" und zum anderen mit hervorragender handwerklicher Arbeit auf sich aufmerksam macht.

Benny rüstete das Show-Car für den Clarion-Auftritt

Auf das Konto der Könner geht neben der instrumentenfreien Armaturentafel und den im wahrsten Sinne des Wortes soundlastigen Türverkleidungen auch die Mittelkonsole zur Aufnahme von Steuereinheit sowie Monitor, eine zweite Mittelkonsole im Fond für ein weiteres Steuergerät und die Mitteltunnelverkleidung, in der Schalter zur Steuerung der Musikanlage – auch kompletter Endstufenkreise – untergebracht sind. Das Klimabedienteil wanderte links unter das Lenkrad, und die Spannungsanzeige nahm den Platz einer Innenleuchte ein. Sämtliche Dekorleisten wurden in die Wagenfarbe getaucht, während Bedieneinheiten und Griffmuscheln schwarzer Klavierlack ziert. Manch einer dürfte sich nun fragen, was ein automobiles Monumentalwerk dieser Größenordnung mit "erwachsen sein" zu tun hat. Eine ganze Menge, denn Liebe – insbesondere die zum Detail – fragt nicht nach dem Alter. Und eine gewisse Reife ist doch schon in der Tatsache zu erkennen, das Norman Hiller in fünf Monaten etwas auf die Räder gestellt hat, wofür er in seinen Anfängen noch vier Jahre brauchte.

Autor: Helmut Horn

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