Audi V8 (1988-1994)

Gebrauchtwagen Audi V8 Gebrauchtwagen Audi V8

Audi V8 (1988-1994)

— 03.02.2004

Fast geschenkt

Vom Vorstand in die Vorstadt: Der Audi V8 hat inzwischen rapide an Wert verloren. Billiger lässt sich kaum eine Luxuslimousine erwerben.

Qualität und Bremsen

Erinnern Sie sich noch an das Ende der Achtziger, als Audi unbedingt schon in der Oberklasse mitspielen wollte? Ähnlich wie VW, die heute mit dem Phaeton Probleme haben, erging es damals auch den Ingolstädtern. Sie bauten zwar ein tolles Auto, doch der Erfolg blieb aus.

Bei Audi brachte erst der Nachfolger A8 den Durchbruch. Was blieb, war eine Luxuslimousine mit V8, Allrad und Top-Ausstattung – die heute zum Preis eines Aldi-Notebooks zu haben ist. Die Angebote beginnen bei rund 1000 Euro. Wer von einem gebrauchten Edel-Audi träumt, sollte zuschlagen. Billiger wird der V8 kaum noch. Und es gibt wirklich gut erhaltene Exemplare.

Sparen klappt aber nur bei der Anschaffung, Ersatzteile und Reparaturen sind selbst für die Oberklasse teuer und übertreffen in einigen Positionen die Preise der Mercedes S-Klasse. Bestes Beispiel: die Bremsanlage. Im V8 verzögert eine von ATE entwickelte innenumgreifende Scheibenbremse an der Vorderachse. Und zwar sehr effizient, die Verzögerungswerte sorgten in jedem Vergleichstest für Aufsehen. Nach etwa 100.000 Kilometern sind neue Scheiben fällig, und für die verlangt der Audi-Partner inklusive Bremsklotzsatz ungeniert 550 Euro.

Findige Schrauber haben bei ihrem V8 ab dem Baujahr 91 die HP2-Bremsanlage von Audi eingebaut, ab Werk verzögert diese in A8 und S6. Nach dem ca. 3000 Euro teuren Umbau soll der V8 zwar noch besser bremsen, doch wir raten von Experimenten ab und vertrauen lieber der Kunst der Audi-Ingenieure.

Motor und Getriebe

Kernstück des Luxus-Liners ist natürlich der Motor. Grundsätzlich gilt der V8 als sehr standfest, nur an Wartung darf nicht gespart werden. Wenn Audi ein Zahnriemen-Wechselintervall vorschreibt, denken sich die Entwickler auch was dabei. Und wer es nicht glaubt, kann bald den Motor entsorgen und sich nach Ersatz umsehen.

Wenn wir schon im Motorraum sind: Der einzige Vorteil des 3.6 ist die geringere Steuerbelastung, der 30 PS stärkere 4.2 fährt wesentlich agiler – leider aber auch kein Kostverächter. 17 Liter sind ein realistischer Alltagswert, und zwar mit teurer 98er Oktanzahl. Dazu kommt noch gelegentlich ein Kanister Öl, denn V8 ohne Schmierstoffverbrauch sind eher selten.

Ein Thema für sich ist das Getriebeöl der Automatik-Audi: Die ersten Fahrzeuge hatten noch einen Prüfstab, doch präzise messen konnte der Fahrer den Pegel nur bei einer bestimmten Öltemperatur. Wer selber Öl nachfüllte, löste damit häufig einen Getriebeschaden aus.

Dennoch kann ein gut gepflegtes Automatikgetriebe lange Freude bereiten, was vom Schalter nicht immer behauptet wird. Tauscht der Bastler eine defekte Schaltbox gegen ein gebrauchtes (und billigeres) Audi-100-Getriebe, darf er bald wieder zum Schraubenschlüssel greifen. Denn das manuelle V8-Getriebe ist verstärkt – und das nicht ohne Grund.

Technik und Marktlage

Selbst der jüngste V8 ist mittlerweile zehn Jahre alt, ein Wechsel sämtlicher Verschleißteile wie Stoßdämpfer, Reifen und Auspuff kann also jederzeit erforderlich sein. Schön, wenn der Verkäufer den Wagen mit neuen Werkstattrechnungen schmackhaft machen kann.

Das Angebot am Gebrauchtwagenmarkt ist noch relativ groß, wobei sich das Angebot in drei Gruppen teilt: top gepflegte Autos aus Erst- oder Zweitbesitz, Gebrauchte mit Reparaturbedarf und – vornehm umschrieben – eine große Anzahl an Teileträgern. Letztere können für Bastler eine lohnende Anschaffung sein, nach nur wenigen Organentnahmen hat sich das Bastelwrack gerechnet. Unsere erste Wahl wäre ein gut gepflegter 4.2, dessen Fahrzeugbrief kaum Eintragungen enthält und der maximal 6000 Euro kosten darf.

Ein Fall für Sammler mit großem Herzen und noch größerer Garage ist der seltene Audi V8 Lang; diese Limousine wurde in Österreich nahezu in Handarbeit hergestellt. Die Gesamtlänge beträgt stolze 5,19 Meter, ein nennenswerter Anteil der Produktion rollt heute durch Moskau. Mit dem Thema Wertverlust ist dieser Audi wohl für immer durch. Von den anfänglichen rund 50.000 Euro hat der V8 mittlerweile rund 93 Prozent verloren. Weiter runter geht es jetzt kaum noch. Für gute Autos ist mittelfristig schon eher mit einer leichten Steigerung zu rechnen.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/88 Mit dem V8 startet Audi in die Oberklasse. Die modifizierteKarosserie stammt ursprünglich vom Audi 100. Motor: 3,6 Liter, 250 PS 7/89 Erste Modellpflege: geschwindigkeitsabhängige Servolenkung (Servotronic), Fünfgangschaltgetriebe mit Torsen-Differenzialsystem 6/92 Leistungsnachschub: Der V8 4.2 (280 PS) bekommt den Motor aus dem Audi 100 S4 4.2 4/94 Produktionsende, der Nachfolger heißt A8

Schwachstellen • die Bremsanlage kann begeistern – wenn sie einwandfrei funktioniert • Reparaturen kommen sehr teuer • Vibrationen der Vorderachse haben ihren Ursprung oft in defekten Radnaben • die Spurstangenköpfe haben mit den Jahren kein leichtes Leben mit der schweren Limousine • das Zahnriemenwechselintervall (3.6: 90.000 km, 4.2: 120.000 km) ist penibel einzuhalten, sonst droht ein teurer Motorschaden • Wartung benötigt auch die ZF-Automatik, ansonsten ist auch hier ein teurer Austausch bei etwa 200.000 Kilometern fällig • eingelaufene Nockenwellen sind vor allem beim 3.6 ein Zeichen von sehr hoher (ab 300.000 km) Laufleistung

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Audi V8 4.2, 206+ kW/280 PS, Baujahr 1994. Probleme mit Motor oder Getriebe machen den V8 rasch zum wirtschaftlichen Totalschaden, Bastler sehen sich besser nach einem Teileträger um.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Wer sich heute für kleines Geld den Oberklasse-Audi in die Garage stellt, sollte stets kostenintensive Reparaturen einkalkulieren. Bereits mittlere Reparaturen übersteigen rasch den Gebrauchtwagenwert, weshalb neben geschickten Schrauber-Händen auch eine ordentliche Portion Begeisterungsfähigkeit nötig ist. Wenn aber alles funktioniert, macht der V8 so viel Vergnügen wie nur wenige Autos aus dieser Zeit. Und keine Angst vor Wertverlust, damit ist der V8 schon durch." Nikolaus Eickmann, Kfz-Mechaniker und AUTO BILD-Redakteur

Modellempfehlung Audi V8 4.2 (206 kW/280 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 455 Euro im Jahr/Euro 1 Testverbrauch: Werksangabe k. A., gemessen 17,0 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (26/504 Euro SB): 1657 Euro. Teilkasko (37/151 Euro SB): 538 Euro. Haftpflicht (23): 1373 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) InspektionKosten: 15.000 Kilometer, etwa 250 bis 450 Euro Wertverlust: Nach zehn Jahren hat der 4.2 rund 93 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis) verloren

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